Die Außenpolitik der USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts

Zum Spannungsverhältnis der USA mit der Republik Mexiko


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die amerikanische Außenpolitik
1.1 Ihre Merkmale
1.2 Ihre Auswirkungen
1.2.1 Der Vertrag von Adams-Onís im Jahre 1819
1.2.2 Die Unabhängigkeit Texas 1836

2. Die Auseinandersetzungen mit Mexiko
2.1 Die Annexion Texas 1945
2.2 Der Mexikanisch-Amerikanische Krieg (1846-48)

3. Resümee

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Kriege zur Zeit von Napoleon Bonaparte (Koalitionskriege) in Europa bewirkten einen protektionistischen außenpolitischen Kurs der amerikanischen Präsidenten George Washington, John Adams, Thomas Jefferson und James Madison, um die Schifffahrtsrechte und andere amerikanische Interessen zu verteidigen. In seiner Abschiedsrede im Jahre 1796 forderte der scheidende erste Präsident der USA seine Nachfolger auf, Amerika bündnisfrei zu halten, damit es mit allen europäischen Mächten freien Handel betreiben könne. Unter der Präsidentschaft von Jefferson erfolgte im Jahre 1803 der außenpolitisch folgenträchtige Kauf des französischen Kolonialbesitzes Louisiana um 15 Millionen damaliger US-Dollar, dem Napoleon überraschend schnell zugestimmt hatte. Damit hatte Jefferson vor allem den Vorstellungen der Siedler in Kentucky und Tennessee entsprochen, eine Ausweitung des amerikanischen Staatsgebietes wäre ein Naturrecht. Von 1812 bis 1814 kam es zu einem zweiten Krieg gegen die britische Krone unter dem Präsidenten Madison (auch als Mr. Madisons War benannt), der mit seiner Kriegserklärung an Großbritannien im Juni 1812 die tatsächliche Kontrolle über den „alten“ Nordwesten östlich des Mississippi herstellen und die merkantilistischen Handelsbeschränkungen mit dem britischen Kolonialreich abbauen wollte. Jedoch scheiterten mehrere Versuche, Kanada zu besetzen, und im Laufe der Kriegshandlungen konnte keine Seite einen entscheidenden Vorteil erzielen, sodass bei den Friedensverhandlungen im flämischen Gent im Dezember 1814 der Status Quo festgeschrieben wurde. Außerdem konnten die amerikanischen Unterhändler keines ihrer Kriegsziele wie z.B. die Verpflichtung Großbritanniens, die Rechte Neutraler auf See zu respektieren, erreichen, aber immerhin erwies sich die Einsetzung einer britisch-amerikanischen Kommission zur späteren Definition der umstrittenen Grenzgebiete zwischen den USA und dem britischen Kanada als erfolgreich.1

Aufgrund vermehrter Interventionen europäischer Mächte am amerikanischen Kontinent zu Beginn der 1820er Jahre veranlasste den Präsidenten Monroe, einen Alleingang in der Außenpolitik einzuschlagen und erklärte die USA zur Schutzmacht des amerikanischen Doppelkontinents. Er teilte diese Entscheidung dem Kongress in seiner Jahresbotschaft 1823 mit, die als sog. Monroe-Doktrin der amerikanischen Außenpolitik in die Geschichtsbücher eingegangen ist und eine machtpolitisch mit Sicherheitsinteressen der USA begründete Aufforderung an die europäischen Kolonialmächte, nicht mehr aktiv in Lateinamerika zu intervenieren, darstellt. Im Jahre 1904 erweiterte der Präsident Roosevelt die Monroe-Doktrin um die aktive Schutzmachtfunktion, um die amerikanischen Interventionen in den lateinamerikanischen Ländern zu rechtfertigen.2

Der Präsident Andrew Jackson befürwortete während seiner Amtszeit, die Provinz Texas der seit 1821 unabhängigen ehemaligen spanischen Kolonie Mexiko der Union einzugliedern, da die Präsidenten der 1824 gegründeten Republik Mexiko auch Bürgern der USA und Einwanderern aus Europa günstigen Landerwerb in Texas ermöglichten, da sie nur etwa 52.000 nicht-indianische Einwohner hatte. „Die zugewanderten Yankees erwiesen sich bald als Eroberer. Ihr bewaffneter Kampf von 1836 gegen die mexikanische Armee wird von der heute in Texas dominanten Gründungsgeschichte ‚The Texas Revolution‘ genannt, als Verteidigung der Freiheit gewertet und ebenso gefeiert wie der Unabhängigkeitskrieg von 1776 gegen Großbritannien.“3 Nach der Unabhängigkeit Texas von Mexiko im Jahre 1836 wurde es schließlich gegen den Willen der mexikanischen Regierung entsprechend dem Wunsch der Siedlermehrheit von den USA annektiert und als Staat in die Union aufgenommen. Die Annexion Texas im Jahre 1945 löste den sog. Mexikanisch- Amerikanischen Krieg (1846-48) aus, der mit dem Verlust des Staatsgebietes Alta California und Nuevo México durch den Vertrag von Gaudalupe Hidalgo im Februar 1848 für Mexiko endete. Die Expansion nach Westen bzw. bis zum Pazifik der USA verstärkte noch mehr den Süd-Nord-Konflikt über die Ausdehnung der Sklavenhaltung nach Westen, was schließlich zu Beginn der 1860er Jahre zur militärischen Auseinandersetzung zwischen den Nordstaaten und den Südstaaten führen sollte.4

1. Die amerikanische Außenpolitik

1.1 Ihre Merkmale

Das wesentliche Merkmal der Außenpolitik der USA seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1776 war die Expansion nach Westen, wobei im Frieden von Paris 1783 nicht nur die Unabhängigkeit der 13 Kolonien von Großbritannien, deren Siedlungsgrenze im Jahre 1763 seitens der britischen Krone auf das Gebiet bis zur Wasserscheide der Appalachen begrenzt worden war, sondern auch eine Verdoppelung des Staatsgebietes bis zum Mississippi beschlossen wurde. Im Jahre 1803 konnte im Louisiana Purchase (Verkauf des seit 1800 wieder französischen Kolonialgebietes durch Napoleon Bonaparte um 15 Millionen Dollar, das einem heutigen Kaufwert von 475 Millionen Dollar entspricht) das Staatsgebiet noch einmal verdoppelt werden, nämlich um das riesige Gebiet zwischen Mississippi und den Rocky Mountains.

Im Jahre 1812 brach eine militärische Auseinandersetzung mit dem britischen Königreich aus, da die US-Regierung Kanada ihrem Staatsgebiet einverleiben wollte und die britische Krone die Möglichkeit sah, wenigstens einige Teile des ehemaligen Kolonialbesitzes wieder zurückzugewinnen. Der Friede von Gent im Dezember 1814 stellte lediglich den Zustand vor dem Krieg wieder her, weil sich keiner entscheidend militärisch durchsetzen konnte. Der elf Artikel umfassende Vertrag von Gent war stark von versöhnlichen Tönen gekennzeichnet und sah eine friedliche Regelung strittiger Grenzfragen durch Schiedskommissionen vor. So beginnt der Vertrag mit folgenden einleitenden Worten: „His Britannic Majesty and the United States of America desirous of terminating the war which has unhappily subsisted between the two Countries, and of restoring upon principles of perfect reciprocity, Peace, Friendship, and good Understanding between them, (…)“ und gleich zu Beginn des ersten Artikels wird diese versöhnliche Geste noch verstärkt: „There shall be a firm and universal Peace between His Britannic Majesty and the United States, and between their respective Countries, Territories, Cities, Towns, and People of every degree without exception of places or persons.“5

Im Jahre 1818 erfolgte als Folge des Friedensschlusses von Gent im Rahmen einer Konvention mit Großbritannien die Grenzziehung im Norden von den Großen Seen bis zu den Rocky Mountains gegenüber Kanada entlang des 49. Breitengrades, während das Gebiet weiter westlich und nördlich bis zum 54. Breitengrad (Oregon- Territorium) zunächst gemeinsam von den Briten und Amerikanern verwaltet wurde. Im Jahre 1819 musste das Königreich Spanien im Transkontinentalen Vertrag (Vertrag von Adams-Onís) den 42. Breitengrad als Südgrenze des Oregon- Territoriums anerkennen und im Süden Florida an die USA verkaufen, da bereits Teile Floridas schon seit 1810 bzw. 1813 durch amerikanische Militärverbände besetzt waren. Auch mit dem russischen Zarenreich unter Alexander I., das schon wiederholt von Alaska aus Besitzansprüche auf dem nordamerikanischen Kontinent erhob, kam nach längeren Verhandlungen im Jahre 1824 ein Vertrag zustande, in dem „die noch heute geltende Südgrenze Alaskas festgelegt wurde. Das Oregon- Territorium blieb damit als anglo-amerikanisches Kondominium erhalten“6. Im Laufe der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bewirkten Siedlungsdruck, Krieg und der expansive Zeitgeist die Expansion zum Pazifik: im Jahre 1846 kam es zur Teilung des Oregon-Gebietes zwischen Großbritannien und den USA, sodass nun die Nordgrenze bis zum Pazifik auf dem 49. Breitengrad verlief. Im selben Jahr brach ein militärischer Konflikt mit der Republik Mexiko aus, da sich die Expansionsvorhaben im Südwesten auf mexikanisches Staatsgebiet erstreckten. Mexiko war 1821 von Spanien unabhängig geworden und hatte mit billigen Bodenpreisen amerikanische Siedler in seine Teilprovinz Texas gelockt. Diese Entwicklung bewirkte, dass sich Texas im Jahre 1836 von Mexiko lösen und mit der Unabhängigkeitserklärung sein Staatsgebiet verdreifachen konnte, indem es seine West- und Südgrenze an den Rio Grande vorgeschoben hatte. Mit der Annexion von Texas im Jahre 1845 kam es nun zu Grenzstreitigkeiten mit Mexiko, die in den sog. Mexikanisch-Amerikanischen Krieg (1846-48) mündeten. Aufgrund des verlorenen Krieges musste Mexiko im Vertrag von Guadalupe Hidalgo den Verlust der Hälfte des Staatsgebietes akzeptieren, nämlich seine Territorien Kalifornien und Neu-Mexiko, welche die Gebiete der heutigen US-Staaten Nevada, Utah, Neu- Mexiko, Arizona sowie Teile Colorados und Wyomings entsprechen. Somit waren die USA Mitte des 19. Jahrhunderts eine pazifische Macht geworden und ihre weitere Expansion Richtung Ostasien und Karibik vorgezeichnet. In den 1850er Jahren erfolgten die Öffnung Japans für den Handel sowie Handelsverträge mit China, und durch den wachsenden Einfluss auf Hawaii und Samoa, vor allem aber durch den Erwerb von Alaska vom russischen Zarenreich im Jahre 1867, verstärkten die USA ihre Präsenz im Pazifik, während alle Versuche, Gebiete in der Karibik zu annektieren wie z.B. Kuba, Panama oder Nicaragua am Widerstand von Großbritannien sowie an innenpolitischen Differenzen scheiterten.7 Ein zweites Merkmal amerikanischer Außenpolitik war die Deutung dieser Expansion durch die Amerikaner selbst, nämlich „ihr Versuch, diesem einmaligen weltgeschichtlichen Vorgang einen religiösen und geschichtsphilosophischen Sinn zu geben und ihre Taten durch die Idee einer besonderen Sendung zu rechtfertigen.

(…) Die Idee einer besonderen Sendung gehört seit der Gründung der Nation zum selbstverständlichen Bestandteil der politischen Kultur der USA“8.

1.2 Ihre Auswirkungen

Im Jahre 1809 folgte James Madison seinem Vorgänger Jefferson im Präsidentenamt, wobei der 1803 wieder in Gang gekommene Krieg zwischen Frankreich und Großbritannien auch Amerika nicht unberührt ließ. „Die napoleonische Kontinentalsperre und die parallele britische Seeblockade des Kontinents hatten zum Ziel, den Gegner wirtschaftlich auszuhungern. Von 1804 bis 1807 brachten die Briten über tausend amerikanische Handelsschiffe auf, und die Franzosen kaperten immerhin halb so viele.“9 Die neue Regierung unter Madison versuchte den Handel mit Großbritannien und Frankreich einzuschränken und mit Verträgen zu regeln, doch bewirkten alle dahingehenden Versuche seitens der Madison-Administration keinerlei Änderung im britischen Verhalten auf See und in den Fragen des Handels. Durch das politische Erstarken der Gebiete westlich der Appalachen gelang es einer von dort stammenden Gruppe junger Republikaner in die bisher vom Osten beherrschten Machtzentren des Kongresses vorzudringen, zu denen auch Leute aus den Südstaaten stießen. Neben der ungelösten Florida- Frage galt ihre Sorge „weniger den Rechten der Einzelstaaten als einer starken Exekutive in Washington, welche die Belange der Nation wahren und allen Widersachern die Macht der geballten amerikanischen Faust zur Kenntnis bringen würde“10. Diese Gruppe wurde als sog. „Kriegsfalken“ (war hawks) bezeichnet, da sie in vehementer Weise Krieg mit den Indianern, Briten und Spaniern forderte. Im Jahre 1810 war Madison ihren Forderungen eines Waffenganges im Südwesten mit Zielsetzung Florida nachgekommen, und ein Teil von Westflorida wurde ohne nennenswerten spanischen Widerstand annektiert.11

1.2.1 Der Vertrag von Adams-Onís im Jahre 1819

Während der Nachkriegsausgleich mit Großbritannien noch ein Verdienst der Madison-Administration war, so gelang es der Monroe-Administration mit ihrem Außenminister John Quincy Adams, ein prestigeträchtiges Übereinkommen mit dem Königreich Spanien zu erzielen. „Als Vorwand, der den Griff nach Florida rechtfertigte, dienten die Gewalttätigkeiten der Seminolen, die von der spanischen Garnison nicht im Zaum gehalten wurden.“12 Im Jahre 1818 rückte General Jackson mit einer Milizstreitmacht zur Bestrafung der Seminolen nach Florida vor, was zwar die Position von Adams, der gerade mit dem spanischen Gesandten Luis de On í s verhandelte, verschlechterte, aber auch der durch die napoleonischen Kriege geschwächten spanischen Krone ihre Ohnmacht bewies. Im Jahre 1819 kam es zum sog. Adams-Onís-Vertrag, wonach die USA für 5 Millionen Dollar Florida von Spanien kaufte und ihre Südwestgrenze festgelegt wurde, die noch Texas der spanischen Krone ließ und entlang des Arkansas River bis zum Gebirge verlief, von wo der 42. Breitengrad die weitere Grenze zum Pazifik hin bildete.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die Grenzziehung von 1819 zwischen Spanien und den USA14

[...]


1 Vgl. Adams, Die USA, S. 61ff.

2 Vgl. Adams, Die USA, S. 63f.

3 Ebd., S. 67.

4 Vgl. ebd., S. 67.

5 Zit. nach http://www.ourdocuments.gov/doc.php?doc=20&page=transcript (Zugriff: 21.01.2014).

6 Sautter, Geschichte, S. 137.

7 Vgl. Junker, Power and Mission, S. 15ff.

8 Junker, Power and Mission, S. 17.

9 Sautter, Geschichte, S. 129.

10 Ebd., S. 127.

11 Vgl. ebd., S. 127f.

12 Sauter, Geschichte, S. 136.

13 Vgl. ebd., S. 136f.

14 Siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Adams-Onis-Vertrag (Zugriff: 30.12.2013).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Außenpolitik der USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
Untertitel
Zum Spannungsverhältnis der USA mit der Republik Mexiko
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt  (Geschichte)
Veranstaltung
Seminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V272045
ISBN (eBook)
9783656641711
ISBN (Buch)
9783656641704
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
USA, Republik Mexiko, Außenpolitik, 19. Jahrhundert, Mexikanisch-Amerikanischer Krieg
Arbeit zitieren
DI MMag Fabian Prilasnig (Autor), 2014, Die Außenpolitik der USA in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272045

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