Die Kontroverse der aristotelischen Substanz


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Substanztheorien
1.1 Kategorieschrift
1.2 Metaphysik

2 Interpretationen der Theorien

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Büchern der Kategorienschrift, sowie der Metaphysik von Aristoteles. Der Begriff der Substanz wird in beiden Werken erörtert, jedoch mit unterschiedlichem Ergebnis. Der Stand der Forschung geht soweit, dass mit Sicherheit gesagt werden kann, dass es in Aristoteles Werken zwei ontologische Systeme des Begriffes Substanz gibt, jedoch keine einheitliche Substanztheorie. „Denn jede Substanztheorie hält einen anderen Kandidaten für die ,primäre Substanz‘. Es ist dann diese häufig so genannte Inkonsequenz zwischen den zwei Substanztheorien und innerhalb der zweiten Substanztheorie, auf der die allgemeine Forschungsinterpretationen beruhen.“ (Moradi 2011: S: 12) Wie ist diese, von Moradi bezeichnete Inkonsequenz, zu verstehen? Warum stellt Aristoteles zwei Substanztheorien auf, die allem Anschein nach ohne direkten Zusammenhang zueinander stehen? Oder tun sie dies doch? Verwirft die Substanztheorie der Metaphysik möglicherweise die der Kategorieschrift? Erweitert sie die Kategorieschrift? Ergänzen sich diese beiden Abhandlungen von Aristoteles? Baut die Substanztheorie der Metaphysik auf der Kategorieschrift auf oder muss man beide Abhandlungen doch vollkommen getrennt voneinander betrachten und wenn ja, wie ist dieser fundamentale Unterschied zu erklären, beziehungsweise, zu deuten?

Die nun folgende Arbeit beschäftigt sich mit dieser Problematik. In den ersten beiden Abschnitte werde ich die grundlegenden Gedanken Aristoteles Kategorienschrift und der Metaphysik vorstellen, um darauf aufbauend verschiedene, von mir gewählte, Interpretationsansätze zu erläutern und zu diskutieren.

Die Frage, die es zu lösen gilt lautet: In welchem Verhältnis stehen die Substanztheorien der Kategorienschrift und der Metaphysik zueinander?

1 Substanztheorien

1.1 Kategorienschrift

Aristoteles entwirft in der Kategorienschrift eine Klassifizierung für alles Seiende, da er der Auffassung ist, dass nicht Alles in gleichem Maße Seiend sei. Er unterscheidet dabei grundlegend zwischen Substanzen und Nichtsubstanzen. Eine Substanz ist etwas, was vollkommen eigenständig existieren kann. Sie braucht nichts Anderes um zu sein, zum Beispiel der Mensch. Ein Mensch ist eine Substanz, wohingegen Eigenschaften, wie musikalisch, nichts weiter sind, als Eigenschaften, die die Substanz näher erläutern und charakterisieren. Solche Eigenschaften könnten aber ohne einen Träger, oder anders ausgedrückt, ohne einer Substanz, in diesem Fall, dem Menschen, nicht existieren. „Das ist der fundamentale Unterschied zwischen Substanz und Nichtsubstanzen: Nichtsubstanzielle Entitäten sind nur seiend, insofern sie, wie Aristoteles sagt, in einer Substanz sind, während Substanzen selbstständig und dementsprechend nie in einer anderen Sache sind.“ (Rapp 2012: S.151) Nichtsubstanzen bezeichnen Kategorien wie Qualität oder Quantität und Art- oder Gattungsprädikate, wie ,Mensch‘ und ,Lebewesen‘. Diese Prädikate geben lediglich das ,Was‘ eines Dinges an.

Für Aristoteles sind, in der Kategorienschrift, die Einzelsubstanzen die ersten, beziehungsweise, die hauptsächlichen Substanzen. Arten und Gattungen hingegen gehören zur Gruppe der zweiten Substanzen. Diese Einteilung in Substanzen, Nichtsubstanzen, erste Substanzen und zweite Substanzen bildet das Grundgerüst für Aristoteles Ontologie in der Kategorieschrift.

Darüber hinaus geht er davon aus, dass Dinge in einer Abhängigkeitsrelation stehen. Anhand der Kategorieschrift unterscheidet man zwischen einer Inhärenzbeziehung und einer Ausgesagt-Werdens-Von- Beziehung.

Bei der Inhärenzbeziehung ist jeweils das Eine im Anderen, was so viel bedeutet, dass ,a‘ nicht ohne ,b‘ existieren kann, wohl aber ,b‘ ohne ,a‘. Diese Art der Abhängigkeitsbeziehung findet immer zwischen einer Substanz und einer Nichtsubstanz statt.

Die zweite Abhängigkeitsbeziehung, die Ausgesagt-Werdens-Von- Beziehung, besagt Folgendes. ,Lebewesen‘ kann von einem Menschen ausgesagt werden und ,Mensch‘ kann von Sokrates ausgesagt werden. Die erste Bedingung dabei ist, dass der Mensch allgemeiner ist als Sokrates und Lebewesen allgemeiner als Mensch. Die zweite Bedingung ist, dass alle diese Begriffe die Kategorie der Substanz bezeichnen und die dritte Bedingung ist, dass die Art ,Mensch‘ ohne einem exemplarischen Einzelding wie ,Sokrates‘, ,Platon‘ oder ,Mandela‘ nicht existieren kann. „Durch verschiedene Kombinationen der beiden genannten Abhängigkeitsverhältnisse kann Aristoteles nun eine Ontologie umreißen, die vier Klassen von Entitäten (d.h.) alles, was in dem ein oder anderen Sinn ,Seiend‘ genannt wird) umfasst.“ (Rapp 2012: S. 154) Die erste dieser Klassen des Seienden bezieht sich auf Jenes, was weder in einem Anderen ist, noch von einem Anderen ausgesagt wird. Damit sind die ersten Substanzen, die Einzeldinge, gemeint. Jene Dinge, deren Sein von nichts Anderem abhängig sind, als von sich selbst. Diese ersten Substanzen bleiben immer gleich, auch wenn jegliche andere Eigenschaften sich ändern sollten. Nelson Mandela war 27 Jahre gefangen, war die restlichen Jahre seines Lebens frei, aber dennoch bleibt Nelson Mandela ein und derselbe Mensch, egal ob gefangen oder frei.

Die zweite Klasse beschreibt die Sorte von Seiendem, wo manches von einem Anderen als Zugrundeliegendes bezeichnet wird, aber dennoch nicht selbst in einem Zugrundeliegenden ist. Diese zweite Klasse bezeichnet die zweiten Substanzen, nämlich die Arten und Gattungen, welche bestimmen was eine Sache, beziehungsweise, die erste Substanz ist. Diese Prädikate, die Art- und Gattungsprädikate sind nach ihrem ontologischem Status her betrachtet grundverschieden von anderen Prädikaten, denn sie drücken Schlüsselmerkmale aus, wohingegen jegliche andere Prädikate wie frei sein, unfrei sei, nur zeitweilig bestimmbar sind.

Manches wird nicht von anderen Dingen ausgesagt, ist aber dennoch in Anderen als Zugrundeliegendes vorhanden. Diese Dinge bezeichnen die dritte Klasse in Aristoteles Ontologie innerhalb der Kategorien. Er sagt, dass wenn etwas in etwas anderem ist, dass dies dadurch von etwas anderem abhängig ist und somit nichtsubstanziell ist. Diese Dinge sind nichts Allgemeines, sondern Individuelles und somit beschreibt diese Klasse individuelle Vorkommnisse nichtsubstanzieller Eigenschaften. „ [...] um die Kahlköpfigkeit des Sokrates, die Schwärze von Black Beauty, Platons Sturheit usw. Alle diese Dinge sind von ihrem Substrat abhängig, denn es gäbe nicht Platons Sturheit ohne Platon, Black Beautys Schwärze ohne Black Beauty usw.“ (Rapp 2012: S. 155)

Die vierte, und zugleich letzte Klasse der Ontologie bildet den Bereich der allgemeinen, nichtsubstanziellen Eigenschaften. Da manches von einem anderen ausgesagt wird und zugleich in einem anderen Substrat ist, ist klar, dass das, was von etwas anderem ausgesagt werden kann, nicht individuell sein kann, da nur Allgemeines von anderen ausgesagt werden kann. Von vielen Dingen wird ausgesagt, dass sie durch die Farbe Rot gekennzeichnet sind. Dies ist keine individuelle Beschreibung eines Substrates, sondern eine allgemeine Aussage, da es sich um kein bestimmtes Rot handelt.1 2

Der Kontext dieser ersten Substanztheorie ist das tatsächlich Seiende. Es wird dabei das ausgeschlossen, was nicht existiert und teilt die tatsächlich seienden Dinge in Kategorien ein.3

1.2 Metaphysik

Aristoteles bezeichnet die Metaphysik als erste Philosophie. Die Aufgabe dieser Untersuchung besteht für ihn darin, dass man nach den Prinzipien und Ursachen der Substanzen sucht, beziehungsweise nach den Prinzipien und Ursachen des Seienden. Die Kategorieschrift hat schon offenbart, dass es viele Bedeutungen für das Wort ,Seiend‘ gibt. Aristoteles ist der Ansicht, dass man eine einheitliche Wissenschaft des Seienden finden muss und dafür braucht man einen einheitlichen Bezugspunkt. Die Substanz bildet diesen einheitlichen Bezugspunkt. Substanzen sind die primären Untersuchungsobjekte für eine Wissenschaft vom Seienden, oder anders ausgedrückt - Substanzen sind die primären Untersuchungsobjekte der Metaphysik.4

In der Metaphysik vertritt Aristoteles die Ansicht, dass Substanzen auf ihre Ursachen, Prinzipien und Elemente untersucht werden müssen. Der Kontext der Substanztheorie der Metaphysik ist ein vollkommen anderer, als der der Kategorien. Der Bezugsrahmen dieser Untersuchung ist das Entstehungs-Vergehensproblem, sowie die Wissensproblematik.5 Dabei legt er eine Unterscheidung fest zwischen anerkannten - und nichtanerkannten Substanzen. Diese anerkannten Substanzen, die sinnlichen Substanzen, besitzen immer eine Materie und Materie ist laut Aristoteles ein potenziell Dieses. Darüber hinaus ist Materie zugleich Begriff und Form, sowie Zusammengesetztes. Aufgrund des Zusammengesetzt-Seins der Materie ist diese immer auch Prozessen des Entstehens und Vergehens ausgesetzt.

Das wesentliche Sein eines Dinges ist durch Form und Aktualität gekennzeichnet.

[...]


1 Rapp, Christof (2012): Aristoteles zur Einführung

2 Aristoteles (1995): Aristoteles philosophische Schriften 1

3 Moradi, Ilan (2011): Die Evolution der aristotelischen Substanztheorie

4 Rapp, Christof (2012): Aristoteles zur Einführung

5 Moradi, Ilan (2011): Die Evolution der aristotelischen Substanztheorie

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Kontroverse der aristotelischen Substanz
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Seminar Substanztheorien
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V272314
ISBN (eBook)
9783656638636
ISBN (Buch)
9783656638629
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Substanztheorie, Aristoteles, Metaphysik
Arbeit zitieren
Peter Manzei (Autor), 2013, Die Kontroverse der aristotelischen Substanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272314

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