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Religion und die "versteckte" Religionskritik in Eckhard Henscheids "Die Mätresse des Bischofs"

Titel: Religion und die "versteckte" Religionskritik in Eckhard Henscheids "Die Mätresse des Bischofs"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 25 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: B.A. Jan-Christian Hansen (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Eckhard Henscheids knapp 1.000-seitige »Trilogie des laufenden Schwachsinns« wurde bis heute 400.000 Mal gedruckt. In Anbetracht dieses Erfolges stellt sich die Frage, warum kaufen und lesen so viele Menschen eine Trilogie, die vom Autor selbst als »schwachsinnig« betitelt wird?
In der Sekundärliteratur fanden und finden Henscheids Werke bisher eher wenig Beachtung, was vielleicht auch daran liegen mag, dass ihn einst der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki einen „Idioten“ nannte und sich an Henscheids Werken die Geister scheiden, obwohl er als virtuoser Sprachjongleur gilt, der „seine ganz eigene saukomische Sprache gefunden hat, in der hoher Ton und niedere Beweggründe munter Trampolin springen“ (vgl. KUBITZA 2011).
Im Zentrum dieser Arbeit steht nicht die komplette »Trilogie des laufenden Schwachsinns«, sondern der „psychologische“ Roman »Die Mätresse des Bischofs«, explizit die Rolle der Religion und die versteckte Religionskritik im Roman.
»Die Mätresse des Bischofs« schließt die Trilogie des Schwachsinns ab, auch wenn Henscheid in seiner 1.000-seitigen Trilogie nur wenig Handlung und Wesentliches bietet, scheint es dem Anschein halber im Roman mit den Themen Religion und Sex um durchaus kontroverse Themen zu gehen und die Erwartungshaltung an den Miterfinder des Satiremagazins Titanic in puncto Religionskritik und einem satirischen Umgang mit den Themen Religion und Sex ist verständlicherweise hoch.
Im ersten Teil der Arbeit wird diese hohe Erwartungshaltung als Maßstab genommen und in den Roman eingeführt. In Form einer Analyse des Romantitels und den damit einhergehenden falschen Versprechungen Henscheids und der fehlenden Religiosität des Titels, die mit dem Inhalt des Werkes kontrastiert, erfolgt eine Einordnung der Iberer-Brüder, um die es eigentlich im Roman geht.
Im zweiten Teil der Arbeit stehen die religiösen Motive und Religion im Fokus, die anhand des fiktiven Ortes Dünklingen und der Figur Siegmund Landsherr exemplarisch untersucht werden sowie die (religiöse) Funktion der Iberer-Brüder.
Im letzten Teil erfolgt eine Interpretation der versteckten Religionskritik, um in den abschließenden Bemerkungen dem sinnlosen Roman einen Sinn abzugewinnen, der für die Literaturwissenschaft, den Leser und die Gesellschaft relevant sein könnte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Als der »Schwachsinn« das Laufen lernte

1. Einführung in den Roman »Die Mätresse des Bischofs«

1.1. Von falschen Versprechungen und fehlender Religiosität – der Romantitel

1.2. Die Iberer-Brüder

2. Religion & religiöse Motive im Roman

2.1. Das katholische Dünklingen & der unzuverlässige Agnostiker Landsherr

2.2. Sexualität, Obsession & Religion – die Funktion der Iberer-Brüder

3. Die versteckte Religionskritik – die Anekdoten vom Marquis und Erzbischof

Schluss: Ein sinnloser Roman voller Sinn

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Roman »Die Mätresse des Bischofs« von Eckhard Henscheid mit dem Ziel, die Rolle religiöser Motive und die im Werk verborgene Religionskritik freizulegen. Dabei wird analysiert, wie der Protagonist Siegmund Landsherr durch die Sinnlosigkeit seines Daseins dazu getrieben wird, Ersatzreligionen zu entwickeln, und inwiefern der Roman selbst als eine existenzielle Metapher für die menschliche Sinnsuche fungiert.

  • Analyse der antithetischen Struktur und der Bedeutung von Romantiteln als Lesertäuschung.
  • Untersuchung der Rolle von Religion und religiösen Symbolen im Kontext des fiktiven Ortes Dünklingen.
  • Charakterisierung des Protagonisten Siegmund Landsherr als unzuverlässiger Agnostiker.
  • Interpretation der Iberer-Brüder als zentrale Obsession und Ersatz für religiöse sowie sexuelle Bedürfnisse.
  • Reflektion der versteckten Religionskritik durch spezifische Anekdoten und allegorische Darstellungen.

Auszug aus dem Buch

1.1. Von falschen Versprechungen und fehlender Religiosität – der Romantitel

Der Titel von Eckhard Henscheids Roman Die Mätresse des Bischofs führt den Leser bereits vor der Lektüre in die Irre. Henscheid suggeriert dem Leser mit seinem Romantitel, es ginge um einen Bischof und eine Mätresse, also um die Themen Religion und Sex, aber Henscheid – als homodiegetischer Erzähler des Romans, der den Leser zusammen mit seinem Ich-Erzähler Siegmund Landsherr in die erzählte Welt des Kleinstadtkaffs Dünklingen entführt – nutzt zu Beginn des Romans die Möglichkeit, um seine Titelwahl zu erklären und eine Lesertäuschung einzuräumen.

„Einzugestehen ist hier nämlich fürs erste eine grobe, feiste Lüge, eine glänzende und gleißende Lesertäuschung. Denn keineswegs von einer »Mätresse des Bischofs« handelt mein Buch [...] sondern tatsächlich und jetzt ohne Flunkerei von der Beobachtung, Beschreibung und Ausdeutung zweier älterer Brüder, trostlos oder, je nachdem, tröstlich häßlichen sogar, und wen sollen diese beiden Iberer-Brüder schon groß interessieren?“ (HENSCHEID 2010, 8).

Die Glaubwürdigkeit der Diegese wird von Anfang an untergraben und die Frage, wen so etwas interessiert, ist durchaus berechtigt, denn in Wahrheit handelt der Roman weder von einem Bischof noch von einer Mätresse. Statt einer nackten Frau, die mit einem Bischof das Bett teilt, und einer ordentlichen Portion Sex bekommt der Leser zwei langweilige und asexuelle Brüder aufgetischt, die noch bei ihrer Mutter wohnen und die abwechselnd in einer metafiktionalen Erzählweise durch den Erzähler (Henscheid) und den Ich-Erzähler Siegmund Landsherr beobachtet, beschrieben und deren Verhalten interpretiert wird, ohne dass der Leser so recht unterscheiden kann, ob jetzt Henscheid oder Landsherr das Zepter in der Hand hält. Hinzukommt, dass die Iberer-Brüder als Lust- und Sexobjekte stilisiert werden, was die Brüder zweifelsohne nicht sind, aber der Erzähler Henscheid und Landsherr durchaus dem Leser zu suggerieren versuchen. Dieser Stil ist zurückzuführen auf „eine durchgehend bei Henscheid zu findende Technik, die mit üblicherweise für spektakuläre Anlässe reserviertem dramatisierenden Vokabular geringfügigste Gegebenheiten als Sensation ausgibt“ (vgl. KRONAUER 1990, 13).

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Als der »Schwachsinn« das Laufen lernte: Die Einleitung führt in die Problematik des Romans ein und formuliert das Erkenntnisinteresse an der Rolle der Religion sowie der versteckten Religionskritik im Werk.

1. Einführung in den Roman »Die Mätresse des Bischofs«: Dieses Kapitel analysiert die Diskrepanz zwischen dem irreführenden Romantitel und dem tatsächlichen Inhalt sowie die Funktion der Iberer-Brüder als Ausgangsmotiv des Erzählers.

2. Religion & religiöse Motive im Roman: Der Abschnitt untersucht das fiktive Dünklingen und die Figur Landsherr, um die Verflechtung von religiösen Motiven mit einer systemkritischen Perspektive aufzuzeigen.

3. Die versteckte Religionskritik – die Anekdoten vom Marquis und Erzbischof: Die Analyse konzentriert sich auf zwei zentrale Anekdoten, die die Beliebigkeit religiöser Institutionen und den Ersatzcharakter des Glaubens im Roman verdeutlichen.

Schluss: Ein sinnloser Roman voller Sinn: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Romans als Spiegelbild der Realität, in der der Mensch erst durch seine eigene Sinngebung gegen die inhärente Sinnlosigkeit der Welt ankämpft.

Schlüsselwörter

Religion, Religionskritik, Eckhard Henscheid, Die Mätresse des Bischofs, Sinnsuche, Siegmund Landsherr, Iberer-Brüder, Ersatzreligion, Agnostizismus, Katholizismus, Sinnlosigkeit, Metafiktion, Dünklingen, Literaturwissenschaft, Existenzialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Analyse des Romans »Die Mätresse des Bischofs« von Eckhard Henscheid und untersucht insbesondere die Rolle religiöser Motive und die darin enthaltene, oft versteckte, Religionskritik.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Sinnsuche des Menschen, die Funktion von Ersatzreligionen, die Auseinandersetzung mit dem Katholizismus und die bewusste Inszenierung von Sinnlosigkeit als narratives Stilmittel.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Henscheid durch eine vermeintlich sinnlose Handlung und die Irreführung des Lesers eine tiefere Ebene der System- und Gesellschaftskritik etabliert, die den Leser dazu zwingt, dem Werk selbst einen Sinn zu verleihen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Hausarbeit angewendet?

Die Arbeit nutzt einen literaturwissenschaftlichen Ansatz, der unter anderem auf die freudsche Psychoanalyse zurückgreift und das Werk durch die Untersuchung von Erzählstrukturen, Symbolik und intertextuellen Bezügen interpretiert.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Analyse des Romantitels, die Charakterisierung von Siegmund Landsherr als unzuverlässigem Agnostiker, die Funktion der Iberer-Brüder als Ersatzobjekte und die Interpretation spezifischer religiöser Anekdoten.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am treffendsten?

Zu den prägenden Begriffen gehören die »Regel des Gegensatzes«, der »unzuverlässige Agnostiker«, die »Ersatzreligion« sowie das Motiv der »Sinnlosigkeit« im modernen Roman.

Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Landsherr zur Religion?

Landsherr wird als unzuverlässiger Agnostiker dargestellt, der sich zwar formal von der Kirche distanziert hat, jedoch in eine Ersatz-Obsession – die Iberer-Brüder – flüchtet, die ihn in ihrem Triebverzicht an religiöse Verhaltensweisen erinnert.

Welche Rolle spielt die »Regel des Gegensatzes« im Roman?

Diese von Henscheid angewandte Technik durchzieht das gesamte Werk und spiegelt sich in den antithetischen Paarungen wider (z. B. Religion/Sex, Bischof/Mätresse, Sinn/Unsinn), was die Struktur des Romans massiv beeinflusst.

Warum wird der Igel Charly Mä als Beispiel in der Arbeit angeführt?

Das Beispiel verdeutlicht die Beliebigkeit des Glaubens im Werk, da der Igel vom Erzähler sowohl als religiöses Symbol als auch als Profanobjekt umgedeutet wird, was die satirische Religionskritik des Autors unterstreicht.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Religion und die "versteckte" Religionskritik in Eckhard Henscheids "Die Mätresse des Bischofs"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Neuere Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Eckhard Henscheid: Trilogie des laufenden Schwachsinns (050316)
Note
1,7
Autor
B.A. Jan-Christian Hansen (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
25
Katalognummer
V272930
ISBN (eBook)
9783656652649
ISBN (Buch)
9783656652632
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Henscheid Trilogie des Schwachsinns Die Mätresse des Bischofs Iberer-Brüder Religion Religionskritik Religiosität Agnostiker Landsherr Eckhard Henscheid Sex Dünklingen Interpretation Literaturwissenschaft Bischof Mätresse Katholizismus Obsession Inhaltsangabe Ersatzreligion Charly Mä Stupsi
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Jan-Christian Hansen (Autor:in), 2014, Religion und die "versteckte" Religionskritik in Eckhard Henscheids "Die Mätresse des Bischofs", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272930
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Leseprobe aus  25  Seiten
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