Heinrich Heines "Lore-ley" und Thüring von Ringoltingens "Melusine". Ein Vergleich


Hausarbeit, 2013

18 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eigenschaften von Wasserfrauen
2.1 Spätmittelalter
2.2 Romantik

3. Heines Loreley
3.1 Lore-ley

4. Thüring von Ringoltingens Melusine
4.1 Melusine

5. Unterschiede und Gemeinsamkeiten

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis
7.1 Primärliteratur
7.2 Sekundärliteratur

1. Einleitung

Heinrich Heine ist ein Dichter der Spätromantik. Er war ein völlig freiberuflicher Autor und der Zweite nach Gotthold Ephraim Lessing, der fast am Schreiben gescheitert wäre, jedoch schaffte er es doch nur von dem Schreiben zu leben. Heine beurteilte seine Position selbst als Anti-Romantiker und äußerte seine Kritik an diese Epoche mit seinem Gedicht „Die Lore-ley“, welche er 1823 verfasste und in seinem ersten Gedichtband „Buch der Lieder“ erscheinen ließ.[1] In Bezug auf „Die Lore-ley“ gibt es zwei verschiedene Interpretationen. Für die einen wird das Gedicht als Selbstliebe verstanden und für andere ist es Heines Auseinandersetzung mit der Romantik. Von keiner anderen Frau wurde das deutsche Volk beeindruckt wie von Loreley. Sie wird als die Vorreiterin der Romantik bezeichnet, welches in folgender Aussage von Minaty in allen Aspekten erklärt wird:

„Sie war einmal Galionsfigur der deutschen Romantik. Sie wurde zum Erotikon deutscher Philister. Sie war die Verkörperung libidinöser Zwangs-, Traum- und Wahnvorstellungen. Sie konnte jedes für sich und alles auf einmal sein: Spiegelbild einer unschuldigen Dämonin, eines lieblichen Dämchens, einer abgefeimten Zauberin einer melancholischen Würgerin, eines männermordenden Unschuldsengels. Mithin, als wären es deren drei: Lulu, Lola, Lilith.“

Heine war nicht der Erste, der sich mit der Gestalt der Lore-ley beschäftigte. Clemens Brentano übertrug als Erster den Felsnamen auf eine weibliche Gestalt in der 1801 geschrieben Ballade „Zu Bacharach am Rheine“ aus dem Roman „Godwi“, in der „Lore Lay“ eine Hexe ist. Nachdem Brentano in seiner Ballade von Loreley schrieb, wurde sie von vielen verschiedenen Autoren verschriftet. Künstler, Musiker und Schriftsteller, wie Otto Heinrich Graf von Loeben oder Joseph von Eichendorf und viele mehr, befassten sich auch mit dieser weiblichen Gestalt. Die weit verbreitete Fassung ist die von Heinrich Heine, die auch von Friedrich Silcher vertont wurde, in der Lore-ley als eine Art Nixe wiederrum aber auch als eine Sirene behandelt wird.[2] Nixen und Sirenen gehören zu dem Themengebiet der Wasserfrauen, wovon die vorliegende Arbeit handeln wird. Im Folgenden werden zwei Wasserfrauen verglichen:

- Thüring von Ringoltingens „Melusine“
- Heines „Lore-ley“.

Zunächst werden „Lore-ley“ und „Melusine“ in ihren eigenen Themen und Abläufen behandelt, anschließend werden Wasserfrauen im Allgemeinen aus dem Spätmittelalter und der Romantik gegenübergestellt. Abschließend werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser beiden Wasserfrauen diskutiert.

2. Eigenschaften von Wasserfrauen

2.1 Spätmittelalter

In der Antike finden sich verschiedene Typen von Sagengestalten, insbesondere weibliche Gestalten, die in enger Verbindung mit dem Wasser stehen, sogenannte Wasserfrauen, die Beate Otto „große Mütter“ nennt.[3] Diese sind z.B. die Nymphen, und die Sirenen. Sirenen stehen mit ihren todbringenden Verlockungskünsten für die negativen Eigenschaften. Sie galten mit ihrer äußeren Erscheinung als abscheulich, bekamen aber später durch einen Wesenswandel sexuelle Elemente zugeschrieben, wie z.B. einen attraktiven Oberkörper und wurden bewundert.[4] Das gefällige Gegenteil dazu stellen Nymphen dar. Außer ihrer Eigenschaft in die Zukunft sehen zu können, welches eine Gemeinsamkeit mit den Sirenen ist, wurden sie als Geberinnen der Fruchtbarkeit akzeptiert.[5] Die Nymphen wurden im Laufe der Jahrhunderte im deutschen Sprachraum zur Nixe und verloren die meisten ihrer positiven Attribute. Wichtig erscheint noch, dass Sirenen und Nixen keine Namen besaßen und nicht gesonderte Charaktere hatten, daraus ist zu verstehen, dass sie sich alle in vielen Eigenschaften ähnelten. Die Beziehungen zwischen diesen Gestalten und Männern waren fast immer durch eine Bedingung oder einem Verbot gekennzeichnet. Sie endeten fast ausnahmslos mit einer Bestrafung des männlichen Charakters, welches meist eine Kastration, der Tod war oder in Form einer Erblindung durchgeführt wurde. Wir finden eine ganze Reihe von solchen gewaltigen Bestrafungen in der Literatur und Geschichte. Beispielsweise: die Bedrohung des Hirten Anchises durch Aphrodite mit dem Wetterstrahl des Zeus, die tötende Artemis, die Göttin Kybele, wegen der Attis, der Sohn der Flussnymphe Nana, für immer ein Knabe blieb und viele weitere ähnliche Bußen.[6]

Melusine gehört zu den namenlosen Wasserfrauen der Antike, die ihre Namen, genauso wie die Undinen, später erhielt. Diese schlangengeschwänzte Frau, die immer nur temporär die Form einer sterblichen Figur annimmt, ist eine Mischung aus einer Meerfee und einem fliegenden Drachen. In ihrem natürlichen Aussehen als Drache, Schlange oder Fischfrau wirkt Melusine beängstigend auf Männer. Es stellt sich hiermit heraus, dass Melusine eine gemischte Erscheinung ist, in der sich unterschiedliche Ansichten gesammelt haben. Der Kern dieser Unterschiede ist nach Inge Stephan „das Wunsch–und Schreckbild einer elementaren Weiblichkeit“[7]

Zu den wichtigen und aussagekräftigen Eigenschaften zählt die Kombination von einem Schlangenschwanz mit der Frau, wie man sie bei Melusine antrifft. Diese Kombination galt als Zeichen für die Sünde des ersten Menschenpaares und verkörpert durch den Schwanz des Tieres die Angst des Mannes vor der Liebeskunst der Frau.[8] Eine weitere Zusammensetzung ist die Verbindung von Frau und Fischen. Der Fisch steht für die menschliche – christliche Seele, dass durch die Wasserfrauen, aus Weltlust, vernichtet werden soll.[9]

2.2 Romantik

Mit der Verbreitung des Christentums, vermehrte sich die Einflussnahme religiöser Aspekte auf schriftliche Werke, die von Wasserfrauen handeln. Diese Einwirkung führte im Laufe der Zeit dazu, dass sich der mythische Stoff änderte. Der dämonische Charakter der Feen, Nixen und Sirenen änderte sich. Romantische Verfasser griffen dabei nicht auf an „antike Nymphen- und Sirenenmotivik“ an, sondern auf viel ältere Traditionen, wie Beispielsweise den Melusinen-Stoff. Wasserfrauen erhielten auch wenn es selten war, ähnlich wie im Spätmittelalter, Namen.[10] Die Welt der Mythen wurde wieder belebt in der Romantik. „Erzählungen aus Tausend und einer Nacht“ gaben Inspiration, vorhandene Werke, wie Märchen, Gedichte und Sagen mit dem Thema Aberglaube umzuändern.[11]

„Die Verarmung der rationalisierten Welt der Aufklärung mündete in die romantische Wiederentdeckung des Elementarhaften und Phantastischen, die mit einem neuen Interesse für die Gestalt der Wasserfrau einherging. Altbekannte Gestalten wie die Melusine oder die Donaufrauen des Nibelungenliedes wurden wiederentdeckt, und neue Wasserfrauen wie Fouqués Undine, die Loreley und Wagners Rheintöchter wurden neben zahlreichen namenlosen Nixen neu erschaffen“ [12]

Die charakteristischen Aspekte der Romantik waren die Fantasie, Liebe, Utopie und die Einbindung der Natur in alle gedichteten und geschriebenen Gefühle, die man in Beziehung mit dem Menschen setzen konnte. Für die Dichter der Romantik war die Natur „beseelt, das galt sowohl für die belebte als auch für die unbelebte Materie“.[13] Dichter und Autoren der Romantik, ließen sich vom Mittelalter, der Renaissance und dem Barock inspirieren und schrieben Übersetzungen von Texten aus älteren Epochen. Besonders gefragt war der Melusinen-Stoff von Thüring von Ringoltingen.[14] Beate Otto nennt dieses Interesse an älteren Texten die „Remythisierung des Wasserfrauen-Bildes“[15] Sehr wichtig in der Romantik ist die Novelle von Friedrich de la Motte Fouqué, die von einer romantischen Liebeserzählung und Undines Beziehung zur Natur handelt.[16]

In der Romantik entstand eine Verstärkung der männlichen Überlegenheit und die daraus folgende zunehmende Abhängigkeit einer Frau vom Mann, beziehungsweise von der Ehe sowie eine langsame Herausbildung der verführerischen, magischen und besonders attraktiven Frau.[17] Verführerisch und magisch wird hier nicht mehr als tödlich oder bestrafend verstanden, sondern auf den Körper bezogen.

3. Heines Loreley

Die Ballade „Lore-ley“ ist in zwei Punkten zu betrachten. Der Erste ist die Entstehung, die auf Brentano zurückzuführen ist und der zweite Punkt ist Heines Ballade, die aus sechs Strophen besteht, die jeweils vier Verse haben und im Kreuzreimschema geschrieben sind. Die erste und sechste Strophe bilden einen Rahmen, welches an dem Wort „Ich“ zu Beginn dieser Strophen deutlich wird. In der ersten Strophe ist eine Ich-Instanz vorhanden, die sich an etwas erinnert. In der zweiten Strophe wird der romantische Aspekt dargestellt, indem die Natur kunstvoll dargestellt wird. Es ist so genau beschrieben, sodass man sich schnell ein Bild davon machen kann. In der dritten und vierten Strophe wird die Lore-ley Figur behandelt. Hier besitzt die dritte Strophe eine sehr zentrale Funktion, weil hier Gegensätze vorhanden sind, welche die Frage: „Wer ist Lore-ley?“ entstehen lassen, In der fünften Strophe kommt die Katastrophe, von der es in diesem Gedicht, aber auch in Bezug auf die Gestalt der Lore-ley, handelt. Die Schiffsunglücke der Schiffer sind in der vorletzten Strophe zu finden.[18]

[...]


[1] Vgl. Xu, Pei, 1966: Frauenbilder der Romantik: Sophie Mereau-Brentano, Karoline von Günderrode, Annette von Droste-Hülshoff, Clemens Brentano, Joseph von Eichendorff, Heinrich. Düsseldorf: Grupello 1997, S. 142.

[2] Vgl. Minaty, Wolfgang: Die Loreley: Gedichte, Prosa, Bilder. - Frankfurt am Main: Insel-Verl. 1988, S. 9.

[3] Vgl. Otto, Beate: Unterwasser-Literatur: von Wasserfrauen und Wassermännern. - Würzburg: Königshausen & Neumann 2001, S. 26.

[4] Vgl. Ebd. S. 29.

[5] Vgl. Gutierrez Köster, Isabel: „Ich geh nun unter in dem Reich der Kühle, daraus ich geboren war…“ zum Motiv der Wasserfrau im 19. Jahrhundert. Berlin: Logos-Verlag., 2001, S. 45.

[6] Vgl. Ebd. S. 46-47.

[7] Vgl. Stephan, Inge: Inszenierte Weiblichkeit: Codierung der Geschlechter in der Literatur des 18.

Jahrhunderts. – Köln 2004, S. 220.

[8] Vgl. Gutierrez Köster, Isabel 2001, S. 28.

[9] Vgl. Otto, Beate 2001, S. 33.

[10] Vgl. Stephan, Inge 2004, S. 219-220.

[11] Vgl. Gutierrez Köster, Isabel 2001, S. 74.

[12] Vgl. Ebd. S.75.

[13] Vgl. Malzew, Helena: Menschenmann und Wasserfrau: ihre Beziehung in der Literatur der deutschen Romantik. - Berlin: Weißensee-Verl. 2004, S. 59.

[14] Vgl. Ebd. S. 57.

[15] Vgl. Otto, Beate 2001, S. 56.

[16] Vgl. Malzew, Helena 2004, S. 93-95.

[17] Vgl. Otto, Beate 2001, S. 70.

[18] Vgl. DHA, Bd. 1/1, S. 206f. (Hier nach: http://www.hhp.uni-trier.de)

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Heinrich Heines "Lore-ley" und Thüring von Ringoltingens "Melusine". Ein Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
3,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
18
Katalognummer
V272028
ISBN (eBook)
9783656635710
ISBN (Buch)
9783656635703
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
heinrich, heines, lore-ley, thüring, ringoltingens, melusine, vergleich
Arbeit zitieren
Turgut Uzun (Autor), 2013, Heinrich Heines "Lore-ley" und Thüring von Ringoltingens "Melusine". Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272028

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