„Die Analysten der Ratingagenturen bringen Staaten in Finanznot und lassen weltweit die Börsen erzittern“ (Wirtschaftswoche). Sind Ratingagenturen die mächtigsten Unternehmen unseres Wirtschaftssystems?
Ein Rating verursacht Unruhe und Sicherheit, lässt Staaten ins Zittern geraten und Börsianer frohlocken. Eine kleine Abstufung kann in der Wirtschaft eine große Panik auslösen und lässt Investoren Zurückhaltung üben. Umgekehrt kann ein positives Rating zu Mut und Investitionsbereitschaft und damit verbunden zu mehr Arbeitsplätzen führen.
Die Frage, die sich aufwirft lautet: Ist das alles noch gesund und besteht nicht die Gefahr, dass einflussreiche Unternehmen oder Staaten Druck auf die Agenturen ausüben, um sich selbst durch Schwächung der anderen einen Vorteil zu verschaffen? Sollte es nicht vielmehr auch europäische Ratingagenturen geben, um ein Korrektiv zu den amerikanischen zu etablieren?
In den letzten Jahrzehnten gerieten die Ratingagenturen zunehmend in öffentliche Kritik. Im Jahre 2002 durch den Wirtschaftsskandal Enron und vor allem seit der Suprime-Krise 2007, welche zur Finanzkrise führte, diskutieren Regierungen und Wertpapieraufsichtsbehörden wie bspw. die SEC1 über notwendige regulatorische Veränderungen des Ratingmarktes.
Deshalb befasst sich diese Facharbeit kritisch, aber neutral mit dem Thema Ratingagentur. Zuerst wird der Leser in den allgemeinen Begriff "Ratingagentur" eingeführt und im Folgenden der (vermeintliche) Einfluss dieser erörtert.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Ratingagenturen
a. Definition
b. Ratings
c. Historischer Hintergrund
d. Die großen Drei
i. Standard & Poors
ii. Moodys
iii. Fitch Rating
3. Einfluss der Ratingagenturen
a. Folgen eines Ratings
b. Wie kam es zu dieser Macht?
c. Ist die Macht der Ratingagenturen doch nur ein Myhtos?
d. Die Wichtigkeit der Ratingagenturen
4. Unabhängigkeit der Ratingagenturen
a. Interessenskonflikte bei einem Rating
b. Regulierungsmaßnahmen auf dem Ratingmarkt
c. Besitzverhältnisse dere Ratingagenturen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Facharbeit untersucht die Rolle und Macht von Ratingagenturen in der globalen Wirtschaft. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwieweit das aktuelle Geschäftsmodell der Ratingagenturen zukunftsfähig ist und ob eine politische oder regulatorische Reform notwendig erscheint, um die Abhängigkeit der Finanzmärkte von den sogenannten „Big Three“ zu verringern.
- Grundlagen und historische Entwicklung der Ratingagenturen
- Die oligopolistische Marktstruktur und der Einfluss der „Big Three“
- Analyse der Marktmacht und politischen Einflussnahme durch Ratings
- Untersuchung von Interessenskonflikten und Transparenzdefiziten
- Diskussion über Regulierungsmaßnahmen in den USA und der EU
Auszug aus dem Buch
Die großen Drei
Der Ratingmarkt besteht aus einer oligopolistischen Marktstruktur (95% Marktanteile), welche vor allem durch die „Barriers to Entry“ hervorgerufen wurde. Dies verhindert Preiswettkampf und soll für eine gewisse Qualität der zu verkaufenden Produkte sorgen.10 Rudolph Hickel (deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Finanzprofessor, bis 2009 Direktor des IAW): „Diese drei Ratingagenturen sind eine private Lizenz zum Geldscheffeln.“11
• Standard and Poors
1941 fusionierten die Standard Statistics Company und die Poor’s Publishing Company zu Standard & Poors. Seit 1966 ist S&P eine Tochtergesellschaft von McGraw-Hill. S & P dominiert den Weltmarkt mit über 40% Marktanteil. Der Finanzdienstleister erzielte 2011 einen Umsatz von 3,1 Mrd. US $. Bis zum Jahre 2010 hat S& P über 1.190.500 Ratings erstellt.12
• Moodys
Moodys lieferte als erste Agentur Ratings. Damals zu Eisenbahn-Anleihen gegen Bezahlung an Investoren. Daraufhin wurde 1914 die Firma Moody’s Investor Services gegründet. Heutzutage gibt es auch noch den Geschäftszweig für Risikomanagement- Software, welcher unter der Tochtergesellschaft Moody’s Analytics läuft. Beide Unternehmen gehören der Dachgesellschaft Moodys Corporatian an. Mit einem Marktanteil von rund 40% ist es die weltweit zweitgrößte Ratingagentur.
Bis 2009 besaß der berühmte Finanzinvestor Warren Buffet 48 Mio Aktien des Unternehmens. Obwohl er seinen Anteil verringerte, ist er trotzdem noch der größte Anteilseigner Moodys mit 13%.13
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Einleitung in die Thematik der Macht von Ratingagenturen und deren Einfluss auf die Weltwirtschaft sowie Vorstellung der persönlichen Motivation des Autors.
2. Ratingagenturen: Definition und Erläuterung des Rating-Verfahrens sowie Darstellung der historischen Wurzeln und der Marktführer (Standard & Poors, Moodys, Fitch).
3. Einfluss der Ratingagenturen: Analyse der Auswirkungen von Ratings auf Finanzmärkte und Staaten sowie kritische Hinterfragung der tatsächlichen Macht dieser Institutionen.
4. Unabhängigkeit der Ratingagenturen: Untersuchung von Interessenskonflikten, bestehenden Regulierungsansätzen und der undurchsichtigen Besitzverhältnisse der Agenturen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Ratingagenturen mit einem Ausblick auf die Notwendigkeit von Reformen und einer stärkeren Regulierung.
Schlüsselwörter
Ratingagenturen, Weltwirtschaft, Bonität, Finanzkrise, Big Three, Interessenskonflikte, Regulierung, Transparenz, Marktmacht, Standard & Poors, Moodys, Fitch, Kapitalmarkt, Emittenten, Finanzprodukte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle, dem Einfluss und der Macht von Ratingagenturen auf die Weltwirtschaft sowie deren kritisches Geschäftsmodell.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die historische Entwicklung des Ratingmarktes, die Vormachtstellung der „Big Three“, die Auswirkung von Ratings auf Staaten und Unternehmen sowie die Frage nach der Unabhängigkeit dieser Institutionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob die Ratingagenturen zu mächtig für unser Wirtschaftssystem sind und ob das aktuelle Modell zukunftsfähig ist oder grundlegend reformiert werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine fachwissenschaftliche Literaturarbeit (SoWi), die durch Analysen von Fallbeispielen, Marktstrukturen und aktuellen politischen Regulierungsmaßnahmen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wie Ratingagenturen agieren, wie ihre oligopolistische Struktur entstand, welche Auswirkungen ihre Urteile auf Krisen haben und welche Interessenkonflikte durch das Geschäftsmodell „Emittent zahlt für Rating“ entstehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Ratingagenturen, Finanzmarktregulierung, Bonität, Marktmacht, Interessenskonflikte und die Big Three (S&P, Moody's, Fitch).
Wie bewertet der Autor die Rolle der Ratingagenturen in der aktuellen Finanzkrise?
Der Autor sieht in den Ratingagenturen einen wesentlichen Faktor, der durch Fehleinschätzungen und „Ramsch-Papiere“ zur Verstärkung von Finanzkrisen beigetragen hat.
Welche Rolle spielt die Politik bei der Regulierung dieser Agenturen?
Der Autor kritisiert, dass die Politik zwar den Einfluss beklagt, aber durch regulatorische Anforderungen (wie Basel II oder SEC-Vorgaben) die Macht der Agenturen erst gefestigt hat.
- Quote paper
- Laurence Thomm (Author), 2013, Ratingagenturen und ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272569