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Was kostet der Fortschritt?

Die Wahrnehmung des Fortschritts in Heines „Englischen Fragmenten“ und Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“

Titel: Was kostet der Fortschritt?

Zwischenprüfungsarbeit , 2006 , 45 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Julia Haase (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Woher nimmt er das Recht […] Fortschritt nicht bloß als ein Voranschreiten, sondern als ein Höherschreiten zu verstehen, im Neuen also nicht nur ein Neues, sondern zugleich ein Besseres zu sehen? Kennt er das letzte Ziel der Entwicklung?“
Heute ist die Dialektik des Fortschritts allgemein bekannt, jede neue Errungenschaft – sei es in technischer, politischer oder auch sozialer Hinsicht – birgt gleichzeitig ein Verbesserungs-, aber auch ein Zerstörungspotential. Voranschreiten bedeutet das Verdrängen und Vernichten des bisher Bestehenden, und da die Entwicklung im Moment ihres Geschehens nicht abgesehen werden kann, ist Fortschritt immer ein Risiko. Fortschritt fordert Kosten ein, wenn nicht sogar Opfer. Der Verlauf der Geschichte schreitet unaufhaltsam fort, aber Fortschreiten ist nicht notwendigerweise progressiv.
„Was kostet der Fortschritt?“ lautet der Titel dieser Arbeit, dessen Anliegen die Untersuchung der Wahrnehmung des Fortschritts im England des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts ist, wie Heinrich Heine und Georg Weerth es kennenlernten. Dies geschieht anhand einer Analyse der Werke „Englische Fragmente“ von Heine und „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“ von Weerth. Diese beiden deutschen Dichter waren zweifelsohne jene tieferblickenden Beobachter, die in ihrer Bewertung der englischen Zustände hinter die Kulissen des „goldene[n] Zeitalter[s]“ der Technisierung blickten. Es soll gezeigt werden, wie Heine und Weerth die industrielle, politische und soziale Entwicklung Englands bewerteten, sowie welche Aspekte ihnen dabei als fortschrittlich, stillstehend oder sogar rückschrittlich erschienen. Letztendlich soll auf den Punkt gebracht werden, ob Heine und Weerth die von ihnen erlebte Lage in England als positiv oder negativ ansahen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zeitgenössisches: Industrielle, politische und soziale Revolution(en)

3. Heines „Englische Fragmente“

3.1 Das London-Fragment: „Dieser bare Ernst aller Dinge“

3.2 England aus der Sicht Heines: Beobachtungen aus der Distanz

4. Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“

4.1 Die London-Skizze: „Jener fürchterliche Ernst des Lebens“

4.2 England aus der Sicht Weerths: Beobachtungen aus nächster Nähe

5. Die Wahrnehmung des Fortschritts in England bei Heine und Weerth im Vergleich

6. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Wahrnehmung des industriellen und sozialen Fortschritts im England des frühen und mittleren 19. Jahrhunderts anhand der Werke „Englische Fragmente“ von Heinrich Heine und „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“ von Georg Weerth, um zu analysieren, wie diese Beobachter die Auswirkungen des technischen Wandels auf Mensch und Gesellschaft bewerteten.

  • Dialektik des Fortschritts im 19. Jahrhundert
  • London als Zentrum und Schauplatz sozioökonomischer Diskrepanzen
  • Unterschiedliche Beobachterperspektiven (Heine als Außenstehender vs. Weerth als Insider)
  • Kritik an den sozialen Folgen der industriellen Revolution
  • Politische und soziale Umwälzungen in England und ihre Wahrnehmung durch deutsche Zeitgenossen

Auszug aus dem Buch

3.1 Das London-Fragment: „Dieser bare Ernst aller Dinge“

„Schickt einen Philosophen nach London; bei Leibe keinen Poeten!“ ist wohl einer der am häufigsten zitierte Aussprüche Heines, wenn er seine erste Reaktion auf die Großstadt in Worte zu fassen sucht. Mit wahrem Enthusiasmus nach England angereist, erlebt er in London eine Reizüberflutung, die ihn erstarren lässt. Die vielen Eindrücke unterscheiden sich so sehr von allem bisher Gesehenen, dass die erste Erfahrung schockartig anmutet. Heine fühlt sich erdrückt von den Menschenmassen auf den Straßen, von der Hektik, vom unermüdlichen, unmenschlichen, geradezu maschinenhaften Tempo, das die Stadt ausstrahlt. Er spricht von einem „Wald von Häusern“, vom „drängende[n] Strom lebendiger Menschengesichter“, von der „grauenhaften Hast der Liebe, des Hungers und des Hasses“ (EF, S. 507). All dies mutet sehr düster, klaustrophobisch, geradezu pathologisch an. Heine verlangt nach einem Philosophen – und meint damit eigentlich einen Soziologen, der „die verborgensten Geheimnisse der gesellschaftlichen Ordnung“ (ebd.) erklärt, die sich im neuen Machtzentrum der Welt, zwischen der Börse und dem Londoner Regierungssitz, wo sich die Macht des Kapitals und der Politik verbinden, offenbaren. Diese Gesellschaft und ihre Ordnung unterscheiden sich in allen Punkten von den deutschen restaurativen Zuständen. Hier zeigen sich die Folgen der Technisierung, des kapitalistischen Systems und der Klassengesellschaft, die im Begriff ist, die Ständegesellschaft abzulösen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Fortschritt im 19. Jahrhundert wahrgenommen wurde, und erläutert die methodische Herangehensweise durch die Analyse der Texte von Heine und Weerth.

2. Zeitgenössisches: Industrielle, politische und soziale Revolution(en): Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund der industriellen Revolution und der daraus resultierenden sozioökonomischen Umwälzungen in England.

3. Heines „Englische Fragmente“: Es wird Heines kritische Auseinandersetzung mit der englischen Gesellschaft analysiert, wobei besonders die Auswirkungen der Großstadt und der Kapitalismuskritik im Vordergrund stehen.

4. Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“: Dieses Kapitel betrachtet Weerths intensivere, aus der Perspektive eines Insiders gewonnene Einsichten in das englische Leben und seine Solidarisierung mit der Arbeiterklasse.

5. Die Wahrnehmung des Fortschritts in England bei Heine und Weerth im Vergleich: Die Arbeit vergleicht die unterschiedlichen Sichtweisen der beiden Autoren und arbeitet die Differenzen in ihrer Beurteilung von technischem und sozialem Fortschritt heraus.

6. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass beide Autoren den Fortschritt als ambivalent empfanden, wobei sie unterschiedliche politische Konsequenzen daraus zogen.

Schlüsselwörter

Fortschritt, Industrialisierung, England, Heinrich Heine, Georg Weerth, Kapitalismus, soziale Frage, London, Klassengesellschaft, Vormärz, Revolution, Entfremdung, Arbeiterbewegung, Sozialismus, Gesellschaftskritik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Wahrnehmung des sozialen und industriellen Fortschritts im England des 19. Jahrhunderts aus der Sicht der beiden deutschen Autoren Heinrich Heine und Georg Weerth.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Folgen der industriellen Revolution, die entstehende Klassengesellschaft, die Rolle der politischen Institutionen und die kritische Bewertung ökonomischer Entwicklungen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob Heine und Weerth die beobachtete sozioökonomische Lage Englands als positiv oder negativ einstuften und welche Rolle der Begriff des „Fortschritts“ dabei spielt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse, um die Texte („Englische Fragmente“ und „Skizzen“) vor dem Hintergrund der zeitgenössischen politischen Situation zu interpretieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die getrennte Analyse von Heine und Weerth sowie einen abschließenden Vergleich, der ihre unterschiedlichen Perspektiven und Erkenntnisse gegenüberstellt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Fortschritt, Industrialisierung, Kapitalismus, soziale Frage, Entfremdung und Klassenkampf.

Wie unterscheidet sich Heines England-Bild von dem Weerths?

Heine bleibt ein beobachtender Außenseiter, der England ästhetisch und politisch stark kritisiert, während Weerth als aktiver Teilnehmer vor Ort eine tiefere, sozioökonomische „Innensicht“ gewinnt und sich mit der Arbeiterbewegung identifiziert.

Inwiefern beeinflusste die Zeitspanne zwischen den Reisen die Ergebnisse?

Zwischen den England-Aufenthalten von Heine (1827) und Weerth (1843-1846) liegen 16 Jahre industrieller Entwicklung, was dazu führte, dass Weerth die sozialen Kontraste und die Radikalisierung der Arbeiterklasse deutlicher wahrnehmen konnte.

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Details

Titel
Was kostet der Fortschritt?
Untertitel
Die Wahrnehmung des Fortschritts in Heines „Englischen Fragmenten“ und Weerths „Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten“
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Seminar für deutsche Literatur und Sprache)
Veranstaltung
Forschungslernseminar II: Heinrich Heine
Note
1,0
Autor
Julia Haase (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2006
Seiten
45
Katalognummer
V272434
ISBN (eBook)
9783656646969
ISBN (Buch)
9783656647447
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Heinrich Heine Georg Weerth England Fortschritt 19. Jahrhundert Industrialisierung Englische Fragmente Skizzen aus dem sozialen und politischen Leben der Briten industrielle Revolution
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Haase (Autor:in), 2006, Was kostet der Fortschritt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272434
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Leseprobe aus  45  Seiten
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