Die Bedeutung der Institution des Geldes in der politischen Theorie von John Locke


Hausarbeit, 2011
19 Seiten, Note: 1,0

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Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Im Naturzustand
2.1 Eigentum vor der Geldeinführung: Arbeits- und Eigentumstheorie
2.2 Eigentum vor der Geldeinführung: Aneignungsschranken und wirtschaftliche Struktur der Gesellschaft
2.3 Eigentum nach der Geldeinführung: Durchbrechung der Aneignungsschranken

3 Schlussbetrachtungen
3.1 Politische Gesellschaft und der Staat der Eigentümer
3.2 Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Naturzustand als Sicherheitsdilemma

Abbildung 2: Analysephasen des Eigentums

Abbildung 3: Ungleichverteilung von Eigentum im Naturzustand

1 Einleitung

Property I have nowhere found more clearly explained than in a book entitled, Two Tre­atises of Government. (Locke 1703, zitiertnach Laslett 1967: 3)

Das Zitat verdeutlicht, welchen Stellenwert das Eigentum in der politischen Theorie von Locke einnimmt. Eigentum bezeichnet ganz allgemein die rechtliche Herrschaft über eine Sache und damit das Recht über die Sache frei zu bestimmen. Die rein faktische Verfügung über eine Sache, also auch ohne rechtliche Grundlage bezeichnet hingegen der Begriff des Besitzes (vgl. Weiß 2010: S. 189). In der Lockeschen liberalen Theorie nimmt Eigentum einen zentralen Platz ein. Dies soll anhand der folgenden Forschungs­frage ergründet werden:

Welche Bedeutung besitzt Geld in der politischen Theorie von John Locke? Daneben soll die folgenden Thesen überprüft werden:

1. Im Naturzustand ist eine grenzenlose Anhäufung von Eigentum nicht möglich.
2. Die Institution Geld sprengt die Aneignungsschranken, setzt den Anreiz zur Mehrproduktion und führt zur Verstetigung der Ungleichverteilung von Eigen­tum.
3. Die politische Gesellschaft ist im Wesentlichen eine Gesellschaft von Eigentü­mer im materiellen Sinn.

Zur Beantwortung der zentralen Forschungsfrage dient das Werk von Locke (1977) Zwei Abhandlungen über die Regierung als Primärquelle. Hierbei wird insbesondere das 5. Kapitel (Das Eigentum) der II. Abhandlung im Vordergrund stehen, um die For­schungsfrage und die dazugehörigen Thesen zu analysieren. Locke teilt den Eigentums­begriff in engen und weiten Bedeutungsinhalt des Eigentums: die materielle Dimension von Eigentum verweist auf den engen Eigentumsbegriff (vgl. Locke 1977: II 5.Kap.), wohingegen der weite Eigentumsbegriff das Leben, Freiheit und V ermögen beinhaltet (vgl. Locke 1977: § 123, S. 278). Die weitere Bestimmung erfolgt in den entsprechend Abschnitten.

Zunächst wird im Kap. 2 der hypothetische Naturzustand beschrieben, um zu klären, wie Eigentum nach Locke entsteht. Dies wird im Abschnitt 2.1 mithilfe der Lockeschen Arbeits- und Eigentumstheorie erläutert. Im anschließenden Abschnitt 2.2 werden die natürlichen Aneignungsschranken vorgestellt. Demnach werden dem Eigentumserwerb der einzelnen Akteure natürliche Grenzen gesetzt. Dennoch existiert bereits eine Un­gleichverteilung von Eigentum, die sich mit der Einführung des Geldes verschärft. Die regulierende Funktion der natürlichen Aneignungsschranken tritt außer Kraft: Das Geld sprengt die Aneignungsschranken und potenziert die Konflikte zwischen den einzelnen Akteuren im Naturzustand. Das Eigentum ist deshalb höchst unsicher und der Wunsch nach einer Instanz, die das Eigentum gewährleistet, wächst (Abschnitt 2.3). Die Men­schen schließen sich qua Zustimmung auf Grundlage eines Vertrages zur politischen Gesellschaft zusammen und schaffen den Staat als eigentumssichernde Instanz, der wiederrum selbst rechtlich beschränkt werden muss (Abschnitt 3.1). Im letzten Ab­schnitt (3.2) werden zentrale Aussagen, die der Beantwortung der Forschungsfrage die­nen, zusammenfassend dargelegt.

2 Im Naturzustand

Um politische Gewalt richtig zu verstehen und sie von ihrem Ursprung abzuleiten, müs­sen wir erwägen, in welchem Zustand sich die Menschen von Natur aus befinden. (Lo­cke 1977: § 3, S. 201)

In diesem Abschnitt soll der Lockesche Naturzustand vergegenwärtigt werden, weil er Ausgangspunkt für die theoretische Argumentation von Locke ist, um die Herausbil­dung des politischen Gemeinwesens zu verstehen.1 Im Naturzustand sind alle Menschen von Natur aus mit vollkommener Freiheit und Gleichheit innerhalb der Grenzen des natürlichen Gesetzes ausgestattet (vgl. Locke 1977: §4,S. 201)2. Das geltende natürli­che Gesetz umfasst das Recht auf Selbsterhaltung wie auch das Recht auf Erhaltung des Mitmenschen und ist im weitesten Sinn zu verstehen: Es umfasst sowohl das Recht auf Leben an sich als auch alles was zur Erhaltung des Lebens dient, wie bspw. Eigen­tum, Gesundheit und Freiheit (vgl. Locke 1977: § 6,S. 203). Das verpflichtende Natur­gesetz entspringt der Vernunft und regelt im - prinzipiell friedlichen - Naturzustand die Beziehungen der Menschen untereinander. Der Naturzustand soll jedoch nicht den Ein­druck erwecken, dass es sich ausschließlich um einen „Zustand des Friedens, des Wohlwollens, der gegenseitigen Hilfe undErhaltung“ (Locke 1977: § 19, S. 211) han­delt, vielmehr besteht immer eine realistische Gefahr, dass Menschen das natürliche Gesetz brechen und damit das friedliche Leben aller Menschen gefährden (vgl. Locke 1977: § 19, S. 211; Euchner 1987: S. 16). Die Abwesenheit einer übergeordneten Sank­tionsinstanz nötigt den Menschen dieses einzige Naturgesetz selbst durchsetzen: Sie sind Richter in eigener Sache (vgl. Locke 1977: § 13,S . 207). Demnach muss der Mensch permanent die Missachtung des Naturgesetztes durch andere fürchten.

Abbildung 1: Naturzustand als Sicherheitsdilemma

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Kriegszustand ist deshalb eine allgegenwärtige Gefahr im Naturzustand und i st ebenso durch die Abwesenheit einer übergeordneten Sanktionsinstanz gekennzeichnet. Mithilfe der Konzeption eines Sicherheitsdilemmas basierend auf einem rationalen Ak­teur (homo oeconomicus) wird deutlich wie unsicher dieser Zustand, der ohne eine ge­meinsam geteilte staatliche Rechtsordnung auskommt, ist (siehe Darstellung). Das Recht auf Selbstverteidigung gibt den Menschen mithin das legitime Recht sich gegen gewalttätige, lebensbedrohliche Handlungen Dritter zu wehren - das von der reinen Wiedergutmachung (Schadensersatz) bis hin zur Tötung des Angreifers reicht (vgl. Lo­cke 1977: § 19; S. 211 f.). Das Risiko des Kriegszustandes legt also den wesentlichen Anreiz den Naturzustand zu verlassen und sich in Form einer vertraglichen Überein­kunft zur einer politischen und rechtlich-verfassten Gesellschaft zu vereinigen (vgl. Lo­cke 1977: § 19; S. 212).3

Welche Rolle nimmt das Eigentum auf der bisherigen ausgearbeiteten Grundlage ein? Die latente Unsicherheit im Naturzustand, demnach der einzelne Mensch sich nie sicher sein kann, dass sein Gegenüber sich an das natürliche Gesetz hält und nicht doch in das persönliche Eigentum eingreift, ist ein zentrales Argument für Locke, das zur Heraus­bildung einer politischen Gesellschaft führt. Sie ist staatliche organisiert und umschließt eine Rechtsordnung, die die „Erhaltung des Eigentums“ (vgl. Locke 1977: § 85, S. 252) gewährleistet. Sie muss weiterhin in der Lage sein gesetztes (positives) Recht effektiv und einheitlich über Gerichte oder andere staatliche Organe durchzusetzen.4 In den nachfolgenden Abschnitten wird die Relevanz der Institution des Geldes verdeutlicht.

Abbildung 2: Analysephasen des Eigentums vom Naturzustand bis zur politischen Gesellschaft unter der Bedingung der Einführung des Geldes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung.

2.1 Eigentum vor der Geldeinführung: Arbeits- und Eigentumstheorie

In der Arbeits- und Eigentumstheorie, die im fünften Kapitel der zweiten Abhandlung (vgl. Locke 1977: II Kap. 5) von Locke behandelt wird, dient der enge Eigentumsbe­griff, der auf die rein materielle Dimension verweist. Dies ist typischerweise das Privat­eigentum des Einzelnen wie Grund und Boden, Kapital oder sonstige Wertgegenstände. Wie begründet Locke die Entstehung von (Privat-)Eigentum im Naturzustand?

Die Erde und alles was sich an natürlichen Dingen auf ihr befindet, ist Gemeineigentum und gehört allen Menschen gleichermaßen.5 Keiner hat vorab ein exklusives Herr­schaftsrecht über die natürlichen Dinge wie Früchte, Wasser oder Boden (vgl. Locke 1977: §26,S. 216), vielmehr ist der Mensch aufgrund des grundlegenden Prinzips der Selbsterhaltung berechtigt, sich einen Teil der Natur anzueignen, um zu überleben. Dar­über hinaus dient die Inbesitznahme der Erde resp.

[...]


1 „Denn nicht jeder Vertrag beendet den Naturzustand unter den Menschen, sondern nur jener, in dem sie gegenseitig übereinkommen, eine Gemeinschaft einzugehen und einen politischen Körper zu bil­den“ (Locke 1977: § 14, S. 208).

2 „Der Mensch wird [...] mit einem Rechtsanspruch auf vollkommene Freiheit und uneingeschränkten Genuß aller Rechte und Privilegien des natürlichen Gesetzes in Gleichheit mit jedem anderen Menschen [...] aufdieserWelt geboren.“ (Locke 1977: § 87, S. 253).

3 „Diesen Kriegszustand zu vermeiden [...], ist ein gewichtiger Grund, weshalb sich die Menschen zu einer Gesellschaft zusammenschließen und den Naturzustand verlassen“ (Locke 1977: § 21, S. 212 f.).

4 „Unter politischer Gewalt verstehe ich dann ein Recht, für die Regelung und Erhaltung des Eigentums Gesetze [...] zu schaffen, wie auch das Recht, die Gewalt der Gemeinschaft zu gebrauchen, um diese Gesetze zu vollstrecken“ (Locke 1977: § 3, S. 201).

5 Locke argumentiert mit religiösen Argumenten und führt Gott (oder das Göttliche) als Bezugspunkt seiner Argumentation an. Hierauf wird im Weiteren nicht eingegangen.

19 von 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Institution des Geldes in der politischen Theorie von John Locke
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Veranstaltung
Die Vertragstheorien von Hobbes und Locke
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
19
Katalognummer
V272139
ISBN (Buch)
9783656633556
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, institution, geldes, theorie, john, locke
Arbeit zitieren
Bachelor of Arts Patrick Schröder (Autor), 2011, Die Bedeutung der Institution des Geldes in der politischen Theorie von John Locke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272139

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