Die Besiedlung des Oregon Country. Das Willamette Valley und der Oregon Boundary Dispute


Hausarbeit, 2009

24 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Vorgeschichte des Oregon Country bis 1812
1. Grundlage(n) der Besitzansprüche Großbritanniens
2. Grundlage(n) der Besitzansprüche der USA
3. Die Besitzansprüche Spaniens und Russlands

III. Erste Siedler im Oregon Country
1. Die Hudson’s Bay Company und Fort Vancouver
2. Weitere amerikanische Siedlungsversuche
3. Missionierung und Reverend Jason Lee

IV. Oregon Fever
1. Identitäten im Oregon Territory

V. Fazit

VI. Quellenverzeichnis

VII. Abbildungsverzeichnis

VIII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Im amerikanischen Bewusstsein ist die Besiedelung des Westens spätestens seit Frederick Jackson Turner zu einem Mythos geworden und ist es zum Teil immer noch. Die Eroberung dieser Region des nordamerikanischen Kontinents wurde von Turner gleichgesetzt mit dem Kampf der Zivilisation gegen die Wildheit der Natur, savagery contra civilisation. In diesem Zusammenhang entstand die frontier Hypothese, als eben jene Grenze zwischen dem von Menschen bewohnten und kultivierten Teil des Landes und der wilden und ungezähmten Natur, die es zu „zivilisieren“ galt. Aber nicht nur die Natur an sich, sondern auch die Ureinwohner Amerikas, die Indianer, wurden als „Wilde“ angesehen, die man ebenfalls zivilisieren und vor allem christianisieren musste. Wildnis war für Männer wie Turner, aber auch für andere Expansionisten, gleichbedeutend mit freiem Land, das nur darauf wartete, in Besitz genommen und bewirtschaftet zu werden. Turner, wie auch schon Thomas Jefferson zuvor, sah Amerika als landwirtschaftliche Gesellschaft. Jeder Mensch sollte die Möglichkeit haben, ein unabhängiges Mitglied der Gesellschaft zu werden, indem er sich Land aneignet und es bewirtschaftet. Demokratie und moralische Werte waren in solchen Gesellschaften in ihrer besten Form anzutreffen[1]. Im Westen bzw. Nordwesten waren die Amerikaner allerdings nicht allein. Im Westen und Südwesten hatten sie es mit den Spaniern zu tun und in den Nordwesten waren bereits die Briten vorgedrungen. Diese Seminararbeit mit dem Titel „Die Besiedlung des Oregon Country unter Berücksichtigung des Willamette Valley und des Oregon boundary dispute“ wird sich auf den Nordwesten konzentrieren und einerseits den Konflikt mit den Briten um die Grenze(n) des Oregon Territory aufzeigen und andererseits die Besiedlung dieses Gebiets durch amerikanische Siedler darstellen. Das Willamette Valley soll besonders erwähnt werden, da sich dort zunächst die meisten Siedler niederließen. Um den Konflikt zwischen den USA und Großbritannien um die Grenze überhaupt verstehen zu können, werden als erstes die Besitzansprüche beider Länder erläutert werden. Allerdings soll auf die Darstellung der politischen Geschichte und der politischen Dimension des Grenzstreits in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden. Die Rolle der Hudson’s Bay Company soll ebenfalls kurz erklärt werden, da das Unternehmen eine besondere Rolle im Oregon Country einnahm. Anschließend soll die erste frühe Phase der amerikanischen Besiedelung des Gebiets dargestellt werden mit dem Fokus auf die wirtschaftliche Entwicklung einerseits und die methodistischen Missionare andererseits. Abschließend soll auf das sogenannte Oregon Fever eingegangen werden und die verschiedenen Identitäten im Oregon Territory aufgezeigt werden.

II. Vorgeschichte des Oregon Country bis 1812

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: Oregon Country (1818-1846)

Die Bezeichnungen für das Gebiet, um das es sich beim Oregon-Grenzstreit zwischen Großbritannien und den USA handelte, variieren in der Literatur, weshalb es sinnvoll erscheint, das Gebiet genauer zu bestimmen. In dieser Arbeit bezeichnet der Begriff Oregon Country ein Areal, das sich von 42˚ nördl. Breite, der damalige Grenze der USA mit Spanien (Mexiko), bis 54˚ 40’ nördl. Breite, der Grenze der USA und Großbritanniens mit Russland (Alaska) sowie von der Pazifikküste bis hin zu den Rocky Mountains erstreckte (siehe Karte 2, S. 6). In einem 1818 unterzeichneten Vertrag stellten die USA und Großbritannien das Gebiet für zunächst zehn Jahre unter eine „joint-occupation“ [2], nachdem sich beide Seiten nicht auf einen Grenzverlauf einigen konnten. Einigen konnte man sich allerdings auf den Grenzverlauf von den Großen Seen bis zu den Rocky Mountains entlang des 49. Breitengrades.[3] Mit dem Begriff Oregon Territory ist hauptsächlich das Gebiet südlich des Columbia River gemeint; das so genannte Willamette Valley, durch das der gleichnamige Fluss verläuft, der vom Columbia River abzweigt (siehe Karte 3, S. 7). Dieses erstreckt sich westlich der Cascade Mountains in Richtung Pazifikküste. Im Allgemeinen genauer gesagt in der öffentlichen Wahrnehmung, ging es während des Konfliktzeitraums um das gesamte Gebiet des Oregon Country. Im Kern ging es allerdings um ein wesentlich kleineres Gebiet in Form eines Dreiecks zwischen dem Columbia River, dem 49. Breitengrad und Puget Sound.[4] Es stellt sich daher die Frage, warum sich die Vereinigten Staaten und Großbritannien bis 1846 nicht auf eine gemeinsame Grenze westlich der Rocky Mountains einigen konnten. Ein Teil der Antwort liegt in den jeweiligen Besitzansprüchen der beiden Staaten begründet, auf die vor allem Großbritannien nicht verzichten wollte und die im Folgenden dargestellt werden sollen.

1. Grundlage(n) der Besitzansprüche Großbritanniens

Die Besitzansprüche des britischen Empires gehen zurück auf das Jahr 1778. In diesem Jahr segelte Kapitän James Cook die (Nord-) Westküste der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika und Kanadas entlang auf der Suche nach der legendären Nordwest Passage,[5] die die Reisezeit zwischen Europa und Asien erheblich verkürzt und für einen großen Aufschwung im Handel gesorgt hätte. Diese nunmehr dritte Reise Kapitän Cooks[6] erwies sich was dieses Ziel anbelangt als Fehlschlag. Stattdessen begründete er den Pelzhandel im Nordwesten des amerikanischen Kontinents mit den an der Küste ansässigen Indianerstämmen. Die Gewinnmarge war immens hoch und der Pelzhandel dadurch äußerst lukrativ. Cook kaufte den Indianer die Felle für ein paar pence ab und verkaufte sie in Kanton (China) für $100 pro Stück wieder.[7] Damit war gleichzeitig der interkontinentale Fellhandel mit Asien geboren und der Grundstein für die Besitzansprüche Großbritanniens im Gebiet des Oregon Country gelegt.[8] Ein anderer Entdecker und Abenteurer auf den sich die Briten beriefen, war Kapitän George Vancouver, der 1792 die pazifische Nordwestküste entlang segelte, um ebenfalls eine schiffbare Passage vom Pazifik zum Atlantik zu suchen. Allerdings nicht in Form der Nordwest Passage, sondern anhand großer kontinentaler Flüsse, die eine Verbindung mit den Großen Seen im Osten hätten besitzen können.[9] Auch wenn die Mission nicht erfolgreich im Sinne der formulierten Ziele war, stellte sie jedoch einen weiteren wichtigen Schritt zur Unterstützung der Ansprüche Großbritanniens dar; besonders durch die sehr detaillierten und präzisen Karten der Küstengewässer, die Kapitän Vancouver in zweieinhalb Jahren Arbeit anfertigte.[10] Er umsegelte als erster die später nach ihm benannte Insel vor der Westküste Kanadas, Vancouver Island, entdeckte Puget Sound (siehe Abb. 2), eine tiefe Bucht an der Küste, den Golf von Georgia und die Johnstone Meeresstraße. Die zwei wichtigsten Flüsse des Nordwestens, den Columbia River und den Fraser River, entdeckte er jedoch nicht.[11] Die dritte Person auf deren Entdeckungen sich die Briten beriefen, war Alexander Mackenzie, der 1793 als erster Mensch im Auftrag der North West Company den Kontinent auf der Suche nach neuen Handelsgebieten durchquerte.[12] 1805 entdeckte schließlich Simon Fraser den gleichnamigen Fluss und gründete den ersten Handelsposten Großbritanniens westlich der Rocky Mountains.[13] Auf diese drei Entdecker stützten sich die britischen Gebietsansprüche im Nordwesten Nordamerikas.

2. Grundlage(n) der amerikanischen Besitzansprüche

Nachdem die Reiseberichte Kapitän Cooks veröffentlicht worden waren, erfuhren auch die amerikanischen Händler von den Möglichkeiten des Fellhandels im Nordwesten des Kontinents und den reichen Gewinnen die man dort abschöpfen konnte. Die reichen Bostoner Kaufleute an der Ostküste der Vereinigten Staaten ergriffen die Gelegenheit sofort und schickten 1787 die ersten Schiffe in Richtung Pazifikküste. Unter ihnen befand sich auch Kapitän Robert Gray, der auf einer seiner mehreren Reisen in das Gebiet am 11. Mai 1792 den Columbia River entdeckte,[14] den Kapitän Vancouver für unwichtig gehalten hatte, und den USA somit den Besitzanspruch auf das gesamte Tal des Columbia River sicherte. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings der Mississippi in der Wahrnehmung der jungen Nation noch die Westgrenze der Vereinigten Staaten von Amerika.[15] Dieser Entdeckung folgte sehr schnell ein großer Strom amerikanischer Händler in dieses Gebiet, um am lukrativen Pelzhandel zu partizipieren. Um das Jahr 1800 dominierten Neu-Englische Kaufleute den Pelzhandel an der Pazifikküste.[16] Genauso wichtig, wenn nicht sogar noch wichtiger, für den claim der USA, war John Jacob Astor. Astor leitete die Pacific Fur Company, die bereits ein Monopol auf den Pelzhandel um die Großen Seen herum besaß und mit dem Vorstoß versuchte, den Pelzhandel im Osten mit dem im Westen zu verbinden, um sich auf diese Weise auch dort das Monopol zu sichern.[17] 1811-1812 errichtete er den Handelsposten Astoria an der Mündung des Columbia River, sowie einige weitere Handelsposten.[18] Im Verlauf des Krieges von 1812 scheiterte allerdings das Vorhaben Astors als das britische Kriegsschiff Racoon an der Flussmündung erschien und seine Geschäftspartner aus Furcht den Handelsposten an die Briten bzw. an die North West Company verkauften.[19] Der extremste Gebietsanspruch der USA, der bei 54˚ 40’ nördl. Breite lag (siehe Karte 2), ist allerdings ein Produkt späterer Jahre, der sich aus innenpolitischen Ereignissen entwickelte und nicht Thema dieser Arbeit ist.

[...]


[1] Vgl. Henry Nash Smith: The frontier hypothesis and the myth of the West, in: American Quarterly, Vol. 2, No. 1 (1950), S. 3-11.

[2] Ray Allen Billington: Westward Expansion. A history of the American frontier, New York 41949, S. 431. (im Folgenden zitiert als: Billington: American frontier.); 1827 wurde der Vertrag auf unbestimmte Zeit verlängert, siehe dazu Howard Roberts Lamar (Hrsg.): The Reader’s Encyclopedia of the American West, New York 1977, S. 883. (im Folgenden zitiert als: Lamar: Encyclopedia.)

[3] Joseph Schafer: The British attitude toward the Oregon question, 1815-1846, in: The American Historical Review, Vol 16, No.2 (1911), S. 273-299, S. 286. (im Folgenden zitiert als: Schafer: Oregon question.)

[4] Merk, Frederic: The Oregon pioneers and the boundary, in: The American Historical Review, Vol. 29, No. 4 (1924), S. 681-699, S. 681. (im Folgenden zitiert als: Merk: Oregon pioneers.); Billington: American frontier, S. 431.

[5] Billington: American frontier, S. 432.

[6] Schafer: Oregon question, S. 273.

[7] Billington: American frontier, S. 432. Und Lamar: Encyclopedia, S. 879.

[8] Lamar: Encyclopedia, S. 879.

[9] Merk, Frederic: The genesis of the Oregon question, in: The Mississippi Valley Historical Review, Vol. 36, No. 4 (1950), S. 583-612, S. 583. (im Folgenden zitiert als: Merk: genesis.) Besonders mit dem Lake of the Woods. Von dort aus hätte man die Pelze über andere Flüsse bis zu den Häfen der Ostküste transportieren können.

[10] Merk: genesis, S. 586.

[11] Merk: genesis, S. 586f.

[12] Schafer: Oregon question, S. 274. Ebenfalls in Billington: American frontier, S. 432.

[13] Merk: genesis, S: 588.

[14] Merk: genesis, S. 585. Mit einem anderen Datum (1891) auch bei Billington: American frontier, S. 432f.

[15] Merk: genesis, S: 586.

[16] Aber nicht nur amerikanische Händler, sonder auch unabhängige Händler. Von den Indianern wurden jedoch alle als „Bostons“ bezeichnet. Vgl. Billington: American frontier, S. 433.

[17] Lamar: Encyclopedia, S. 879. Für weitere Informationen zu Astor und der Pacific Fur Company und besonders ihren Absichten und ideologischen Motiven. Vgl. Merk: genesis.

[18] Merk: genesis, S. 588.

[19] Merk: genesis, S. 591.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Besiedlung des Oregon Country. Das Willamette Valley und der Oregon Boundary Dispute
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Unabhängigkeit erwerben - Unabhängigkeit erhalten: Kanada zwischen den USA und Großbritannien 1776-1867
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
24
Katalognummer
V272404
ISBN (eBook)
9783656639923
ISBN (Buch)
9783656639916
Dateigröße
935 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
American History, Canadian History, Oregon, Oregon Trail, Großbritannien, USA, Kanada, Siedlungsgeschichte, Grenzstreit
Arbeit zitieren
M.Ed. Stefan Westkemper (Autor), 2009, Die Besiedlung des Oregon Country. Das Willamette Valley und der Oregon Boundary Dispute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272404

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