Die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus

Führte die Verbindung des Kaiserkultes mit dem Kompitalkult zu einer Vergöttlichung des Kaisers?


Hausarbeit, 2014

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1. Der Kompitalkult
2.1.1 Die Geschichte des Kompitalkultes
2.1.2 Die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus
2.1.3 Das Einbinden der unteren Volksschicht in den Kompitalkult
2.2. Die Bilder der Larenaltäre
2.2.1 Der Larenaltar in der Sala delle Muse des Vatikans
2.2.2 Der Larenaltar des Vicus Sandalarius
2.2.3 Der Larenaltar des Vicus Aescleti

3. Fazit

4. Anhang

Die Abbildungen

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Augustus ist als Begründer des Prinzipats in die Geschichte eingegangen und bewies ein hohes Maß an politischem Geschick. Er verstand es wie kein Zweiter seine Herrschaft auszubauen, den Kaiserkult zu verbreiten und Ansehen beim Volk zu gewinnen. Seine Macht wurde besonders durch seine Bauwerke, Denkmäler und deren Bilder sichtbar gemacht. Die Überreste, die uns bis heute erhalten geblieben sind, geben uns Aufschluss über die Stellung des Kaisers. Der schmale Grat zwischen Verehrung und Vergöttlichung des Augustus ist nicht zu übersehen und in der Forschung breit diskutiert.

Diesbezüglich lohnt es sich besonders einen Blick auf die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus zu werfen und zu untersuchen, inwiefern die Verbindung des Kaiserkultes mit dem Kompitalkult zu einer Vergöttlichung des Kaisers führte. Des Weiteren sind auch die Beweggründe für eine Erneuerung des Kultes in Augenschein zu nehmen. Da sich der augusteische Kaiserkult besonders in den Bildern und Monumenten widerspiegelt, lohnt es sich auch, einen näheren Blick auf die Larenaltäre zu werfen.

Zu Beginn der Ausarbeitung wird zunächst einleitend die Geschichte des Kompitalkultes näher beleuchtet. Darauf aufbauend werden die Besonderheiten der Erneuerung des Kultes dargestellt und es wird kurz auf deren Auswirkungen auf die untere Volksschicht eingegangen. Im Folgenden werden drei gut erhaltene Larenaltäre näher betrachtet und deren Bildsymbolik abschließend in einem Fazit bezüglich der Fragestellung ausgewertet.

2. Hauptteil

2.1. Der Kompitalkult

2.1.1 Die Geschichte des Kompitalkultes

Um später einen Bezug zu den Erneuerungen des Kompitalkultes herstellen zu können, wird zunächst näher auf dessen historische Vergangenheit eingegangen.

Der Ursprung des Kompitalkultes ist auf den römischen König Servius Tullius[1] zurückzuführen, der aus dem Sklavenstand stammte.[2] Von Tarquinius Superbus wurde er dann später weiterentwickelt.[3] Der Kompitalkult ist ein Kult der unteren Volksschicht, zu der die Proletarier, Freigelassenen und Sklaven zählten.[4] An dem compitum, dem Knotenpunkt an dem sich zwei Wege kreuzten und wo vier kleine Grundbesitze aneinanderstießen, wurden in kleinen turmartigen Kapellen Altäre errichtet.[5] Die Kapellen waren von allen vier Seiten offen, damit die Laren, die Hausgötter eines jeden Hofes, Zugang erhielten.[6] Die lares compitales, die Schutzgötter der Wegkreuzung, wurden dort verehrt und ihnen Opfer dargebracht.[7] Neben dem compitum wurde später auch das Haus Ort des Larenkultes, wo der lares familiaris Beschützer der Familie wurde.[8]

Die Geschichte der Laren reicht weit bis in die apenninische Zeit zurück und ihr Ursprung ist weder römisch, noch hellenisch.[9] Laut Niebling sei der ländliche Schutzgeisterkult ursprünglich bildlos gewesen, und erst unter dem Einfluss der Griechen seien bildliche Formen entstanden.[10] Die Laren waren von „unerschöpflicher Ubiquität“[11], da sie auf dem Land, in den Häusern, zur See, auf den Wegen und an den Wegkreuzungen vertreten waren und somit lässt sich auf „eine große Anzahl gleichartiger Wesen“[12] schließen. Die beiden Laren wurden wahrscheinlich aufgrund der Symmetrie doppelt dargestellt, um den Plural der Schutzgötter zu symbolisieren.[13] Da die Geschichte der Laren weit in die Vergangenheit zurück reicht, wird davon ausgegangen, dass die Italiker bei ihrer Einwanderung den Kult der Laren von ihren Vorgängern übernommen haben.[14] Die Schutzgötter wurden meist tanzend, verspielt und fröhlich mit einem Trinkhorn dargestellt, wie man zum Beispiel bei den beiden vespasianischen Bronzestatuetten aus dem Lararium der Casa degli Amorini dorati in Pompeji erkennt.[15]

Einmal im Jahr wurden bei der compitalia, dem neujährlichen ländlichen Gemeinschaftsfest zu Ehren der Schutzgeister, Gemeinschaftsopfer in den Kompitalkapellen vollbracht, um schädigende Mächte abzuwehren und Reinigung zu erfahren.[16] Die compitalien fanden ursprünglich zwischen den Saturnalien des 17. Dezembers und 5. Januars über mehrere Tage statt, später wurden sie jedoch nur noch an einem Tag zu Neujahr abgehalten.[17] Wichtig ist auch zu erwähnen, dass die Sklaven die Opfer vollbrachten, denen man ihren Status nicht anmerken durfte und somit an den compitalien als ebenbürtige Bürger akzeptiert wurden.[18]

Die jährliche Feier der unteren Volksschicht bot oft Anlass zu revolutionären Aufständen und politischen Missbrauchsmöglichkeiten und wurde daher ab 64 v. Chr. von den Herrschern zeitweise untersagt.[19] Jedoch bildeten sich die Kompitalvereine immer wieder neu und wurden zum fortwährenden Unsicherheitsfaktor für die römische Regierung.[20] Es wird angenommen, dass bereits Ende des dritten Jahrhunderts v. Chr. die Vereine „Herd der popularis -Agitation“[21] geworden sind. Im Neujahr 60 v. Chr. versuchten die magistri vicorum die Kompitalspiele trotz Vereinsverbots durchzusetzen und Anfang des Jahres 58 v. Chr. hob die lex Clodia das Verbot erneut auf und die Kompitalspiele wurden wieder zugelassen.[22] Auch Caesar befürchtete einen Umsturz und verbot 48/47 v. Chr. erneut die Kompitalvereine und ersetzte die Kompitalspiele durch diverse Volksbelustigungen.[23] Die politische Situation spitzte sich in den Jahren 39 v. Chr. und 22 v. Chr. durch Getreidemangel und Unruhen wiederholt zu, sodass die trotz Verbot weiterhin präsenten Vereinigungen für die Regierung erneut eine Gefahr darstellten.[24] Auch in den folgenden Jahren wurden die Kompitalvereine wiederholt verboten und wieder zugelassen.[25] Diesbezüglich waren die Vereinigungen zu Zeiten des Augustus mehr als lebendig und gegenwärtig.[26]

Wie man sieht, ist eine lange Geschichte des Kompitalkultes zu verzeichnen, die mit ihren Höhen und Tiefen die Unruhen des einfachen Volkes widerspiegelt.

2.1.2 Die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus

Um später untersuchen zu können, inwiefern es sich bei der Verbindung des Larenkultes mit dem Genius Augusti um eine Vergöttlichung des Kaisers handelt, wird nun näher auf die Besonderheiten der Erneuerung des Kompitalkultes eingegangen.

Niebling datierte die Fertigstellung der Erneuerung des Kompitalkultes auf das Jahr 7 v. Chr..[27] Da der Kompitalkult sehr lebendig war, kann nicht von einer Wiederbelebung des Kultes gesprochen werden, sondern vielmehr von einer Erneuerung, die Augustus hier zum Zweck einer „politischen Entgiftung einer gefährlichen Massenbewegung“[28] vornahm.

Als grundlegende Veränderung durch Augustus sei als erstes die Neueinteilung Roms in 14 Regionen zu erwähnen, die dann in insgesamt 265 vici unterteilt wurden.[29] Die einzelnen Regionen wurden von nun an von Beamten verwaltet, die per Los bestimmt wurden.[30] Die vicomagistri wurden von der Bevölkerung des jeweiligen Stadtteils gewählt.[31] Jeder vicus erhielt sein compitum Larum, in dem die Schutzgötter verehrt wurden.[32] Jeder Nachbarschaftsbezirk wurde je vier vicomagistri unterstellt, die meist dem Stand der Freigelassenen angehörten und denen vier ministri dienten, die vorwiegend Sklaven waren.[33] Augustus übertrug den vicomagistri die Pflege des Kompitalkultes und sie erhielten beschränkte Amtsbefugnisse in ihrem Bezirk.[34] Ebenso durften sie „an bestimmten Tagen […] die toga praetexta tragen und sich von zwei Liktoren geleiten lassen“, so Cassius Dio. Zu den Aufgaben der vicomagistri zählten von nun an die Gewichtskontrolle, die Polizeiaufsicht und das Feuerlöschen und somit machte Augustus sie zu „loyalen Parteigängern des augusteischen Regimes“[36]. Augustus baute ebenso die soziale und politische Funktion der v icomagistri geschickt in sein Staatssystem ein[37] und gewährleistete somit das Einbinden der unteren Volksschichten in das politische Geschehen.

[...]


[1] H. H. Scullard, Römische Feste: Kalender und Kult, übersetzt von M. Buchholz, Mainz 1985, S. 88.

[2] E. Simon, Die Götter der Römer, München 1990, S. 122.

[3] Scullard, Römische Feste, S. 88.

[4] D. Kienast, Augustus: Prinzeps und Monarch, Darmstadt 2009, S. 195.

[5] Scullard, Römische Feste, S. 86.

[6] Ebd.

[7] Ebd., S.87.

[8] G. Wissowa, Religion und Kultus der Römer, München 1912, S.168.

[9] Simon, Die Götter der Römer, S. 119.

[10] G. Niebling, Laribus Augusti magistri primi, in Historia 5 (1956), S. 303-331, hier S. 308.

[11] Simon, Die Götter der Römer, S. 120.

[12] Ebd.

[13] Ebd., S. 119.

[14] Simon, Die Götter der Römer, S. 121.

[15] Ebd., S. 120.

[16] U.W. Scholz, Compitalia, in: DNP, Bd. 3, Sp. 110-112, hier Sp.110.

[17] Scullard, Römische Feste, S. 86.

[18] Ebd., S. 89.

[19] Wissowa, Religion und Kultus der Römer, S.172.

[20] Kienast, Augustus: Prinzeps und Monarch, S. 196.

[21] A. Alföldi, Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, Bonn 1973, S. 19.

[22] Ebd., S.20.

[23] Suet. Div. Iul. 39.

[24] Alföldi, Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, S. 21.

[25] Ebd.

[26] Ebd.

[27] Niebling, Laribus Augusti magistri primi, S. 331.

[28] Alföldi, Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, S. 22.

[29] Plin. nat. hist. 3,66.

[30] Suet. Aug. 30,1.

[31] Ebd.

[32] Niebling, Laribus Augusti magistri primi, S. 309.

[33] Alföldi, Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, S. 23.

[34] Ebd.

[35] Cass. Dio 55, 8, 6.

[36] Alföldi, Die zwei Lorbeerbäume des Augustus, S. 23.

[37] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus
Untertitel
Führte die Verbindung des Kaiserkultes mit dem Kompitalkult zu einer Vergöttlichung des Kaisers?
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar AG II: Einführung in die Alte Geschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
19
Katalognummer
V272019
ISBN (eBook)
9783656635659
ISBN (Buch)
9783656635666
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Augustus, Römische Antike, Antike, Laren, Larenkult, Kompitalkult, Kaiservergöttlichung, Kaiser, Vergöttlichung, Rom, Römisches Reich, Octavian, Kaisertum, Kult, Schutzgötter
Arbeit zitieren
Stefanie Poschen (Autor), 2014, Die Erneuerung des Kompitalkultes durch Augustus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272019

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