Ab 2005 müssen kapitalmarktorientierte Konzerne ihre Jahresabschlüsse grundsätzlich nach IAS/IFRS (im Folgenden nur noch IAS genannt) erstellen.1
Für nicht kapitalmarktorientierte Unternehmen besteht diesbezüglich seit dem Referentenentwurf des BilReGs vom 15.12.2003 ein Wahlrecht.2 Zudem fordern spezifische Börsenvorschriften Jahresabschlüsse nach IAS bzw. US-GAAP, um im Prime Standard notiert werden zu können.3 Infolgedessen finden verpflichtende bzw. freiwillige Umstellungen von HGB auf IAS immer häufiger in Unternehmen statt. Für einen möglichst reibungslosen Umstellungsprozess wurde im Juni 2003 der IFRS 1 veröffentlicht. Im Vergleich zum SIC 8 enthält IFRS 1 einige retrospektive Erleichterungen.4 Dennoch hat eine Umstellung weitreichende Folgen für:
• das Rechnungswesen,
• die Finanzbuchhaltung und
• das Controlling.
Für die EU-weit ca. 7000 kapitalmarktorientierten Konzerne (davon rund 750 in Deutschland) besteht aufgrund der IAS-Verordnung das zwingende Erfordernis, die Rechnungslegung auf IAS umzustellen. Jedoch wird der für die Umstellung nötige Kosten- und Zeitaufwand unterschätzt. Nach einem Erfahrungsbericht von Ernst & Young herrscht unter den Verantwortlichen große Naivität. Die Mehrheit hält einen Umstellungsbetrag von 50.000 € für ausreichend. Tatsächlich wird im Schnitt mehr als das Zehnfache benötigt.5 Noch unrealistischer sind die Vorstellungen der Verantwortlichen beim Umstellungszeitrahmen. Zwei Drittel sind der Meinung, die umfangreiche Umstellung innerhalb von sechs Monaten bewältigen zu können. Dies gelingt nur erfahrenen Unternehmen, die bereits in der Vergangenheit auf US-GAAP umgestellt haben.6 Hinzu kommt der Umstellungszeitdruck. Dieser entsteht dadurch, dass der erste konsolidierte IAS-Abschluss zum 31.12.2005 zumindest die Vergleichszahlen aus der Vorperiode enthalten muss (IAS 1.38ff; IAS 1.36).
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1 Vgl. Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften, VO Nr.1725/2003, Art. 1 i.V.m. 1606/2002 Art. 4
2 Vgl. § 315a Abs.1 RefE BilReG
3 Vgl. Ruhnke, K./ Nerlich, C., Behandlung von Regelungslücken innerhalb der IFRS, 2004, S.389
4 Vgl. Kirsch, H., Erstmalige Aufstellung des IFRS-Konzernabschlusses, 2003, S.913
5 Vgl. Köhler, A., Praxisbefragung: Erfahrung von Unternehmen bei der Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS oder US-GAAP, 2003, S.2619
6 Vgl. Ernst & Young, IAS/IFRS Umstellung: Einfach Konvertierung oder kulturelle Revolution?, o.J., S.7 ff.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
1.1.1 Umstellung des Rechnungswesens
1.1.2 Umstellung der Finanzbuchhaltung
1.1.3 Reorganisation des Controllings
1.2 Vorgehensweise
1.3 Abgrenzung
2. WESENTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN HGB UND IAS
2.1 Organisation des IASC/IASB
2.2 Aufbau des IAS/IFRS-Regelwerkes
2.3 Framework
2.3.1 Basisannahmen / Qualität
2.3.2 Bilanzierung
2.3.2.1 Bilanzierung dem Grunde nach
2.3.2.2 Bilanzierung der Höhe nach
3. DER UMSTELLUNGSPROZESS
3.1 Vor- und Nachteile einer Umstellung
3.2 Projektinitiierung und -planung
3.3 Identifikation des Anpassungsbedarfs im Rechnungswesen
3.4 Umstellung des Rechnungswesens
3.4.1 Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung
3.4.1.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.1.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.1.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.2 Forschungs- und Entwicklungskosten
3.4.2.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.2.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.2.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.3 Goodwill und Badwill
3.4.3.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.3.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.3.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.4 Zugangs- und Folgebewertung bei Sachanlagevermögen
3.4.4.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.4.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.4.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.5 Außerplanmäßige Abschreibung und Wertaufholung
3.4.5.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.5.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.5.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.6 Leasing und lease back
3.4.6.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.6.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.6.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.7 Beteiligungen / Verbundene Unternehmen
3.4.7.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.7.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.7.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.8 Zugangs- und Folgebewertung von Vorräten
3.4.8.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.8.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.8.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.9 Percentage-of-Completion-Methode (POC)
3.4.9.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.9.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.9.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.10 Rückstellungen
3.4.10.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.10.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.10.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.11 Verbindlichkeiten
3.4.11.1 Bilanzierung nach HGB
3.4.11.2 Bilanzierung nach IAS
3.4.11.3 Überleitung von HGB auf IAS
3.4.12 Überleitungsrechnung von HGB nach IAS
3.5 Umstellung der Finanzbuchhaltung
3.5.1 Dualer Abschluss
3.5.2 Paralleler bzw. Sekundär-Abschluss
3.5.3 HGB-Abschluss mit Überleitung auf IAS
3.5.4 IAS-Abschluss mit Überleitung auf HGB
3.6 Projektabschluss
4. AUSWIRKUNGEN DER UMSTELLUNG AUF DAS CONTROLLING
4.1 Harmonisierung des internen und externen Rechnungswesens
4.1.1 Historische Entwicklung und Folgen des Zweikreissystems
4.1.2 Motive für eine Harmonisierung des Rechnungswesens
4.1.3 Möglichkeit und Grenzen einer Harmonisierung
4.1.4 Harmonisierung des Rechnungswesens bei der Asta AG
4.2 Controlling-Funktionen
4.2.1 Finanz-Controlling
4.2.1.1 Auswirkungen auf das Vermögen
4.2.1.2 Auswirkungen auf das Eigen- und Fremdkapital
4.2.1.3 Auswirkungen auf das Jahresergebnis
4.2.1.4 Auswirkungen auf wichtige Unternehmenskennzahlen
4.2.1.4.1 Eigenkapitalquote
4.2.1.4.2 Eigenkapitalrentabilität
4.2.1.4.3 Working Capital
4.2.1.4.4 Cashflow-Rentabilität
4.2.1.4.5 Return-on-Investment vs. Return-on-Capital-Employed
4.2.2 Anlagen-Controlling
4.2.2.1 Vermehrte Aktivierung von Leasingobjekten beim Leasingnehmer
4.2.2.2 Änderung des Anlagenspiegels
4.2.2.3 Investment Property nach IAS 40
4.2.3 Projekt-Controlling
4.2.3.1 Projekt-Controlling für POC
4.2.3.2 Projekt-Controlling für Entwicklungskosten
4.2.4 Risiko-Controlling
4.3 Veränderungen im Reporting
4.3.1 Anpassung der Reportingstruktur
4.3.1.1 Anpassung der Bilanzstruktur
4.3.1.2 Anpassung der GuV-Struktur
4.3.1.3 Anpassung der Eigenkapitalveränderungsrechnung
4.3.1.4 Anpassung der Kapitalflussrechnung
4.3.1.5 Anpassung der Notes
4.3.2 Anpassung der Frequenz des Reportings
4.4 Mittelfristplanung ohne IAS-Vergangenheitszahlen
5. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Umstellungsprozess der Rechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS in Unternehmen und analysiert die daraus resultierenden, teils tiefgreifenden Auswirkungen auf das interne Rechnungswesen sowie insbesondere auf die Controlling-Prozesse und Steuerungskennzahlen.
- Analyse des Umstellungsprozesses (Projektinitiierung, Planung, praktische Durchführung)
- Gegenüberstellung der Rechnungslegungsstandards HGB und IAS
- Untersuchung der Auswirkungen auf Finanz-Controlling, Anlagen-Controlling, Projekt-Controlling und Risiko-Controlling
- Anpassung von Reportingstrukturen und Methoden der Mittelfristplanung an IAS/IFRS
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung
Nach HGB dürfen Aufwendungen für die Ingangsetzung des Geschäftsbetriebes und dessen Erweiterung als Bilanzierungshilfe aktiviert werden. Für diese ausgewiesenen Beträge sind im folgenden Geschäftsjahr mindestens 25% abzuschreiben.
Demgegenüber unterliegen nach IAS die start-up-costs einem Aktivierungsverbot. D.h. Eröffnungs- und Anlaufkosten, Ausgaben für Aus- und Weiterbildung, verkaufsfördernde Werbecampagnen und Verlegung oder Reorganisation von Unternehmensteilen sowie des gesamten Unternehmens dürfen nicht aktiviert werden, da der zukünftige Nutzen nicht wahrscheinlich ist.
Zum 31.12.2003 sind in der HGB-Bilanz der Asta AG Aufwendungen für Ingangsetzung und Erweiterung in Höhe von 10.000 € bilanziert (Aktivierung Anfang 2003). Diese sind gegen die Gewinnrücklagen auszubuchen, da unter IAS ein Aktivierungsverbot von start-up-costs gilt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Definiert die Problemstellung der Umstellung auf IAS/IFRS für Unternehmen und skizziert die weitreichenden Folgen für Rechnungswesen, Finanzbuchhaltung und Controlling.
2. WESENTLICHE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN HGB UND IAS: Erläutert die Organisation des IASB, den Aufbau des IAS-Regelwerkes und die zentralen Grundlagen des Frameworks im Vergleich zum HGB.
3. DER UMSTELLUNGSPROZESS: Beschreibt detailliert die notwendigen Schritte einer Umstellung, von der Planung bis zur praktischen Bilanzanpassung der einzelnen Positionen bei der Asta AG.
4. AUSWIRKUNGEN DER UMSTELLUNG AUF DAS CONTROLLING: Analysiert, wie die neue Rechnungslegung die verschiedenen Controlling-Funktionen, das Reporting und die Unternehmensplanung beeinflusst.
5. FAZIT: Fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit intensiver Mitarbeiterschulungen sowie die Unausweichlichkeit einer Anpassung der Controlling-Prozesse.
Schlüsselwörter
HGB, IAS, IFRS, Bilanzierung, Controlling, Umstellungsprozess, Konzernabschluss, Finanzbuchhaltung, Unternehmensführung, Steuerungskennzahlen, Fair Value, Harmonisierung, Anlagevermögen, Rückstellungen, Projektabschluss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der notwendigen Umstellung der Rechnungslegung von HGB auf IAS/IFRS bei kapitalmarktorientierten Unternehmen und den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen den organisatorischen Umstellungsprozess, die bilanzielle Gegenüberstellung von HGB und IAS sowie die Anpassung der Controlling-Funktionen an internationale Standards.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Konsequenzen die Umstellung auf IAS/IFRS für ein Unternehmen hat und wie die Controlling-Prozesse an die veränderten Rechnungslegungsvorschriften angepasst werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch das IAS-Regelwerk sowie einer praktischen Fallstudie anhand der fiktiven "Asta AG", um die Bilanzüberleitungen und Auswirkungen auf Kennzahlen zu verdeutlichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Unterschiede zwischen HGB und IAS, eine Beschreibung des gesamten Umstellungsprozesses inklusive Berechnungsbeispielen und eine Untersuchung der Auswirkungen auf Controlling-Instrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Bilanzierung, IAS/IFRS, HGB, Controlling, Unternehmensführung, Harmonisierung und Umstellungsprozess.
Wie wirkt sich die Umstellung auf das Jahresergebnis der Asta AG aus?
In der Fallstudie führt die Umstellung auf IAS aufgrund der zeitlichen Vorverlagerung von Gewinnen, etwa durch die Percentage-of-Completion-Methode, zu einer Erhöhung des ausgewiesenen Jahresergebnisses.
Warum ist das Controlling von der Umstellung auf IAS/IFRS betroffen?
Die neuen Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften führen zu einem "Strukturbruch" bei den Steuerungskennzahlen, die nun nicht mehr ohne Weiteres mit HGB-basierten Werten vergleichbar sind und eine Neujustierung der Controlling-Instrumente erfordern.
- Quote paper
- Bernd Höpfner (Author), 2004, Der Umstellungsprozess von HGB auf IAS/IFRS und seine Auswirkungen auf das Controlling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27270