Der kommunikationspolitische Rahmen für Journalistisches Arbeiten in Deutschland und den USA im Vergleich


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2 Medien in Deutschland und den USA im Vergleich
2.1 Deutschland
2.2 USA
2.3 Vergleich

3 Wahlkampf in Deutschland und den USA im Vergleich
3.1 Definition Amerikanisierung
3.2 Wahlkampf USA
3.3 Wahlkampf in Deutschland und folgen der Amerikanisierung

4 Journalismus versus journalism
4.1 Vorstellung der Studie
4.2 Recherche als Kampfmittel gegen politische PR
4.3 Rollenverständnis der Journalisten

5 Zusammenfassung und Fazit

6 Literaturverzeichnis

Abstract

Nach Donsbach werden die Nachrichtenentscheidungen von Journalisten von drei Faktoren beeinflusst. Diese unterteilen sich in die Bereiche Medienstrukturen, Verhalten des Rezipienten und der Journalist als Subjekt in seiner Profession1. Im ersten Teil meiner Arbeit veranschauliche ich die Entwicklung und den derzeitigen Stand der Medienstruktur in den USA und in Deutschland und vergleiche sie anschließend. Im Folgenden teil untersuche ich den Aufbau der Wahlkämpfe in Deutschland und den USA wobei ich ein Hauptaugenmerk auf die Berichterstattung lege welche wichtig ist für die anschließende Darstellung einer Studie über das Rollenverständis und die Recherchebereitschaft von Journalisten in beiden Ländern.

1. Einleitung

Medien dienen neben der Unterhaltung, Entspannung und Ablenkung vor allem der Vermittlung von Information. Bei der Vermittlung politischer Information haben sie eine Art „Monopolstellung“ da der Normalbürger sein politisches wissen fast ausschließlich über die Massenmedien beziehen kann.

Durch die Stellung der Journalisten als Übermittler der politischen Informationen an den Rezipienten entsteht zwischen den Journalisten und den Parteien, hierbei besonders ihrer Vertreter, ein Wechselverhältnis was sich auch auf den Rezipienten als Endnutzer auswirkt.

Neben Vorteilen die aus dieser Beziehung für beide Seiten hervorgehen muss man auch die andere Seite dieser Machtposition, dass Risikos eines Missbrauches und der Möglichkeit der Täuschung des Bürgers betrachten.

In dieser Hausarbeit möchte ich nach einem groben Überblick der Strukturen des Mediensystems in den USA und in Deutschland und nach einem Vergleich der Wahlkampfdarstellung in den Medien besonders auf diese Beziehung und die Sicht der Journalisten auf die Politiker eingehen. Als Medien wird hier vorwiegend der Rundfunk dargestellt und untersucht.

2 Medien in Deutschland und den USA im Vergleich

2.1 Deutschland

Die ersten Ansätze eines dualen Systems in Deutschland gab es schon bereits Anfang der 1920er Jahre. Schon in der Weimarer Republik begannen die ersten privaten Kapitalgeber sich an den damals 9 regionalen Sendegesellschaften zu beteiligen, da die damals staatliche Post dies nicht alleine stemmen konnte. Ab 1932 übernahm das nationalsozialistische Regime die komplette Kontrolle zur propagandistischen Verwendung des Rundfunks unter dem Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda.2 Im Gegensatz zu Großbritannien (Mitte der 1950er) und Italien (1970), dauerte es in der Bundesrepublik Deutschland noch um einiges länger um vom öffentlich rechtlichen Rundfunk zu einem dual organisierten System überzugehen .3

Am 1. Januar 1984 übertrug die „Programmgesellschaft für Kabel- und Satellitenrundfunk (PKS)“ (später Sat.1) aus Ludwigshafen das erste private Fernsehprogramm.4

Heute hat ein komplett duales Rundfunksystem in Deutschland bestand. Neben den öffentlich-rechtlichen (ör) Sender Arbeitsgemeinschaft der öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland(ARD), Zweites deutsches Fernsehen (ZDF) und Deutschlandradio gibt es die privaten Veranstalter zu deren größten die Pro7Sat1 Media AG und Die RTL Gruppe gehören.5

Die allgemeine Grundlage für jeglichen Rundfunk in Deutschland bildet der Rundfunkstaatsvertrag (RStV). Dieser Regelt unter anderem die Dualität des Rundfunkwesen und der daraus herausgehenden Aufgabenstellung der ör- Rundfunkanstalten. „Auftrag der öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten ist, durch die Herstellung und Verbreitung ihrer Angebote als Medium und Faktor des Prozesses freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken und dadurch die demokratischen, sozialen und kulturellen Bedürfnisse der Gesellschaft zu erfüllen […].“6

Im Gegensatz zu den privaten Sendern welche sich überwiegend durch Werbung finanzieren werden die ör Rundfunkanstalten fast ausschließlich durch Beiträge finanziert. Nur ein kleiner Teil des Finanzbedarfs werden durch Werbung gedeckt welche maximal 20 Minuten täglich und auch nur werktags bis 20 Uhr geschaltet werden darf. Diese Beiträge werden in einem dreistufigen Verfahren durch die Kommission für Ermittlung des Finanzbedarf (KEK) ermittelt. Die letzte Änderung gab es zum 01.01.2013, wo nun „nur“ noch jeder Haushalt zur Zahlung eines Beitrages verpflichtet ist.

Die Privaten Sender unterstehen der Kontrolle der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK).

Die KEK ist jeweils für die Landesmedienanstalt tätig. Sie ist zuständig für die Vergabe von Sendelizenzen und zur Kontrolle der Verhinderung von Monopolbildung.

Nach § 27 ff. des RÄStV ist es einem Unternehmen erlaubt, „[…]selbst oder durch ihm zurechenbare Unternehmen bundesweit im Fernsehen eine unbegrenzte Anzahl von Programmen zu veranstalten, solange es dadurch keine vorherrschende Meinungsmacht erlangt […]“.7 Vorherrschende Meinungsmacht wird vermutet, wenn die einem Unternehmen zurechenbare Programme im Jahresdurchschnitt einen Zuschaueranteil von 30 % erreichen.

Durch die staatlichen Kontrollorgane in der BRD und die gesetzlichen Vorgaben an den ör und privaten Rundfunk wird deutlich das die Manipulation des Bürgers ohne das Verlassen des gesetzlichen Rahmens schwer möglich ist.

2.2 USA

In den USA war bis Ende des zweiten Weltkrieges das Radio das vorherrschende Massenmedium und wurde Mitte der 1940er Jahre vom Fernsehen abgelöst. Der Start des Fernsehens und die Senderentwicklung startete fast explosionsartig das zwischen 1948 bis 1952 ein zeitlich befristeter Lizensierungsstop erlassen wurde.8

Das Mediensystem in den USA unterscheidet sich stark von dem der Bundesrepublik. Durch die unterschiedlichen Entwicklungen des Pressewesens s in den einzelnen Bundesstaaten gibt es keine länderübergreifende Gesetzte. Des Weiteren legt bereits die Verfassung im ersten Zusatzartikel fest, dass der Kongress kein Gesetz zur Einschränkung der Pressefreiheit machen darf. Dieser Artikel korreliert sehr stark mit dem Grundsatz der Amerikaner auf „Freiheit und Unabhängigkeit“.

Neben einer der wichtigsten staatlichen Organisationen der Medienkontrolle, der Federal Communications Commission (FCC) erfolgt die Kontrolle vorwiegend über Organisationen der Journalisten selbst. Hierbei sind die Mitglieder den Ehrenkodexen dieser Organisationen verpflichtet. Diese Organisationen beziehen ihre Gelder aus Mitgliedschaftsbeiträgen und Spenden.9

Zu den drei wichtigsten gehören:

- American Society of Newspaper Editors (ASNE)
- Society of professional Journalists (Sigma Delta Chi)
- Assosiated Press Managing Editors (APME)

Im Vergleich zu Deutschlands dualem Mediensystem gibt es in den USA vorwiegend private Sender die sich größtenteils in Networks zusammenschließen, hierauf werde ich anschließend noch genauer eingehen. Die Einzigen nicht kommerziellen Medienanstalt sind das Public Brodcasting system (PBS) und das National public radio (NPR). Beide werden über die 365 Lokalsender ausgestrahlt werden und ausnahmslos über Spenden und staatliche Zuschüsse finanziert werden. Die amerikanischen Staatsbürger werden also nicht wie in Deutschland vom Staat dazu verpflichtet für die Bereitstellung von Information und Unterhaltung durch die Medien Beiträge zu zahlen. Daraus folgt das es in den USA vorwiegend kommerzielle Sender gibt die sich in den vorhin genannten Networks zusammenschließen. Die Entwicklung der Networks hat seine Ursprünge in den 1920er Jahren wo man Großereignisse Landesweit und über die verschiedenen Zeitzonen hinweg im Radio übertragen wollte. Das heutige Prinzip funktioniert so, dass ein Hauptsender Nachrichten, Serien etc. Produziert und in einem vorgegebenen Zeitfenster in den zum Network angeschlossenen Lokalsender landesweit überträgt. Die restliche Zeit füllen die Lokalsender selbst.10 Bei der Aufteilung der Werbung wird gleichmäßig zwischen lokaler Werbung und Werbung des Hauptsenders aufgeteilt.

Eine weitere Entwicklung gab es in den USA bei den Eigentumsverhältnissen der Medienunternehmen. „(…)Während 1983 noch 50 Unternehmen sich die überwiegende Anzahl der Medienbetriebe teilten, hatte sich diese Anzahl bis 1992 auf zwei Dutzend verringert. Fünfzehn Jahre später sind es gerade einmal fünf Konglomerate, die über 90% des Marktes kontrollieren: Time Warner, Disney, Murdoch´s News Corporation, General Electric/NBC und CBS Corp. (zuvor Viacom).“11

2.3 Vergleich

Im Vergleich der Deutschen und amerikanischen Medien und Berichterstattung ist vor allem der Unterschied des dualen Systems (BRD) zum liberalen System der USA hervorzuheben. Durch die fast ausschließlich privatwirtschaftliche organisierten Medien in den USA ist der Kampf um Quote und folglich der Wettstreit nach Werbepartner um ein vielfaches wichtiger als in Deutschland. Hinzu kommen die Einflüsse der Wirtschaft. Durch das Einkaufen in Medienunternehmen oder sogar deren kompletten Übernahme durch die Wirtschaft kann man von einer Gefährdung der neutralen Berichtserstattung sprechen. Da diese Unternehmen natürlich eine Einstellung ob sie nun politischer oder privatwirtschaftlichen Ursprungs ist vertreten und diese über die Macht in der Medienbranche an den Endverbraucher weitergeben können und unter Umständen zu einer Meinungsänderung führen kann.

Betrachtet man diese Gefährdung bezogen auf die Medienstrukturen in Deutschland sind diese Freiheiten und Einflüsse der Wirtschaft und der Monopolbildung stark durch die staatliche Kontrolle und das duale System eingeschränkt.

In dieser Hinsicht kann man davon ausgehen, dass im Gegensatz zu Deutschland die USA die eher die Stellung der „vierten Gewalt“12 durch ihre fast uneingeschränkten Möglichkeiten der Art und Breite von Informationsübertragung einnehmen als dies in Deutschland der Fall ist13

3 Wahlkampf in Deutschland und den USA im Vergleich

3.1 Definition Amerikanisierung

Das Konzept der Amerikanisierung, welcher hierbei besonders in Bezug auf Wahlkämpfe angewandt wird kann nach Bohrmann et al. aus zwei verschiedenen Sichtweisen betrachtet werden. Einerseits aus der diffusionstheoretischen Sicht wobei es sich bei der „Amerikanisierung“ um einen gerichteten (einseitigen) Konvergenzprozess handle bei der sich die zentrale Parameter der Handlungslogik politischer Akteure in Westeuropa der kommunikativen Prozesslogik in den USA annähere. Andererseits könnte man die „Amerikanisierung“ als einen Prozess der ungerichteten Konvergenz sehen welcher „(…)im Ergebnis zu einer Annäherung der politischen Kommunikationslogik in medienzentrierten Demokratien führt.14

Nach Pfetsch ist die Amerikanisierung die Übertragung des politischen Stils und der Interaktion von Medien und Politik als allgemeines Modell auf andere Länder. Hierbei erlangt „das Schlagwort von Amerikanisierung der politischen Kommunikation – im Sinne des Exports von US-amerikanischen Wahlkampftechniken (…) durch die Globalisierung der Politikberatungsindustrie Plausibilität.15

Beide Autoren fassen die Amerikanisierung als Übertragung der Wahlkampf -strategien also der Vermarktung und Medialisierung des politischen Wahlkampfes zusammen. In folgen Punkten möchte ich nun auf den Ursprung des inszenierten Wahlkampfes in den USA und dessen Entwicklung eingehen. Des Weiteren untersuche ich den aktuellen Wahlkampf in Deutschland und wie weit sich dieser an den der USA in Bezug auf die Amerikanisierung angenähert hat.

3.2 Wahlkampf USA

Um die Fragestellung zu analysieren ob der amerikanische Wahlkampf den Ursprung des „amerikanisierten“ Wahlkampf in Deutschland wiederspiegelt und ob Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen sind analysiere ich im Folgenden zuerst den amerikanischen Wahlkampf als Ausgangspunkt.

In den USA ist eindeutig zu erkennen, dass der Kandidat als Person im Mittelpunkt des Wahlkampfes steht. Diese Personalisierung des Wahlkampfes hat seinen Ursprung 1952 Jahre bei dem Wahlkampf zwischen Adlai Stevenson und Dwight D. Eisenhower.16 Hierbei strahlten beide Kandidaten erstmals landesweit TV-werbe-spots aus wobei sich die Spots besonders auf die Persönlichkeit des Kandidaten bezogen.17

Diesem „zugeschnittenen“ Wahlkampf geht eine medienstrategische Planung voraus welche schon vor dem eigentlichen Wahltermin initiiert wird.

Die Vorbereitung des Wahlkampfes beginnen mit einer umfassenden Analyse der Wählerschaft und deren Vorstellung des idealen Kandidaten. Hierzu werden Sowohl Meinungsumfragen als auch Telefoninterviews zu Hilfe gezogen welche in einem regelmäßigen Rhythmus wiederholt werden.18

[...]


1 Vgl. Donsbach, W.(2001), S.6

2 Vgl. Pürer, H.(2003) S.256 f.

3 ebd. S.256

4 ebd. S.258

5 ebd. S 256

6 13. RÄStV, Abschnitt II, §2, 2010

7 http://www.kek-online.de/Inhalte/aufgaben.html

8 Vgl. Wentzel, D. (2002)

9 https://www.spj.org/joinapp.asp

10 Vgl. Jarren et al. 2012

11 http://www.bpb.de/internationales/amerika/usa/10707/medien-in-den-usa

12 Vgl. Pürer, H. (2003), S.423

13 Vgl. Pürer, H. (2003), S.423 wo er sie als „vierte Säule“ bezeichnet

14 Vgl. Bohrmann et al. 2000, S.50/51

15 Pfetsch, 2000, S.9 (Druckausgabe)

16 Vgl.Wagner, J. (2004) S.204

17 ebd.

18 Vgl. Stegner, R. (1992) S.39 ff.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der kommunikationspolitische Rahmen für Journalistisches Arbeiten in Deutschland und den USA im Vergleich
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V272301
ISBN (eBook)
9783668195721
ISBN (Buch)
9783668195738
Dateigröße
749 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rahmen, journalistisches, arbeiten, deutschland, vergleich
Arbeit zitieren
Maximilian Lehner (Autor), 2013, Der kommunikationspolitische Rahmen für Journalistisches Arbeiten in Deutschland und den USA im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272301

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