Die große Bedeutung von Innovationen wird durch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich. Die Internationalisierung verbunden mit einer zunehmenden Sättigung der Märkte und sich stark verkürzende Produktlebenszyklen zwingen Unternehmen zu Neuerungen. Da Innovationen die Basis für eine langfristige Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit bilden und nicht nur Risiken mit sich bringen, sondern auch Möglichkeiten bieten, verwundert es kaum, dass der Wirtschaftssektor in Deutschland für interne Forschung und Entwicklung im Jahr 2011 einen historischen Rekordwert von über 50 Mrd. Euro ausgegeben hat, wie der Stiftverband für die deutsche Wirtschaft mitteilte.
Doch die alleinige Investition hat nicht automatisch eine erfolgreiche Innovation zur Folge. Vor allem im Segment der kleinen und mittleren Unternehmen, den sogenannten KMU, liegen die „Flopraten“ extrem hoch. Kriegesmann & Kerka stellten fest, dass nur knapp 13 % aller innovativen Ideen realisiert und als Produkt in den Markt eingeführt werden, wovon wiederum nur 50 % finanziell erfolgreich sind. Es zeigt sich, dass Produktneuentwicklungen für Unternehmen nicht nur eine erhebliche Chance in Bezug auf Imageverbesserung und Unternehmensvergrößerung bieten, sondern auch beachtliche Risiken mit sich bringen. Können im Falle einer Fehlentwicklung die bereits getätigten Investitionen aufgrund fehlender oder knapper Ressourcenbasis nicht kompensiert werden, kann dies das Ende für ein Unternehmen bedeuten.
Doch worin liegen die Gründe des Scheiterns? Einer der Hauptgründe für das Scheitern von Produktneuentwicklungen liegt im wenig standardisierten, unsystematischen und nicht methodengestützten Vorgehen beim Durchlaufen des Innovationsprozesses. Neben Defiziten im Hinblick auf ein innovationsförderndes Betriebsklima stellt vor allem die Auswahl der am meisten Erfolg versprechenden Innovationsideen und die Bewertung von Innovationsprojekten in den verschiedenen Entwicklungsstadien Unternehmen vor immense Probleme.
Obwohl zahlreiche Ansätze und Methoden existieren, die den Innovationsprozess strukturieren und unterstützen sollen, ist es dennoch aufgrund unterschiedlicher situativer Variablen (z. B. Finanzkraft und Personalstärke) schwierig den Prozess für jedes Unternehmen nachvollziehbar zu gestalten....
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangslage
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Inhaltliche Gliederung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Kleine und mittlere Unternehmen in Deutschland
2.1.1 Quantitative Kriterien zur Abgrenzung von KMU
2.1.2 Qualitative Merkmale zur Abgrenzung von KMU
2.1.3 Besonderheiten von KMU in Bezug auf Innovationen
2.2 Innovationsverständnis
2.2.1 Treiber des Innovationsbedarfs
2.2.2 Invention und Innovation
2.2.3 Grundlegende Merkmale einer Innovation
2.2.4 Überblick über die Innovationsarten
2.2.5 Produktinnovation
2.3 F&E-, Technologie- und Innovationsmanagement
2.3.1 Forschungs- und Entwicklungsmanagement
2.3.2 Technologiemanagement
2.3.3 Innovationsmanagement
2.4 Zwischenfazit
3 Schaffung innovationsfördernder Rahmenbedingungen
3.1 Unternehmens- und Innovationskultur
3.2 Strategie- und Zielsystem
3.3 Anreizsystem
3.4 Organisation und Führung
3.5 Zwischenfazit
4 Der Innovationsprozess
4.1 Phasenmodelle des Innovationsprozesses
4.1.1 Nach THOM
4.1.2 Nach Brockhoff
4.1.3 Nach Vahs
4.1.4 Weitere Modelle und Erfolgsbeurteilung
4.2 Die frühen Phasen des Innovationsprozesses
4.3 Probleme und Besonderheiten des Innovationsmanagements von KMU in den frühen Phasen des Innovationsprozesses
4.3.1 Geringe Formalisierung
4.3.2 Vernachlässigte Marktorientierung
4.4 Entwicklung eines Phasenmodells des Innovationsprozesses für Produktinnovationen von KMU
4.4.1 Struktur des Innovationsprozesses
4.4.2 Systematisierung der Entscheidungssituationen
4.5 Zwischenfazit
5 Innovationsbewertung
5.1 Ziele, Funktionen und Anforderungen
5.2 Instrumente zur Bewertung einzelner Innovationsideen
5.2.1 Überblick
5.2.2 Qualitative Bewertungsinstrumente
5.2.3 Semi-quantitative Bewertungsinstrumente
5.3 Auswahl der am besten geeigneten Bewertungsinstrumente
5.4 Zwischenfazit
6 Gesamtkonzept zur Bewertung der Attraktivität einzelner Innovationsideen in KMU
6.1 Darstellung des Gesamtkonzepts
6.2 Bewertungsinstrumente
6.2.1 Meilenstein M1
6.2.2 Meilenstein M2
6.3 Kritische Betrachtung des Gesamtkonzepts
7 Zusammenfassung und Ausblick
7.1 Zusammenfassung
7.2 Ausblick: Trend Open Innovation
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht in der Ableitung und Ausgestaltung eines strukturierten Gesamtkonzepts für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland, um die Attraktivität von Innovationsideen systematisch zu bewerten und somit deren langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
- Analyse der Besonderheiten von KMU in Innovationsprozessen
- Entwicklung eines Phasenmodells mit Fokus auf die frühen Stadien
- Ableitung eines zweistufigen Bewertungssystems für Innovationsideen
- Integration innovationsfördernder Rahmenbedingungen wie Kultur und Anreizsysteme
- Vergleichende Untersuchung qualitativer und semi-quantitativer Bewertungsmethoden
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten von KMU in Bezug auf Innovationen
In Bezug auf Innovationen weisen KMU gegenüber Großunternehmen eine Reihe von Besonderheiten auf, die Innovationen einerseits begünstigen, andererseits auch eine Hürde für die Durchführung von Innovationsprojekten darstellen können. Es ist zu beobachten, dass KMU trotz guter Voraussetzungen (z. B. flache Hierarchien, kurze Kommunikationswege und schnelle Entscheidungen) vielfältige Probleme zu bewältigen haben.
Im Vergleich zu Großunternehmen können KMU nicht mit Kapitalkraft und Marktmacht im zunehmenden nationalen und internationalen Wettbewerb bestehen. Vor allem bei kleinen Unternehmen ist der Spielraum für Rationalisierungsmaßnahmen gering, sodass nicht selten bei veränderter Nachfragesituation die Geschäftsaufgabe ansteht. Vertriebs- und Managementtechniken sowie deren Eignung für die erfolgreiche Durchführung von Innovationsprozessen sind in KMU nur wenig bekannt, da bestehende Konzeptlösungen sich meist auf Großunternehmen beziehen und nicht 1:1 auf den Mittelstand übertragbar sind. Chaotische Strukturen, vor allem zu Beginn des Innovationsprozesses, sind die Folge dessen.
KMU sind häufig nicht mit ausreichender Information versorgt, weshalb es oft an methodischem Wissen und dem entsprechenden Know-how mangelt, um beispielsweise neue Technologien effizient einsetzen zu können. Neue Ideen sind oftmals nur ein Nebeneffekt von alltäglichen Arbeitsprozessen und werden meistens nicht bewusst gesucht und entwickelt. Des Weiteren haben KMU Probleme qualifiziertes Personal zu rekrutieren, da i. d. R. die Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten bei Großunternehmen als besser eingeschätzt werden. Nicht selten verhindert die schmale finanzielle und personelle Ressourcenbasis die gleichzeitige Durchführung mehrerer Innovationsprojekte und macht somit einen Risikoausgleich zwischen den Projekten so gut wie unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Ausgangslage und Problematik von Innovationen in KMU sowie Definition der Zielsetzung und inhaltlichen Gliederung der Arbeit.
2 Theoretische Grundlagen: Abgrenzung von KMU und Definition zentraler Innovationsbegriffe sowie Beschreibung des Innovationsmanagements.
3 Schaffung innovationsfördernder Rahmenbedingungen: Darstellung von Merkmalen einer Innovationskultur, Strategieformulierung und organisatorischer Voraussetzungen für Innovativität.
4 Der Innovationsprozess: Diskussion verschiedener Phasenmodelle und Identifikation der Besonderheiten sowie Probleme in den frühen Phasen bei KMU.
5 Innovationsbewertung: Analyse theoretischer Grundlagen der Bewertung, Vorstellung geeigneter Instrumente und Auswahlmethodik für KMU.
6 Gesamtkonzept zur Bewertung der Attraktivität einzelner Innovationsideen in KMU: Zusammenführung der Ergebnisse in einem Gesamtkonzept mit Fokus auf die Meilensteine M1 und M2 sowie kritische Reflexion.
7 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit der zentralen Erkenntnisse und ein Ausblick auf den Trend der Open Innovation.
Schlüsselwörter
Innovationsmanagement, KMU, Produktinnovation, Innovationsbewertung, Phasenmodell, Ideenbewertung, Innovationskultur, Wettbewerbsfähigkeit, Nutzwertanalyse, Entscheidungssituationen, Ressourcenknappheit, Open Innovation, KMU-Besonderheiten, Frühphasen, Marktattraktivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit behandelt die methodische Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) bei der systematischen Bewertung ihrer Innovationsideen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Innovationsmanagement, die Spezifika von KMU, Prozessmodelle in der Frühphase und Methoden zur Ideenbewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist die Ableitung und Ausgestaltung eines Gesamtkonzepts zur Bewertung der Attraktivität einzelner Innovationsideen, welches an die Ressourcen und Bedürfnisse von KMU angepasst ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Ableitung eines Phasenmodells, das durch eine Nutzwertanalyse methodisch untermauert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen, die Modellierung des Innovationsprozesses und die detaillierte Beschreibung der Bewertungsinstrumente.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Innovationsmanagement, KMU, Produktinnovation, Innovationsbewertung, Frühphasen, Nutzwertanalyse und Innovationskultur.
Warum sind die "frühen Phasen" des Innovationsprozesses so entscheidend?
In den frühen Phasen fallen zwar geringe Kosten an, jedoch werden hier bereits die Weichen für den späteren Erfolg oder Misserfolg gestellt, da hier die größten Kostenbeeinflussungsmöglichkeiten bestehen.
Wie unterscheidet sich die Bewertung in KMU von Großunternehmen?
KMU bewerten oft intuitiv aufgrund knapper Ressourcen, während Großunternehmen meist formalisierte, detaillierte Managementstrukturen und spezialisierte Instrumente verwenden.
Welche Rolle spielt der Unternehmer in einem KMU bei Innovationen?
Der Unternehmer nimmt eine zentrale Promotorrolle ein, da er oft tief in das operative Geschäft eingebunden ist und seine persönliche Einstellung maßgeblich die Innovationskultur des Betriebs prägt.
Wie wird das in der Arbeit vorgeschlagene Gesamtkonzept validiert?
Das Konzept wird einer kritischen Betrachtung unterzogen, wobei insbesondere die Stärken in der Ressourcenschonung und die Grenzen bei hoher Komplexität aufgezeigt werden.
- Arbeit zitieren
- Manuel Heusinger (Autor:in), 2014, Von der Idee zum Innovationsprojekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272885