Das Verhältnis des Menschen zur Arbeit ist paradox. Einerseits wird sie gebraucht um Wohlstand zu erzielen oder um diesen zu erhalten. Und andererseits wird sie als Mühe und Last empfunden. Ein oft angestrebtes Ziel ist dabei die Findung einer sogenannte Work-Life Balance, also des ideal ausbalancierten Verhältnis von Arbeit zum Leben. Doch was passiert wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Leben erodieren? Gibt es Vorteile durch das Wegfallen der Grenzen. Oder Nachteile? Oder womöglich sogar Vor- und
Nachteile? Die vorliegende Arbeit hat als Ziel genau dies zu untersuchen.
In der aktuellen Industrie- und Arbeitssoziologie nimmt das Thema Subjektivierung von Arbeit eine immer größere Bedeutung ein. Als ein Pionier der Subjektivitätsforschung
lässt sich definitiv Günther Voß ausmachen. Sein Modell des Arbeitskraftunternehmers wird bis heute noch rezipiert und verwendet. Auch ich werde auf die These des
Arbeitskraftunternehmers eingehen.
Zunächst werde ich jedoch die Untersuchung damit beginnen, dass ich eine Definierung des Begriffs Arbeit vornehmen werde. Dabei werde ich auf die Schwierigkeit einer allgemeingültigen Definition eingehen und domänenübergreifend verschiedene Arbeitsbegriffe untersuchen. Anschließend werde ich den Wandel der Arbeit, ausgehend von Fordismus hin zum Postfordismus, erörtern und somit den historischen Kontext für
die Subjektivierung und Entgrenzung aufzeigen.
Im dritten Abschnitt werde ich zunächst vorstellen was Subjektivierung und Entgrenzung en général bedeutet, um dann anhand der These des Arbeitskraftunternehmers die Subjektivierung gezielt zu untersuchen. Dabei soll jedoch
die Kategorie Geschlecht nicht außen vor gelassen werden, weshalb ich auch auf die Geschlechterfrage im besonderen auch eingehen werde.
Darauf aufbauend werde ich zunächst die Forschungsstandpunkte zu den Risiken und Chancen der Subjektivierung/Entgrenzung von Arbeit darlegen, diese dann selbst bewerten und abschließend im Fazit eine konkrete Stellungnahme formulieren. Außerdem werde ich versuchen exemplarische Lösungsansätze für mögliche Risiken der Subjektivierung zu entwerfen.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen!
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Arbeit
2.1) Definition des Arbeitsbegriffes
2.2) Der Wandel der Arbeit: Vom Fordismus zum Postfordismus
3) Entgrenzung und Subjektivierung
3.1) Der Arbeitskraftunternehmer
3.2) Das Geschlecht des Arbeitskraftunternehmers
4) Bewertung
4.1) Chancen und Risiken
4.2) Eigene Bewertung der Chancen und Risiken
5) Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Chancen und Risiken, die mit der Subjektivierung von Arbeit einhergehen, und analysiert den Wandel von Arbeitsformen unter Berücksichtigung des Modells des „Arbeitskraftunternehmers“ sowie geschlechtsspezifischer Aspekte.
- Historischer Wandel der Arbeit vom Fordismus zum Postfordismus
- Konzeptualisierung und Kritik des Arbeitskraftunternehmers
- Einfluss der Kategorie Geschlecht auf Erwerbsorientierung und Karriere
- Analyse der Flexibilisierung und Entgrenzung von Arbeits- und Lebenswelten
- Bewertung der Vereinbarkeit von Privatleben und beruflichen Anforderungen
Auszug aus dem Buch
3.1) Der Arbeitskraftunternehmer
Das von Günther Voß konstruierte Bild des Arbeitskraftunternehmers beruht bewusst auf theoretisch idealisiert formulierten Merkmalen. Er benutzt diesen Idealtypus als analytisches Instrument zur Untersuchung der Wirklichkeit. Deshalb bezieht er empirisch relevante Fakten wie Geschlecht, Beruf, Lebensalter und Ähnliches in seine Überlegung nicht ein (vgl. Voß/Weiß 2009, S. 69). Stattdessen benennt er als die drei grundlegend theoretischen Merkmale des Idealtypus Arbeitskraftunternehmer die 'Selbst-Kontrolle', die 'Selbst-Ökonomisierung' und die 'Selbst-Rationalisierung'.
Mit Selbst-Kontrolle meint er den von Personen organisierten Einsatz der eigenen Fähigkeiten was eine selbständige Planung, Steuerung und Überwachung eigener Arbeit zur Folge hat. Für Unternehmen bedeutet das einen geringeren betrieblichen Aufwand hinsichtlich der Arbeitssteuerung (vgl.: ebd.).
Als Selbst-Ökonomisierung zeichnet er die „zweckgerichtet Produktion und [...] Vermarktung der eigenen Fähigkeiten und Leistungen auf dem Arbeitsmarkt wie [...] auch innerhalb von Betrieben“ (Voß/Weiß 2009, S. 69). Arbeitende Personen müssen folglich ihre „Ware Arbeitskraft“ selbständig Veräußern und betrieblich Verwerten wodurch sie zu „Unternehmer ihrer selbst“ werden (Vgl.: Voß/Weiß 2009, S. 69f.).
Das Merkmal Selbst-Rationalisierung zielt auf den steigenden Anforderungsdruck der Personen ab. Konkret geht es um den Zwang „den gesamten Lebenszusammenhang effizionsorientiert zu strukturieren, um die eigenen Ressourcen für das Ziel der ökonomischen Produktion und Vermarktung und dann der praktischen Anwendung, resp. der Vernutzung des Arbeitsvermögen zu mobilisieren.“ (Voß/Weiß 2009, S. 70). Die Anbieter der Ware Arbeitskraft sind somit nicht nur Unternehmer ihrer selbst sondern entwickeln durch auf ihre Arbeit ausgelegte Lebensführung eine „Vertrieblichung von Lebensführung“ (ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Verhältnisses von Arbeit und Leben ein und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung, das Phänomen der Subjektivierung von Arbeit zu analysieren.
2) Arbeit: In diesem Kapitel wird der Arbeitsbegriff definiert und der historische Wandel von einer fordistischen Produktionsweise hin zum Postfordismus skizziert.
3) Entgrenzung und Subjektivierung: Hier werden die theoretischen Konzepte der Entgrenzung und Subjektivierung erläutert, wobei insbesondere das Modell des Arbeitskraftunternehmers und dessen geschlechtsspezifische Dimensionen im Fokus stehen.
4) Bewertung: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Chancen und Risiken der beschriebenen Arbeitsformen auseinander und reflektiert die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben.
5) Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Entwicklung hin zum selbst-organisierten Arbeitsmodell als eine „riskante Chance“ für Erwerbstätige.
Schlüsselwörter
Subjektivierung, Entgrenzung, Arbeit, Arbeitskraftunternehmer, Fordismus, Postfordismus, Work-Life-Balance, Flexibilisierung, Selbst-Rationalisierung, Geschlecht, Vereinbarkeit, Erwerbsarbeit, Burn-Out, Selbst-Kontrolle, Ökonomisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die moderne Arbeitswelt unter dem Aspekt der Subjektivierung und Entgrenzung und untersucht, welche Auswirkungen diese Veränderungen auf die Erwerbstätigen haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Wandel der Produktionsmodelle vom Fordismus zum Postfordismus, das Idealbild des Arbeitskraftunternehmers sowie die Auswirkungen der Flexibilisierung auf die Work-Life-Balance.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Chancen und Risiken zu identifizieren, die durch die zunehmende Subjektivierung von Arbeit entstehen, und dabei besonders die Rolle der Geschlechter zu berücksichtigen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf soziologischen Fachbegriffen und bestehenden Modellen (z. B. nach Günther Voß) basiert, um aktuelle Trends der Arbeitswelt zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, eine Analyse des historischen Wandels der Arbeit und eine differenzierte Bewertung des Arbeitskraftunternehmers sowie der damit verbundenen Vor- und Nachteile.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Subjektivierung, Entgrenzung, Arbeitskraftunternehmer und Work-Life-Balance beschreiben.
Was versteht man unter dem Modell des "Arbeitskraftunternehmers"?
Dies ist ein Idealtypus, bei dem der Erwerbstätige sein eigener Unternehmer wird, indem er Fähigkeiten selbst steuert (Selbst-Kontrolle), vermarktet (Selbst-Ökonomisierung) und sein gesamtes Leben darauf ausrichtet (Selbst-Rationalisierung).
Warum wird die Subjektivierung von Arbeit im Fazit als "riskante Chance" bezeichnet?
Sie bietet zwar neue Freiräume und Selbstentfaltungsmöglichkeiten (Chance), führt aber gleichzeitig zu einem hohen Leistungsdruck und zur Gefahr der Selbstausbeutung oder Burn-Out-Problematiken (Risiko).
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- Jan Wiertz (Author), 2014, Welche Chancen und Risiken bietet die Subjektivierung von Arbeit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272129