Vielen Unternehmen fehlt das Verständnis für den Einsatz von Bewertungsinstrumenten, mit denen sich der zukünftige Erfolg einer Innovation wirksam einschätzen lässt. Dies hat zu Folge, dass wenig Erfolg versprechende Innovationsprojekte zu spät oder gar nicht – hingegen Erfolg versprechende Innovationsprojekte zu früh abgebrochen werden. Die entstehenden (Opportunitäts-) Kosten vermindern wiederum die Wettbewerbsfähigkeit und können für Unternehmen existenzbedrohend sein. Eine prozessbegleitende Bewertung von Innovationen mit Hilfe von geeigneten Instrumenten wird daher zum entscheidenden Erfolgsfaktor. Jedoch besteht noch Unklarheit über die prozessbegleitende Eignung der Instrumente während des Innovationsprozesses. Bislang gibt es lediglich die allgemeine Empfehlung, qualitative eher zu Beginn, semi-quantitative in der Mitte und quantitative Instrumente eher gegen Ende eines Innovationsprozesses einzusetzen.
Es ist jedoch zu bezweifeln, dass eine solche Aussage den Ansprüchen an eine effektive und effiziente Nutzung der Instrumente gerecht wird. Deshalb hat diese Arbeit zum Ziel, die qualitativen und semi-quantitativen Instrumente für den systematischen Einsatz im Innovationscontrolling zu beurteilen und sie den einzelnen Bewertungszeitpunkten im Innovationsprozess zuzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der Bewertung von Innovationsprojekten
2.1 Begriffliche Eingrenzung der Innovation
2.2 Merkmale von Innovationsprojekten
2.3 Phasen des Innovationsprozesses
2.4 Bedeutung des Innovationscontrolling
2.5 Anforderungen an Controllinginstrumente
3. Beurteilung ausgewählter Instrumente zur Bewertung von Innovationsprojekten
3.1 Methoden der dialektischen Bewertung
3.1.1 Bewertungsdiskussion
3.1.2 Projektanwaltsverfahren
3.2 Methoden der intuitiven Komplexbewertung
3.2.1 Punkt- und Rangplatzvergabe
3.2.2 Paarvergleich
3.3 Methoden der offenen-analytischen Bewertung
3.3.1 Checklisten und Wertprofile
3.3.2 Portfolioanalyse
3.4 Methoden der geschlossenen-analytischen Bewertung
3.4.1 Nutzwertanalyse
3.4.2 Kosten-Nutzen-Analyse
3.4.3 Analytisch-hierarchischer Prozess
3.4.4 Prävalenzverfahren
4. Vergleichende Beurteilung der Controllinginstrumente
5. Theoretische und praktische Implikationen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Eignung verschiedener qualitativer und semi-quantitativer Controllinginstrumente zur Bewertung von Innovationsprojekten. Das Hauptziel besteht darin, die Instrumente zu beurteilen und sie den spezifischen Bewertungszeitpunkten im Innovationsprozess zuzuordnen, um eine effektive und effiziente Steuerung von Innovationsvorhaben zu ermöglichen.
- Grundlagen der Innovationsbewertung und Phasenmodelle
- Anforderungen an Controllinginstrumente in Innovationsprozessen
- Systematische Beurteilung qualitativer und semi-quantitativer Verfahren
- Vergleichende Analyse der Instrumentengruppen
- Praktische Implikationen für den Einsatz im Innovationscontrolling
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Checklisten und Wertprofile
Checklisten sind systematische Auflistungen von bewertungsrelevanten Kriterien, anhand derer die Eigenschaften von Projekten zu überprüfen sind (vgl. hierzu und zum Folgenden Weinreich 1981, S. 53). Die Kriterien können mit Hilfe der Checkliste gesammelt, geordnet und beliebig gegliedert werden. Wird eine bestimmte Anzahl an wünschenswerten Kriterien nicht erreicht oder vorher festgelegte Muss- und Sollkriterien gebrochen, führt dies zur Beendigung des Projekts (vgl. Brem/Vahs 2013, S. 322f.).
Ob ein Projekt die Kriterien erfüllt, wird in Form von offenen oder geschlossenen Fragen ermittelt, die vom Anwender zu beantworten sind. Bei geschlossenen Fragen werden für jedes Kriterium die Antwortmöglichkeiten in abstufenden Skalenwerten vorgegeben. Die Auswahl einer Skala kann beliebig erfolgen. Möglich wären bspw. Skalen von 0-10, Schulnoten, oder Ja/Nein-Antworten. Dadurch eröffnet sich die Möglichkeit qualitative Daten quantitativ zu erfassen (vgl. Gerhard 1998, S. 208). Je besser das Projekt ein bestimmtes Kriterium erfüllt, desto höher ist der anzugebene Rang in der Skala.
Festgelegte Skalenwerte bzw. Antwortmöglichkeiten beschleunigen die Bewertung und erhöhen die Vergleichbarkeit mit anderen Projekten. Bei offenen Fragen hingegen werden keine Antworten vorgegeben. Dies erschwert zwar den Bewertungsprozess, fordert jedoch dazu auf, die Entscheidung zu begründen. Um von den beiderseitigen Vorzügen zu profitieren, beinhalten Checklisten oftmals beide Formen an Fragestellungen. Zur Steigerung der Bewertungstransparenz wird empfohlen, die Checkliste zunächst individuell von mehreren Personen bewerten zu lassen und anschließend die Einzelergebnisse in einer Gruppe zusammenführen (vgl. Wahren 2004, S. 175f.). Zudem erweisen sich Checklisten bei ihren Einsatz als sehr flexibel. Je nach Zielsetzung und Bedeutung der Bewertung, ist eine spezifische Anpassung der Kriterienauflistung möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die strategische Bedeutung der Innovationsbewertung und identifiziert die Lücke in der prozessbegleitenden Anwendung von Controllinginstrumenten.
2. Grundlagen der Bewertung von Innovationsprojekten: In diesem Kapitel werden Begriffe definiert, Innovationsmerkmale wie Risiko und Komplexität analysiert und ein Phasenmodell für den Bewertungsprozess bestimmt.
3. Beurteilung ausgewählter Instrumente zur Bewertung von Innovationsprojekten: Jedes Instrument wird hinsichtlich Ziele, Eignung und Anwendung in den verschiedenen Phasen einzeln detailliert beurteilt.
4. Vergleichende Beurteilung der Controllinginstrumente: Die verschiedenen Instrumentengruppen werden verglichen, um Stärken und Schwächen sowie deren tendenzielle Aussagekraft gegenüberzustellen.
5. Theoretische und praktische Implikationen: Das Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und leitet Empfehlungen für den kombinierten Einsatz der Instrumente zur erfolgreichen Projektbewertung ab.
Schlüsselwörter
Innovationscontrolling, Innovationsprojekt, Bewertungsinstrumente, Stage-Gate-Modell, Nutzwertanalyse, Portfolioanalyse, Innovationsrisiko, Radikale Innovation, Projektbewertung, Investitionsrechnung, Kriteriengewichtung, Entscheidungsunterstützung, Prozessbegleitende Bewertung, Innovationsgrad, Transparenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Eignung und dem systematischen Einsatz von Controllinginstrumenten zur Bewertung von Innovationsprojekten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Innovationsbewertung, verschiedene Bewertungsmethoden (qualitativ, semi-quantitativ) sowie die prozessbegleitende Steuerung durch ein geeignetes Phasenmodell.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die systematische Beurteilung von Controllinginstrumenten und deren gezielte Zuordnung zu den verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie eine systematische Beurteilung und vergleichende Einordnung der Instrumente anhand definierter Kriterien wie Datenbedarf, Aussagekraft und Arbeitsaufwand.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Methoden – von dialektischen über intuitive bis hin zu analytischen Verfahren – detailliert erläutert und ihre Eignung über die Phasen des Stage-Gate-Modells hinweg bewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Innovationscontrolling, Nutzwertanalyse, Portfolioanalyse, Radikale Innovation und Projektbewertung.
Warum wird das Stage-Gate-Modell als Basis verwendet?
Das Modell von Cooper wurde gewählt, weil es den Innovationsprozess in sechs voneinander abgrenzbare Abschnitte unterteilt, die sich ideal für phasenbezogene Bewertungsentscheidungen eignen.
Welches Problem lösen die geschlossenen-analytischen Methoden?
Sie lösen das Problem der intuitiv-kognitiven Verzerrung durch den Einsatz mathematischer Wertsynthesen, wodurch die Bewertung objektivierter und nachvollziehbarer wird.
Warum wird für den ersten Meilenstein die Checkliste empfohlen?
Da in der frühen Phase eine hohe Anzahl an Ideen bewertet werden muss, ermöglicht die Checkliste eine schnelle Grobselektion, ohne den hohen Aufwand komplexerer Methoden.
Welche Rolle spielt die Portfolioanalyse in den späten Phasen?
In späteren Phasen dient sie zur transparenten Darstellung und Überwachung der Projekte, um Attraktivität und Rahmenbedingungen im Zeitverlauf abzugleichen.
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- Martin Sauer (Author), 2013, Innovationscontrolling. Eignung qualitativer und semi-quantitativer Controllinginstrumente zur Bewertung von Innovationsprojekten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272258