In der Hausarbeit werden Reinmars "Lieber bote, nu wirp also" und Walthers "Under der linden" miteinander verglichen. Zentral ist die Gestaltung der Frauenrolle und die Unterscheidung zwischen Frauenlied und Mädchenlied.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Reinmar: Lieber bote, nu wirbe also
II. 1 Das Frauenlied
II.2 Die Gestaltung der Frauenrolle
III. Walther: Under der Linden
III.1 Das Mädchenlied
III.2 Die Gestaltung der Frauenrolle
IV. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die beiden Minnelieder „Lieber bote, nu wirbe also“ von Reinmar und „Under der linden“ von Walther von der Vogelweide, um zu untersuchen, ob sich gängige Urteile über die Lyrik dieser beiden Dichter bestätigen lassen. Im Zentrum steht dabei die Analyse der Frauenrollen und der Minneauffassung in den jeweiligen Liedern unter Berücksichtigung der Gattungskonventionen.
- Vergleichende Analyse zweier zentraler Minnelieder
- Untersuchung der Gestaltung und Funktion des weiblichen lyrischen Ichs
- Gattungsgeschichtliche Einordnung als Frauen- beziehungsweise Mädchenlied
- Kontrastierung der Minneauffassungen: innerer Konflikt vs. erfülltes Liebesglück
- Reflektion über die männliche Perspektive in der mittelalterlichen Lyrik
Auszug aus dem Buch
II.2 Die Gestaltung der Frauenrolle des lyrischen Ichs
Das Minnelied Lieber bote, nu wirp also wird auch Botenlied genannt, da das weibliches Lied Ich zu einem Boten spricht, welchen sie zu dem Mann, der um sie wirbt, schicken möchte. Reimar, der das Genre Botenlied geschaffen hat, lässt das Lied-Ich mit der Anrede Lieber bote, nu wirp also das Lied beginnen und es wird dadurch der Eindruck vermittelt, als wolle das Lied-Ich dem Boten im folgenden Text eine konkreten Mitteilung erteilen, damit er diese Nachricht anschließend einer bestimmten Person überbringen könne. Zudem betont sie, dass der angesprochene Bote sich beeilen solle, wodurch die vermeintliche Dringlichkeit des Auftrags deutlich wird. Diese Erwartung des Rezipienten wird jedoch eindeutig nicht erfüllt. Stattdessen reflektiert das Lied-Ich vor dem Boten zum einen über den Mann, der sie begehrt, und erläutert dem Boten zum anderen sämtliche Handlungsoptionen, die sie ihm in den Strophen eins bis vier in einer Fülle von Konditionalgefügen darlegt.
Bereits in der ersten Strophe wird ersichtlich, dass das Lied-Ich dem Werbenden gegenüber nicht gleichgültig ist, denn mit den Worten vert er wol und ist er vor,/ ich lebe iemer deste baz. bringt sie zum Ausdruck, dass es durchaus Auswirkungen auf ihre persönliche Befindlichkeit hat, wenn sie weiß, dass es ime gut gehe. In ihren Augen wird also ihr Wohlbefinden von dem Seinigen bedingt, aber sie geht nicht davon aus, dass dieser Aspekt ihres Minneverständnisses auch auf das Seinige zutrifft. Diese Aussage impliziert, dass die Minnedame ihm zwar Freude jeglicher Art zugestehet, aber sich zugleich nicht als ausschließliche Ursache seiner Freude begreift.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rezeption des Minnesangs in der Moderne, diskutiert die Gattung als Aufführungskunst und führt in die spezifischen Fragestellungen zum Vergleich der beiden ausgewählten Lieder ein.
II. Reinmar: Lieber bote, nu wirbe also: Dieser Abschnitt analysiert das Frauenlied Reinmars als Rollenlyrik, beleuchtet das Bild der Minnedame und untersucht detailliert ihren inneren Konflikt zwischen Minne und Ehre.
III. Walther: Under der Linden: Hier wird Walthers Mädchenlied analysiert, wobei besonders die freudige Gestaltung der Liebe, das Naturbild und die einzigartige Verbindung verschiedener Gattungselemente im Vordergrund stehen.
IV. Fazit: Das Fazit stellt die Ergebnisse gegenüber und arbeitet die zentralen Unterschiede heraus: das Leid durch gesellschaftliche Zwänge bei Reinmar im Gegensatz zur erfüllten, ungetrübten Freude bei Walther.
Schlüsselwörter
Minnesang, Reinmar der Alte, Walther von der Vogelweide, Lieber bote nu wirbe also, Under der linden, Frauenlied, Mädchenlied, Minne, Ehre, Rollenlyrik, Mittelalter, Liebeslyrik, Aufführungskunst, Minnedame, Lyrikanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einem literaturwissenschaftlichen Vergleich zweier bedeutender Minnelieder, um Unterschiede in der Darstellung von Frauenrollen und Minnekonzepten aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gattungspoetik des Minnesangs, der Rollenlyrik, dem historischen Kontext von „Minne“ und „Ehre“ sowie dem Einfluss der Dichterperspektive auf das Frauenbild.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Lyrik von Reinmar und Walther von der Vogelweide gegenüberzustellen, um zu prüfen, ob die in der Forschung häufig postulierten Charakterisierungen ihrer Lieder zutreffen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Textanalyse, die auf mediävistischen Fachliteraturquellen basiert und die Lieder strukturell, inhaltlich und motivisch untersucht.
Was ist Gegenstand des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei große Analyseteile zu den jeweiligen Dichtern, in denen das jeweilige Lied als Frauen- beziehungsweise Mädchenlied eingeordnet und die Gestaltung des lyrischen Ichs intensiv analysiert wird.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Minnesang, Frauenlied, Minne, Ehre, Rollenlyrik und der Kontrast zwischen Reinmars „unnahbarer Minnedame“ und Walthers „erfülltem Liebesglück“.
Wie unterscheidet sich die Frauenrolle bei Reinmar von der bei Walther?
Bei Reinmar ist die Frau in einen schmerzhaften Konflikt zwischen persönlicher Neigung und gesellschaftlicher Ehre verstrickt, während sie bei Walther eine in der Natur erfahrene Liebesbegegnung als Quelle reiner Glückseligkeit ohne soziale Belastung reflektiert.
Warum wird Reinmars „Lieber bote“ als Botenlied bezeichnet?
Das Lied erhält diese Bezeichnung, da das lyrische Ich direkt zu einem Boten spricht, um diesem Anweisungen für den geliebten Mann zu geben, wobei die Kommunikation jedoch an den eigenen widersprüchlichen Gefühlen der Frau scheitert.
Welche Funktion hat das „Tandaradei“ in Walthers „Under der linden“?
Es fungiert als Refrain, der durch seine lautmalerische Qualität (Nachtigall) den beschwingten, fröhlichen Grundton des Liedes unterstreicht und die harmonische Stimmung der Liebeserinnerung hervorhebt.
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- Verena Caroline Wernet (Author), 2009, Vergleich der Minnelieder "Lieber bote, nu wirp also" von Reinmar und "Under der linden" von Walther von der Vogelweide, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272638