Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr - Bestandsaufnahme und Entwicklungstendenzen


Hausarbeit, 2002

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen
2.1 Begriffliche Grundlagen
2.2 Grundlegende Charakterisierung des Luftfrachtverkehrs.

3. Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr - eine Bestandsaufnahme
3.1 Anforderungen an die Luftfrachtleistungserstellung.
3.2 Die Organisationsformen im Luftfrachtverkehr und deren Leistungsangebot
3.3 Vor- und Nachteile des Luftfrachttransports

4. Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr - Entwicklungstendenzen.
4.1 Veränderungen im Luftfrachtmarkt.
4.2 Veränderungen in den logistischen Strukturen des Luftfrachtverkehrs

5. Zusammenfassung

Anlage: Die „Freiheiten der Luft“.

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Luftfrachtmarkt stellt aufgrund seiner Dynamik einen der interessantesten Logis- tikmärkte dar. Faktoren die diese Dynamik im Wesentlichen mitbestimmen, sind die hohen Wachstumsraten im Luftfrachtgeschäft, die Globalisierung der Märkte und die damit einhergehenden Veränderungen in der weltweiten industriellen Produktion, die Veränderungen in den Kundenanforderungen, sowie der Wettbewerb zwischen den Luftfrachtanbietern.

Für den Absatz von Luftfrachtleistungen wurden für die folgenden acht Jahre Steigerungsraten in Höhe von vier bis sechs Prozent pro Jahr prognostiziert. Auf Grund der Anschläge in den USA am 11. September 2001 und der folgenden schlechten Konjunkturlage musste die Branche starke Absatzeinbrüche hinnehmen. Langfristig wird jedoch wieder mit hohen Wachstumsraten gerechnet.

Aufgrund der hohen Dynamik im Luftfrachtverkehr soll im Rahmen dieser Arbeit das gegenwärtige Logistikleistungsangebot im Luftfrachtverkehr analysiert und Entwicklungstendenzen aufgezeigt werden.

In Kapitel 2 sollen zunächst die grundlegenden Begriffe „Logistikleistung“ und „Luft- frachtleistung“ präzisiert und der Luftfrachtverkehr grundlegend charakterisiert werden.

In Kapitel 3 folgt eine Bestandsaufnahme der Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr. Dabei wird zunächst auf die Anforderungen an die Luftfrachtleistungserstellung eingegangen. Anschließend erfolgen eine Darstellung der Organisationsformen und des Leistungsangebots im Luftfrachtverkehr sowie eine Beurteilung, indem die wesentlichen Vor- und Nachteile herausgestellt werden.

In Kapitel 4 wird schließlich auf die Entwicklungstendenzen im Luftfrachtverkehr ein- gegangen. Hierzu werden zunächst die Veränderungen in den Marktgegebenheiten und den Anforderungen an den Luftfrachtverkehr untersucht und anschließend die zu erwar- tenden Veränderungen in den logistischen Strukturen des Luftfrachtverkehrs dargestellt.

2. Grundlagen

Eine Analyse der Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr setzt implizit voraus, dass grundlegende Begrifflichkeiten, Merkmale und Rahmenbedingungen ausreichend präzisiert sind. Daher erfolgt in diesem Kapitel - ausgehend von den begrifflichen Grundlagen - eine Charakterisierung des Luftfrachtverkehrs und seiner Bedeutung, sowie eine grundlegende Darstellung der Rahmenbedingen.

2.1 Begriffliche Grundlagen

Um den Logistikleistungsbegriff zu präzisieren, ist es zunächst notwendig den Begriff „Logistik“ einzuführen.

In der Literatur lassen sich zahlreiche Definitionsversuche des Begriffs „Logistik“ finden. Eine sehr umfassende Definition findet sich beispielsweise bei Ihde. Demnach ist „die Logistik ... eine wirtschaftliche Denkhaltung, eine Führungskonzeption, die durch die übergreifende Betrachtung der gesamten unternehmerischen Wertschöpfungs- kette und - bei konsequenter organisatorischer Umsetzung - die Zuständigkeit für alle damit verbundenen Güterbewegungen und -bestände gekennzeichnet ist.[1]

Steffen definiert etwas konkreter, dass unter dem Begriff der Logistik „...alle Tätigkeiten der Planung, Steuerung, Durchführung und Kontrolle aller Materialbewegungen, z.B. für Rohmaterial, Halbfertigerzeugnisse, Fertigerzeugnisse und Reststoffe mit den dazu- gehörigen Informationen über den Verbrauch bis zur Entsorgung - mit dem Ziel, Kun- denwünsche mit hoher Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu erfüllen,“[2] zu verstehen sind.

Die logistischen Funktionen Transportieren, Umschlagen und Lagern stellen die Kernprozesse der Logistik dar und werden im Folgenden näher charakterisiert:[3]

- Durch die logistische Funktion Transportieren wird die räumliche Distanz zwischen der Quelle (Startpunkt des Transports) und der Senke (Zielpunkt) überwunden.
- Die logistische Funktion Umschlagen dient der Überführung von Gütern zwischen zwei Transportmitteln oder zwischen einem Lager und einem Transportmittel.
- Aufgabe der logistischen Funktion Lagern ist es, den Zeitunterschied zwischen der Ist-Verfügbarkeit und der bedarfsgerechten Verfügbarkeit von Gütern zu überbrü- cken.

In Bezug auf den allgemeinen betriebswirtschaftlichen Leistungsbegriff versteht man Leistungen als „...Ergebnis der betrieblichen Tätigkeit, die sich in Sachgütern und Dienstleistungen niederschlägt.“[4]

Das Spektrum der Leistungen, die die Logistik erbringt, ist zu heterogen um den Begriff „Logistikleistung“ einheitlich und allgemeingültig zu definieren.[5] In Abhängigkeit vom konkreten Bedarf lassen sich jedoch die folgenden vier Basiskategorien logistischer Leistungen unterscheiden:[6]

- die Bereitstellung logistischer Produktionsfaktoren (z.B. Personal und Anlagen),
- die Durchführung logistischer Prozesse (z.B. Lager-, Transport- und Umschlagsakti- vitäten),
- die Überwindung von Raum- und Zeitdisparitäten (z.B. Transportleistungen zur Überwindung von Raumdistanzen und/oder Lagerleistungen zur Überwindung von zeitlichen Abweichungen) sowie
- die Sicherstellung der Verfügbarkeit der Ressourcen (z.B. durch terminlich, men- genmäßig und qualitativ richtige Lieferungen).

Betrachtet man Logistikleistungen aus ergebnisorientierter Sicht, so sind dies immaterielle Güter, die durch eine „sachzielgerecht vollzogene Transformation der zeitlichen oder sowohl der räumlichen als auch der zeitlichen (raumzeitlichen) Merkmalsausprägungen des Logistikobjekts“[7] geprägt sind.

Zur Veränderung der raum-zeitlichen Determiniertheit eines Logistikobjekts muss eine Logistikleistung mindestens eine der drei logistischen Kernleistungen Transportieren, Umschlagen und Lagern enthalten. Transport- und Umschlagsleistungen ändern die räumlichen und zeitlichen Merkmalsausprägungen von Logistikobjekten, wobei durch Lagerleistungen lediglich die zeitliche Determiniertheit logistischer Güter verändert wird. Darüber hinaus müssen die logistischen Kernprozesse in der Regel mit unterstüt zenden logistischen Zusatzleistungen (wie Kommissionierungs-[8], Verpackungs- und Markierungsleistungen) verknüpft werden. Logistische Zusatzleistungen haben die Aufgabe logistische Kernprozesse zu ermöglichen, wirtschaftlich zu gestalten oder zu ergänzen. Weiterhin sollte eine ergebnisorientierte Logistikleistung auch logistische In- formationsleistungen umfassen, da die Planung, Steuerung und Kontrolle der logisti- schen Leistungserstellung auf Informationen basiert. Logistische Informationsleistungen sind somit als Grundlage für die erfolgreiche Erstellung von Logistikleistungen zu in- terpretieren.[9]

Durch die Kombination dieser Kern-, Zusatz- und Informationsleistungen entsteht ein logistischer Leistungsprozess, der durch eine „sachzielgerechte Abfolge zeitlicher, raumzeitlicher und sonstiger logistischer Transformationen“[10] gekennzeichnet ist. Um jedoch einen Güterfluss zu bewirken, müssen die logistischen Leistungsprozesse sachund formalzielgerecht zu einer Logistikkette verknüpft werden. Eine Logistikkette stellt somit einen mehrstufigen logistischen Transformationsprozess dar.

Eine Logistikleistung ist in der Regel das Ergebnis eines mehrstufigen Transformationsprozesses, bei dem das Ziel verfolgt wird, den logistischen Anfangszustand eines Logistikobjekts in den angestrebten Endzustand zu transformieren.[11]

Luftfrachtleistungen sind Logistikleistungen, die in einer Luftfrachttransportkette unter Verwendung des Produktionsfaktors Flugzeug erstellt werden. Luftfrachttrans- portketten können als Teilmengen von Logistikketten aufgefasst werden, die dazu dienen die raum-zeitliche Determiniertheit eines Logistikobjekts zu ändern.

Abbildung 1 veranschaulicht die logistischen Kernprozesse einer Luftfrachttransportkette. Die Kernprozesse Transportieren, Umschlagen und Lagern werden hier bestimmten Knoten (Versender, Flughäfen und Empfänger) und Kettengliedern (Landweg und Luftweg) zugeordnet, so werden beispielsweise am Knoten Versandflughafen auf dem Landweg eintreffende Güter umgeschlagen, gelagert und wieder umgeschlagen bevor diese auf dem Luftweg weitertransportiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Logistische Kernprozesse einer Luftfrachttransportkette[12]

Des Weiteren werden in Abbildung 1 die drei Transportphasen Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf visualisiert. In einer Vorlaufphase werden Güter von verschiedenen Quellen zu einer Sammelstation befördert. Eine Besonderheit im Luftfrachtverkehr ist ein in der Regel zweigeteilter Vorlauf: der erste Vorlauf geht zunächst in ein speditionelles Sam- mellager ein, dort werden die Sendungen gemäß Abgangsflughafen bzw. Airline sortiert und in einem zweiten Vorlauf zu den Abgangsflughäfen transportiert. Die Hauptlauf- phase ist im Luftfrachtverkehr durch einen Gütertransport vom Versandflughafen zum Empfangsflughafen gekennzeichnet. In der Nachlaufphase werden die Güter dann vom Empfangsflughafen, der in diesem Zusammenhang auch als Verteilstation interpretiert werden kann, zu den einzelnen Empfängern transportiert. Luftfrachttransportketten (bzw. Transportketten im Allgemeinen) müssen zumindest aus einer Hauptlaufphase bestehen. Eine Luftfrachtleistung, in der lediglich ein Hauptlauf durchgeführt wird, nennt man auch Flughafen-zu-Flughafen („airport-to-airport“) Verkehr. Darüber hinaus kann eine Luftfrachttransportkette neben dem Hauptlauf eine Vorlaufphase und/oder eine Nachlaufphase enthalten. Eine Luftfrachtleistung, die aus einem Vor-, Haupt- und Nachlauf besteht, wird auch als Haustür-zu-Haustür („door-to-door“) Verkehr bezeich- net.

2.2 Grundlegende Charakterisierung des Luftfrachtverkehrs

Als wesentliche Leistungsmerkmale der Luftfracht lassen sich Transportschnelligkeit, Transportsicherheit und Transporthäufigkeit nennen. Durch den Luftfrachttransport las- sen sich bei kurzen Transportzeiten große räumliche Distanzen überbrücken. Eine schnelle Beförderung lässt sich jedoch nur realisieren, wenn eine adäquate Einbindung der Luftfrachtleistungen in die gesamte Transportkette möglich ist. Dies erfordert mög- lichst geringe Verweilzeiten am Boden und die Vermeidung von Einschränkungen des Flugbetriebs. Die Transportschnelligkeit sowie die große Transporthäufigkeit führen zu kurzen Beschaffungszeiten von Gütern, Lager- und Kapitalbindungskosten können somit eingespart werden. Darüber hinaus kann so schnell auf Marktveränderungen reagiert werden, z. B. bei Modeartikeln. Durch eine schonende Transportdurchführung und ge- ringe Transportbeanspruchung entsteht ein geringerer Verpackungsaufwand und die Transportversicherungskosten sind relativ niedrig. Des Weiteren ist der Luftfrachtver- kehr durch eine hohe Netz- und Knotendichte gekennzeichnet, daher sind meist nur kur- ze Vor- und Nachlauftransporte notwendig. Durch die hohe Zuverlässigkeit des Ver- kehrsmittels Flugzeug, ist die Pünktlichkeit von Luftfrachtsendungen in der Regel sehr hoch. Der Qualität der Transportleistungen im Luftfrachtverkehr stehen jedoch hohe Transportkosten sowie relativ niedrige Beförderungskapazitäten gegenüber. [13]

Die Güterstruktur des Luftfrachtverkehrs ist von hochwertigen Gütergruppen geprägt. Fracht, die ohne besondere Anforderungen an spezifische Lager- und Abfertigungsein- richtungen mit dem Flugzeug transportiert werden kann, wird auch als Standardluft- fracht bezeichnet. Hierbei handelt es sich hauptsächlich um hochwertige Güter aus den Branchen Automobilindustrie, elektronische Industrie, Chemie und Maschinenbau. Die- se Güter sind meist sehr kapitalintensiv und müssen daher schnell, zuverlässig und si- cher transportiert werden. Beispiele für solche Güter sind: Computer, Ersatzteile, Autos, Pharmazeutika und Modeartikel.

Güter, für die aufgrund ihrer Eigenschaften oder der zeitlichen Dringlichkeit ihres Transports zusätzliche Anforderungen erfüllt werden müssen werden als Qualitäts- bzw.

[...]


[1] Ihde 1987, S.703.

[2] Steffen 1994, S. 27.

[3] Vgl. Isermann 1998, S. 37 - 38.

[4] Hörschgen 1992, S. 281.

[5] Vgl. Weber 1986, S. 1208.

[6] Vgl. Weber 1986, S. 1198-1205.

[7] Isermann 1998, S. 36.

[8] Kommissionierung: = Zusammenfassung unterschiedlicher Artikel zu einem Transportauftrag.

[9] Vgl. Isermann 1998, S. 36 - 37.

[10] Ebenda, S. 37.

[11] Vgl. ebenda, S. 37 - 39.

[12] In Anlehnung an Windisch 1996, S. 20.

[13] Vgl. Grandjot 1997a, S 653 - 654; Beder 1998, S. 126 - 127.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr - Bestandsaufnahme und Entwicklungstendenzen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Institut für Betriebswirtschaftliche Produktions- und Investitionsforschung)
Veranstaltung
Industriebetriebslehre
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
25
Katalognummer
V27217
ISBN (eBook)
9783638293235
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Logistikleistungen, Luftfrachtverkehr, Bestandsaufnahme, Entwicklungstendenzen, Industriebetriebslehre
Arbeit zitieren
Brigitte Heise (Autor), 2002, Logistikleistungen im Luftfrachtverkehr - Bestandsaufnahme und Entwicklungstendenzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27217

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