Gottesbilder in der Religionspädagogik


Hausarbeit, 2011
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

0. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Empirische Forschung und Theorien zur Entwicklung des Glaubens
2.1 Empirische Forschung
2.1.1 Helmut Hanisch
2.1.2 Stephanie Klein

3. Religionspädagogische Konsequenzen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit dieser Hausarbeit soll auf die Frage eingegangen werden, ob man mit dem Wissen, wie sich andere Menschen Gott vorstellen, religiöses Lehren bzw. Lernen beeinflussen kann und sollte. Das Gottesbild eines Menschen ist zentral für seine Religiosität, weshalb es auch zu einem wichtigen Ansatzpunkt der Religionspädagogik geworden ist.

Im ersten Teil der Ausarbeitung wird zunächst die empirische Studie von Helmut Hanisch[1] zum Gottesbild von Kindern und Jugendlichen aus religiös geprägtem und nicht religiös geprägtem Umfeld vorgestellt und anschließend die Ergebnisse von Stephanie Klein[2] zum Gottesbild von Mädchen beschrieben.

Der zweite Teil soll dann beantworten, welchen Wert die Forschung für die religionspädagogische Praxis hat. Wie kann man das Wissen um die Gottesvorstellung zum Vorteil der Lernenden nutzen? Und wie findet man heraus welche Gottesvorstellung ein anderer Mensch hat?

Abschließend wird die Frage beantwortet, ob es letztendlich möglich oder sogar sinnvoll und ratsam ist, die Gottesvorstellung der Lernenden in die religionspädagogische Arbeit zu integrieren. Haben die Ergebnisse einen Nutzen für die verschiedenen religionspädagogischen Lernorte (Familie, Gemeinde, Schule)?

Grundsätzlich wird sich in dieser Arbeit auf das Gottesbild von Kindern und Jugendlichen bezogen, was sich aus den oben erwähnten Studien erahnen lässt. Das Feld der Religionspädagogik für Erwachsene wird hingegen nicht betreten, da es den Rahmen der Ausarbeitung sprengen würde.

2. Empirische Forschung und Theorien zur Entwicklung des Glaubens

2.1 Empirische Forschung

In der empirischen Forschung werden die Gottesbilder von Kindern und Jugendlichen untersucht. Die Befragten werden aufgefordert in einer bestimmten Art und Weise (mündlich, schriftlich oder gestalterisch) ihre Vorstellungen von Gott auszudrücken.

Genau hierin besteht das größte Problem bei der Erforschung des Gottesbildes. Da die Beschäftigung mit dem Thema von außen durch einen Beobachter initiiert wird und nicht freiwillig in der natürlichen Umgebung der Kinder und Jugendlichen stattfindet. Grundsätzlich besteht immer die Gefahr der Beeinflussung. Jeder Forscher muss sich hier die Frage gefallen lassen, inwieweit er in einer solchen Situation nicht beeinflussend auf den Befragten einwirkt. Selbst die zur Verfügung gestellten Materialien, die beispielsweise zur Anfertigung eines Bildes dienen sollen, sind ein beeinflussender Faktor.[3]

Im Folgenden werden nun die zwei eingangs erwähnten empirischen Studien beschrieben. Die Forscher der jeweiligen Studie sind sich des hier dargestellten Problems bewusst und berücksichtigen es auch in ihren Ergebnissen.

2.1.1 Helmut Hanisch

In seiner Studie untersucht Helmut Hanisch in zwei 1992 erstellten Stichproben gezeichnete Gottesbilder von 7 bis 16jährigen Kindern und Jugendlichen. Die erste Stichprobe mit 1472 Teilnehmern ist in einem intakten volkskirchlichen Milieu durchgeführt worden, nämlich in Heidenheim in der Schwäbischen Alb. Die zweite Stichprobe mit 1187 Probanden hat in Leipzig, Dresden und Zwickau stattgefunden, also einem hauptsächlich nicht-religiösen bzw. atheistischen Milieu. Hanisch hat die Gelegenheit erkannt, die sich nach der Wiedervereinigung in Deutschland für eine derartige Untersuchung anbot.

In den neuen Bundesländern leben nicht nur viele Kinder und Jugendliche ohne Beziehung zur Kirche oder zu kirchlichem Leben, sondern auch ihre Eltern haben, aufgrund der Vergangenheit in der DDR, nur wenig Bezug zu Religion und Kirche, weshalb er davon ausgeht, dass innerhalb dieser Familien keine religiösen Fragen behandelt werden. Diese Behauptung belegt er anhand einer Studie von 1994 aus dem Bundesland Sachsen, der zufolge 46% der Kinder und Jugendlichen der Klassen 5, 6, 9 und 10 nicht getauft sind, 43% nie an religiösem Unterricht teilgenommen haben, 74% nie einen Kindergottesdienst besucht haben und 33% angeben, dass niemand aus ihrer Familie sonntags in einen Gottesdienst geht.[4] Vor diesem Hintergrund möchte Hanisch herausfinden, welche Entwicklungen die Gottesbilder durchlaufen und durch was diese Entwicklung beeinflusst wird.

Bei der Auswertung der Ergebnisse bedient er sich einer für die Religionspsychologie üblichen Unterscheidung der Gottesbilder in anthropomorphe und nichtanthropomorphe/symbolische Darstellungen, also zum einen Bilder, die Gott in menschlicher Gestalt zeigen, und zum anderen Bilder, auf denen Gott durch ein Symbol repräsentiert wird. Desweiteren berücksichtigt er die Aussagen, welche die Kinder und Jugendlichen zusätzlich zu ihren Bildern tätigen.

Hanisch kommt bei der ersten Stichprobe in Heidenheim (volkskirchliches Milieu) zu dem Ergebnis, dass 58% der Kinder und Jugendlichen Gott anthropomorph darstellen und zwar als Mann (75%), Geist (16%), Gesicht (5%) oder Frau (3%), wobei die Darstellung Gottes als Frau ausschließlich von Zeichnerinnen gewählt worden ist. Vor allem die jüngeren Schülerinnen und Schüler bedienen sich einer anthropomorphen Darstellung und mit zunehmendem Alter nimmt diese immer mehr ab.[5] Desweiteren assoziieren fast alle Attribute mit Gott, wohl um den Unterschied zum Menschen zu verdeutlichen. Hierbei sind am beliebtesten: Bart (49%), in den Wolken (41%), mit ausgebreiteten Armen (28%), zusammen mit der Erde (22%), mit Heiligenschein (18%), in helfender oder schützender Darstellung (15%) oder mit Engeln (10%).

Aus diesen Darstellungen und ihren Attribuierungen beschreibt Hanisch das Gottesbild der Kinder und Jugendlichen, die Gott in dieser Stichprobe anthropomorph gemalt haben, als einen den Himmel bewohnenden, die Erde erschaffenen Gott, der alt und weise ist, den Menschen gegenüber freundlich, hilfreich und schützend. Durch das fast vollständige Fehlen alterstypischer Attribuierungen, die nur selten auftreten, schließt er auf eine stake Prägung des Gottesbildes durch die Eltern, die Gemeinden und den Religionsunterricht.

[...]


[1] Hanisch, Helmut: Die zeichnerische Entwicklung des Gottesbildes bei Kindern und Jugendlichen. Eine empirische Vergleichsuntersuchung mit religiös und nicht-religiös Erzogenen im Alter von 7-16 Jahren (Leipzig 1996). (Da dieses Buch nicht mehr aufgelegt wird und weder antiquariarisch noch über eine Bibliothek zu beziehen war, beziehe ich mich hier auf die von Hanisch zusammengefassten Ergebnisse: www.uni-leipzig.de/ru/gottesbilder/artikel/index.htm)

[2] Klein, Stephanie: Gottesbilder von Mädchen. Bilder und Gespräche als Zugänge zur kindlichen religiösen Vorstellungswelt (Stuttgart, Berlin, Köln 2000).

[3] Fricke, Michael: Von Gott reden im Religionsunterricht (Göttingen 2007), 23.

[4] Hanisch, Helmut/Pollack, Detlef: Das kleinere Übel. Eine Umfrage zum Religionsunterricht in Sachsen, in: Evangelische Kommentare (Stuttgart 9/1995), 510.

[5] Vgl. http://www.ku-eichstaett.de/fileadmin/17/P-Meier/Glaubensdidaktik_10_-_Gottesbilder_nach _Hanisch.pdf.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gottesbilder in der Religionspädagogik
Hochschule
Universität zu Köln  (Institut für Katholische Theologie)
Veranstaltung
Hauptseminar Jugendtheologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V272179
ISBN (eBook)
9783656634027
ISBN (Buch)
9783656634010
Dateigröße
398 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Helmut Hanisch, Stephanie Klein, Religionsdidaktik, Religionspädagogik, Gottesbilder, Religionsunterricht, Kindertheologie, Jugendtheologie, zeichnerische Entwicklung
Arbeit zitieren
Christoph Kurth (Autor), 2011, Gottesbilder in der Religionspädagogik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272179

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