Regulationstheoretische Ansätze. Vom Fordismus zum Postfordismus


Hausarbeit, 2012

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Regulationstheorie
2.1 Zielsetzung
2.2 Struktur
2.2.1 Akkumulationsregime
2.2.2 Koordinationsmechanismus
2.2.3 Entwicklungszusammenhang

3 Formationen
3.1 Fordismus
3.2 Postfordismus

4 Fazit.

5 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Mit der vorliegenden Arbeit zum Thema „Regulationstheoretische Ansätze: Vom Fordismus zum Postfordismus“ soll eine Theorie vorgestellt werden, die in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts den Eingang in die wirtschaftsgeographische Forschung gefunden hat. Ihre Ansätze wurden ausgehend von marxistischen Ideen von den französischen Sozialwissenschaftlern (Aglietta, Boyer, Lipietz) entwickelt und von anderen westlichen Forschern (Jessop, Hirsch, Bathelt) aufgegriffen. Sie fanden Anwendung auch in anderen Disziplinen wie z.B. Industriesoziologie und Geographie (Vgl. BENKO 1996, S. 187). Ein einheitlicher geschlossener Forschungsansatz existiert jedoch bis heute nicht, d.h. wenn man von „Regulationstheorie“ spricht, dann meint man die gemeinsamen Grundelemente der unterschiedlichen Erklärungsansätze (Vgl. BATHELT, S. 64).

Das Ziel dieser Arbeit ist anhand des Konzepts der Regulationstheorie eine Erklärung des sozioökonomischen Wandels zu geben. Es sollen zunächst die theoretischen Grundlagen der Theorie - ihre Zielsetzung und Struktur - und anschließend die daraus resultierenden Entwicklungsmodelle vorgestellt werden. Dabei geht es in erster Linie darum, zu klären, welche realen wirtschaftsräumlichen Implikationen sich aus dem regulationstheoretischen Forschungsansatz ergeben. Zum Schluss soll anhand der Ausführungen der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die Regulationstheorie als eine Erklärung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und räumlicher Strukturveränderungen eignet.

2 Grundlagen der Regulationstheorie

2.1 Zielsetzung

Die Zielsetzung der Regulationstheorie besteht darin, eine umfassende Erklärung der langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung kapitalistischer Industriegesellschaften zu geben. In erster Linie soll sie erklären, warum relativ stabile Perioden des wirtschaftlichen Wachstums durch Phasen der Entwicklungskrisen abgelöst werden - ohne von einer Zyklizität auszugehen. Dabei werden in ihr Konzept im Gegensatz zur Theorie der Langen Wellen technologische, politische und gesellschaftliche Kontexte einbezogen (Vgl. BATHELT 1994, S. 65).

2.2 Struktur

Die Regulationstheorie betrachtet die wirtschaftlich-gesellschaftliche Struktur einer Volkswirtschaft als ein Komplex, der aus zwei Teilkomponenten besteht - Akkumulationsregime (Wachstumsstruktur) und Koordinationsmechanismus (Regulationsweise). Diese stehen in einer gegenseitigen Wechselwirkung, besitzen jedoch auch eine Eigendynamik, d.h. ihre Verknüpfung ist nicht eineindeutig. Dies hat wiederum zur Folge, dass eine Voraussage der Entwicklung nicht möglich ist, da die Zusammenhänge zwischen Wachstumsstruktur und Regulationsweise nicht deterministisch sind (Vgl. BATHELT 1994, S. 65, 71).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Regulationstheoretische Grundstruktur der wirtschaftlich- gesellschaftlichen Beziehungen in einer Volkswirtschaft (Quelle: BATHELT 1994, S. 66)

2.2.1 Akkumulationsregime

Das Akkumulationsregime (Wachstumsstruktur) bestimmt die Bedingungen, unter denen die Wachstumsprozesse einer Volkswirtschaft erfolgen. Es setzt sich aus zwei Elementen zusammen: der Produktionsstruktur und dem Konsummuster. Zu dem zentralen Bestandteil der Produktionsstruktur gehört das industrielle Paradigma, das durch die in einer Volkswirtschaft vorherrschende Produkt- und Prozesstechnologien definiert wird (Vgl. HAAS/NEUMAIR 2007, S. 82). Durch Basisinnovationen kann ein für längere Zeitabschnitte relativ konstantes Produktionsmuster entstehen, das sich durch eine bestimmte Branchenstruktur sowie charakteristische Formen der Prozess- und Produkttechnologie und der Arbeitsorganisation kennzeichnet (Vgl. KULKE 2006, S. 95f).

Gegenüber der Produktionsstruktur steht das Konsummuster, das hauptsächlich durch Präferenzsysteme, Konsumgewohnheiten, kulturelle Traditionen, Familien- und Haushaltstruktur sowie Einkommensverteilung bestimmt wird. Das Konsummuster wirkt sich auf die Höhe und Zusammensetzung der Nachfragestruktur aus (Vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2002, S. 252).

Die Interaktion zwischen Produktionsstruktur und Konsummuster findet über marktliche und nicht-marktbedingte Austauschprozesse statt (Vgl. HAAS/NEUMAIR 2007, S. 82f).

2.2.2 Koordinationsmechanismus

Der Koordinationsmechanismus (Regulationsweise) umfasst die Organisations- und Steuerungssysteme einer Volkswirtschaft, die u.a. durch Gesetze, Normen, Regeln und Machtverhältnisse bestimmt werden. Er definiert den Handlungsrahmen, innerhalb dessen sich die Austauschprozesse zwischen Produktionsstruktur und Konsummuster vollziehen. Zu den zentralen Akteuren des Koordinationsmechanismus gehören diejenigen Organisationen und Institutionen, die den Handlungsrahmen aushandeln, festlegen, überwachen usw. Die koordinierenden Institutionen bilden ein hierarchisches System, da sie sich in ihren Kompetenzen und Befugnissen unterscheiden. In der Volkswirtschaft steht der Nationalstaat an der Spitze der Hierarchie. Er reguliert durch Gesetze und durch wirtschafts- und gesellschaftspolitische Maßnahmen wie z.B. Finanz-, Konjunktur-, Wettbewerbs-, Arbeitsmarkt-, Regional-, Außenhandelspolitik usw. die marktbedingte und nicht marktbedingte Austauschprozesse innerhalb des Akkumulationsregimes (Vgl. BATHELT 1994, S. 68). Unterhalb der staatlichen Ebene folgen Parteien, Gewerkschaften, Unternehmervertretungen, Verbände, Kirchen, NGOs usw., die ebenfalls eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Koordination spielen. Sie können in die Gesetzgebung eingreifen und Rahmenbedingungen beeinflussen, wie z.B. Verhaltensnormen oder Präferenzen (Vgl. KULKE 2006, S. 96).

2.2.3 Entwicklungszusammenhang

Wenn Akkumulationsregime und Koordinationsmechanismus über einen längeren Zeitabschnitt einen stabilen Entwicklungszusammenhang vorweisen, dann spricht man von einer Entwicklungsphase. Entwicklungsphasen können einem Konjunkturzyklus unterworfen sein - dieser gefährdet jedoch nicht zwangsläufig die Konsistenz der Struktur von Akkumulationsregime und Regulationsweise (Vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2002, S. 254f).

Die Stabilität eines Entwicklungszusammenhangs wird durch verschiedene Ursachen bedroht, die zu einer Entwicklungskrise (strukturelle Krise) führen können. Eine Krise tritt dann auf, wenn tiefgreifende Veränderungen der Wachstumsstruktur und/oder des Koordinierungsmechanismus stattfinden. So stellen Konjunkturschwankungen oder neue Produkte den Fortbestand des Entwicklungszusammenhangs nicht in Frage, aber ein Wandel der Industrieparadigmen oder der gesellschaftlichen Werte sowie exogene Ereignisse wie Energiekrisen oder Naturkatastrophen können durchaus eine Krise hervorrufen (Vgl. KULKE 2002, S. 96f).

Für die Überwindung einer Entwicklungskrise sind neue Produktions-, Koordinations- und Konsummuster erforderlich. Sie müssen neu definiert werden, damit die Akkumulation und Koordination erfolgreich zusammenwirken können. Eine Neudefinition entsteht in zahlreichen Aushandlungs- und Abstimmungsprozessen zwischen verschiedenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren. Durch veränderte bzw. neugeschaffene Institutionen, Produktionsstrukturen und Konsummuster werden die Voraussetzungen für das Herausbilden eines neuen stabilen Entwicklungszusammenhangs geschaffen (Vgl. HAAS/NEUMAIR 2007, S. 83f). Wenn das industrielle Paradigma, das Akkumulationsregime und der Koordinationsmechanismus langzeitlich in sich stimmig sind, dann spricht man von einem Entwicklungsmodell bzw. einer Formation (Vgl. SCHEUPLEIN 2008, S. 153). In der regulationstheoretischen Forschung dominieren vor allem zwei Entwicklungsmodelle - Fordismus und Postfordismus.

3 Formationen der Regulationstheorie

3.1 Fordismus

Die in den westlichen Industriestaaten nach dem Zweiten Weltkrieg eingestellte Entwicklungsphase wird als Fordismus bezeichnet. Die Bezeichnung ist an die in der Automobilindustrie von Henry Ford eingeführte Strukturen zurückzuführen (Vgl. MACINNON & CUMBERS 2007, S. 32).

Das fordistische Akkumulationsregime ist durch eine Massenproduktionsstruktur gekennzeichnet. Auf der Produktionsseite dominiert die Fließbandfertigung, die eine Fertigstellung großer Mengen von Produkten in einzelnen aufeinanderfolgenden Arbeitsschritten ermöglichte. Die Arbeitsorganisation unterliegt somit dem tayloristischen Prinzip, d.h. der Fertigungsprozess ist in einzelne kleine und strukturierte Teilschritte gegliedert, die von gering qualifizierten Arbeitskräften ausgeführt werden. Ebenfalls charakteristisch für die Arbeitsorganisation ist eine vielstufige hierarchische Ordnung, die strikte Zuständigkeiten und geringe Eigenverantwortung der Beschäftigten impliziert.

In fordistischer Formation überwiegen große Betriebseinheiten mit hoher vertikaler Integration (Vgl. KULKE 2007, S. 97f.), d.h. Unternehmen sind darauf ausgerichtet ein Produkt möglichst eigenständig, ohne Rückgriff auf Zwischenprodukte anderer Firmen, herzustellen. Die Betriebe besitzen einfache Einzwecktechnologien, deren Lebensdauer mit der Dauer der Nachfrage der damit hergestellten Produkte einhergeht (Vgl. BATHELT 1994, S. 76). Die Hauptziele der Produktionsorganisation sind dabei das Erreichen von hohen Produktivitätszuwächsen sowie steigenden Skalenerträgen („economies of scale“), d.h. niedrigere Kosten pro Stück durch Massenproduktion (Vgl. KULKE 2007, S. 98). Dieses soll u.a. durch eine effiziente Arbeits- und Prozessorganisation realisiert werden.

Der Produktionsstruktur des Fordismus entspricht ein Konsummuster mit standardisierten Konsumbedürfnissen. Es zeichnet sich durch Massennachfrage nach langlebigen Verbrauchsgütern wie z.B. Autos, Waschmaschinen oder Kühlschränken aus (Vgl. BATHELT/GLÜCKLER 2002, S. 252f.).

Die Regulationsweise der fordistischen Entwicklungsphase wird vor allem auf der nationalstaatlichen Ebene bestimmt. Die Aushandlung der Löhne erfolgt durch Collektive-Bargaining (Tarifverhandlungen) zwischen den Arbeitgebern, Gewerkschaften und dem Staat.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Regulationstheoretische Ansätze. Vom Fordismus zum Postfordismus
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Autor
Jahr
2012
Seiten
13
Katalognummer
V271991
ISBN (eBook)
9783656630388
ISBN (Buch)
9783656630357
Dateigröße
682 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsgeographie, Postfordismus, Fordismus, Regulationstheorie, Akkumulationsregime, Koordinationsmechanismus, Entwicklungszusammenhang, Formationen
Arbeit zitieren
Larissa Smir (Autor), 2012, Regulationstheoretische Ansätze. Vom Fordismus zum Postfordismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271991

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