„Ohne Pläne wäre menschliches Handeln ziellos.“ (Funke & Fritz, 1995, S. 2). Die Problematik eines angemessenen Auflösungsgrades einer Planung erkennen auch Funke und Glodowski (1990) und definieren „Planen“ als den „Entwurf einer Handlungsabfolge, die auf unterschiedlichen Auflösungsniveaus betrachtet werden kann, unter Beachtung von einschränkenden Randbedingungen und bei einem gegebenen Kenntnisstand“ (Funke & Glodowski, 1990, S. 140). Dörner et al. (1993) betonen ebenfalls den geeigneten Auflösungsgrad einer Planung, ansonsten kann es beim Planen entsprechend zu einer Unterplanung oder einer Überplanung kommen. Bei der Unterplanung wird ohne Zusammenhang agiert bzw. es wird lediglich reagiert. Bei der Überplanung wird bis ins letzte Detail jede Eventualität bedacht. Dadurch verzögert sich das tatsächliche Handeln. Im schlimmsten Fall wird das Planen zum Selbstzweck und eine Umsetzung des Plans somit verhindert. Burschaper (2000) beschreibt Planen als „die Kunst des Weglassens“ (Burschaper, 2000, S.165). Die wahre Kunst besteht dabei natürlich darin, nicht das Falsche wegzulassen. Dörner und Tisdale (1993) bringen die Problematik des Planens auf den Punkt und merken an: „Planen ist ein schwieriges Geschäft“ (Dörner & Tisdale, 1993, S. 219).
Inhaltsverzeichnis
0. Zusammenfassung
1. Einleitung
2. Theorie
2.1. Historischer Hintergrund des Planspiels
2.2. Konstruktion eines Parallelplanspiels
2.2.1. Merkmale von Planspielen
2.2.2. Anforderungen an Parallelverfahren
2.2.3. Die Paralleltestmethode
2.3. Begrifflichkeiten
2.3.1. Planen
2.3.2. Problemlösen
2.4. Die Theorie von Funke & Glodowski (1990)
2.5. Ziel der Untersuchung
3. Methode
3.1. Die Verfahren
3.1.1. Der Tour-Planer (To)
3.1.2. Der Fetenplaner (Fe)
3.1.3. Der Vergleichsfragebogen (VFB)
3.1.4. Der Selbsteinschätzungsbogen (SEB)
3.2. Das Validierungsdreieck
3.3. Die Hypothesen
3.3.1. Parallelitätshypothesen
3.3.2. Reihenfolgehypothesen
3.3.3. Planungskompetenzhypothesen
3.4. Die Untersuchung
3.4.1. Die Stichprobe
3.4.2. Die Durchführung
3.4.3. Die Auswertung
4. Ergebnisse
4.1. Verteilungsanalysen
4.1.1. Verteilung des Gesamtscores im Fetenplaner
4.1.2. Verteilung des Gesamtscores im Tour-Planer
4.1.3. Verteilung der Gesamtscores im Selbsteinschätzungsbogen
4.2. Itemanalysen
4.2.1. Itemanalyse des Fetenplaners
4.2.2. Itemanalyse des Tour-Planers
4.2.3. Itemanalyse des Selbsteinschätzungsbogens
4.3. Überprüfung der Hypothesen
4.3.1. Überprüfung der Parallelitätshypothesen
4.3.2. Überprüfung der Reihenfolgehypothesen
4.3.3. Überprüfung der Planungskompetenzhypothesen
4.4. Häufigkeitsverteilungen des Vergleichsfragebogens
4.5. Faktorenanalyse des Selbsteinschätzungsbogens
5. Diskussion
5.1. Die Parallelität des Fetenplaners zum Tour-Planer
5.2. Reihenfolgeeffekte bei der Bearbeitung beider Planspiele
5.3. Die Kriteriumsvalidierung und der Selbsteinschätzungsbogen
5.4. Bewertung der beiden Planspiele Fetenplaner und Tour-Planer
6. Fazit und Ausblick
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt auf die theoriegeleitete Entwicklung und Validierung eines Parallelplanspiels zum bereits existierenden "Tour-Planer" ab, um dessen Planungskompetenz-Messung zu vervollständigen und Gütekriterien empirisch zu prüfen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob der neu konstruierte "Fetenplaner" die Anforderungen an ein Parallelverfahren erfüllt und ob die Leistung in den Planspielen mit der subjektiven Selbsteinschätzung der Probanden korreliert.
- Konstruktion eines theoriebasierten Parallelplanspiels ("Fetenplaner") auf Basis der Theorie von Funke & Glodowski (1990)
- Empirische Überprüfung der Parallelität und Äquivalenzkriterien zwischen "Tour-Planer" und "Fetenplaner"
- Analyse von Reihenfolgeeffekten bei der Bearbeitung beider Planspiele
- Kriteriumsvalidierung mittels Selbsteinschätzungsbogen zur Planungskompetenz und Intelligenz
Auszug aus dem Buch
Die Paralleltestmethode
Mit Hilfe der Paralleltestmethode lässt sich die Reliabilität durch einen Vergleich von Ergebnissen bei der Bearbeitung verschiedener Szenarios schätzen. Dafür werden einer Stichprobe die beiden Paralleltestformen in Zufallsfolge zur Bearbeitung gegeben. Die Korrelation der Rohwerte entspricht einer Schätzung der Reliabilität. Für eine kurzfristige Testwiederholung benötigt man gemäß Lienert und Raatz (1998) eine Parallelform. Voraussetzung hierfür ist, dass die gestellten Anforderungen und die Operationalisierung der Bearbeitungsgüte vergleichbar bzw. parallel sind. Eine allgemein anerkannte und hierfür hinreichende Taxonomie komplexer dynamischer Systeme existiert leider nicht. „Reliabilitätsschätzungen im Rahmen des komplexen Problemlösens gestalten sich [...] schwierig“ (Beckmann, 1994, S. 46).
Paralleltest-Koeffizienten geben darüber Auskunft, ob ein Test bedingungskonstant ist. Der Retest-Koeffizient liegt aufgrund der identischen Aufgabe in der Regel höher als der Paralleltest-Koeffizient, der um so geringer wird, je weniger äquivalent die Aufgabe der beiden Testformen ist. Für die Interpretation eignet sich jedoch der Paralleltest-Koeffizient besser als der Retest-Koeffizient, da er den Stichprobencharakter der Aufgaben im Hinblick auf das zu untersuchende Persönlichkeitsmerkmal berücksichtigt (vgl. Lienert & Raatz, 1998). „Das Paralleltestverfahren liefert unter vergleichbaren Bedingungen im allgemeinen niedrigere Reliabilitätskoeffizienten [...] entspricht jedoch häufig den Bedürfnissen der Praxis am besten“ (Lienert & Raatz, 1998, S. 179).
Zusammenfassung der Kapitel
0. Zusammenfassung: Gibt einen Überblick über die Entwicklung des Fetenplaners, die Untersuchungsergebnisse zur Parallelität, die festgestellten Reihenfolgeeffekte sowie das Scheitern der Kriteriumsvalidierung.
1. Einleitung: Erläutert die Bedeutung des Planens im Alltag und in der Arbeitswelt sowie die Notwendigkeit von Verfahren zur Messung von Planungskompetenz.
2. Theorie: Behandelt den historischen Kontext von Planspielen, die Abgrenzung der Begriffe Planen und Problemlösen sowie die planerischen Basisfähigkeiten nach Funke & Glodowski.
3. Methode: Beschreibt die eingesetzten Planspiele, das Validierungsdreieck, die aufgestellten Hypothesen sowie das Untersuchungsdesign.
4. Ergebnisse: Präsentiert die Verteilungs- und Itemanalysen sowie die statistische Überprüfung der aufgestellten Parallelitäts-, Reihenfolge- und Planungskompetenzhypothesen.
5. Diskussion: Interpretiert die Ergebnisse bezüglich der Parallelität, der Reihenfolgeeffekte und der Kriteriumsvalidierung sowie eine Bewertung der Planspiele.
6. Fazit und Ausblick: Fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und gibt Empfehlungen für zukünftige Untersuchungen.
7. Literatur: Listet die im Text zitierten wissenschaftlichen Quellen auf.
Schlüsselwörter
Planungskompetenz, Planspiel, Paralleltestmethode, Fetenplaner, Tour-Planer, Kriteriumsvalidierung, Problemlösen, Selbsteinschätzungsbogen, Testreliabilität, Testvalidität, Reihenfolgeeffekte, Planerstellung, Skalenanalyse, psychologische Diagnostik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Validierung eines neuen Planspiels namens "Fetenplaner", das als Parallelversion zum existierenden "Tour-Planer" konzipiert wurde, um die Erfassung von Planungskompetenz zu verbessern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft theoretische Konzepte des Planens und Problemlösens mit der praktischen Konstruktion und psychometrischen Validierung von Testinstrumenten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist der Nachweis, dass der "Fetenplaner" ein valides und reliables Parallelverfahren zum "Tour-Planer" darstellt, welches ebenfalls in der Lage ist, Planungskompetenz zu messen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden methodische Ansätze der Paralleltestmethode eingesetzt, ergänzt durch die Erhebung mittels "lautem Denken" und einer Kriteriumsvalidierung mittels Selbsteinschätzungsbogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die detaillierte Methodenbeschreibung der Testkonstruktion, die statistische Auswertung der gewonnenen Daten und eine kritische Diskussion der Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Planungskompetenz, Planspielkonstruktion, Paralleltestmethode, Validität, Reliabilität und komplexe Problemlösefähigkeit.
Warum konnte die Kriteriumsvalidierung nicht erfolgreich abgeschlossen werden?
Die erwarteten Korrelationen zwischen den Selbsteinschätzungen der Probanden und den Testergebnissen in den Planspielen blieben aus, was möglicherweise auf eine fehlerhafte Selbsteinschätzung oder eine zu geringe Schwierigkeit der Tests zurückzuführen ist.
Welchen Einfluss hat die Reihenfolge der Bearbeitung der Planspiele?
Es konnte ein symmetrischer Lerngewinn von durchschnittlich drei Punkten festgestellt werden, wenn ein Planspiel als zweites bearbeitet wurde, was jedoch die Parallelität der beiden Tests nicht in Frage stellt.
- Quote paper
- Dipl. Sportpsychologin Tina Sirher (Author), 2003, Entwicklung und Validierung eines Planspiels zur Erfassung von Planungskompetenz: Der Fetenplaner, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27284