Darstellungen der Göttin Isis in antiker Literatur

Die apuleianischen Metamorphosen und die "Ephesakia" des Xenophons von Ephesos


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Isis-Mysterien als Exemplum antiker Mysterienkulte

3. Isis-Darstellung in den Metamorphosen des Apuleius' von Madauros
3.1 Die apuleianischen Metamorphosen
3.2 Magie und Mysterien
3.3 Isis-Epitheta
3.4 Isis-Epiphanie
3.5 Metamorphose des Lucius'

4. Isis-Darstellung in der Ephesiaka des Xenophons von Ephesos
4.1 Die Ephesiaka.
4.2 Vergleich der Isis-Darstellungen

5. Isis-Darstellungen in der gegenwärtigen Literatur

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis
7.1 Verzeichnis der Primmärquellen
7.2 Verzeichnis der Sekundärquellen
7.3 Verzeichnis der Tertiärquellen

8. Abbildungsverzeichnis

9. Anhang:
1. Anlage: Abbildungen

1. Einleitung

Una quae | est omnia | dea Isis.“[1]

„Die Eine, die du Alle bist, Göttin Isis.”

Diese Inschrift aus dem 3. Jh. n.Chr. wurde in der Provinz Latium et Campania bzw. genauer in dem Ort Capua gefunden.[2] Die in der kampanischen Region gelegene Stadt weist auf den ersten Blick keine besondere Beziehung zu Ägypten oder allgemein dem Orient auf. Folglich scheint es legitim, die Frage zu äußern, welche Verbindung zwischen einer ägyptischen Göttin und einer römischen Stadt bestanden haben mag. Die Inschrift wirft jedoch noch eine weitere Frage auf; die Frage danach, wie die Göttin Isis in der Inschrift dargestellt wird. Kurzum: Isis – eine vielgestaltige All-Göttin?

Das Anliegen der vorliegenden Hausarbeit ist es, sich den zuvor anhand der Inschrift entwickelten Fragestellungen zu nähern. Die Frage nach der Verbindung zwischen einer orientalischen Gottheit und einer römischen Stadt soll dabei lediglich kurz im ersten Kapitel beantwortet werden. Zur Beantwortung der Frage wird in diesem Kapitel der Isis-Kult als Mysterienkult eingeführt und die Ausbreitung der Isis-Mysterien in der Antike nachvollzogen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Frage, wie die Göttin Isis in antiken Quellen dargestellt worden ist. Diese Fragestellung bezieht sich auf die zweite, bezüglich der Inschrift formulierten Fragestellung: Wurde Isis neben oben genannter Inschrift auch in anderen Quellen als vielgestaltig dargestellt?

Aufgrund der Vielzahl an Quellen, auf die sich die Untersuchung berufen könnte, beschränkt sich diese Hausarbeit auf literarische Quellen und weiter auf die in Latein verfassten Metamorphosen des Apuleius' aus Madauros und der in Altgriechisch verfassten Ephesiaka des Xenophons von Ephesos. Diese Einschränkung erscheint im Bezug auf das Proseminar Antike Romane von Chariton bis Heliodor, in dessen Rahmen diese Arbeit verfasst wird, sinnvoll und stellt eine Ergänzung des Themenblocks Mythologie, Religion, Riten und Feste des Proseminars dar. Das zweite Kapitel thematisiert die Isis-Darstellung in den Metamorphosen, während im dritten Kapitel die Übertragbarkeit der im zweiten Kapitel erarbeiteten Ergebnisse auf das Werk von Xenophon von Ephesos diskutiert wird. Einen Ausblick auf Isis-Adaptionen der Gegenwartsliteratur soll das vierte Kapitel gewähren.

Unter methodischen Gesichtspunkten betrachtet stützt sich der Hauptteil dieser Untersuchung stark auf die zwei literarischen Primärquellen, die Metamorphosen und die Ephesiaka, und versucht, die Darstellung der Göttin Isis in den genannten Romanen mithilfe kritischer Quelleneditionen nachzuvollziehen. Da die gewählte Thematik in der Forschung kontrovers diskutiert wird und unterschiedliche Forschungspositionen im anhaltenden Diskurs nebeneinander stehen, sollen Sekundärquellen gegenübergestellt und an geeigneter Stelle auf bestehende Kontroversen und aktuelle Forschungsvorhaben hingewiesen werden. Einbezogen werden sowohl Grundlagenwerke, wie auch Aufsätze aktuellen Publikationsdatums. Zur Veranschaulichung fließen Tertiärquellen in die Ausführungen dieser Arbeit ein.

2. Isis-Mysterien als Exemplum antiker Mysterienkulte

Es scheint eine unumgängliche methodische Forderung zu sein, die einer wissenschaftlichen Arbeit zugrundeliegenden Begrifflichkeiten zu definieren. Gegenstand dieses Kapitels soll eine Einführung in die antiken Mysterienreligionen bzw. in den antiken Mysterienkult der orientalischen Göttin Isis sein. Eine Definition der oft synonym verwendeten Termini Mysterienreligion bzw. Mysterienkult scheint unumgänglich zu sein. Dennoch herrscht auch unter führenden Autoritäten keine Einigkeit darüber, was genau der Begriff Mysterienreligion impliziert.

Die folgenden Überlegungen stützen sich auf die Ausführungen des Walter Burkert, der den Begriff Mysterienreligion problematisiert und ausführlich hinterfragt hat.[3] Der deutsche Philologe nähert sich schrittweise einer Definition an; zudem äußert er sich zu den Charakteristika und Funktionen von antiken Mysterien. Burkert definiert die antiken Mysterien als „Spielformen, Optionen, ja Moden innerhalb eines uneinheitlichen und doch kontinuierlichen Konglomerates, das wir die Religion der Antike nennen.“[4] Als gemeinsame Charakteristika der antiken Mysterienkulte nennt Burkert 1. die Initiation in den jeweiligen Kult und 2. die damit verbundene Abgrenzung gegenüber Außenstehenden.[5] Die Funktion antiker Mysterien sieht Burkert in der „persönliche[n] Sicherung gegenüber Bedrängnissen, denen man nun in der Vereinzelung ausgeliefert war, besonders Krankheits- und Todesfurcht.“[6]

Ein in der Antike verbreiteter Mysterienkult ist der Kult um die orientalische Gottheit Isis. Die Frage, welche religiösen Austauschprozesse die Verbreitung eines Kultes mit eindeutig orientalischem Ursprung weit über ursprüngliches Einflussgebiet hinaus bedingen, ist Gegenstand der Forschung. Der Ägyptologe Reginald E. Witt hat sich ausführlich mit dem Isis-Kult beschäftigt. Witt führt die erfolgreiche Ausbreitung des Isis-Kultes auf den Facettenreichtum der Göttin Isis zurück. Die Vielgestaltigkeit der Göttin Isis habe durch eine interpretatio hellenistica zunächst eine Gleichsetzung mit griechischen Göttern ermöglicht:

In her own country she [Isis] had a strongly marked individuality, revealed through her love for her brother-husband, her power to bring about the Nile flood, her knowledge of healing, and her control of the crops. But when she underwent Hellenization, the richness of her personality enabled her to take in all the characteristic qualities of the Greek goddess.[7]

Eine Gleichsetzung der ägyptischen Isis mit der griechischen Demeter wird schon für die archaische Zeit angenommen.[8] Die Assoziation der orientalischen Göttin Isis mit griechischen Gottheiten habe nach Witt maßgeblich zur Ausbreitung des Kultes um die Göttin Isis beigetragen.[9] Witts Ausführungen können erste Anhaltspunkte entnommen werden, wie die Göttin Isis verstanden und dargestellt worden ist: als mächtige, ihren Bruder liebende Göttin, die Macht über die Natur und die Fähigkeit zur Heilung besaß.

Auch die gegenwärtige Forschung beschäftigt sich mit der Ausdehnung des Einflussgebietes des Isis-Kultes in der Antike.[10] Svenja Nagel sieht den Grund für die weiträumige Ausbreitung dieses orientalischen Kultes in der „Möglichkeit, einzelne Gottheiten miteinander gleichzusetzen.“[11] Sie führt weiter aus, dass die „Idee von Isis als einer allumfassenden Göttin (Panthea), die in der Gestalt aller anderen Göttinnen auftreten kann und mit verschiedenen Namen angerufen wird“[12] von zentraler Bedeutung für die Ausweitung des Einflussgebietes des ägyptischen Isis-Kultes sei.[13]

Es bleibt festzuhalten: sowohl Witt als auch Nagel nehmen die Vielgestaltigkeit der Göttin als grundlegend für die Ausbreitung des Isis-Kultes an. Die nachfolgenden zwei Kapitel verfolgen das Ziel, der Frage nachzugehen, inwiefern sich die Interpretation der Vielgestaltigkeit der Göttin als zentrales Merkmal in den zwei literarischen Primärquellen wiederspiegelt. Das nächste Kapitel wendet sich zu diesem Zweck den apuleianischen Metamorphosen zu.

3. Isis-Darstellung in den Metamorphosen des Apuleius' von Madauros

Den nachfolgenden Unterkapiteln liegen die Metamorphosen des Schriftstellers Apuleius von Madauros zugrunde. Zunächst soll ein Überblick über das Werk vermittelt werden, um den Roman und die nachfolgenden Ausführungen einordnen zu können. Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht die Herausarbeitung und Analyse der Darstellung der Göttin Isis im liber XI. Diese Analyse beschränkt sich auf ausgewählte Aspekte, zu denen verschiedene Themengebiete zählen: Magie und Mysterien, Isis-Epitheta und Isis-Epiphanie sowie die Metamorphose des Protagonisten Lucius. Das liber XI, das auch als Isis-Buch bezeichnet wird, ist Gegentand sehr unterschiedlicher Forschungskontroversen, auf die in dieser Hausarbeit nicht näher eingegangen werden kann; an geeigneten Stellen wird jedoch auf bestehende Kontroversen verwiesen.

3.1 Die apuleianischen Metamorphosen

Der Autor Apuleius aus Madauros lebte wahrscheinlich im 2. Jh. n.Chr. Er gilt als Verfasser verschiedener Schriften; als opus magnum dieses römischen Schriftstellers gelten die Metamorphosen ( lat. Metamorphoseon libri XI). Es handelt sich um einen in lateinischer Sprache verfassten Roman in 11 Büchern, dessen Haupterzählung um die Person des Lucius' durch eine Vielzahl novellistischer Binnenerzählungen ergänzt wird.[14] Der Roman ist in mehreren Handschriften überliefert. Diese Arbeit stützt sich auf die kritische Quellenedition der Handschrift F durch Maaike Zimmermann. Die Handschrift F wurde vermutlich in der Abtei Montecassino im 11. Jh. niedergeschrieben und gilt als Archetyp aller noch existierenden Handschriften.[15]

[...]


[1] CIL 10, 03800.

[2] Für eine Abbildung der Inschrift siehe: Abb. 1, 19. Für eine Karte, welche die geographische Lage Capuas veranschaulicht, siehe: Abb. 2, 20.

[3] Vgl. Burkert, W. Antike Mysterien. Funktion und Gehalt, München3 1994, 9 – 18. Burkert vertritt die These, dass die Anwendung des Terminus Religion auf die antiken Mysterien unpassend sei, da dieser ein abgeschlossenes Konzept bzw. System suggeriere. Dies sei jedoch für die antiken Mysterienkulte nach Burkert nicht anzunehmen.

[4] Ebd., 11. Mit seiner Ausführung verweist Burkert auf die Tatsache, dass es weder in der lateinischen noch in der altgriechischen Sprache ein semantisches Äquivalent zu dem modernen Begriff Religion gibt. Die Bedeutung des lateinischen Terminus Religio Romana sowie entsprechender griechischer Termini sind Gegenstände jeweils eigenständiger Forschungskontroversen, die in dieser Hausarbeit nicht dargestellt werden können. Für eine ausführliche Darstellung der Forschungskontroversen und eine Erläuterung der Begriffsgeschichte des deutschsprachigen Begriffs Religion siehe: Feil, E.: Religio. Die Geschichte eines neuzeitlichen Grundbegriffs vom Frühchristentum bis zur Reformation, Bd. 1, Göttingen 1986, 17 – 49.

[5] Vgl. ebd., 15.

[6] Ebd., 18.

[7] Witt, R.E.: Isis in the Graeco-Roman World, New York 1971, 112.

[8] Vgl. Burkert 1994, 13.

[9] Vgl. Witt 1971, 112.

[10] Die Fragestellung ist Gegenstand der Forschung des geisteswissenschaftlichen Exzellenzcluster Asien und Europa im globalen Kontext: Die Dynamik der Transkulturalität der Universität Heidelberg. Im Rahmen dieser Forschung wurde das Projekt From the Orient to Rome and back again. Religious flows and the expansion of oriental cults in the Roman Empire unter der Koordination von Joachim Friedrich Quack und Christian Witschel mit dem Teilprojekt Die Ausbreitung des Isis-Kultes im Römischen Reich unter der Leitung von Svenja Nagel realisiert. Ziel ihres Projektes ist die Analyse des Transfers, der Adaption und der Transformation einer orientalischen Gottheit auf dem Weg von Ost nach West. Weitere Informationen können dem folgenden Internetauftritt entnommen werden: URL: <http://www.asia-europe.uni-heidelberg.de/de/forschung/d-geschichte-kulturerbe/d7.html> (Stand: 25.02.2014).

[11] Nagel, S.: Una quae est omnia. Gesichter der Isis zwischen Ägypten und Rom, in: Badisches Landesmuseum Karlsruhe (Hrsg.): Imperium der Götter. Kulte und Religion im Römischen Reich, Darmstadt 2013, 142.

[12] Ebd., 145.

[13] Zur visuellen Veranschaulichung der Ausbreitung des Isis-Kultes siehe: ebd., 148 f.

[14] Für eine ausführliche Zusammenfassung der Handlung des Romans siehe: Harrison, S. J.: Apuleius. A Latin Sophist, New York 2000, 211 – 215.

[15] Vgl. Zimmermann, M.: Vorwort zur Quellenedition der Metamorphosen, 12 – 22.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Darstellungen der Göttin Isis in antiker Literatur
Untertitel
Die apuleianischen Metamorphosen und die "Ephesakia" des Xenophons von Ephesos
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Seminar für Alte Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar Antike Romane von Chariton bis Heliodor
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V272611
ISBN (eBook)
9783656640226
ISBN (Buch)
9783656640219
Dateigröße
1212 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellungen, göttin, isis, literatur, metamorphosen, ephesakia, xenophons, ephesos
Arbeit zitieren
Carolin Gluchowski (Autor), 2014, Darstellungen der Göttin Isis in antiker Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272611

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