Der Hundertjährige Krieg. Bedingungen und Auslöser


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwickulung des Lehnsverhältnisses zwischen Frankreich und England vor 1294
2.1 Entstehung und Ausweitung des Lehnsverhältnisses
2.2 Terretorialkonflikte und der Vertrag von Paris

3. Der Krieg von 1294

4. Thronfolge in Frankreich

5. Königsherrschaft in England

6. Englands Bündnis mit Flandern und der Ausbruch des Krieges

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eines der wichtigsten und bekanntesten Ereignisse im spätmittelalterlichen Europa stellt zweifelsohne der Hundertjährige Krieg dar. Dieser Krieg zwischen der französischen und der englischen Monarchie, der sich von 1337 bis 1453 hinzog und sich dabei von Schottland bis Spanien erstreckte, war nicht nur in seinen zeitlichen und geographinschen Ausmaßen immens. Auch die demographischen und kulturellen Konsequenzen waren beachtlich. So brachte der Krieg Zerstörung, Verwüstung und Tod; in Toulouse beispielsweise fiel die Einwohnerzahl in der Zeit zwischen 1348 und 1450 von 30000 auf 20000, in Arras von 20000 auf 10000.1 Andererseits führte der Hundertjährige Krieg jedoch auch Fortschritt und Erneuerung herbei, beispielsweise auf dem Bereich der politischen Theorie sowie der Heeresverfassung.2 Ursächlich für den Ausbruch des Krieges waren die Landbesitz- und Lehnsverhältnisse der beiden Monarchien, welche die Länder politisch verbanden. Doch wie kam es zu diesem so lang andauernden Konflikt? Was war die Vorgeschichte der beiden Monarchien und ihrer Beziehung zueinander, welche Europa in einen 116 Jahre währenden Krieg stürzte? Wright beschreibt die Wichtigkeit der Vorgeschichte des Krieges wie folgt:

„ As a historiographical concept, the Hundred Years War is impregnable. Few of its historians, however, have failed to acknowledge its roots in much more ancient disputes over land and sovereignty between the kings of France and of England, which vastly pre-date the opening of „ the “ war, in 1337. ” 3

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich versuchen, die Beziehungen dieser beiden Staaten vor Ausbruch des Krieges zu beleuchten, um einen Einblick in die Ursachen und Auslöser für den Krieg zu gewinnen. Ebenso sollen die innenpolitischen Entwicklungen und die komplizierten Verflechtungen innerhalb der königlichen Familien beleuchtet und erklärt werden. Aufgrund der lang zurückreichenden Wurzeln und der kompliziert verflochtenen Strukturen innerhalb dieses Konfliks musste ich den Konflikt Englands mit Schottland in der Hintergrund rücken und den Fokus auf das englisch-französische Verhältnis legen.

2. Die Entwickulung des Lehnsverhältnisses zwischen Frankreich und England vor 1294

Um nachvollziehen zu können, wie es zum Ausbruch des von französischen Historikern im 19ten Jahrhundert nachträglich so getauften Hunderjährigen Krieges kommen konnte,4 muss der Blick auf die feudalen Beziehungen der beiden Konfliktparteien gerichtet werden. Dieser große Krieg nämlich, welcher in Wirklichkeit 116 Jahre andauerte,5 war nicht die erste und auch nicht die letzte Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Nationen. Wright beschreibt es folgendermaßen:

„ The defiance of Edward III, as duke of Gascony, towards his sovereign, the king of France, was no novelty of 1337; the conquest of English Gascony by forces loyal to the French Crown, in 1453, was not considered by anyone at the time to be the end of the story. “ 6

Die Gründe für den Krieg sind mitunter in den sich verändernden Lehnsverhältnissen der beiden Monarchien zu suchen, wie auch Allmand treffend beschreibt.

In the case of the Hundred Years War, the causes of the conflict were to be found both in the long historic links between England and France, links which were gradually becoming weaker[...] “ 7

2.1 Entstehung und Ausweitung des Lehnsverhältnisses

Herzog Wilhelm von der Normandie besiegte 1066 mit einer Flotte das angelsächsische Heer bei Hastings, und wurde somit noch im selben Jahr König von England, blieb jedoch auch Herzog der Normandie und damit Vasall des französischen Königs. Hieraus ergab sich, dass englische Könige als Vasallen der französischen Krone nun auch einen Teil Frankreichs beherrschten.8 Der Grundstein für folgende Konflikte zwischen Frankreich und England aufgrund der ambigen Beziehung ihrer beiden Monarchen - gleichzeitig die zwischen König und König und zwischen Vasall und Lehnsherr - war gelegt.

Als fast hundert Jahre später Heinrich von Anjou, Sohn des Grafen Gottfried Plantagenêt von Anjou und Mathildes, der Tochter von Heinrich I. von England, Eleonore von Aquitanien zur Frau nahm, wurde er damit zum Herzog von Aquitanien. Nach dem Tod seines Großvaters Heinrichs I. setzte Heinrich von Anjou seinen Thronanspruch nach langen Kämpfen 1154 durch und wurde als Heinrich II. zum König von England gekrönt. Dabei blieb er Graf von Anjou und Herzog von Aquitanien und wurde zusätzlich Herzog der Normandie.9 Dadurch vergrößerte England sein französisches Lehen, was gleichzeitig auch die Bedeutung der Lehnsbeziehung vergrößerte.

2.2 Terretorialkonflikte und der Vertrag von Paris

Dieses Großreich der Anjou-Plantagenêt sollte allerdings nicht lange währen, denn schon 1204 eroberte der französische König Philipp II. die Normandie und das Poitou, wohingegen große Teile Südwestfrankreichs weiterhin als Lehen der englischen Krone erhalten blieben.10 Im Oktober 1259 wurde ein Vertrag zwischen Ludwig IX. von Frankreich und Heinrich III. von England geschlossen, welcher festhielt, dass Heinrich auf einige Ansprüche bezüglich bereits verlorener Territorien verzichtete und im Gegenzug Lehnsinhaber des Herzogtums Guyenne wurde. Ein wichtiger Punkt des Vertrags von Paris war die Bestätigung des Vasallenstatus‘ der englischen Könige gegenüber dem französischen König, welchem sie für ihre Besitztümer huldigten, wie an dieser Textstelle aus dem Vertrag ersichtlich:

Und für das, was er Uns und Unseren Erben geben wird, wollen Wir und Unsere Erben ihm und seinen Erben, den Königen von Frankreich, als Vasallen huldigen, für Bordeaux, Bayonne und die Gascogne, und für alle Lande, die Wir jenseits des Kanals halten [...] und Wir wollen sie von ihm zu Lehen nehmen als Angehöriger des französischen Adels und Herzog von Aquitanien.11

Und auch wenn dieser Friedensvertrag zunächst einmal eine Beilegung der Konflikte darstellte und längerwährenden Frieden verheißen mochte, legte er das Fundament für zukünftige Konfrontationen. Nun wurde bei einem jeden Thronwechsel, sowohl auf englischer als auch auf französischer Seite,12 eine Huldigung des englischen Königs an die französische Krone fällig, was unwürdig wirkte; so war der souveräne Herrscher Englands lediglich ein Vasall des Königs von Frankreich.13

Diese Huldigung implizierte militärische Unterstützung im Falle eines Krieges zur Verteidigung der französischen Krone und verbot etwaige Zusammenarbeit mit Feinden Frankreichs.14 Weiter ergab sich Aussicht auf Komplikationen dadurch, dass der englische König gleichzeitig auch Vasall des französischen Königs war, und so die Ländereien, welche vom englischen König auf dem Festland beherrscht wurden, dem französischen Parlament unterstellt waren.15 Im Falle einer Beschwerde der französischen Untervasallen gegen einen englischen König war es dem französischen König möglich, seinen Kronvasallen an den französischen Gerichtshof in Paris zu bestellen.16 Diese Ausgangslage bildete das Fundament für den im Folgenden erörterten Krieg von 1294.

3. Der Krieg von 1294

Streitigkeiten zwischen Matrosen aus der Normandie und der Gascogne mündeten im Mai 1293 in einem Überfall auf die Hafenstadt La Rochelle, verübt von aus Bayonne stammenden Matrosen. Dabei kaperten die Engländer und Gascogner einige französische Schiffe und nahmen Matrosen gefangen.17 Morris beschreibt die Tragweite dieses kleinen Gefechts wie folgt:

„ What [ … ] started as a scrap between sailors [ … ] escalated into a major diplomatic incident. Soon letters arrived in England from the King of France, requiring the release of those taken prisoner and the restitution of goods. ” 18

Eduard I. reagierte in einem Schreiben auf die französischen Briefe, indem er drei Lösungsvorschläge machte. Der erste beinhaltete die Anhörung der Kläger vor dem englischen Gericht. Der zweite schlug vor, eine englisch-französische Komission zur Klärung der Streitigkeiten zusammenzustellen, welche auf Basis der „Regeln der See“ agieren sollte. Der dritte Vorschlag - für den Fall der Ablehnung der ersten beiden - sah vor, dass die Auseinandersetzung vom Papst geschlichtet werden sollte. Alle drei Vorschläge lehnte die französische Seite ab. Diese fasste den Konflikt anders auf, als der englische König. Für sie handelte es sich nicht um ein Problem zweier gleichgestellter Könige, sondern vielmehr um eine Angelegenheit zwischen König und seinem Vasallen.19

Am 27. Oktober 1923 bestellte Philipp IV. Eduard I. zu sich ein, dieser sollte sich wegen der Beschwerden über seine gaskognischen Untergebenen verantworten.20 Eduard I. erschien jedoch nicht, woraufhin Philipp IV. die Konfiszierung des Herzogtums Guyenne im Mai 1924 veranlasste.21 Der französische König hatte bereits Vorkehrungen für die Invasion der betroffenen Ländereien getroffen und so fiel nach einer langen Belagerung die Herzogsstadt Bordeaux den Franzosen zu.22 Bourg und Blaye, beide am Ästuar Gironde gelegen, konnten mit der Unterstützung einer englischen Kriegsflotte gehalten werden. Bayonne wurde zwar für einen kurzen Zeitraum von den Franzosen erobert, konnte aber zurückerkämpft werden und stellte dank günstiger geographischer Lage nun eine wichtige Basis für die Engländer dar, von wo aus Offensiven in das Landesinnere erfolgten. Häufiges Ziel dieser Angriffe stellte Toulouse dar, ein Stützpunkt des französischen Königs, an dem Rüstungsgüter und Mannschaften zusammengezogen wurden.23 Curry sieht zwischen diesem Krieg und dem hundertjährigen Krieg gewisse Parallelen:

„ Bayonne[...]diente[...]als Ausgangspunkt fürüberfallartige Vorstöß e in das Languedoc hinein, die den chevauch é es des Hundertjährigen Krieges schon sehrähnlich waren. “ 24

[...]


1 Schieder, 1987, S. 144.

2 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009, S. 3.

3 Wright, 1998, S. 6.

4 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009 S. 7.

5 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009 S. 7.

6 Wright, 1998 S. 3.

7 Allmand, 1989 S. 7.

8 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009 S. 8.

9 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009 S. 8-9.

10 Ehlers: Der Hundertjährige Krieg, 2009 S. 8

11 Curry, 2012, S. 15.

12 Allmand, 1989, S. 8.

13 Curry, 2012, S. 14.

14 Allmand, 1989, S. 8.

15 Allmand, 1989, S. 9.

16 Curry, 2012, S. 15.

17 Morris, 2008, S. 265.

18 Morris, 2008, S. 265.

19 Morris, 2008, S. 266.

20 Curry, 2012, S. 16.

21 Allmand, 1989, S. 10.

22 Curry, 2012, S. 16.

23 Curry, 2012, S. 16.

24 Curry, 2012, S. 16.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Hundertjährige Krieg. Bedingungen und Auslöser
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Der Hundertjährige Krieg und die Hanse
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V272514
ISBN (eBook)
9783656647263
ISBN (Buch)
9783656647256
Dateigröße
622 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Frankreich, England, 100, hundert, hundertjähriger, hauptseminar, Hausarbeit, Geschichte, mittelalter
Arbeit zitieren
Igor Dukhovny (Autor), 2013, Der Hundertjährige Krieg. Bedingungen und Auslöser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272514

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