Wissenschaftliche Darstellung um die Thematik des Lügens


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abstract

II Einleitung

1. Definition: Lüge

2. Handlungstheoretisches Modell über Lügen und Täuschen

3. Warum Menschen lügen

4. Täuschungshinweise: Wie man Lügen erkennt

5. Der Polygraph
5.1 Funktionsweise
5.2 Anwendung
5.3 Befragungstechniken

6. Diskussion

7. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

I Abstract

Der vorliegende Text ist eine theoretische Erarbeitung der Hauptaspekte des Lügens aus psychologischer Sicht und setzt einen Schwerpunkt in der modernen Lügenerkennung.

Das Alltagsverständnis des Begriffs Lüge wird mit der wissenschaftlichen Definition verglichen und eine Arbeitsdefinition gegeben. Der Prozess und die Ziele des Lügens werden anhand des handlungstheoretischen Modells über Lügen und Täuschen von Helmut Lukesch aus dem Jahre 2007 dargelegt. Darüber hinaus werden die Hintergründe, Motive und Situationen des Lügens im Sozialleben und die Selbstlüge näher erarbeitet und die Frage betrachtet, ob der Hang zu lügen in der Natur eines jeden Menschen liegt. Es folgt eine Auseinandersetzung mit den von dem Lügenexperten Paul Ekman beschriebenen Täuschungshinweisen zur Erkennung von Lügen in Worten, Stimme und Körpersprache sowie durch körperliche Veränderungen. Mögliche Fehler in der Interpretation von Verhalten hinsichtlich des Lügens werden aufgezeigt und erläutert. Neben der Lügenerkennung im direkten Gespräch wird die technische Lügenerkennung durch den Polygraphen thematisiert. Es folgen eine Beschreibung der Funktionsweise und ein Vergleich der Anwendung des Polygraphen in den USA und in Deutschland. Als gängigste Befragungstechniken werden der Tatwissentest und der Kontrollfragentest angeführt und in der Gegenüberstellung die Vorteile des Tatwissentests erläutert. Abschließend wird der Begriff Lügendetektor hinterfragt, es werden wichtige Kritikpunkte am Polygraphen aufgegriffen und erläutert, warum seine Genauigkeit für rechtliche Zwecke im Allgemeinen nicht als ausreichend betrachtet wird.

II Einleitung

„Das Geheimnis des Erfolges liegt in der Ehrlichkeit. Wenn es einem gelingt, diese vorzutäuschen hat man es geschafft!“, so einst der deutsche Philosoph Ernst Bloch. Seine Aussage beschreibt einen Eindruck, den immer mehr Menschen von der heutigen Gesellschaft gewinnen. So geht es bei der Aufklärung von Verbrechen stets um die Wahrheitsfindung, die schon immer erschwert wurde durch unehrliche Verdächtige, Zeugen und auch Opfer. Doch vor allem in Zeiten von Wirtschaftskrisen, Plagiatsaffären und Steuerskandalen stellt sich die Frage, inwieweit Ehrlichkeit und Wahrheit noch einen Platz im allgemeinen Moralverständnis des modernen Menschen einnehmen. Können und wollen wir überhaupt noch ehrlich sein, angesichts der Tatsache, dass Lügner und Betrüger es oft leicht haben und die Unwahrheit zu Ihrem Vorteil nutzen können?

Nicht nur in Politik, Wirtschaft und Justiz ist Unehrlichkeit ein Problem, auch in alltäglichen Situationen wird das Lügen mehr und mehr zur Gewohnheit und sogar zum festen Bestandteil gesellschaftlicher Umgangsformen. Das Erkennen der Unwahrheit spielt deshalb in allen Bereichen des Lebens eine Rolle. Die genaue Eingrenzung des Begriffes der Lüge und die Erörterung der Motive und Hintergründe des Lügens sowie die Verbesserung der Lügenaufklärung sind deshalb von zentraler Bedeutung, ebenso wie der Prozess des Lügens an sich. Auch die Frage, ob Lügen eine angeborene Fähigkeit des Menschen ist, rückt in den Vordergrund.

Von großer Aktualität ist der Einsatz von Technik zur Unterscheidung von Lüge und Wahrheit. Die Auseinandersetzung mit diesem Aspekt der Lügenaufklärung bedarf besonderer Achtsamkeit und kritischer Zuwendung, die dieser Text leisten will und die Lügenerkennung deshalb als Schwerpunkt wählt.

1. Definition: Lüge

Aus alltäglicher Sicht verstehen die meisten Menschen unter dem Begriff Lüge eine falsche Aussage, die mit der Intention zu täuschen geäußert wird. Wissenschaftlich betrachtet ist diese Definition allerdings nicht nur unpräzise, sondern in dieser Form als falsch anzusehen.

Um die Definition zu überprüfen ist es notwendig zu erörtern, ob eine Lüge immer mit einer falschen Behauptung in Täuschungsabsicht gleichzusetzen ist. Trifft eine Person eine unwahre Aussage, die sie selbst irrtümlicherweise für zutreffend hält, entfällt die Absicht durch Unwahrheit zu täuschen. Obwohl die Person die Unwahrheit sagt, wird ihre Aussage nicht als Lüge gelten. Anders zu bewerten ist aber jener Fall, in dem eine Person in Täuschungsabsicht eine Aussage trifft, von der sie selbst glaubt sie sei falsch, die sich aber als zutreffend herausstellt. Objektiv gesehen wird in diesem Fall keine unwahre Aussage getroffen. Das Äußern von etwas, das die Person subjektiv nicht als wahr empfindet, kann trotzdem als eine Art des Lügens aufgefasst werden. Diese spezielle Form des Lügens findet in der Alltagsdefinition keine Beachtung (Shibles, 2000).

Weiterhin ist zu überprüfen, inwieweit eine Aussage nur dann als Lüge zählt, wenn sie tatsächlich täuschen soll, d.h. wenn die Intention darin besteht, falsche Informationen glaubhaft zu machen. An dieser Stelle müssen als Sonderformen des Lügens Ironie bzw. Sarkasmus Beachtung finden. Ist eine Aussage offensichtlich ironisch gemeint, so soll durch die Äußerung der Aussage niemand getäuscht werden. Bemerkt jemand im strömenden Regen beispielsweise, dass das Wetter wieder besonders schön sei, so tut er das nicht mit der Intention diese Unwahrheit glaubwürdig erscheinen zu lassen. Dennoch handelt es sich um eine Lüge, denn die Person ist sich der Unwahrheit der eigenen Aussage bewusst. Ob eine Behauptung also als Lüge zu werten ist, hängt nicht davon ab, ob das Kriterium der Täuschungsabsicht erfüllt ist (Shibles, 2000).

Aufgrund der aufgezeigten Defizite der erstgenannten Definition der Lüge definiert Shibles die Lüge wie folgt neu: „Eine Lüge bedeutet, etwas zu glauben (oder zu wissen), aber etwas anderes zu sagen (oder zu schreiben oder auszudrücken)“ (Shibles, 2000, S.14). Diese Definition geht von der subjektiven Wahrheit aus und sieht die Lüge daher nicht mehr pauschal als objektiv falsche Aussage an. Auch der Aspekt der Täuschungsabsicht findet hier keine Beachtung mehr.

2. Handlungstheoretisches Modell über Lügen und Täuschen

Um das Lügen als psychologische Handlung zu verstehen, ist eine Erweiterung des Verständnisses für diesen Begriff und eine Lösung von der Lüge als Gegenstand notwendig. Voraussetzung hierfür ist es, das Lügen als einen Prozess zu betrachten, dem ein handlungstheoretisches Modell unterstellt werden kann. Diese Sicht findet sich auch in einer Definition von Lukesch wieder: „Lügen ist ein prozesshafter Vorgang, durch den letztendlich eine bestimmte ‚falsche‛ Überzeugung im Kopf des Rezipienten entstehen oder eine Handlung eines Gegenüber veranlasst werden soll, die - wenn dieser wahrheitsgemäß informiert und nicht getäuscht worden wäre - anders ausgefallen wäre“ (Lukesch, 2007, S.89). Basierend auf dieser Definition des Lügens versucht das folgende Modell das Bedingungsschema der Handlung zu skizzieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Handlungstheoretisches Modell über Lügen und Täuschen (Quelle: Lukesch, 2007, S. 91)

Nach diesem Modell besteht das Ziel des Lügens darin, die „Ist-Soll-Diskrepanz“, also die Diskrepanz zwischen den vorherrschenden und den angestrebten Überzeugungen des Rezipienten solange zu verkleinern, bis dieser schlussendlich der Täuschung erliegt und von der Unwahrheit überzeugt ist. Der Rezipient ist in diesem Zusammenhang der Empfänger der Lüge, also der Belogene.

Zunächst muss der Handelnde sein Ziel entwerfen und sich eine Vorstellung davon machen, was er durch den Vorgang des Lügens erreichen will. Im Folgenden wird unterstellt, dass es das Ziel sei, den Rezipienten zur Annahme einer falschen Überzeugung zu bewegen. Die Beweggründe hierfür können vielfältig sein und werden im nächsten Kapitel erarbeitet. Die zweite im Modell erkennbare Voraussetzung besteht darin, dass der Handelnde den mentalen Ausgangszustand des Rezipienten erfasst, sich also ein Bild der Überzeugungen macht, die es zu ändern gilt. Um von diesen beiden Komponenten auf die Ist-Soll-Diskrepanz zu schließen, sind bestimmte kognitive Kompetenzen notwendig, ohne welche die Abbildung fremder psychischer Strukturen unmöglich wäre. Das Modell fasst diese Fähigkeiten unter dem Begriff „diagnostische Kompetenz“ zusammen.

Der Handelnde strebt nun an, die betreffenden Überzeugungen des Rezipienten insofern zu verändern, dass dieser den zuvor festgelegten „Ziel-Zustand“ erreicht, sich also durch die Lüge täuschen lässt. Um die Ist-Soll-Diskrepanz entsprechend zu verringern, muss er bestimmte Strategien bzw. Taktiken der Täuschung anwenden, von denen er sich Erfolg verspricht, z.B. fester Blickkontakt. Dieser Aspekt entspricht im Modell den Punkten „Handlungsplanung und Verhaltensausführung“ und „Prozedurales Wissen“. Wichtig ist hier die prozessbegleitende diagnostische Kompetenz, die es dem Handelnden ermöglicht, während des Prozesses des Lügens den Fortschritt in der Minimierung der Ist-Soll-Diskrepanz zu registrieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse kann er oder sie entscheiden, welche Strategien weiter verfolgt und welche verworfen werden sollten (Lukesch, 2007).

Der Handelnde muss mit seinen Strategien so lange auf den Rezipienten einwirken und diese gegebenenfalls innerhalb des Prozesses anpassen, bis die Ist-Soll-Diskrepanz = 0 und die Täuschung somit erfolgreich vollzogen ist. Dieser Zustand stellt dem Modell nach das Ziel des gesamten Prozesses des Lügens dar, den Lukesch als einen „Problemlösungsprozess“ (Lukesch, 2007, S.90) beschreibt. Das zu lösende Problem besteht darin, den „Ist-Zustand“ des Belogenen in den „Ziel-Zustand“ zu überführen, ihn also dazu zu bewegen eine falsche Überzeugung anzunehmen. Das Ziel einer ehebrechenden Person könnte beispielsweise darin bestehen, den Partner von dem zutreffenden Verdacht der Untreue (Ist-Zustand) abzubringen und von der eigenen Treue zu überzeugen (Ziel-Zustand).

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliche Darstellung um die Thematik des Lügens
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V272934
ISBN (eBook)
9783656652694
ISBN (Buch)
9783656652700
Dateigröße
769 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wissenschaftliche, darstellung, thematik, lügens
Arbeit zitieren
Gina Kuhr (Autor), 2013, Wissenschaftliche Darstellung um die Thematik des Lügens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272934

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