Vergleich von "Berufsorientierender Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (BO 10)" und "Berufsbefähigender Lehrgang im 10. Schuljahr (BB 10)"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
19 Seiten, Note: sehr gut

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Problemstellung
2.1 Definitionen zu den verwendeten Begrifflichkeiten
2.2 Darstellung der Situation von Absolventen der Schule für Lernbehinderte

3 Vorstellung des Berufsorientierenden Lehrganges in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft ( 10. Schuljahr )
3.1 Ziele des BO 10
3.2 Schülerschaft
3.3 Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft
3.4 Das didaktisch- methodische Konzept des BO 10
3.5 Wählbare Berufsfelder
3.6 Werkstatt- Wochen
3.7 Abschlüsse und Zeugnisse
3.8 Lehrer als Begleiter und Übergangshelfer

4 Vorstellung des Berufsbefähigenden Lehrganges im 10. Schuljahr
4.1 Ziele des BB 10
4.2 Schülerschaft
4.3 Organisation des Unterrichts
4.4 Wählbare Berufsfelder
4.5 Abschluss und Zeugnis

5 Vergleich der beiden Lehrgänge

6 Zusammenfassung und Reflexion

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ich möchte in meiner Hausarbeit die beiden Möglichkeiten der Absolvierung des 10. Schuljahres für Jugendliche, die die Schule für Lernbehinderte in Berlin besuchen, vorstellen und vergleichen. Zuvor möchte ich in diesem Zusammenhang die Situation und die Zukunftsperspektiven dieser Population beleuchten. Meine Absicht ist es den Übergang von der Schule in die Arbeits- und Erwerbswelt von Jugendlichen der Schule für Lernbehinderte vorzustellen und die damit verbundenen Probleme, Ängste und Bedürfnisse aber auch die Möglichkeiten der Unterstützung und Chancen dieser jungen, oft benachteiligten jungen Menschen zu thematisieren.

Der Schulversuch BO 10 (Berufsorientierender Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft [10. Schuljahr]) stellt eine Alternative zum BB10 ( Berufsbefähigender Lehrgang im 10.Schuljahr ) dar. Ich möchte Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Vor- und Nachteile die sich aus der Konzeption dieser beiden Lehrgänge ergeben, herausarbeiten und abschließend mein Fazit, zu dem ich in der Auseinandersetzung mit dieser Thematik gekommen bin, darstellen.

2 Problemstellung

Lernbehinderte Schüler zählen genauso, wie Absolventen der Hauptschule und „Abbrecher“ der Real- und Gesamtschule zur Gruppe der benachteiligten Jugendlichen. Hinzu kommt, daß ein hoher Prozentsatz dieser benachteiligten Jugendlichen aus Familien ausländischer Herkunft stammen. In einer sich wandelnden Gesellschaft, nämlich von der Industrie- zur Wissensgesellschaft haben es die o. g. jungen Menschen besonders schwer einen Ausbildungsplatz zu finden, die Ausbildung erfolgreich zu bewältigen und schließlich eine Arbeitsstelle auf dem ersten Arbeitsmarkt zu erhalten. Lernbehinderte Jugendliche haben in diesem erwähnten Bereich erhebliche Schwierigkeiten, jedoch noch zusätzlich Probleme bei der alltäglichen Lebensbewältigung.

Der Schulversuch BO 10 in Berlin soll ein Lösungsweg für die o. g. Probleme lernbe-hinderter Jugendlicher sein.

2.1 Definitionen zu den verwendeten Begrifflichkeiten

Zunächst möchte ich näher auf die Population der Schule für Lernbehinderte eingehen.

„Als lernbehindert im Schulalter gelten Kinder und Jugendliche, die infolge mangelhafter Entwicklung oder Schädigung des zentralen Nervensystems oder soziokultureller Deprivation bei erheblich verminderten Intelligenzleistungen soweit beeinträchtigt sind, daß die Aufnahme, Speicherung und Verarbeitung von Lerninhalten nicht in altersentsprechender Weise gelingt. Soziale Determinanten und biologische Faktoren interagieren oft in der Weise, daß die Entstehungsursachen der Lernbehinderung nicht eindeutig aufweisbar sind.“[1]

In der Definition G. Kanters wird der Begriff der Lernbehinderung nicht mehr alleine an der Schulbesuchszeit festgemacht: „Als lernbehindert i. e. S. werden Personen bezeichnet, die schwerwiegend umfänglich und langandauernd in ihrem Lernen beeinträchtigt sind und dadurch deutlich normabweichende Leistungs- und Verhaltensformen aufweisen.“[2]

Zuletzt möchte ich die Kennzeichnung der Population der Schule für Lernbehinderte, wie sie G. G. Hiller gesehen hat, anführen: „Er beschreibt, daß die Schüler mehrheitlich nicht durch ihre Familien in >>bürgerliche Grundformen einer erfolgreichen Lebensbewältigung<< eingeführt und stabilisiert werden, daß sie >>in der Regel häufiger mit Institutionen öffentlicher Kontrolle, Beratung, Hilfe und sozialer Fürsorge in Zwangskontakt kommen<<, daß sie >>in der Regel ihr künftiges Leben auf einer wirtschaftlich schmalen Basis führen müssen<<, daß sie >>mit dem auf Dauer gestellten Vorwurf leben müssen, selbst an ihrer Lage schuld zu sein<< und daß sie >>in der Regel aufgrund ihrer geringen sozialen Attraktivität auch auf dem Gebiet der privaten Beziehungen nur sehr eingeschränkte Chancen haben<<“[3]

Die Abkürzung BO 10 steht für den „Berufsorientierenden Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (10. Schuljahr)“ und wird ausschließlich für Absolventen der Schule für Lernbehinderte im Land Berlin angeboten. Der Lehrgang ist für Jugendliche konzipiert, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf im Bereich Lern- und Leistungsverhalten (Lernbehinderung) aufweisen. Die Jugendlichen müssen den erfolgreichen Abschluß der 9. Klasse an der Schule für Lernbehinderte anhand des Abschlußzeugnisses nachweisen.

Beim BO 10 Lehrgang handelt es sich um einen Schulversuch, der mit dem Schuljahresbeginn 1993/ 94 an der Ganztagesschule: Sonderpädagogisches Förderzentrum Zwickauer Damm[4] im Berliner Bezirk Neukölln eingerichtet wurde.

Den o. g. Jugendlichen und deren Eltern wird die Möglichkeit eingeräumt sich für eine alternative Angebotsvariante staatlicher Schulbildung im10. Pflichtschuljahr zu entscheiden.

Die bisher und weiterhin bestehende Möglichkeit der Absolvierung des 10. Pflicht-schuljahres ist der Berufsbefähigende Lehrgang im 10. Schuljahr, kurz BB10. Dieser Lehrgang ist in Berlin für Schüler der Schule für Lernbehinderte gesetzmäßig vorgeschrieben und somit hat jeder, der nicht am BO 10 Lehrgang teilnimmt, dort einen Platz sicher. Hinzu kommen Schüler der Haupt-, Real- und Gesamtschule, die ihr 10. Pflichtschuljahr noch nicht absolviert haben und dies an der zuvor besuchten Schule nicht tun wollen oder können. Der BB10 Lehrgang stellt eine Variante staatlicher Schulbildung dar und wird an berufsbildenden Oberschulen angeboten.

2.2 Darstellung der Situation von Absolventen der Schule für Lernbehinderte

„Die Schnittstelle Schulabschluß- Berufsausbildung wird von vielen Jugendlichen mit eingeschränkten Lernmöglichkeiten als existentielle Bedrohung wahrgenommen, da häufig durch konkurrenzloses Herausfallen aus dem Arbeitsmarkt Arbeitslosigkeit im Verbund mit sozialer Armut und partiell auch Abgleiten in die Kriminalität vorprogrammiert sind“[5]

Herr R. Eßer, Mitarbeiter der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport[6] und Initiator des Schulversuches BO 10 stellt die Situation der Abgänger aus der Schule für Lernbehinderte in seiner Aussage eindeutig dar.

Der Zugang zu den herkömmlichen Systemen von Bildung, Qualifizierung und Beschäftigung stehen diesen jungen Menschen nicht im gleichen Maße offen, wie jungen Menschen, die einen mittleren Bildungsabschluß vorweisen können. Die gesellschaftliche Integration von Jugendlichen, die die Schule für Lernbehinderte besucht haben, ist am Übergang von Schule zur Berufsausbildung von besonderer Brisanz. An diesem Punkt des Lebenslaufes entscheidet sich die weitere Zukunft dieser Menschen.

Die folgenden Zahlen geben Anlaß zur Besorgnis: „Heuer haben bundesweit 54 Prozent der ehemaligen lernbehinderten Sonderschüler im Alter um die 23 Jahre keine abgeschlossene Berufsausbildung. Und nach einer Schätzung von LERNEN FÖRDERN, der Interessenvertretung von Lernbehinderten, bleiben derzeit rund dreißig Prozent der ehemaligen Lernbehinderten langfristig ohne Arbeit. Nicht einmal mehr jeder dritte Absolvent der Schule für Lernbehinderte (Förderschule) gelangt in die schlecht bezahlten Arbeitsverhältnisse, sondern gerät nur noch in die labile Grauzone von Unter- und Nebenbeschäftigung, grauer Arbeit und Arbeitslosigkeit (vgl. DER SPIEGEL 18/ 1996, 129).“[7] Das Übergangssystem ist nur auf die Normalbiografie eingestellt. Dieses System ignoriert die biografische Lage benachteiligter Jugendlicher und grenzt sie automatisch aus. „Deutlich wird dabei auch, daß das derzeitige Übergangssystem in die Erwerbswelt für viele dieser jungen Menschen vollkommen unzureichend ist, da es nicht die benötigte Hilfe und Unterstützung bereitstellt, die sie für den Übergang benötigen (vgl. BRAUN u.a. 1993, 47).“[8]

Aufgrund dieser zu befürchtenden Tatsachen sollen benachteiligte Jugendliche in berufsvorbereitenden Maßnahmen und mit Hilfe einer Alltagsbegleitung eine bessere und möglichst dauerhafte Integration in die Arbeits- und Erwerbswelt erfahren.

3 Vorstellung des Berufsorientierenden Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (10. Schuljahr)

Der Berufsorientierende Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (10. Schuljahr), kurz BO 10 existiert, wie schon unter 2.1 beschrieben, seit Schuljahresbeginn 1993/ 94 im Sonderpädagogischen Förderzentrum Zwickauer Damm. 1996/ 97 wurde dieser Schulversuch an fünf weiteren Berliner Schulen für Lernbehinderte bzw. Sonderpädagogischen Förderzentren[9] eingerichtet. Auf die Ziele, die in dem Schulversuch verfolgt werden, möchte ich im nächsten Teil eingehen.

[...]


[1] vgl.: Deutscher Bildungsrat „Empfehlungen der Bildungskommission zur pädagogischen Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder und Jugendlicher“ 1973 zitiert nach: Handapparat „Einführung in die Lernbehindertenpädagogik“ erstellt von Dr. G. Schulze

[2] vgl.: Kanter, G. in Bach, H.: Sonderpädagogik im Grundriß, Marhold Berlin 1989, S. 106 zitiert nach: Handapparat „Einführung in die Lernbehindertenpädagogik“ erstellt von Dr. G. Schulze

[3] vgl.: Hiller, G. G. in Begemann, E.: Didaktische Konzeptionen in der Schule für Lernbehinderte. Notwendige pädagogische Umorientierungen, in Eberwein, H.: Handbuch Lernen und Lern- Behinderungen, Beltz Weinheim [u.a.] 1996, S.106 zitiert nach: Handapparat „Überblick über Unterrichts- und Erziehungskonzeptionen“ erstellt von Dr. G. Schulze

[4] Sonderpädagogisches Förderzentrum Zwickauer Damm, Zwickauer Damm 22, 12353 Berlin

[5] vgl.: Eßer, R. in Hasemann, K. und Podlesch, W.(Hrsg.): Gemeinsam leben, lernen und arbeiten: Perspektiven gemeinsamer Erziehung, Schneider-Verl. Hohengehren Baltmannsweiler 1998, S.159

[6] Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport, Beuthstr. 6-8, 10117 Berlin

[7] vgl. Storz, M. in ZEITSCHRIFT FÜR HEILPÄDAGOGIK 10/97, 398

[8] s. 9,S. 399

[9] Paul- Braune- Schule, Dessauerstr. 49- 51, 12249 Berlin

Pestalozzi- Schule, Hartmannsweilerweg 47, 14163 Berlin

Peter- Jordan- Schule, Nehringstr. 9, 14059 Berlin

Richard- Keller- Schule, Olafstr. 32-34, 13467 Berlin

Schule am Birkenhof, Arnouxstr. 18, 13127 Berlin

Schule am Breiten Luch, Am Breiten Luch 19, 13053 Berlin

Schule am Rosenheim, Klingenthaler Str. 32, 12627 Berlin

Wilhelm- Busch- Schule, Wiesenstr. 24, 13357 Berlin

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Vergleich von "Berufsorientierender Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (BO 10)" und "Berufsbefähigender Lehrgang im 10. Schuljahr (BB 10)"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Rehabilitationswissenschaften)
Veranstaltung
Übergang Schule - Beruf
Note
sehr gut
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V27281
ISBN (eBook)
9783638293709
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vergleich, Berufsorientierender, Lehrgang, Kooperation, Betrieben, Wirtschaft, Berufsbefähigender, Schuljahr, Schule, Beruf
Arbeit zitieren
Carola Siegmund (Autor), 2001, Vergleich von "Berufsorientierender Lehrgang in Kooperation mit Betrieben der freien Wirtschaft (BO 10)" und "Berufsbefähigender Lehrgang im 10. Schuljahr (BB 10)", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27281

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