Riffkartierung entlang der Ostseite eines Transekts in der Bucht von Beau Vallon, Mahé, Seychellen


Bachelorarbeit, 2012
51 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Korallen
2.1 Systematik
2.2 Anatomie und Lebensweise

3. Korallenriffe
3.1 Biologie und Entstehung
3.2 Rifftypen

4. Untersuchungsgebiet
4.1 Geografie
4.2 Ökologische Bedingungen
4.2.1 Abiotische Faktoren
4.2.1.1. Klima
4.2.1.2 Wasser
4.2.1.3 Licht
4.2.1.4 Globale Klimaerwärmung und Korallenbleiche
4.2.2 Biotische Faktoren
4.2.3 Anthropogene Einflüsse

5. Untersuchungen
5.1 Material und Methoden
5.2 Untersuchungsort
5.3 Erfassungsmethoden
5.4. Auswertung der Daten
5.5. Probleme bei der Datenaufnahme

6. Ergebnisse
6.1. Liste der nachgewiesenen Korallenarten
6.2. Beschreibung der neu nachgewiesenen Korallenarten bzw. -gattungen
6.3. Verteilung der nachgewiesenen Korallenarten

7. Diskussion
7.1. Verteilung der Korallen
7.2. Vergleich zu anderen Transekten
7.3. Ausblick

8. Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

10. Abbildungsnachweis der Internetbilder

1. Einleitung

Was die Regenwälder für die Landfläche unseres Planeten bedeuten, das sind die Korallenriffe für die Meere: Biotope mit höchster biologischer Vielfalt. Hier konzentrieren sich, so die Schätzungen der Wissenschaft, Millionen von Arten. Dabei sind viele Riffe noch nicht genügend erforscht, um genaue Aussagen über die Artenvielfalt und –verteilung in dieser Unterwasserwelt zu treffen (Jennings et al., 2000).

Die Korallenriffe der Seychellen gehören zu den am wenigsten untersuchten Riffen im westlichen Indischen Ozean, obwohl sie zu den umfangreichsten der Welt zählen (Stoddart, 1984). Langjährige Beobachtungen bezüglich der Veränderungen in der Artenzusammensetzung und -häufigkeit unter den verschiedenen lokalen und regionalen Faktoren sind bisher nur in geringfügigem Maße durchgeführt worden. Deswegen sind viele marine Organismengruppen, insbesondere die Korallen, auf den Seychellen noch nicht erfasst (Jennings et al., 2000). Dabei könnten detaillierte Untersuchungen verlässliche Auskünfte über die Struktur der dortigen Lebensräume geben.

In diesem Zusammenhang wurde in der Bucht von Beau Vallon auf Mahé, der Hauptinsel der Seychellen, im Zeitraum vom 07. April bis 18.Mai 2012 eine Riffkartierung vorgenommen. Macken, Urbanke und Butzelar haben im Jahr zuvor bereits fotografische Dokumentationen der Korallenbestände in diesem Riff durchgeführt (Macken, 2011; Urbanke, 2011; Butzelar, 2011). So wurden die Grundlagen für ein Forschungsprogramm erstellt, bei dem die Zusammensetzung der Korallengemeinschaften in einem bestimmten Abschnitt langfristig untersucht und Veränderungen zeitlich miteinander vergleichbar gemacht werden können. Die von Macken eingeführte und von Butzelar und Urbanke fortgeführte Methode wurde in gleicher Weise im Rahmen dieser Arbeit verwendet und folgendermaßen umgesetzt:

In einem vorher mit Hilfe von Fixpunkten genau abgegrenzten Gebiet wurde eine Leine in Nord-Süd Richtung ausgelegt. So wurden eine Ost- und eine Westseite markiert, in denen jeweils auf eine Länge von 80m die Korallen quadratmeterweise fotografisch erfasst wurden. Anschließend wurden die aufgenommenen Arten bestimmt, um einen Überblick über die Korallenspezies zu erhalten. Die nachfolgenden Ausführungen beschäftigen sich vor allem mit der Dokumentierung der auf der Ostseite aufgenommenen Daten.

Diese Arbeit geht zunächst auf das Lebewesen „Koralle“ genauer ein. Um ihre Funktion, besonders als Riffbildner, hervorzuheben, werden folgend Korallenriffe und deren Bedeutung erläutert. Es wird dargelegt, inwiefern sich verschiedene Einflüsse auf dieses empfindliche Ökosystem auswirken können. In diesem Zusammenhang wird das „Coral Bleaching Event“ von 1998 genannt, bei welchem ein Großteil der Korallen abstarb. Darüber hinaus stören auch anthropogene Einflüsse, wie zum Beispiel die Überfischung, das empfindliche Gleichgewicht in den Riffen.

Im Untersuchungsgebiet der Beau Vallon Bay herrscht eine relativ hohe marine Biodiversität, Flora und Fauna sind durch die vorangegangenen Untersuchungen ziemlich gut bekannt. Außerdem ist der anthropogene Einfluss auf die Riffe überschau- und kalkulierbar. Das ist ein wichtiger Grund für die Wahl dieses Gebietes und die Analyse der ökologischen Bedingungen, welche in Kapitel 4 erläutert werden. Anschließend wird auf die Vorgehensweise bei den Untersuchungen, insbesondere die Methoden, die Auswertung der Daten sowie die Probleme bei der Datenaufnahme, eingegangen. Die Ergebnisse, die im Anschluss daran vorgestellt werden, beinhalten die Liste der nachgewiesenen Korallenarten und –gattungen sowie deren Verteilung und die Beschreibung der im Untersuchungsgebiet neu nachgewiesenen Arten.

Die gesammelten Ergebnisse von der Ostseite des Transektes werden in der darauffolgenden Diskussion, mit denen auf der Westseite von Christiane Bock (Bock, 2012) zusammengetragenen Daten verglichen, um eventuelle Unterschiede oder Gemeinsamkeiten aufzudecken. Auch die von Macken, Urbanke und Butzelar gelieferten Informationen, werden den im Rahmen dieser Arbeit gesammelten Daten gegenübergestellt, um die Korallenverteilung in diesem Gebiet miteinander vergleichen zu können. Nicht zuletzt soll diese Arbeit natürlich auch als weitere Grundlage für zukünftige Untersuchungen in diesem Terrain und besonders für einen Vergleich mit diesem Transekt in späteren Jahren dienen.

2. Korallen

2.1 Systematik

Korallen (Anthozoa) sind sessile, koloniebildende Nesseltiere (Cnidaria), denen – im Gegensatz zu ihrem Schwestertaxon, den Medusozoa - das Medusenstadium fehlt, was bedeutet, dass die Tiere nur als Polypen vorkommen (Westheide/Rieger, 2006). Die Anthozoa lassen sich in zwei Teiltaxa einteilen: die Octocorallia, zu denen die Hornkorallen (Gorgonaria), Röhrenkorallen (Stolonifera), Weichkorallen (Alcyonaria), sowie die Blauen Korallen (Helioporacea) und die Seefedern (Pennatulaceae) gehören, und die Hexacorallia, welche die Steinkorallen (Scleractinia) und die Anemonen beherbergen (Erhardt und Knop, 2005). Während die Polypen der Octocorallia mit acht Tentakeln ausgestattet sind, besitzen die der Hexacorallia sechs, zwölf oder ein Vielfaches davon und sind in der Regel auch größer (Westheide/Rieger, 2006).

2.2 Anatomie und Lebensweise

Korallen bestehen aus einem oder mehreren miteinander verbundenen Polypen. Der Polyp ist ein zylindrischer Körper und besitzt eine Öffnung, durch welche er seine Nahrung sowohl aufnimmt als auch die Nahrungsreste ausscheidet. Diese so genannte Mundafteröffnung ist von einem Tentakelkranz umgeben, an dem sich giftige Nesselzellen befinden, die bei Berührung kleine Giftpfeile abschießen und so die Beute bewegungsunfähig machen (Abb. 1). Die Polypen strecken meist nachts ihre Fangarme aus, um Kleinkrebse, Würmer und andere Planktonorganismen mit ihren Kleb- und Nesselfäden festzuhalten, in ihren Mund zu ziehen und sie anschließend im Magen zu verdauen (Westheide/Rieger, 2006). Außerdem sind die Polypen in der Lage, im Wasser gelöste Nährstoffe über ihre Oberfläche aufzunehmen. Da tropische Meere jedoch generell nährstoffarm sind, benötigen die Korallen so genannte Zooxanthellen. Diese Algen leben wie eigene Zellstrukturen in der Wirtszelle und verarbeiten als „interne Leber und Niere“ deren Stoffwechselabfälle (Ammonium, Kohlendioxid) (Schuhmacher, 1991). Außerdem versorgen sie die tierische Zelle mit energiereichen Zucker - und Lipidverbindungen, die sie aus der Photosynthese gewinnen. Der tierische Wirt hingegen reguliert Wachstum und Vermehrung der Algen mit einer entsprechenden Abgabe von energiereichen Verbindungen, so genannten Assimilaten (Westheide/Rieger, 2006). Um eine hohe Photosyntheseleistung zu erzielen, sorgt die Koralle für ein optimales Lichtangebot, was z.B. in der Koloniegestalt zum Ausdruck kommt, aber auch in der Form des einzelnen Korallenkelchs, welcher auf die Reflexion des einfallenden Lichts optimiert ist, so dass dies zur Algenschicht im Polypen gelangen kann (Schuhmacher, 1991).

Korallen können sowohl getrennt geschlechtlich als auch zwittrig sein und sich sowohl sexuell als auch asexuell fortpflanzen. Bei der sexuellen Fortpflanzung geben die männlichen und weiblichen Polypen ihre Geschlechtsprodukte ins Wasser ab. Sind die Eier befruchtet, entstehen aus ihnen später die freischwimmenden Planula-Larven. Nach einer gewissen Zeit heftet sich diese an geeignetes Substrat und entwickelt sich zu einem Polypen, welcher die Basis für eine Korallenkolonie sein kann. Der fertige Polyp sondert dann Kalk ab, welcher auf dem Substrat haftet und einen schützenden „Panzer“ um ihn bildet, das Außenskelett. Bei der asexuellen Fortpflanzung wächst der Koralle ein knospenartiger Anhang, woraus ein neuer Polyp entsteht. Dieser wird von einem Kalkmantel umgeben und die vegetative Vermehrung kann erneut beginnen (Westheide/Rieger, 2006).

Das Skelett eines einzelnen Polypen ist ein sehr wichtiges Merkmal bei der Artbestimmung von Steinkorallen (Veron, 2000). Diese besitzen zum Beispiel ein Kalkskelett, welches durch Septen und zum Teil durch Querböden weiter differenziert ist. Der Weichkörper sitzt innerhalb des Kalkkelchs, ist aber teilweise über den Rand nach außen gestülpt (Leinfelder, 2003). Von der Außenwand der Kalkröhre, der so genannten Theca, gehen vertikale Kalkplatten ab, die Septocostae. Die Septen liegen innerhalb der Wände, während die Costae außerhalb dieser liegen (Abb. 2). Oft sind die Septen unterschiedlich lang und erstrecken sich von der Theca aus radiär in die Mitte des Korallits (Kalkkelch). Im Zentrum des Korallits befindet sich bei einigen Arten eine Kalksäule (Columella) und zwischen den

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Abb. 1: Schematischer Aufbau einer Steinkoralle (solitäre Form) (nach Leinfelder, 2003).

Septocostae ordnen sich gitterartig horizontale Stäbchen (Synapticulae) an. Die Koralliten der einzelnen Polypen sind über horizontale Platten und andere Kalkstrukturen miteinander verbunden. Das Sterom, eine stabile undurchlässige Schicht, befindet sich innerhalb der Polypenwand. Einige Polypen haben darüber hinaus noch einen dünnen Kalkfilm auf der Außenseite der Wand, die Epitheka (Veron, 2000).

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Abb. 2: Schematische Darstellung der wichtigsten Skelett-Elemente (Veron, 2000).

Bei den Koralliten einer Kolonie gibt es unterschiedliche Ausbildungsformen. Haben die Polypen eigene Wände, werden sie als plocoid oder – wenn sie zusätzlich auch noch gleich lang sind – als phaceloid bezeichnet (Abb. 3) (Veron, 2000).

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Abb. 3: Verschiedene Ausbildungsformen der Koralliten: plocoide Kolonien haben ihre eigenen Wände (links); phaceloide Kolonien haben ebenfalls ihre eigenen Wände, aber diese sind länger und röhrenförmig (rechts) (Veron, 2000).

Teilen sich benachbarte Polypen ihre Wände, bezeichnet man sie als mäandroid oder cerioid. Ist eine Kolonie mäandroid, also weist sie Täler auf, hat aber ihre eigenen Wände, nennt man sie flabello – mäandroid (Abb. 4). Innerhalb dieser Kategorien gibt es allerdings auch sehr viele Zwischenformen. Einige Gattungen wie z.B. Favites oder Goniastrea bilden Kolonien aus, die sowohl plocoide als auch cerioide Teile besitzen (Veron, 2000).

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Abb. 4: Verschiedene Ausbildungsformen der Koralliten: Cerioide Kolonien teilen sich ihre Wände (links); mäandroide Kolonien bilden Täler aus und haben gemeinsame Wände (Mitte). Flabello-mäandroide Kolonien bilden ebenfalls Täler aus, haben aber ihre eigenen Wände (rechts) (Veron, 2000).

Neben den verschiedenen Ausbildungsformen gibt es auch noch etliche Wachstumsformen (Abb. 5). Die häufigsten sollen hier genannt, jedoch nur wenige näher erläutert werden, da die meisten Bezeichnungen selbsterklärend sind. Hierzu zählen baumartige, säulenartige, verzweigte, blattartige und tellerartige Wachstumsformen. Die massive Wachstumsform bezeichnet Kolonien, die ungefähr halbkugelförmig wachsen und eine besondere Stabilität und Festigkeit aufweisen. Die krustierende Wachstumsform soll in diesem Zusammenhang nicht ungenannt bleiben. Sie beschreibt Kolonien, die dicht über dem Untergrund wachsen und am Substrat angeheftet sind (Veron, 2000).

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Abb. 5: Die wichtigsten Wuchsformen der Scleractinia (Veron, 2000).

3. Korallenriffe

3.1 Biologie und Entstehung

Als Korallenriffe werden die von Korallen aufgebauten Kalkmassen bezeichnet. Die Korallen gehören meistens zur Gruppe der Steinkorallen, welche besonders schnell sowie koloniebildend wachsen und eine hohe Kalkbildungsrate besitzen. Um diese hohe Kalkbildungsrate zu erhalten, benötigen sie jedoch - wie bereits erwähnt - symbiotische Partner: die Zooxanthellen. Mit ihrer Hilfe können die Steinkorallen zehn Mal mehr Kalk produzieren als ohne sie. Während ihres Lebens nehmen die zooxanthellaten Korallen gelöstes Calcium und Hydrogencarbonat aus dem sie umgebenden Wasser auf und fällen diese Ionen zu Calciumcarbonatkristallen, welche das Skelett bilden und am Korallenfuß abgesondert werden. Da Steinkorallen in großen Kolonien leben, entsteht mit der Zeit aus den Kalkablagerungen der Skelette ein gewaltiges Kalkgebilde. Der größte Teil dieses Gebildes besteht aus den Skeletten bisweilen abgestorbener Korallen (Schuhmacher, 1991; Veron, 2000).

Die Entwicklung und Form der Riffe hängt von den jeweils herrschenden Winden, der Meeresströmung und den damit verbundenen Wellenbewegungen ab (Taylor, 1968).

Auch auf Mahé ist die Abhängigkeit der Riffentwicklung von den herrschenden Winden sichtbar. Während die Ostseite kontinuierlich von Riffen gesäumt wird, befinden sich auf der Westseite der Insel Steilküsten und Buchten, in denen sich lediglich kleinere flickenartige Saumriffe erstrecken (Taylor, 1968).

3.2 Rifftypen

Das Gebiet der Seychellen beherbergt drei verschiedene Arten von Riffen: das Atoll, das Plattform- und das Saumriff. Diese drei Typen sind zum Teil nicht immer eindeutig voneinander abzugrenzen. Vielmehr kann man sie als Übergangsformen einer stetigen Entwicklung betrachten, welches sich aus dem Zusammenspiel von Riffaufbau, Änderung des Wasserspiegels und der Erosion der zentralen Landmasse ergibt (Stoddart, 1984; Jennings et al., 2000)

a) Plattformriff

Plattformriffe können sich sowohl auf dem Kontinentalschelf als auch im offenen Ozean bilden, überall da, wo der Meeresboden soweit in Richtung Wasserspiegel hinaufragt, dass das Wachstum zooxanthellater, riffbildender Korallen möglich ist. Es entsteht an einer flachen Stelle im Meer und türmt sich dann plattenartig auf (Stoddart 1984, Jennings et al 2000). Plattformriffe wachsen, im Unterschied zu Saum - und Barriereriffen, die sich nur seewärts ausdehnen, nach allen Seiten (Abb. 6). Sie können recht unterschiedliche Größen erreichen, von wenigen hundert Metern bis zu vielen Kilometern. Meist ist ihre Form oval bis stark langgezogen. Teile der Riffe können bis zur Oberfläche reichen, und dort Sandbänke und kleine Inseln bilden, um die sich eigene Saumriffe formen können. Sind die Plattformriffe schon einige Jahre alt, kann das Innere des Riffs bereits einer starken Erosion unterlegen sein, so dass sich eine Lagune gebildet hat. Ist dies der Fall, bezeichnet man diese Art von Riff als Pseudoatoll. Es ist ohne nähere Untersuchungen sogar unmöglich, dieses Riff von echten Atollen zu unterscheiden (Schuhmacher, 1991). Plattformriffe gibt es z.B. in der Amiranten und Farquhargruppe, welche zu den „Outer Islands“ der Seychellen gehören (Stoddart, 1984; Jennings, 2000).

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Abb. 6: Querschnitt eines Plattformriffs (eigenes Bild).

b) Atoll

Ein Atoll ist ein ringförmiges Korallenriff, welches eine Lagune umschließt. Glaubt man Darwin, so entstehen Atolle aus Saumriffen, die sich um Vulkaninseln angesiedelt haben. Versinkt die Vulkaninsel im Meer, wächst das Riff außen trotzdem weiter in die Höhe, aber im Inneren entsteht eine Lagune (Abb. 7) (Schuhmacher, 1991).

Auf den Seychellen kommen die Atolle in der Aldabra-Gruppe und um einige Inseln der Amiranten und Farquhargruppe vor (Stoddart 1984, Jennings et al., 2000).

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Abb. 7: Querschnitt eines Atolls (eigenes Bild).

c) Saumriff

Ein Saumriff erstreckt sich entlang der Küste des Festlandes oder einer Insel und kann mehrere Kilometer lang sein. Seine Breite beträgt meist unter hundert Meter, kann jedoch auch auf mehrere hundert Meter ansteigen. Saumriffe entstehen zunächst unmittelbar an der Küste auf Höhe der Niedrigwassergrenze und dehnen sich mit ihrem Wachstum immer mehr seewärts aus. Dort wo der Meeresboden steil abfällt, hören sie meistens auf zu wachsen und haben somit ihre endgültige Breite erreicht. Die Oberfläche des Saumriffs bleibt dabei immer auf gleicher Höhe dicht unterhalb der Wasserlinie (Abb. 8). Bei älteren Saumriffen, deren äußere Bereiche sich weit ins Meer hinausgeschoben haben, wird der innere Teil durch Erosion vertieft und bildet schließlich eine Lagune. Saumrifflagunen können über hunderte Meter breit und einige Meter tief werden und erstrecken sich – wie das Saumriff – parallel zur Küste (Stoddart, 1984; Jennings et al., 2000).

Das Saumriff ist die typische Riffform der granitischen Inseln der Seychellen. Um Mahé und Praslin erreichen Saumriffe mitunter eine Größe von über zwanzig Quadratkilometern (Stoddart, 1984). Auch das Riff, an dem die in dieser Arbeit behandelten Untersuchungen vorgenommen wurden, gehört in die Kategorie des Saumriffs.

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Abb. 8: Querschnitt eines Saumriffs (eigenes Bild).

4. Untersuchungsgebiet

4.1 Geografie

Die Republik Seychellen ist ein Inselstaat, der nahe dem Äquator im westlichen Teil des Indischen Ozeans liegt. Die Seychellen bestehen aus insgesamt 116 Inseln, die sich in „Inner Islands“ im Norden und die weiter südlich gelegenen „Outer Islands“ einteilen lassen (Abb. 9). Die erste Gruppe besteht aus 42 Inseln granitischen Ursprungs, deren Fläche insgesamt 277 km2 beträgt und auf denen 97% der seychelloischen Gesamtbevölkerung lebt (Jennings et al., 2000). Die „Outer Islands“ dagegen werden von 74 korallinen Inseln gebildet, auf denen aufgrund der geringen Höhe und mangelndem Trinkwasser nur sehr wenige Menschen leben.

Die größte Insel der „Inner Islands“ ist Mahé. Auf dieser 28 km langen und bis 8 km breiten Insel leben ca. 90.000 Einwohner. Im Nordwesten Mahé’s, in der vor starkem Seegang geschütztem Bucht von Beau Vallon, befindet Abb. 9: Übersicht der Inselgruppe (Internetquelle1). sich das in dieser Arbeit behandelte Untersuchungsgebiet T6xr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Übersicht der Inselgruppe (Internetquelle1).

4.2 Ökologische Bedingungen

4.2.1 Abiotische Faktoren

4.2.1.1. Klima

Das Klima auf den Seychellen wird, aufgrund ihrer äquatornahen Lage, vom Monsun bestimmt und ist von großer Bedeutung für die Riffentwicklung. Zwischen Dezember und März sorgt der Nordwest-Monsun für Hitze und starke tropische Gewitter. In dieser Zeit fällt auch der meiste Niederschlag (Abb. 10). Von Mai bis Oktober dominiert der Passat aus dem Südosten mit kontinuierlich starken Winden und rauer See. In den Monaten dazwischen, den Transitmonaten, besteht nur eine geringe Luftbewegung, da die Sonne in dieser Zeit senkrecht über dem Äquator steht und die Nord- und Südhalbkugel der Erde ähnlich stark aufgeheizt werden. So ist das Meer in diesen Monaten ruhig und klar, der Himmel wolkenlos.

Die Lufttemperaturen auf den Seychellen können zwischen 16 und 36°C schwanken, liegen im Jahresdurchschnitt jedoch bei ca. 26°C. Der Jahresgesamtniederschlagswert beträgt ca. 2350 mm, wobei dieser Wert zwischen Küste und Landesinnerem etwas variieren kann (Jennings et al., 2000).

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Abb. 10: Klimadiagramm Mahé, Seychellen (Internetquelle 2).

4.2.1.2 Wasser

Die Temperatur des Wassers, welches die Inseln umgibt, ist mit einem Wert zwischen 26 und 31°C recht hoch, da es relativ flach ist und die Seychellen sich im Einflussbereich des warmen Südäquatorialstroms befinden, welcher wiederum dem Windsystem der Erde unterliegt (Schuhmacher, 1991). Im offenen Indischen Ozean ist der Temperaturunterschied von Wasser und Luft verschwindend gering, wobei die Wassertemperatur meist höher liegt, als die Temperatur der Luft. An bestimmten Stellen im Wasser kann die Temperatur auf über 40°C steigen, so dass sie das Maximum des Temperaturtoleranzbereiches der Meeresbewohner überschreitet. Dieser liegt bei 30 – 35°C und kann, besonders in den Küstenregionen, in denen das Wasser flach ist, übertroffen werden. Die Wassertemperatur ist somit ein wichtiger Faktor für das Wachstum von Korallenriffen und sollte im Durchschnitt nicht weniger als 20°C betragen (Sheppard, 2000).

[...]

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Riffkartierung entlang der Ostseite eines Transekts in der Bucht von Beau Vallon, Mahé, Seychellen
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Zoology)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
51
Katalognummer
V272251
ISBN (eBook)
9783656646273
ISBN (Buch)
9783656646266
Dateigröße
3356 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
riffkartierung, ostseite, transekts, bucht, beau, vallon, mahé, seychellen
Arbeit zitieren
Julia Frey (Autor), 2012, Riffkartierung entlang der Ostseite eines Transekts in der Bucht von Beau Vallon, Mahé, Seychellen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272251

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