Die Alkoholprohibition in den USA der 1920er- und frühen 1930er-Jahre hat sich bis heute als gescheitertes „Nobles Experiment“ in die Köpfe der Menschen eingebrannt.1 Korruption bis auf die höchsten politischen Ebenen, organisierte Kriminalität, die ein bis dahin ungeahntes Ausmaß annahm, sowie eine starke Wandlung der amerikanischen Kultur – all diese Faktoren tragen zum heutigen Image der Prohibition bei. Dem gegenüber stand ein neues amerikanisches Lebensgefühl, das sich besonders durch den Wunsch mit alten Traditionen zu brechen und den ersten Schritt in die Moderne zu tun charakterisieren lässt. Massenproduktion und -konsum, neue Technologien, starke gesellschaftliche Veränderungen2 sowie wirtschaftliche und kulturelle Prosperität3 bestimmten das amerikanische Leben in den 1920er-Jahren. Vor allem ließ sich dies in den Großstädten des Landes spüren. Kollektiv wird dieses Lebensgefühl als „(Spirit of the) Roaring Twenties“ bezeichnet. Die durch den 18. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten am 16. Januar 1920 in Kraft getretene Prohibition trug einen bedeutenden Teil zu diesem „Geist der Goldenen Zwanziger“ bei.
Wo lagen die Gründe für das Ausmaß der negativen Auswirkungen? Und inwiefern ist der Forschung zuzustimmen, dass die Prohibition lediglich ein gescheitertes nobles Experiment war? Diese Fragen zu beantworten wird meine Aufgabe in dieser grundlegend dreigeteilten Arbeit sein. Zu Beginn werde ich dazu die gesellschaftlich/ (trink-)kulturelle Sicht auf die Prohibition mittels einer kritischen Analyse des Saloons und des Speakeasys darstellen. Danach möchte ich mich mit der Bedeutung des Alkoholverbots für die Wirtschaft der USA auseinandersetzen. Dies wird anhand der zwei Faktoren Alkoholproduktion und organisierte Kriminalität geschehen. Anschließend werde ich die zuvor gewonnenen Erkenntnisse miteinander konfrontieren und wesentliche Gründe für die negativen Auswirkungen der Prohibition herausarbeiten. Zum Abschluss werde ich mich der Frage widmen, inwiefern das „Noble Experiment“ scheiterte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Gesellschaft und (Trink-) Kultur
1. Der Saloon
1. Aufstieg, Verbreitung und erste Gegner
2. Untergang
1. Der Saloon als „Sündenpfuhl“
2. Die „(un-)heilige Dreifaltigkeit“
3. Hinweise auf Widerstand?
2. Das „Speakeasy“
1. Aufstieg und Verbreitung
2. Unterschiede zum Saloon
3. Bewahrheitung der Hinweise
3. Wirtschaft
1. Alkoholproduktion
1. Erzwungene Neuorientierung
2. Illegalität und Einbußen
2. Organisierte Kriminalität
1. Herstellung
2. Vertrieb und Korruption
4. Gründe für die Auswirkungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die amerikanische Alkoholprohibition und analysiert die Ursachen für ihr Scheitern sowie die daraus resultierenden negativen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen.
- Gesellschaftliche Transformation und Wandel der Trinkkultur (Saloon vs. Speakeasy).
- Wirtschaftliche Auswirkungen des Alkoholverbots auf Produktion und Brauereien.
- Aufstieg organisierter Kriminalität und Korruption als direkte Folge der Prohibition.
- Analyse des "Iron Law of Prohibition" und der staatlichen Fehleinschätzung des Widerstandspotenzials.
Auszug aus dem Buch
2.1.2.1. Der Saloon als „Sündenpfuhl“
Im Verlaufe der großflächigen Verbreitung von Saloons in Nordamerika wurden sie zu einer wichtigen Anlaufstelle für Arbeitssuchende. Neuankömmlinge und Immigranten profitierten von der Vielzahl vertretener Berufe und hatten hier die besten Möglichkeiten Kontakte zu knüpfen. Dies brachte mit sich, dass die Klientel bunt gemischt war. So teilten in vielen Fällen Weiße und Farbige die gleichen Tische – eine Tatsache die für manche Grund genug war, den Saloon als „Sündenpfuhl“ zu bezeichnen:
„The saloon is a place of rendezvous for all classes of the low and vulgar, a resort for dreaded whites and their more degraded negro associates, the lounging place for adulterers, lewd women, the favorite haunt of gamblers, drunkards and criminals. Both blacks and whites mix and mingle together as a mass of degraded humanity in this cesspool of inequity.“
Bei diesem Zitat handelt es sich um einen Auszug aus einem Tagungsbericht der amerikanischen „Democratic Party“. Die Tagung fand vom 28. Juni bis zum 6. Juli 1920 statt – eineinhalb Jahre nach der Ratifizierung und etwa ein halbes Jahr nach dem Inkrafttreten der Prohibition. Wichtig zu beachten ist die Vehemenz, mit der sich gegen den Saloon ausgesprochen wird. Zu diesem Zeitpunkt hatte Amerika erst ein halbes Jahr lang Erfahrungen mit dem Alkoholverbot gesammelt. Dementsprechend hitzig und emotionsgeladen waren die Reaktionen seiner Unterstützer und Gegner. Es bleibt festzuhalten, dass mit dem Inkrafttreten der Prohibition der Debatte um den Alkoholkonsum keinesfalls ein Ende gesetzt wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den historischen Kontext der Prohibition und stellt die Forschungsfrage nach den Gründen für das Scheitern des "Noblen Experiments" sowie die damit verbundenen negativen Auswirkungen.
2. Gesellschaft und (Trink-) Kultur: Dieses Kapitel analysiert den sozialen Stellenwert des Saloons, seine Transformation zum "Poor Man's Club" und den anschließenden Aufstieg des Speakeasys als Reaktion auf das staatliche Verbot.
3. Wirtschaft: Hier werden die ökonomischen Folgen der Prohibition untersucht, insbesondere der Zusammenbruch legaler Produktionsstrukturen sowie die Entstehung krimineller Netzwerke in Produktion und Vertrieb.
4. Gründe für die Auswirkungen: In diesem Teil werden die Erkenntnisse zusammengeführt, um zu verdeutlichen, warum die Politik das Ausmaß des gesellschaftlichen Widerstands gegen das Alkoholverbot maßgeblich unterschätzte.
5. Fazit: Das Fazit resümiert das Scheitern der Prohibition und reflektiert, inwiefern die gewonnenen Erkenntnisse für den heutigen Umgang mit der Drogenpolitik von Bedeutung sind.
Schlüsselwörter
Alkoholprohibition, USA, 1920er Jahre, Saloon, Speakeasy, organisierte Kriminalität, Wirtschaft, Alkoholverbot, Noble Experiment, Korruption, Trinkkultur, Schwarzbrennerei, 18. Zusatzartikel, gesellschaftlicher Wandel, Prohibition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das "Noble Experiment" der amerikanischen Alkoholprohibition in den 1920er Jahren und analysiert, warum das Verbot zu gegenteiligen Effekten wie florierender Kriminalität und steigendem Konsum führte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Veränderung der sozialen Trinkkultur, die wirtschaftlichen Konsequenzen für die Alkoholindustrie und die Entstehung organisierter Kriminalität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die kritische Analyse des Scheiterns der Prohibition und die Identifizierung der Gründe, warum die negativen Auswirkungen die beabsichtigten moralischen Ziele weit übertrafen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine kritische Literaturanalyse historischer Quellen und ökonomischer Daten, um die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Dynamiken jener Zeit zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Saloons und Speakeasys, die ökonomischen Folgen für Brauereien sowie die Rolle der organisierten Kriminalität bei der illegalen Alkoholproduktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Prohibition, Saloon, Speakeasy, organisierte Kriminalität, Alkoholverbot und gesellschaftliche Auswirkungen.
Wie unterschied sich das Speakeasy vom ursprünglichen Saloon?
Während Saloons offene, gut erreichbare soziale Treffpunkte waren, operierten Speakeasies im Verborgenen, verlangten höhere Preise und zogen eine andere soziale Schicht an, da sie eine Form des zivilen Ungehorsams darstellten.
Warum wird das Konzept des "Iron Law of Prohibition" erwähnt?
Es beschreibt das Phänomen, dass staatliche Versuche, den Alkoholkonsum durch Verbote zu unterbinden, dazu führten, dass die konsumierten Getränke aufgrund der illegalen Produktion immer hochprozentiger und gesundheitsschädlicher wurden.
Welche Rolle spielte die organisierte Kriminalität bei der Alkoholversorgung?
Kriminelle Organisationen professionalisierten die illegale Produktion und den Vertrieb, unterwanderten die staatliche Aufsicht durch massive Korruption und kontrollierten weite Teile des Marktes durch Gewalt.
- Arbeit zitieren
- Dominik Poos (Autor:in), 2014, Die Alkoholprohibition der USA in den 1920er- und frühen 1930er-Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272718