Der hundertjährige Kalender. Entstehung und Deutung


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung (Bezug zu Raum und Zeit)

2 Definitionen und Begriffe
2.1 Der hundertjährige Kalender
2.2 „Calendarium oeconomicum practicum perpetuum“
2.3 „hundertjährig“

3 Entstehung

4 Deutung
4.1 Grundsätze des Kalenders
4.2 Bedeutung der Planeten
4.2.1 Saturn
4.2.2 Jupiter
4.2.3 Mars
4.2.4 Sonne
4.2.5 Venus
4.2.6 Merkur
4.2.7 Mond
4.3 Bedeutung von Sonnenfinsternis, Mondfinsternis und Kometen

5 Anwendung

1 Einleitung

Der Hundertjährige Kalender ist vielen Menschen in der heutigen Zeit bekannt. Er soll Voraussagen über das Wetter machen können und den Menschen so bei ihrer Aussaat und Ernte helfen. Die folgende schriftliche Arbeit bezieht sich auf die Entstehung, Deutung und Anwendung des Kalenders und klärt, was dieser mit bestimmte Perioden in der Zeit und gewissen Räumen und Gebieten zu tun hat. Zudem werden folgende Fragen geklärt: Wie werden seine Wettervorhersagen begründet? Kann man diesen Kalender ernst nehmen?

2 Definitionen und Begriffe

2.1 Der hundertjährige Kalender

„Wetterkalender von 1701 für die nächsten hundert Jahre, der auf Wetterbeobachtungen des Abtes M. Knauer aus Bamberg 1652-1658 beruht. Der H.K. nimmt an, dass sich das Wetter nach Ablauf eines siebenjährigen Pflanzenzyklus wiederhole.“1

Dieses Werk wurde von dem Arzt und Autor Christoph Hellwig (1663-1721, seit 1716: von Hellwig) herausgegeben.2 Bis in die heutige Zeit folgten einige Nachdrucke und angelehnte Werke.

2.2 „Calendarium oeconomicum practicum perpetuum“

Das Wettertagebuch, die Schrift, in welcher Knauer seine Wetterbeobachtungen und Vorhersagen zusammenfasste, nannte er: „Calendarium oeconomicum practicum perpetuum“.

Der Begriff ist lateinisch und bedeutet: „Fortwährender Kalender der landwirtschaftlichen Praxis“3 oder „immerwährender praktischer Wirtschaftskalender“4. Knauer selbst bezeichnete ihn auch als „beständiger Hauskalender“5.

2.3 „hundertjährig“

Dass der Kalender als hundertjähriger Kalender bezeichnet wird, bedeutet nicht, dass das Wetter sich alle hundert Jahre wiederholt. Dr. Hellwig nannte den von ihm herausgegebenen Kalender „hundertjährig“. Er war der Meinung, die Zahl 100 würde für die Menschen seiner Zeit geradezu unendlich wirken.6

3 Entstehung

Im Wesentlichen kann man den „hundertjährigen Kalender“ dem Abt Mauritius Knauer zuschreiben. Obwohl er nie einen Kalender unter diesem Namen herausgab, liegt dieser Kalender im Großen und Ganzen den Forschungen des Abtes zu Grunde. Mauritius Knauer wurde am 14. März 1613 mit dem Namen Moritz Knauer geboren. In seinem Leben war er vielseitig interessiert und widmete als Mönch Mauritius sein Leben einerseits Gott und andererseits der Wissenschaft. Er wurde mit 33 Jahren Prior im Kloster Langheim und 1648 zum Doktor der Theologie.

Ein großer Interessenpunkt seiner Wissenschaft war die Astrologie, die Sternenkunde. Knauer beobachtete Nächte lang den Lauf der Sterne in einem Observatorium, welches er zu diesem Zweck in Langheim errichten ließ. Er glaubte an den mittelalterlichen Grundsatz, dass alles auf der Welt vom Lauf der Sterne festgelegt sei. Seiner Meinung nach gab es noch unerforschte Rhythmen im Kosmos, welche bestimmte Gegebenheiten und Zusammenhänge der Landwirtschaft, wie Erfolg von Aussaat und Ernte, Gefahr von Unwettern, Abwechslung von Sonnenschein und Schnee und anderem bestimmen würden. Deshalb beobachtete er ebenso das Wetter und seine verschiedenen Phänomene.

Somit entschied sich der Abt dafür, einen neuen Kalender zu entwickeln. Seine Beobachtungen notierte er in einem Wettertagebuch, dem „Calendarium oeconomicum practicum perpetuum“. Dabei stellte er Zusammenhänge zu den verschiedenen Planeten fest, die, seiner Meinung nach, in bestimmten Zeiträumen eine Region und ihr Wetter regieren. Seine Intention war es damit den Bauern, die in der Umgebung seines Klosters lebten, wichtige Hinweise zur landwirtschaftlichen Nutzung geben. Dabei wollte er den besten Zeitpunkt für Aussaat und Ernte bestimmen. (Nach seiner Meinung...)kann ebenso die Gesundheit von Mensch und Tier durch den Einfluss von Winden bestimmt werden. Dies wollte er ebenfalls durch Beobachtungen erforschen und versuchen Krankheiten zu bekämpfen.

Am 9. November 1664 starb Mauritius Knauer. Seine Wetterbeobachtungen wurden teils auch über seine fränkische Heimat und sogar über Deutschland hinaus als Grundlage für die Landwirtschaft benutzt. Natürlich mussten die Regeln und Gesetze, die er beschrieb, auf die jeweiligen Regionen angepasst werden.

Ungefähr 40 Jahre nach Knauers Tod wurden die ersten Ausgaben seines Kalenders, genannt „immerwährender Kalender“, veröffentlicht.

1701 veröffentlichte Dr. Hellwig den ersten „hundertjährigen Kallender“.7

4 Deutung

4.1 Grundsätze des Kalenders

Mauritius Knauer legte 2 Grundsätze fest, auf die sich seine Aufzeichnungen stützen und beziehen.

Der erste Grundsatz lautet: „Weil alles Untergeordnete vom Einfluß des Übergeordneten bestimmt wird, ist alles Leben und Wachstum auf der Erde vom Walten des Himmels und der Gestirne abhängig.“8

Grundsatz 2: „Die größere Wirkung geht immer von den Planeten aus. Ihr Einfluß überwiegt den der Tierkreiszeichen, sofern er nicht durch eine Sonnenfinsternis oder durch das Auftauchen eines Kometen gestört wird“9

4.2 Bedeutung der Planeten

Laut Mauritius Knauer beinhaltet eine Periode, bestimmt durch die Planeten, sieben Jahre. Jeweils zum Frühlingsbeginn am 21. März übernimmt ein anderer Planet von seinem Vorgänger den Einfluss auf das Wetter10. Somit beginnt ein neues Planetenjahr immer am 21. März und endet am 20.März im darauffolgenden Kalenderjahr. 2007 begann ein Jahr des Saturn. Alle darauffolgenden Jahre sind den folgenden Planeten in dieser Reihenfolge zugeordnet: Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond11. Streng genommen sind die Sonne und der Mond keine Planeten. Die Sonne ist ein Stern, der durch seine Masse die Planeten in kreisähnlichen Bahnen hält12. Ein Mond ist ein Trabant oder Satellit eines Planeten13. Mit dem hier genannten Mond ist der Erdenmond gemeint.

Nach dem Jahr des Mondes beginnt wieder ein Jahr des Saturns. Hierdurch ergibt sich gibt es einen Siebenjahres- Rhythmus. Die Zahl 7 nimmt in der Geschichte eine besondere Rolle ein. In den verschiedensten Völkern wird die Zahl als Grundordnungszahl des Kosmos verstanden14. In der Bibel ist die 7 eine Heilige Zahl. Sie beruht auf der an jedem siebten Tag eintretenden Mondphase und wird als „heilig“ bezeichnet, wegen dem ältesten heiligen Mondfest, dem Sabbath15. In der Schöpfungsgeschichte wird beschrieben, dass Gott die Welt in sieben Tagen erschuf und am 7. Tag ruhte. Somit wurde dieser Tag zum Ruhetag erklärt, an dem man den heiligen Sabbath feiern sollte16. Es gibt die Sieben-Tage-Woche, die sieben Tugenden die sieben Todsünden und die sieben Siegel des Buches der Zukunft in der Apokalypse. Doch nicht nur in der Bibel lässt sich diese Zahl finden, auch in Märchen spielt sie oft eine große Rolle: Die sieben Raben, die sieben Zwerge, die sieben Geißlein.17

Zu der Zeit Knauers waren die Planeten Neptun, Uranus und Pluto noch nicht entdeckt und somit gab es sieben beobachtete bedeutsame Himmelskörper. Da die heilige Zahl

7 schon immer eine besondere Bedeutung besaß, war es naheliegend, dass der Mönch in den sieben Himmelskörpern etwas Außergewöhnliches sah. Außerdem sind moderne Astrologen der Meinung, dass die drei neu entdeckten Planeten so weit von der Erde entfernt sind, dass sie keinen entscheidenden Effekt auf die Geschehnisse der Erde ausüben könnten18. Den beobachteten „sieben Leuchten“ ordnete Knauer dann jeweils ein Jahr zur Herrschaft zu. Die Vorstellung von der Regentschaft von sieben wandelnden Himmelskörpern über die Jahre reicht aber noch weiter zurück, über das Mittelalter bis zum alten Babylon. Und nicht nur die Jahre, sondern auch die Tage und Stunden wurden den Regenten zugeordnet.19

4.2.1 Saturn

Dem Saturn ist der Samstag zugeordnet (englisch: Saturday)20.

Im allgemeinen ist ein Saturnjahr häufig feucht und kalt. In vielen Monaten kann es auch trocken sein, aber vor allem der August und der gesamte Herbst sind sehr stark verregnet.

Der Saturn benötigt 30 Jahre um seinen Lauf zu vollenden21. Der Planet gilt als männlich, melancholisch, irdisch und böse. Für die menschliche Natur gilt er somit als schädlich. Menschen, die seiner Regentschaft unterliegen, also in einem Saturnjahr geboren wurden oder das Sternzeichen Steinbock besitzen, weisen unter anderem Eigenschaften, wie Schreckhaftigkeit, Trauer oder Geiz auf. Durch seine langsamen Bewegungen, werden auch seine Auswirkungen auf Mensch und Natur als ausdauernd und nachdrücklich beschrieben. Man nennt ihn auch „infortuna major“, das große Unglück.22

[...]


1 Vgl. Neues Grosses Lexikon A-Z 1999, S. 384

2 Vgl. Herr 1998, S. 17

3 Zitat: www.simsforfans.de

4 Zitat: Blay 1995, S. 10

5 Siehe Fußnote 4

6 Siehe Fußnote 2

7 Vgl. Herr 1998, S. 12-17

8 Zitat: Blay 1995, S. 11

9 Zitat: Blay 1995, S. 12

10 Vgl. Blay 1995, S. 9

11 Vgl. Blay 1995, S. 14-15

12 Vgl. Baumann/ Emmrich & Schneider-Nicolay 2002, PHO-Z S. 269

13 Vgl. Baumann/ Emmrich & Schneider-Nicolay 2002, GP-PHNOM S. 424

14 Vgl. Allgeier 1983, S. 19

15 Vgl. Gerritzen 1990, S. 498

16 Vgl. Die Bibel 1999, S. 3-4

17 Siehe Fußnote 14

18 Vgl. Herr 1998, S. 28

19 Vgl. Allgeier 1983, S. 19-20

20 Vgl. Allgeier 1983, S. 20

21 Vgl. Herr 1998, S. 47

22 Vgl. Allgeier 1983, S. 96

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Der hundertjährige Kalender. Entstehung und Deutung
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Seminar- Raum und Zeit als zentrale Dimensionen kindlicher Welterschließung
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V272311
ISBN (eBook)
9783656638902
ISBN (Buch)
9783656638896
Dateigröße
580 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kalender, hundertjährig, Zeit, Raum, Kindliche Welterschließung, Grundschule, Unterricht, Sachunterricht
Arbeit zitieren
Evelyn Bäumler (Autor), 2012, Der hundertjährige Kalender. Entstehung und Deutung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272311

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