Bei der Bearbeitung dieser Frage steht weder der Gedanke im Vordergrund, Fogelins Position einer eindeutigen kontextualistischen Position noch seine Position einer eindeutig kontextualistischen Wissensdefinition zuzuordnen. Das Ziel der Bearbeitung der Fragestellung ist bereits erreicht, wenn es gelingt zu zeigen, dass in Fogelins Position kontextualistische Elemente enthalten sind. Ich werde zu dem Ergebnis kommen, dass Fogelins pyrrhonische Position, wie z.B. sein Rechtfertigungsbegriff, seine Wissensdefinition sowie seine Methode der Rechtfertigung, durch kontextualistische Elemente konstituiert ist.
Dies versuche ich aufzuzeigen, indem ich zuerst eine Beschreibung des ersten Gettier-Falls vornehmen werde. Neben diesen stelle ich Fogelins Analyse des Gettier-Falls und bin durch die Gegenüberstellung von Gettier-Fall und Fogelins Analyse dessen in der Lage, Fogelins epistemische Position hinsichtlich der Standarddefinition von Wissen sowie vor allem seine Position hinsichtlich der Rechtfertigungsbedingung in der Standarddefinition näher zu bestimmen. Es wird sich zeigen, dass Fogelin über seinen Evidenzbegriff zwei Arten von Rechtfertigungsbedingungen unterscheidet, die als notwendige Bedingungen in seine Wissensdefinitionen einfließen. Möchte man im epistemischen Prozess Fogelins Rechtfertigungsbedingungen entsprechen, dann befindet man sich schon mitten in seiner Methode der Rechtfertigung, namentlich den „levels of scrutiny“. Neben Fogelins Wissensdefinition stelle ich im Weiteren Fortlauf eine kontextualistische Auffassung von Wissen und untersuche beide auf Gemeinsamkeiten. Abschließend betrachten wir Fogelins Argumente gegen den Kontextualismus vor dem Hintergrund seiner eigenen Position und kommen zum Ergebnis, dass Fogelin nicht mit Recht behaupten kann, kein Kontextualist zu sein.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Fogelins Analyse der Gettier-Fälle
2. Fogelin gegen den Kontextualismus
3. Wie viel Kontextualist steckt in Fogelin?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das epistemologische Werk von Robert J. Fogelin, insbesondere dessen Auseinandersetzung mit Gettier-Fällen und dem Kontextualismus, um zu ergründen, inwiefern Fogelins eigene theoretische Position trotz seiner expliziten Ablehnung tatsächlich kontextualistische Grundelemente enthält.
- Analyse der Standarddefinition von Wissen und der Gettier-Problematik
- Untersuchung von Fogelins Rechtfertigungsbegriff (persönliche vs. sachliche Rechtfertigung)
- Darstellung der Methode der "levels of scrutiny"
- Kritische Auseinandersetzung mit Fogelins Argumenten gegen den Kontextualismus
Auszug aus dem Buch
1. Fogelins Analyse der Gettier-Fälle
1963 schrieb Gettier den nur dreiseitigen Aufsatz „Is Justified True Belief Knowledge?“. In diesem Aufsatz wendet er sich gegen die Standarddefinition von Wissen als „wahre, gerechtfertigte Überzeugung“. Dies tat er, indem er zwei Beispiele anführte, in denen das erkennende Subjekt eine wahre, gerechtfertigte Überzeugung besitzt, die aber trotzdem nicht als Wissen gelten kann. Gettiers Beispiele sollen zeigen, dass die Bedingungen der folgenden Standarddefinition von Wissen nicht hinreichend für Wissen sind:
S knows that P IFF (i) P is true
(ii) S believes that P, and
(iii) S is justified in believing that P.
Betrachten wir an dieser Stelle Gettiers erstes Beispiel: Smith und Jones bewerben sich um eine Arbeitsstelle bei einer Firma. Nun erfährt Smith vom Chef der Firma, dass er Jones bei der Vergabe der Arbeitsstelle präferiere. Außerdem sieht Smith, wie Jones zehn Münzen in seine Tasche steckt. Die mündliche Ansage des Chefs sowie Smiths Beobachtung, dass sich Jones zehn Münzen in die Tasche steckt, sind der Grund dafür, dass Smith eine „starke Evidenz“ für folgende Proposition P hat: Der Mann, der die Stelle bekommen wird, hat zehn Münzen in seiner Tasche. Nun bekommt jedoch überraschenderweise Smith selbst den Job und nicht Jones. Und zufälligerweise hat Smith bei der Stellenzusicherung selbst zehn Münzen in seiner Tasche. Smiths Schluss, nämlich dass der Mann, der die Stelle bekommen wird, zehn Münzen in seiner Tasche hat, ist also wahr. Auch erfüllt sein Schluss die Bedingungen des Wissensbegriffs, d.h. Smiths Schluss ist eine „wahre, gerechtfertigte Überzeugung“. Allerdings würden wir in Bezug auf dieses Beispiel Smith kein Wissen zuschreiben, da sein „Wissen“ mehr auf Zufall als auf alles andere zurückzuführen ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die erkenntnistheoretische Fragestellung der Standarddefinition von Wissen, die Problematik der Gettier-Fälle und die Relevanz der Untersuchung von Fogelins Position.
1. Fogelins Analyse der Gettier-Fälle: Detaillierte Betrachtung von Gettiers Beispielen und Fogelins Lösungsansatz, der eine Differenzierung zwischen persönlicher und sachlicher Rechtfertigung sowie den Evidenzbegriff ins Zentrum rückt.
2. Fogelin gegen den Kontextualismus: Analyse der grundlegenden Thesen des Kontextualismus sowie Darstellung von Fogelins Argumenten gegen diese, insbesondere im Hinblick auf die Rechtfertigungsrahmen.
3. Wie viel Kontextualist steckt in Fogelin?: Synthetische Untersuchung, die aufzeigt, dass Fogelins eigene Methode der "levels of scrutiny" und sein Wissensbegriff maßgeblich von kontextualistischen Elementen durchdrungen sind.
Schlüsselwörter
Erkenntnistheorie, Wissen, Gettier-Fälle, Rechtfertigung, Kontextualismus, Fogelin, Evidenz, levels of scrutiny, Defeater, Pyrrhonismus, Wissensdefinition, epistemisches Subjekt, Induktion, Deduktion, Wahrheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der erkenntnistheoretischen Position von Robert J. Fogelin und prüft, inwieweit sein Ansatz kontextualistische Züge aufweist, obwohl er selbst dies bestreitet.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Standarddefinition von Wissen, Gettier-Beispiele, die Unterscheidung zwischen persönlicher und sachlicher Rechtfertigung sowie die Methode der "levels of scrutiny".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, nachzuweisen, dass in Fogelins pyrrhonischer Position kontextualistische Elemente konstitutiv enthalten sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine analytische Untersuchung, die Fogelins Aussagen mit den Prinzipien des Kontextualismus vergleicht und seine Argumente gegen diese Position kritisch prüft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Gettier-Fälle durch Fogelin, die Gegenüberstellung mit dem Kontextualismus und die abschließende Evaluierung der "Kontextualistennähe" Fogelins.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Erkenntnistheorie, Rechtfertigung, Gettier-Fälle, Kontextualismus, Evidenz und die levels of scrutiny.
Warum hält Fogelin an der Unterscheidung von persönlicher und sachlicher Rechtfertigung fest?
Fogelin möchte damit die Standarddefinition von Wissen reparieren, indem er erkennt, dass Gettier-Fälle nur funktionieren, wenn man lediglich die persönliche Rechtfertigung betrachtet.
Was versteht man unter den "levels of scrutiny" bei Fogelin?
Dies ist eine Methode der Untersuchung, bei der epistemische Fehlerquellen, sogenannte "Defeater", durch eine genaue Prüfung ("Ebenen der Untersuchung") lokalisiert und eliminiert werden sollen.
Kommt der Autor zu dem Schluss, dass Fogelin ein Kontextualist ist?
Ja, der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass Fogelins Position zu großen Teilen durch kontextualistische Elemente konstituiert ist und Fogelins Selbstbehauptung als Nicht-Kontextualist somit unhaltbar ist.
Wie reagiert Fogelin auf die Frage nach dem "Faktum des Wissens"?
Fogelin verharrt hier in einer pyrrhonischen Urteilsenthaltung, da seine Analyse laut eigener Aussage in dieser Frage keine eindeutige Entscheidung zulässt.
- Quote paper
- Marcus Gießmann (Author), 2014, Wie viel Kontextualist steckt in Fogelin?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/272998