Was Flaubert auszeichnet, dass er unter Zeitgenossen und Kollegen eine außergewöhnliche Stellung hinsichtlich des Realismus einnimmt und inwiefern er stilistisch vorgeht um diese zu erreichen, wird in der folgenden Ausarbeitung das Thema sein. Als Übersicht werden zunächst kurz die Anfänge der Epoche des Realismus zusammengefasst. Anschließend werde ich exemplarisch auf einige ausgewählte Szenen aus seinem Werk Madame Bovary – Moers de Province eingehen um seinen individuellen und als innovativ bezeichneten Schreibstil zu verdeutlichen, der eine neue Kunst der Sichtbarwerdens beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Der Realismus in der Literatur
2.2 Flauberts realistischer Schreibstil am Beispiel von Madame Bovary
2.3 Erste Visualisierung von Charles Bovary
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die literarische Technik Gustave Flauberts, in seinem Roman Madame Bovary vor dem Hintergrund des Realismus eine visuelle Qualität zu erzeugen, die beim Leser bildhafte Vorstellungen evoziert, ohne dabei auf externe Illustrationen angewiesen zu sein.
- Die literarische Epoche des Realismus und deren Abgrenzung zur Romantik.
- Flauberts innovativer, detailreicher Schreibstil und dessen beabsichtigte Wirkung.
- Die psychologische Dimension der Beschreibung von Figuren und Gegenständen.
- Die Rolle der "Erlebten Rede" als narratives Mittel zur Objektivierung.
- Die kritische Haltung des Autors gegenüber einer visuellen Umsetzung seines Werkes.
Auszug aus dem Buch
2.3 Erste Visualisierung von Charles Bovary
Beispielhaft soll dieser detailreiche und überzogene Schreibstil nun an der ersten Beschreibung von dem jungen Charles Bovary verdeutlicht werden. Diese Textstelle findet sich zu gleich zu Beginn des ersten Kapitels. Bevor jedoch darauf eingegangen wird, sollte geklärt sein, was Flaubert mit dieser übertriebenen literarischen Verbildlichung bewirken will. Flaubert geht es an und für sich nicht darum ein genaues Bild von der jeweiligen Sache zu erstellen, sodass man es zu Papier bringen könnte. Dagegen spricht er sich selbst explizit aus, da durch eine Verbildlichung dessen was bzw. worüber er schreibt, die individuelle Vorstellungskraft verloren gehe.
« Jamais, moi vivant, on ne m'illustrera, parce que la plus belle description littéraire est dévorée par le plus piètre dessin. Du moment qu'un type est fixé par le crayon, il perd ce caractère de généralité, cette concordance avec mille objets connus qui font dire au lecteur : « J'ai vu cela » ou « Cela doit être ». Une femme dessinée ressemble à une femme, voilà tout. L'idée est dès lors fermée, complète, et toutes les phrases sont inutiles, tandis qu'une femme écrite fait rêver à mille femmes. Donc, ceci étant une question d'esthétique, je refuse formellement toute espèce d'illustration. […] En résumé : Je suis inflexible quant aux illustrations » (Flaubert à Ernest Duplan, le 12 juin 1862)
Er verbot sogar eine theatrale Umsetzung seines Werkes, da dies die Imagination der Betrachter ebenso beeinflusst und anschließend alle die gleichen Bilder im Kopf haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie Flaubert durch seinen Schreibstil Dinge in der Literatur sichtbar macht und sich damit als Wegbereiter des Realismus positioniert.
2. Hauptteil: Der Hauptteil erläutert die theoretischen Grundlagen des Realismus, analysiert Flauberts Erzählweise anhand seines Romans und untersucht die spezielle, oft als lächerlich inszenierte, Figurendarstellung von Charles Bovary.
3. Fazit: Das Fazit resümiert, dass Flaubert durch seine spezifische Wortwahl "geschriebene Bilder" erschafft, die den Leser emotional beeinflussen, weshalb er visuelle Adaptionen seines Werkes strikt ablehnte.
Schlüsselwörter
Gustave Flaubert, Madame Bovary, Realismus, Literaturwissenschaft, Sichtbarkeit, Schreibstil, Charles Bovary, Erlebte Rede, Visualisierung, Literaturgeschichte, Romananalyse, Romantik, Objektivität, Figurenzeichnung, Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die literarische Methode Gustave Flauberts, mit der er in seinem Roman Madame Bovary die Realität durch eine spezifische, visuelle Sprache darstellt, ohne dabei auf externe Illustrationen zurückzugreifen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder umfassen die Definition des Realismus, die Analyse von Flauberts Schreibstil, die Bedeutung der Figurenbeschreibung am Beispiel von Charles Bovary sowie Flauberts Haltung zur visuellen Adaption seiner Texte.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Flaubert durch "Sichtbarmachung" mittels Sprache eine eigene Realität kreiert, die über bloße Beschreibung hinausgeht und den Leser zur aktiven Imagination anregt.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewendet?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext (Madame Bovary) in Bezug zu zeitgenössischen Äußerungen Flauberts und literaturtheoretischen Studien setzt.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil gesetzt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Einordnung des Realismus, die Untersuchung des realistischen Schreibstils inklusive der "Erlebten Rede" sowie eine detaillierte Fallstudie zur Einführung der Figur Charles Bovary.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Realismus, Sichtbarmachung, Madame Bovary, Erlebte Rede, Imagination, literarische Technik und die Ablehnung von Illustrationen.
Warum spielt die Mütze von Charles Bovary eine so zentrale Rolle in der Analyse?
Die detaillierte Beschreibung der Mütze dient als exzellentes Beispiel für Flauberts Schreibweise, die den Leser mit Details überflutet, um die Lächerlichkeit und soziale Stellung der Figur Charles Bovary zu unterstreichen.
Welchen Bezug stellt die Autorin zur Commedia dell’arte her?
Sie vergleicht das Kostüm und die Persönlichkeit des Charles Bovary mit der Figur des Harlekins, um seine naive, passive und letztlich tragische Rolle als "Dienerfigur" oder "Verlierer" innerhalb der Gesellschaft zu verdeutlichen.
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- Maria Betsch (Author), 2014, Die literarische Sichtbarmachung Flauberts in seinem Roman "Madame Bovary" vor dem Hintergrund des Realismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272059