Das Image vom Kottbusser Tor

Inhaltsanalytische Untersuchung des medial vermittelten Images vom Kottbusser Tor vor und nach dem Dauerprotest der Mietergemeinschaft Kotti und Co.


Hausarbeit, 2013
51 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Image und Stadtteilimage
1.1. Grundlegendes zum Imagebegriff
1.2. Entstehung von Images
1.3. Stadt- und Quartiersimage

2. Die soziale Stadt und das Kottbusser Tor
2.1. Die soziale Stadt.
2.2. Kurzcharakteristik Kottbusser Tor.
2.3. Die Mietergemeinschaft Kotti und Co.

3. Operationalisierung und Methode.
3.1. Untersuchungsgegenstandund Vorgehensweise
3.2. Die Methode Inhaltsanalyse
3.3. Auswahl-, Analyse-, Kodier- und Kontexteinheiten
3.4. Kategoriensystem.

4. Auswertung der Erhebungsergebnisse
4.1. Gütekriterien der Inhaltsanalyse
4.2. Zusammenfassung der Erhebungsergebnisse
4.3. Erhebungsergebnisse der deduktiven Image-Faktoren.
4.4. Erhebungsergebnisse der induktiven Image-Faktoren

Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

A. Codebuch

B. Image-Faktoren nach Tageszeitungen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Image-Faktoren aller Tageszeitungen der Auswahleinheit

Tabelle 2: Image-Faktoren nach Tageszeitung: Berliner Zeitung

Tabelle 3: Image-Faktoren nach Tageszeitung: Berliner Morgenpost

Tabelle 4: Image-Faktoren nach Tageszeitung: Der Tagesspiegel.

Einleitung

„Die Parallelwelt der Junkies vom Kottbusser Tor“, „Das Kottbusser Tor ist die Endstation“ oder „Kreuzberger Drogenszene: Das Kottbusser Tor unter Druck“ waren in der Vergangenheit häufig die dominierenden Schlagzeilen Berliner Tageszeitungen, die ein negatives Vor­stellungsbild vom Kottbusser Tor als sozialen Brennpunkt vermittelten. Mit dem Dauerprotest der Mietergemeinschaft Kotti und Co. jedoch, der sich gegen die ansteigenden Mietkosten in diesem Quartier richtet, hat sich die Berichterstattung und damit das Vorstellungsbild, das vom Kottbusser Tor vermittelt wird, scheinbar verändert. Der Fokus der Berichterstattung hat sich, so scheint es, weg von der „Endstation Kotti“ hin zu einem Ort, mit dem sich die Protestler bzw. Bewohner des Kottbusser Tor identifizieren und den sie liebevoll als „Klein-Istanbul“ oder „unser Kotti“ bezeichnen, verschoben. Dieser mögliche Wandel des Vorstellungsbildes bzw. des medial vermittelten Images vom Kottbusser Tor, soll Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein. Die zentrale Fragestellung lautet deshalb: Wie hat sich das medial vermittelte Image vom Kottbusser Tor seit dem Dauerprotest der Mietergemeinschaft Kotti und Co. verändert?

Das Thema „Image“ und dessen Bedeutung wird in den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen behandelt. Dazu gehören u.a. Psychologie, Kommunikationswissenschaften, Sozio­logie und Marketing. Gerade innerhalb der letztgenannten Disziplin, genauer im Bereich des Stadtmarketing, hat das Thema Image in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Denn ein positives Image kann im Konkurrenzkampf der Städte und Quartiere um qualifizierte Arbeits­kräfte, Touristen aber auch um Veranstaltungen und Kongresse zum entscheidenden Vorteil werden. Darüber hinaus bietet ein spezifisches Image die Grundlage zur Identifikation mit der Stadt oder dem Quartier und trägt dadurch oftmals dazu bei, dass sich die Einwohner an den Problemen ihrer Gemeinde beteiligen und nicht abwandern. Folglich erscheint es aus Sicht von Stadtplanern- und Entwicklern, wie bspw. des Quartiersmanagements in Berlin, sehr sinnvoll sich mit dem Thema Image genauer zu beschäftigen. Die vorliegende Arbeit, die sich auf die Untersuchung des medial vermittelten Images vom Kottbusser Tor bezieht, versteht sich als ein Beitrag für das Quartiersmanagement Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße, das zuständig für das Kottbusser Tor ist. Eine Analyse des medial vermittelten Images kann dabei helfen, die nach außen dargestellten Stärken und Schwächen des Standortes Kottbusser Tor zu ermitteln. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse könnten zukünftig herangezogen werden, um das Image auf effektivere Weise nach außen zu kommunizieren.

Die Beantwortung der zentralen Fragestellung soll anhand einer Inhaltsanalyse von Zeitungs­artikeln vorgenommen werden. Im Detail wird es dabei zu einem Vergleich des medial ver- mittelten Images vom Kottbusser Tor, bzw. der Image-Faktoren, bevor und nachdem die Mietergemeinschaft Kotti und Co. in den Dauerprotest übergegangen ist, kommen. Die vor­liegende, interdisziplinär ausgerichtete Seminararbeit gliedert sich somit in einen theoretischen und einen empirischen Teil.

Der theoretische Teil der Arbeit setzt sich aus zwei Kapiteln zusammen. Im ersten Kapitel sollen grundlegende Kenntnisse zum Thema Image und Stadtteilimage - unter Rückgriff auf psycho­logische, kommunikationswissenschaftliche und Theorien aus dem Stadtmarketingbereich - vermittelt werden. Neben der Definition des Image-Begriffs und einer Beschreibung seiner zentralen Charakteristiken soll die Entstehung von Images als auch deren Zusammensetzung erläutert werden. Anschließend wird die Bedeutung, Funktion und Zusammensetzung von Stadt- bzw. Stadtteilimage beschrieben, um erste Anhaltspunkte für die Entwicklung des Erhebungs­instrumentes zu gewinnen. Das zweite Kapitel der Arbeit soll dazu dienen, das Kottbusser Tor eingehend zu beschreiben und Hypothesen für die Erhebung zu entwickeln. Für die Be­schreibung des Kottbusser Tor wird hauptsächlich auf Daten des Quartiersmanagement Kottbusser Tor bzw. Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße aus den Jahren 2002 und 2011 zurück­gegriffen. Zunächst wird in diesem Zusammenhang das Programm „die soziale Stadt“ vor­gestellt, das der Entstehung des Quartiersmanagements vorausgeht. Anschließend werdenört­liche und demografische Merkmale sowie Problemfelder des Kottbusser Tor aus vergangener und aktueller Sicht beschrieben. Abschließend wird die Mietergemeinschaft Kotti und Co. vor­gestellt.

Der empirische Teil der Arbeit gliedert sich ebenfalls in zwei Kapitel. Zunächst wird im dritten Kapitel die Operationalisierung des Untersuchungsgegenstandes und der im zweiten Kapitel generierten Hypothesen vorgenommen. Daraufhin findet eine Einführung in die Methode der Inhaltsanalyse statt. Folglich wird zuerst eine Arbeitsdefinition des medial vermittelten Images vom Kottbusser Tor entwickelt, um darauf aufbauend das weitere Vorgehen für die Erhebung festzulegen. Im Anschluss daran wird die Methode der Inhaltsanalyse vorgestellt und die damit zusammenhängenden Auswahl-, Analyse-, Kodier- und Kontexteinheiten werden unter Berück­sichtigung der Erkenntnisse aus dem theoretischen Teil bestimmt. Schließlich wird das Kate­goriensystem der Inhaltsanalyse erläutert. Im vierten und letzten Kapitel werden neben den Gütekriterien der Messung, die Auswertungsergebnisse der Erhebung beschrieben. Demnach erfolgt zuerst eine Betrachtung der Reliabilität und Validität der Messung. Darauf aufbauend werden die Erhebungsergebnisse zunächst zusammenfassend und dann detailliert erläutert, um die Hypothesen der Arbeit zu prüfen. Abschließend werden die Erhebungsergebnisse im Fazit zusammengefasst, um die zentrale Fragestellung der Arbeit zu beantworten.

1. Image und Stadtteilimage

In diesem ersten Kapitel der Arbeit, sollen die theoretischen Grundlagen zum Thema Image und Stadtteilimage vermittelt werden. Im Unterkapitel 1.1 wird die Wortherkunft des Image-Begriffs sowie eine Minimaldefinition vorgestellt. Darauf aufbauend werden die fünf zentralen Charakteristiken als auch die Funktionen des Images erläutert. Das Unterkapitel 1.2 befasst sich mit der Entstehung von Images unter Berücksichtigung der Nähe zum Meinungsgegenstand. In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle der Medien bei der Entstehung von Images kurz skizziert. Das Image von Städten bzw. Quartieren ist Gegenstand des Unterkapitels 1.3. Neben der Bedeutung und Funktion des Images für Städte bzw. Quartiere soll an dieser Stelle auf die Wandelbarkeit von (negativen) Images eingegangen werden. Jedes Image setzt sich aus einzel­nen Image-Faktoren zusammen, die sich im Rahmen eines Imagewandels verändern können. An dieser Stelle werden einige mögliche Image-Faktoren von Städten bzw. Quartieren benannt und deren gesellschaftliche oder strukturelle Ursache aufgezeigt.

1.1 GrundlegendeszumImagebegriff

Der Begriff Image entstammt dem lateinischen Begriff imago und wird als Bild übersetzt (Stegmann 1997: 16). Der Image-Begriff findet seit Jahrzehnten Verwendung in den ver­schiedensten wissenschaftlichen, politischen, unternehmerischen undöffentlichen Bereichen (ebd.: 1). Jedoch hat sich trotz intensiver Auseinandersetzungen mit diesem Begriff bisher kein eindeutiges Begriffverständnis herauskristallisiert (ebd.). Folglich gibt es eine Vielzahl an Definitionen des Image-Begriffs, die abhängig vom jeweiligen (wissenschaftlichen) Bereich unterschiedliche Charakteristiken beschreiben. Allen Definitionen gemein ist jedoch eine Grundannahme, die in dieser Arbeit als Minimaldefinition des Image-Begriffs genutzt werden soll: Ein Image ist ein Vorstellungsbild von einem Meinungsgegenstand (Steinführer/Kabisch 2004:9; Jung2010:34).

Diese Definition beschreibt einerseits eine Beziehung, welche die Voraussetzung für die Imagebildung ist: "die Wahrnehmung eines Image-Objektes, d.h. eines Meinungsgegenstandes, über den ein Image gebildet wird, durch ein Image-Subjekt, d.h. ein Individuum, welches sich das Image bildet“ (Braun 2008: 69). Andererseits macht der Ausdruck "Vorstellungsbild" deut­lich, dass es bei Images weniger um die objektiven Merkmale eines Meinungsgegenstandes bzw. Image-Objektes geht, sondern vielmehr um subjektive Vorstellungen und Ansichten, die sich vor allem auf besonders prägnante Merkmale des Image-Objektes beziehen (Rustemeyer 1992: 64). Diese prägnanten Merkmale werden auch als Image-Faktoren bezeichnet, aus denen sich jedes Image, wie z.B. das Image einer Stadt, zusammensetzt (Konken 2004: 45; Braun 2008: 74).

Darüber hinaus weist der Image-Begriff fünf zentrale Charakteristiken auf, die im Folgenden erläutert werden. Zu diesen Charakteristiken gehören Wertung, Resistenz, Persistenz, Mehr- dimensionalität und Differenziertheit (Schacht 2007: 28). Images enthalten immer Wertungen im Bezug auf die einzelnen Image-Faktoren, aus denen sich das Image zusammensetzt (Braun 2008: 20). Diese Wertungen können positiv oder negativ sein und "je nachdem, wie groß die Anzahl der imagerelevanten Faktoren ist und ob positive oder negative überwiegen, ist auch das Gesamtimage des [Image-Objektes] eher positiv oder negativ ausgeprägt" (Braun 2008: 77). Ähnlich wie Einstellungen, sind Images veränderungsresistent. So sind bspw. negative Images schwerer zu beeinflussen bzw. zu verändern als positive Images (Fasselt/Zimmer-Hegmann 2008: 237). Darüber hinaus verfügen Images über eine spezifische Persistenz. Wenn ein Image entsteht, ist es anfänglich noch sehr instabil und deshalb flexibel. Mit der Zeit verfestigt sich das Image jedoch zunehmend, d.h. die Stabilität nimmt zu und die Flexibilität nimmt ab (Schacht 2007: 28). Jedes Image besteht beim Image-Subjekt bewusst oder unbewusst aus einer kognitiven, einer affektiven und einer bahavioralen Dimension (Schacht 2007: 28; Steinführer/Kabisch 2004: 9). Die kognitive Dimension bezieht sich auf die Gedanken und Überzeugungen über die Merkmale bzw. Image-Faktoren des Image-Objektes (Schacht 2007: 28). Die affektive Dimension beinhaltet Emotionen und Bedürfnisse, welche mit den Image­Faktoren bzw. dem Image-Objekt in Verbindung gebracht werden (ebd.). Und die behaviorale Dimension meint die erlernte Handlungstendenz bzw. Verhaltensbereitschaft des Image­Subjektes, sich gegenüber dem Image-Objekt in spezifischer Weise zu verhalten (ebd.: 29). Das Image-Charakteristikum Differenziertheit bezieht sich auf die Vielfalt der wahrgenommenen und bewerteten Merkmale bzw. Image-Faktoren des Image-Objektes (Schacht 2007: 28; Braun 2008: 20). Hierbei ist vor allem die Distanz zum Image-Objekt von Bedeutung. Es hat sich herausgestellt, dass Images von Image-Objekten, die direkt erfahrbar sind bzw. direkt wahr­genommen werden können, differenzierter sind, als Images von indirekt wahrgenommenen bzw. nicht direkt erfahrbaren Image-Objekten (Steinführer/Kabisch 2004: 12). Der Image-Begriff wird in diesem Zusammenhang häufig in die beiden Teilbereiche Selbst- und Fremdimage oder Binnen- und Außenimage aufgeteilt (Bentele 1992: 156).

Zur Funktion von Images lässt sich sagen, dass diese von der Perspektive des Betrachters ab­hängig ist (Stegmann 1997: 17). Die bisherigen Ausführungen haben sich vor allem auf das Image-Subjekt bezogen. Dieser "humanitarian view of image", sieht die Funktionen eines Images darin, dass sie handlungsleitend sind und "eine zentrale Informations-, Bewertungs-, und Entscheidungsgrundlage des Menschen schlechthin [darstellen]" (ebd.: 2). Es gibtjedoch auch einen "instrumental view of image", der charakteristisch für Image-Sender wie z.B. Journalisten ist (ebd.: 17). Aus Perspektive eines Senders erfüllen Images zweckgerichtete Funktionen, "sie dienen der Zuspitzung bestimmter Merkmale, der Informationsreduktion, der Differenzierung und der Abgrenzung" (Steinführer/Kabisch 2004: 9). Jene Sender werden im nächsten Abschnitt genauer erläutert.

1.2 Entstehung von Images

Bei der Entstehung von Images ist es sinnvoll zwischen Selbst- bzw. Innenimages und Fremd- bzw. Außenimages zu unterscheiden. Im Folgenden wird zunächst die Entstehung des Selbstimages skizziert. Die Ausgangssituation ist ein Image-Subjekt, welches ein Image-Objekt auf direkte und unvermittelte Weise wahrnimmt. Jedes Image-Objekt weist Merkmale auf, die vom Image-Subjekt als Informationen in Form von Reizen wahrgenommen werden können (Braun 2008: 73). Allerdings wirken beim Image-Subjekt bewusst oder unbewusst physische und psychische Wahrnehmungsfilter, die von vorneherein verhindern, dass die Merkmale des Image-Objektes in ihrer objektiven Form und in ihrer Gesamtheit vom Image-Subjekt erfasst werden (ebd.)[1]. Folglich nimmt das Image-Subjekt nur bestimmte Merkmale bzw. Image­Faktoren wahr, "die besonders prägnant und profiliert sind und als Symbole für die Wesenszüge des betreffenden [Image-Objektes] stehen" (ebd.). Die durch die Wahrnehmungsfilter selektierten Informationen, werden anschließend in komplexen psychologischen Prozessen weiterverarbeitet (ebd.). Schließlich entsteht ein Image beim Image-Subjekt, das "die Grundlage für seine Entscheidung darüber [bildet], ob es über ausreichendes Wissen für ein bestimmtes Verhalten verfügt oder ob in einer Rückkopplung zur realen Welt weitere Informationen gesucht werden sollen" (ebd.).

Bei der Entstehung eines Fremdimages ist die Ausgangssituation eine andere, weil das Image­Objekt auf indirekte und vermittelte Weise vom Image-Subjekt wahrgenommen wird. Die Ent­stehung eines Fremdimages setzt deshalb neben Image-Objekt und Image-Subjekt noch die beiden Elemente Image-Sender und Image-Träger voraus. Der Image-Sender ist u.a. dadurch gekennzeichnet, dass er die Informationen, die in Form von Reizen vom Image-Objekt aus­gehen, für das Image-Subjekt entweder gezielt und bewusst oder unbeabsichtigt und unbewusst vorselektiert und auf eine bestimmte Weise darstellt bzw. präsentiert (Braun 2008: 81). Zu den Image-Sendern gehören z.B. Journalisten, deren Berichterstattung durch spezifische Selektions­und Darstellungsregeln geprägt ist[2]. Durch die Selektion bestimmter Merkmale des Image­Objektes und einer damit einhergehenden prägnanten Darstellung dieser Merkmale, ist es den Image-Sendern möglich, Image-Faktoren zu generieren oder zu verändern und dadurch das Fremdimage von einem Image-Objekt zu beeinflussen (instrumental view of image). Damit die, vom Image-Sender auf diese Weise bearbeiteten, Informationen beim Image-Subjekt an­kommen, setzt der Image-Sender mediale Formen ein, die als Image-Träger fungieren (Bentele 1992: 161). Image-Träger sind z.B. journalistische Texte, Bilder oder Filme, die auch als objektivierte und materialisierte Form von Images verstanden werden können (ebd.). Die Tat­sache, dass Journalisten zu den Image-Sendern gehören und deren Texte als Image-Träger fungieren, macht deutlich, dass die Medien bei der Bildung von Fremdimages von besonderer Bedeutung sind (Stadtentwicklung und Image 2011: 9). Dies trifft auch auf die Entstehung von Stadt- oder Stadtteilimages zu, die im nächsten Abschnitt genauer beschrieben werden (Steg­mann 1997: 4).

1.3 Stadt- und Ouartiersimage

Das Image hat für Städte und Ouartiere in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen an Bedeutung gewonnen (Steinführer/Kabisch 2004: 9). Einerseits treten immer mehr Städte "in nationale und internationale Konkurrenz zueinander, z.B. um die Ansiedlung zukunfts­orientierter Unternehmen, um die Anziehung qualifizierter Arbeitskräfte, Touristen, Kongresse, Kultur- und Sportveranstaltungen sowie Fördermittel für Wissenschaft und Technik" (Konken 2004: 37). Andererseits mangelt es der modernen Stadt "an einer (wieder)erkennbaren und von anderen unterscheidbaren Stadtidentität" (Stegmann 1997: 3). Um der Konkurrenz standzu­halten, ist es deshalb aus Sicht vieler städtischer und regionaler Entscheidungsträger notwendig, das Marketinginstrument Imagekampagne einzusetzen, um ihre Städte bzw. Ouartiere "mit einem einprägsamen, unverwechselbaren Label zu versehen", das positiv wahrgenommen wird und anziehend auf Außenstehende wirkt (Steinführer/Kabisch 2004: 9). Das Image ist jedoch noch aus anderen Gründen für Städte und Ouartiere von Bedeutung. Es ermöglicht die Identi­fikation mit dem Quartier und trägt dadurch dazu bei, dass sich die Einwohner an den Problemen ihrer Gemeinde beteiligen und nicht abwandern (Stegmann 1997: 3). Darüber hinaus beeinflusst es die allgemeine Zufriedenheit der Bürger (ebd.).

Wiejedes andere Image auch ist das Stadt- bzw. Quartiersimage "durch einen individuellen Satz an Faktoren gekennzeichnet, die [der Stadt oder dem Quartier] eine spezifische Identität ver­leihen und [sie] somit unterscheidbar von anderen [Städten oder Quartieren] machen" (Braun 2008: 77). Zu diesen individuellen Image-Faktoren können z.B. Klima, geografische Lage, Volkstum, Religion, Sitten, Sehenswürdigkeiten, kulturelle und sportliche Veranstaltungen, Vergnügungen oder Events gehören (Konken 2004: 45). Die Image-Faktoren des Außen- bzw. Fremdimage einer Stadt oder eines Quartiers können aber auch auf existierenden Problemlagen, wie Arbeitslosigkeit oder Kriminalität, beruhen (Fasselt/Zimmer-Hegmann 2008: 238). Des Weiteren ist zu berücksichtigen, dass das Image von der Perspektive des Betrachters abhängig ist, denn "das jeweils persönliche Empfinden und die Wahrnehmung der im Stadtteil lebenden Bewohner im Hinblick auf die eigene Umgebung sind differenzierter und häufig positiver als außerhalb des Gebietes" (Fasselt/Zimmer-Hegmann 2008: 237).

Die Bedeutung, die das Image für Städte und Quartiere hat, macht deutlich, dass es erstrebens­wert ist, ein positives Image zu haben oder ein bestehendes negatives Image zum Positiven zu wandeln. Gerade Letzteres erweist sichjedoch als schwierig, denn "selbst wenn sich die Gründe für das Negativimage eines Gebietes schon längst ins Positive gewandelt haben, hält sich ein negatives Image meist im allgemeinen Bewusstsein der Öffentlichkeit noch viel länger - gerade als Vorurteil" (Fasselt/Zimmer-Hegmann 2008: 237). Des Weiteren wird ein Imagewandel durch die Medien erschwert, weil diese "sich gern von Tatsachen, die schlechtes Image hervorrufen, nähren" (Konken 2004: 36). Die Neubesetzung von Image-Faktoren, die zuvor nicht Bestandteil des Images waren, erweist sich hingegen als weniger aufwendig (Braun 2008: 79).

2. Die soziale Stadt und das Kottbusser Tor

Das nun folgende Kapitel soll dazu dienen, das Kottbusser Tor, das mit dem Untersuchungs­gegenstand dieser Arbeit zusammenhängt, eingehend zu beschreiben und Hypothesen für die Erhebung zu generieren. Da für die Beschreibung des Kottbusser Tor hauptsächlich auf Daten des Berliner Quartiersmanagement aus den Jahren 2002 und 2011 zurückgegriffen wird, erfolgt im Unterkapitel 2.1 zunächst eine kurze allgemeine Erläuterung des Programms „die soziale Stadt“, das mit der Entstehung des Quartiersmanagements Kottbusser Tor bzw. Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße in Verbindung steht. In diesem Zusammenhang wird ein erster Ein­ druck über das Kottbusser Tor und dessen Image(-Faktoren) vermittelt. Darauf aufbauend wird im Unterkapitel 2.2 eine Kurzcharakteristik des Kottbusser Tor vorgenommen, die sich neben Ortsmerkmalen und demografischen Aspekten vor allem auf Problemfelder dieses Stadtteils bezieht. Abschließend wird die Mietergemeinschaft Kotti und Co. im Unterkapitel 2.3 vor­gestellt. Dabei sollen die Zusammensetzung, Ziele, Protestmaßnahmen und Erfolge der Mieter­gemeinschaft kurz skizziert werden.

2,1 Die soziale Stadt

Das Programm "Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die soziale Stadt" wurde 1999 etabliert und "stellt eine Ergänzung zur baulich-räumlich orientierten traditionellen Städtebau­förderung dar" (Becker/Franke/Löhr/Rösner 2002: 12). Ziel des Programms ist es u.a. die wachsende räumliche und soziale Spaltung in deutschen Städten zu bekämpfen und eine nach­haltige Aufwärtsentwicklung in problematischen Stadtteilen zu bewirken (ebd.: 14). Für die Programmumsetzung wurden integrierte Handlungskonzepte von den teilnehmenden Kommunen entwickelt, die eine Gesamtstrategie sowie Umsetzungsziele für die entsprechenden Gebiete benennen und dazu beitragen sollten, "baulich-räumliche Erneuerung mit sozial­stabilisierenden Maßnahmen zu verbinden" (Fasselt/Zimmer-Hegmann 2008: 242).

Zu den 15 Gebieten, die im Jahre 1999 als Pilotvorhaben für das Programm ausgewählt wurden, "um dort mit dem sozialräumlichen Ansatz 'Quartiersmanagement'[3] weitere Abwärtsent­wicklungen zu stoppen", zählte auch das Kottbusser Tor (Beer/Musch 2002b: 56)[4]. Das Gebiet Kottbusser Tor wurde aufgrund der Vielschichtigkeit und Überlagerungen der Probleme vor Ort, wie z.B. hohe Arbeitslosigkeit, Höhe des Ausländeranteils und Struktur der Wohnungseigen­tümer (Dominanz des sozialen Wohnungsbaus), ausgewählt (Beer/Musch 2002b: 77). Darüber hinaus stellte das negative Image des Kottbusser Tor, das vom Quartiersmanagement be­schrieben wurde als "ein chaotischer Verkehrsknotenpunkt, ein ethnisch dominiertes Quartier und Treffpunkt der größten Drogenszene Berlins", ein weiteres Auswahlkriterium dar (ebd.: 77 und 137). Aufgrund der Tatsache, dass dem Kottbusser Tor zum damaligen Zeitpunkt ein negatives Image attestiert wurde und negative Images eine hohe Resistenz und Persistenz auf­weisen, lässt sich an dieser Stelle folgende Hypothese aufstellen:

H1: Das medial vermittelte Image vom Kottbusser Tor ist über den gesamten Er­ hebungszeitraum hinweg eher negativ als positiv.

Jedes negative Image setzt sich zum Teil aus negativen Image-Faktoren zusammen. Da negative Image-Faktoren u.a. auf real existierenden Problemlagen beruhen, sollen im Folgenden, nebenörtlichen und demografischen Merkmalen, die zentralen Problemfelder des Kottbusser Tor, die im Rahmen des Quartiersmanagement damals sowie heute ermittelt wurden, für die Kurz­charakteristik dieses Stadtteils herangezogen werden.

2,2 Kurzcharakteristik Kottbusser Tor

Das Kottbusser Tor liegt imöstlichen Teil Kreuzbergs im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und hat eine Größe von ca. 15 ha (Beer/Musch 2002b: 59). Im nördlichen Teil des Kottbusser Tor befindet sich das Zentrum Kreuzberg, das einen Gewerbe- und Wohnkomplex darstellt. Der südliche Bereich des Kottbusser Tor besteht überwiegend ausöffentlich geförderten Wohnungen, die u.a. von der Wohnungsbaugesellschaft GSW verwaltet werden. Zwischen den beiden Bereichen befindet sich die Hochbahntrasse mit dem Bahnhof Kottbusser Tor, die von der Skalitzer Straße flankiert wird. Die auf den Platz zulaufenden Straßen, zwei sich kreuzende U-Bahn-Finien und mehrere Bushaltestellen, die für ein hohes Verkehrsaufkommen sorgen und von zahlreichen Menschen Tag und Nacht frequentiert werden, machen das Kottbusser Tor zu einem bedeutenden Verkehrsknotenpunkt und belebten Ort (ebd.: 56). Darüber hinaus ist das Quartier ein wichtiger Standort für Dienstleistungen, Handel und Banken (Beer/Musch 2002b: 58).

Am Kottbusser Tor leben ca. 4414 Menschen[5], von denen der Großteil nicht über einen deutschen Pass verfügt (Neuausrichtung Quartiersmanagement 2005: 5). Eine weitere demo­grafische Besonderheit des Quartiers ist die Tatsache, dass der Bewohneranteil an Kindern und Jugendlichen sehr hoch ist (Atrache-Younes/Bosa/Werner 2011: 6).

Insgesamt weist das Kottbusser Tor sechs zentrale Problemfelder auf, die durch das Quartiers­management Kottbusser Tor bzw. Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße ermittelt wurden. Zu diesen Problemfeldern gehören: Ethnische Segregation, Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt und Einkommensarmut, überforderte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen, Vernachlässigung desöffentlichen Raums und des Wohnumfeldes, Beeinträchtigung durch Drogen- und Alkoholszene sowie Anstieg der Kosten auf dem Immobilien- bzw. Mietmarkt (Beer/Musch 2002b: 58ff; Atrache-Younes/Bosa/Werner 2011: 24). Wie bereits erwähnt, setzen sich negative Images aus einzelnen negativen Image-Faktoren zusammen, die teilweise auf real existierenden Problem­lagen beruhen. Somit lässt sich annehmen, dass jedes dieser Problemfelder einen Image-Faktor des Kottbusser Tor darstellt. Diese Annahme führt zu der Hypothese H2:

H2: Sämtliche Problemfelder des Kottbusser Tor waren oder sind über den gesamten Erhebungszeitraum hinweg Image-Faktoren.

Im Folgenden werden diese sechs Problemfelder bzw. mutmaßlichen Image-Faktoren im Einzelnen beschrieben. Ein großer Teil der Bewohner am Kottbusser Tor hat einen Migrations­hintergrund oder keine deutsche Staatsbürgerschaft (Atrache-Younes/Bosa/Werner 2011: 9). Diese Tatsache wird aus zweierlei Gründen als problematisch erachtet. Einerseits wird be­fürchtet, dass die Segregation negative Effekte auf die soziale Integration der Migranten hat. Beispielsweise haben sich zahlreiche Familien mit Migrationshintergrund weitestgehend in ihre eigene Kultur/Infrastruktur zurückgezogen (ebd.: 12). Diese Familien kommen ohne deutsche Sprache im Alltag zurecht, weil "inzwischen Türkisch und Arabisch fast überall 'selbstverständ­lich' gesprochen wird", und die mediale Entwicklung (TV-Satelliten) zur Verfestigung deutscher Sprachdefizite beiträgt (ebd.). Andererseits fühlen sich die am Kottbusser Tor "verbliebenen deutschen Bewohnerinnen und Bewohner in der Minderheit und oft als Opfer der veränderten Verhältnisse" (Beer/Musch 2002b: 59). Allerdings werden im Bezug auf die Ethnische Segregation auch positive Effekte wahrgenommen. "Die Vielzahl der Kulturen, die auf einem relativ kleinen Raum zusammenlebt, verleiht dem Quartier ein vielfältiges, aufgrund der Her­kunftsländer der Bewohner/innen zum Teil orientalisches Erscheinungsbild", das viele Touristen und unterschiedliche soziale Gruppen, wie Studenten oder Künstler, anzieht (Atrache­Younes/Bosa/Werner 2011: 10). Da der Image-Faktor Ethnische Segregation eher negativ als positiv dargestellt wird, ergibt sich daraus folgende Hypothese für die Erhebung:

H3: Der Image-Faktor "Ethnische Segregation" wird im gesamten Zeitraum eher negativ als positiv bewertet.

Das Problemfeld „Arbeitslosigkeit und Einkommensarmut“ ist darauf zurückzuführen, dass viele Bewohner im Quartier überproportional lang sowie häufig arbeitslos sind und von Sozial­hilfe leben (Atrache-Younes/Bosa/Werner 2011: 9). Vor allem "Bewohner/innen mit Migrationshintergrund und Personen mit fehlender oder mangelnder Qualifikation sowie nicht ausreichender deutscher Sprach- und Sprechkompetenz", sind davon betroffen (ebd.). Erschwerend kommt hinzu, dass "die stigmatisierende 'Adresse' Kottbusser Tor Erfolgsaus­sichten bei Bewerbungen rapide schwinden [lässt]" (Beer/Musch 2002b: 59). Im Bezug auf das Problemfeld Arbeitslosigkeit und Einkommen hat sich scheinbar, wie aus den Quartiers­management-Berichten zu entnehmen ist, in den letzten Jahren keine Veränderung ergeben. Dies führt zu der Hypothese H4:

H4: Der negative Image-Faktor „Arbeitslosigkeit und Einkommen“ hat innerhalb des gesamten Erhebungszeitraums keinen Wandel erfahren.

Im Jahre 2002 wurde die Situation im Bezug auf die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen am Kottbusser Tor als überwiegend negativ bewertet. Diese Situation wurde als das Problemfeld „überforderte Bildungs- und Betreuungseinrichtungen“ bezeichnet. So wurde den Kindertages­stätten als auch der Jens-Nydahl-Grundschule attestiert, dass sie in ihrer damaligen Struktur "kaum einen Beitrag zur Minderung von Benachteiligungen leisten und Chancengleichheit nicht fördern" (Beer/Musch 2002b: 59). Darüber hinaus wurde bei Lehrern und Erziehern ein hohes Maß an Resignation festgestellt (ebd.). Mittlerweile hat sich die Situation jedoch gebessert, sodass die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen nicht mehr als Problemfeld bezeichnet werden können. Bildungsmaßnahmen als auch Bildungsangebote wurden in den letzten Jahren breiter angelegt und besser auf die Bewohnerstruktur zugeschnitten (Atrache­Younes/Bosa/Werner 2011: 11). Außerdem wurde die Jens-Nydahl-Grundschule zu einer ge­bundenen Ganztagsschule umgewandelt, die "sich verstärkt im Bereich 'Familienbildung' mit ihren auf Eltern zugeschnittenen Beratungs- und Bildungsangeboten [engagiert]" (Atrache­Younes/Bosa/Werner 2011: 11). Des Weiteren hat der Umbau der Mittelpunktbibliothek im Sommer 2010 nach Angaben des Quartiersmanagement zu einer Aufwertung des Standortes Kottbusser Tor geführt (ebd.). Aufgrund dieser positiven Entwicklung lässt sich die Hypothese H5 aufstellen:

H5: Der Image-Faktor "Bildung" wird innerhalb des gesamten Erhebungszeitraums eher positiv als negativ bewertet.

Das Problemfeld „Vernachlässigung desöffentlichen Raums und des Wohnumfeldes“ bezieht sich einerseits auf die Verkehrssituation am Kottbusser Tor und andererseits auf die teilweise damit zusammenhängende Beeinträchtigung der Wohnqualität. Ein Problem, welches mit dem hohen Verkehrsaufkommen am Kottbusser Tor zusammenhängt, ist die Entstehung von Lärm und Emissionen, die von den Bewohnern als belastend empfunden wird (Atrache­Younes/Bosa/Werner 2011: 5). Darüber hinaus gehörte das Quartier bis zum Jahre 2010 laut Verkehrssicherheitslage-Bericht der Polizei regelmäßig zur "Top Ten" der Unfallhäufungspunkte mit Personenschäden. Zwar sollten bereits im Jahre 2009 Umbauarbeiten am Kottbusser Tor beginnen, um die Sicherheit für Fahrradfahrer sowie Fußgänger zu erhöhen und die Unfall­häufigkeit zu reduzieren, jedoch wurden die Arbeiten erst im Jahre 2012 aufgenommen (QM ZK/O 2013). Somit lässt sich annehmen, dass der Image-Faktor Verkehr einerseits ab 2010 an Nachrichtenwert verloren hat, weil es zu weniger Unfällen am Kottbusser Tor gekommen ist, andererseits im Jahre 2012 wieder an Nachrichtenwert gewonnen hat, weil die Umbauarbeiten begonnen haben. Aus diesen Annahmen ergibt sich die Hypothese H6:

H6: Der Image-Faktor "Verkehr" hat im zweiten Erhebungszeitraum, eine größere Relevanz für das Image des Kottbusser Tor bzw. wird häufiger thematisiert, als im ersten Erhebungszeitraum.

Die Wohnqualität wird jedoch nicht nur durch den Verkehr beeinträchtigt, sondern auch durch ungestaltete Wohnhöfe, mangelnde Instandsetzung zerstörter Bereiche, Müll sowie Drogen und Alkohol, die charakteristisch für das Wohnumfeld sind (Beer/Musch 2002a: 52). Seit Jahr­zehnten zählt das Kottbusser Tor zu den etablierten Treffpunkten der Drogen- und Alkohol­szene. Hierbei handelt es sich um eines der größten Problem- und Konfliktfelder des Quartiers (Beer/Musch 2002b: 60). Zu den, mit diesem Problemfeld einhergehenden, Belastungen für Bewohner und Gewerbebetreibende gehören u.a. herumliegende Spritzenbestecke und Ver­unreinigungen sowie Belästigungen und Aggressionen (ebd.). Diese Szene "ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Bewohner/innen imöffentlichen und halb-öffentlichen Raum unsicher fühlen und um ihre Kinder 'fürchten'" (Atrache-Younes/Bosa/Werner 2011: 11). Auch die Polizei ordnet das Kottbusser Tor im Zusammenhang mit der Drogenproblematik als Kriminalitätsschwerpunkt ein (ebd.: 14). Bisher wurde versucht, die Problematik durch Bereit­stellung von Drogenkonsumräumen -und mobilen zu entschärfen. Allerdings blieben diese Ver­suche erfolglos.

[...]


[1] Physische Wahrnehmungsfilter sind z.B. Augen oder Ohren bzw. Seh- oder Hörvermögen. Schemata oder Stereotypen hingegen gehören zu den psychischen Wahrnehmungsfiltern, die z.B. durch Sozialisationen beeinflusst werden.

[2] So gibt es nach Thomas Meyer eine Reihe von Nachrichtenfaktoren, die den Nachrichtenwert eines Ereignisses bestimmen und dadurch ausschlaggebend für die Selektion von Ereignissen sind: "die kurze Dauer des Geschehens, möglichst als abgeschlossene Episode; dessen räumliche, politische und kulturelle Nähe zum Betrachter; der Überraschungswert der Information im Rahmen schon eingeführter bekannter Themen; die Konflikthaftigkeit des Ereignisses, großer Schaden oder besondere Erfolge und Leistungen" (Meyer 2001: 47).

[3] Das Quartiersmanagement bündelt die einzelnen unterschiedlichen Projekte und Maßnahmen, in den Gebieten der sozialen Stadt, und ist meistens "mit einem Büro im Stadtteil verortet, um als Kontaktstelle für die Bewohner und Akteure unmittelbar erreichbar zu sein" (Fasselt/Zimmer­Hegmann 2008: 242).

[4] Die Pilotphase des Programms "die soziale Stadt" hat sich größtenteils auf drei Jahre beschränkt, d.h. von 1999 bis 2002 war das Kottbusser Tor ein Gebiet des Quartiersmanagement. Im Jahre 2005 kam es zu einer strategischen Neuausrichtung des Quartiersmanagement in Berlin, die u.a. eine Erweiterung dieses Quartiersmanagement-Gebiets nach sich gezogen hat. Das entsprechende Gebiet umfasst mittlerweile Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße (Neuausrichtung Quartiersmanagement 2005: 5).

[5] Feider lagen bis zum Erhebungszeitpunkt weder beim Amt für Statistik Berlin/Brandenburg noch beim Quartiersmanagement Zentrum Kreuzberg/Oranienstraße aktuellere Daten im Bezug auf die Einwohnerzahl des Kottbusser Tor vor.

Ende der Leseprobe aus 51 Seiten

Details

Titel
Das Image vom Kottbusser Tor
Untertitel
Inhaltsanalytische Untersuchung des medial vermittelten Images vom Kottbusser Tor vor und nach dem Dauerprotest der Mietergemeinschaft Kotti und Co.
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Qualitative Methoden
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
51
Katalognummer
V272546
ISBN (eBook)
9783656640011
ISBN (Buch)
9783656640004
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Image, Kottbusser Tor, Kotti, Quartiersmanagement, Stadtimage, Inhaltsanalyse, Kotti & co., Protest, Zeitung, Marketing, Imagefaktoren, Imagetheorie, Quartiersimage
Arbeit zitieren
Andreas Filko (Autor), 2013, Das Image vom Kottbusser Tor, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272546

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