Betrachtet man die vielseitigen Aufgaben von Lehrerinnen und Lehrern, so steht dabei neben erzieherischen und bürokratischen Angelegenheiten klar die Vermittlung von Wissen im Mittelpunkt. LehrerInnen bereiten Fachwissen didaktisch auf und sorgen so dafür, dass ihre SchülerInnen etwas lernen; sie nehmen also eine vermittelnde Funktion ein.
Die Betrachtung der Lehrperson als reinen Wissensvermittler ist nach wie vor weit verbreitet, obgleich dieses Konzept vom Ansatz des „Lehrers als Lerncoach“ in Frage gestellt wird. Die Idee des Lehrers als Lerncoach unterscheidet sich von der klassischen Definition der Lehrperson vorzugsweise im Bereich der preofessionellen Beratung: „Der Ansatz des Lerncoachings basiert auf der Idee, durch professionelle Beratung die vorhandenen Lerndispositionen des Lerners zu erkennen und zu optimieren. Lerncoaching bedeutet individuelle (auch gruppale) Beratung und geht über die übliche Didaktisierung des Lehrens und Lernens hinaus.“1
Es geht also nicht um reine Wissensvermittlung, sondern vielmehr um das professionelle Begleiten des Lerners und die damit verbundene Berücksichtigung individueller Leistungsniveaus. Die Lehrperson ist ein Berater, der seine SchülerInnen dabei unterstützt, Lernverhalten und Leistungsmotivation zu fördern sowie Stärken und Schwächen zu erkennen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Lerncoaching - Eine Definition
1.2 Beratungsprozesse im Bereich des Lerncoachings
1.3 Produktive Kommunikation
2. Hauptteil
2.1 Beratung im schulischen Kontext im Sinne des Lerncoachings
2.2 Gesprächsführung und aktives Zuhören
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Lehrperson als Lerncoach und analysiert, wie durch professionelle Beratung und produktive Kommunikation die Lernkompetenz von Schülerinnen und Schülern in selbstgesteuerten Lernumgebungen gezielt gefördert werden kann.
- Definition und konzeptionelle Abgrenzung des Lerncoachings
- Die drei Ebenen der Lernberatung: Information, Unterstützung und Steuerung
- Methoden der personenzentrierten Gesprächsführung
- Bedeutung des aktiven Zuhörens zur Problemlösungsförderung
- Reflexion über die professionelle Haltung der Lehrkraft
Auszug aus dem Buch
2.1 Beratung im schulischen Kontext im Sinne des Lerncoachings
Die professionelle Beratung vonseiten der Lehrkraft ist besonders dann wichtig, wenn der Unterricht „offen“ gestaltet wird. SchülerInnen sollen weitgehend selbstgesteuert lernen und in kooperativen Lernformen individuell gefordert und gefördert werden. Dies stellt eine besondere Herausforderung an die Lehrperson dar, weil sie in solch einer Lernumgebung nicht immer die Kontrolle darüber hat, auf welchem Lernstandsnivau sich die SchülerInnen befinden. Die SchülerInnen sollen selbst erkennen, was sie bereits können und was nicht und somit selbst entscheiden, welchen Schwierigkeitsgrad die einzelnen Aufgaben haben, die sie bearbeiten.
Da den SchülerInnen so die Aufgabe überlassen wird, den eigenen Lernprozess immer wieder aufs Neue zu reflektieren und selbst entscheiden zu müssen, an was für Aufgaben und intellektuelle Herausforderungen sie sich herantrauen oder nicht, geht diese „moderne“ Form des Unterrichts oft mit einigen Problemen einher: SchülerInnen laufen Gefahr, in ihren individuellen Lernstrategien zu scheitern, sie schaffen es nicht, mit selbstgesteuerten Lernformen umzugehen oder entwickeln womöglich Abwehrhaltungen gegen den Lernstoff, da sie sich überfordert fühlen. In solchen Fällen von Lernschwierigkeiten kommt die Lernberatung durch den Lerncoach zum tragen. Die Lehrperson muss hier gezielt intervenieren und den jeweiligen Schüler bzw. die Schülerin professionell beraten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel definiert den Begriff Lerncoaching, erläutert die pädagogischen Beratungsprozesse und betont die Notwendigkeit produktiver Kommunikation im schulischen Umfeld.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert die konkrete Anwendung der Lernberatung im Unterricht sowie die essentiellen Techniken der Gesprächsführung und des aktiven Zuhörens als Werkzeuge des Lerncoaches.
3. Fazit: Das Fazit fasst die zentrale Rolle der professionellen Beratung zusammen und unterstreicht, dass diese als Kernkompetenz für Lehrkräfte in modernen Lernumgebungen unverzichtbar ist.
Schlüsselwörter
Lerncoaching, Beratungskompetenz, Lehrerrolle, Schulischer Kontext, Gesprächsführung, Aktives Zuhören, Personenzentrierter Ansatz, Problemlösekompetenz, Selbstgesteuertes Lernen, Ressourcenorientierung, Lernberatung, Pädagogisches Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Transformation der Lehrkraft vom reinen Wissensvermittler hin zum Lerncoach, der Schülerinnen und Schüler durch professionelle Beratung in ihrem Lernprozess unterstützt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die professionelle Lernberatung in offenen Unterrichtsformen, die Bedeutung der Kommunikation sowie spezifische Gesprächstechniken zur Förderung der Lernkompetenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte, lösungsorientierte Beratung und Kommunikation die Eigenverantwortung und Problemlösefähigkeit von Lernenden gestärkt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch einschlägige Fachliteratur zur pädagogischen Beratung, zum Coaching-Ansatz und zur personenzentrierten Gesprächsführung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ebenen der Lernberatung (Information, Unterstützung, Steuerung) detailliert ausgeführt und Techniken wie das aktive Zuhören und das Verbalisieren von Gefühlen praktisch erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Lerncoaching, Beratungskompetenz, personenzentrierte Kommunikation und Problemlösekompetenz charakterisieren.
Wie unterscheidet sich Lerncoaching von klassischer Nachhilfe?
Im Gegensatz zur klassischen Wissensvermittlung liegt beim Lerncoaching der Fokus nicht auf der sofortigen Lösung des fachlichen Problems durch den Lehrer, sondern auf der Befähigung des Schülers, eigene Lernstrategien zu entwickeln.
Welche Rolle spielt die Ressourcenorientierung im Lerncoaching?
Die Ressourcenorientierung dient dazu, den negativen Fokus auf Lernschwierigkeiten zu verschieben, indem die vorhandenen Kompetenzen und Stärken des Lernenden betont werden, um das Selbstvertrauen zu steigern.
Was passiert, wenn der Lerncoach an seine Grenzen stößt?
Im Rahmen der Steuerungsfunktion ist der Lerncoach dazu angehalten, bei komplexen oder psychischen Problemen koordinierend einzugreifen und die Schülerinnen und Schüler an externe Fachkräfte wie Schulpsychologen zu verweisen.
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- Kevin Salzmann (Author), 2013, Der Lehrer als Lerncoach: Produktive Beratung und Kommunikation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272679