Das Dred Scott-Urteil als Auslöser für den amerikanischen Bürgerkrieg?


Hausarbeit, 2012
7 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

1. Einleitung

Schon während der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika bahnte sich aufgrund von deutlichen Interessenkonflikten eine zunehmende Entfremdung zwischen den nördlichen und südlichen Bundesstaaten an, die letzendlich im Ausbruch des Bürgerkriegs 1861 endete. Dass der Konflikt bis dahin gestoppt werden konnte, lag vorallem an verschiedenen Gesetze und Kompromisse, die im Laufe der Zeit zwischen den beiden Parteien verabschiedet wurden. Nur wenige Jahre vor Ausbruch des Sezessionskriegs schien dieser scheinbare, durch Kompromiss aufrechterhaltene, Frieden zu kippen, als der Oberste Gerichtshof von Amerika 1857 das Dred Scott vs. Sandford Urteil fällte, das die komplette Situation umkrempelte und die unüberbrückbaren Differenzen in der Union wieder öffentlich machte.

Hierbei stellt sich nun die Frage, ob das Dred Scott Urteil als Auslöser für den Bürgerkrieg angesehen werden kann. Um dies klären zu können, muss zuerst durch Erläuterung des historischen Hintergrunds in die Thematik eingeführt werden. Daraufhin werden kurz die wichtigsten Etappen im Leben des Namensgeber des Urteils, Dred Scott, angesprochen. Im Hauptteil werden die wichtigsten Entscheidungen in dem Rechtsstreit Dred Scott vs. Sandford erläutert, wobei speziell die Urteilsentscheidung des Obersten Gerichtshof im Zentrum stehen soll. Dabei soll auch geklärt werden, inwiefern dieses Urteil das politische Machtsystem aus den Angeln gehoben hat und den Weg in den Bürgerkrieg geebnet hat.

2. Vorgeschichte

Seit 1830 bewegten sich die Nord-und Südstaaten zunehmend in verschiedene Richtungen und betonten dabei ihre Position in einem Wechselspiel zwischen offensiver und defensiver Haltung.[1] Die grundsätzliche Frage über den Status neu gewonnener Staaten entbrannte 1849 erneut als Kalifornien den Antrag stellte, als sklavenfreier Staat in die Union aufgenommen zu werden. Wie im Fall Missouri wurde Senator Henry Clay als Vermittler aufgerufen, der vorschlug, Kalifornien sklavenfrei zu halten, wogegen dann die Territorien in New Mexico und Utah selbst über ihren Status bestimmen durften.[2] Dem Süden blieb nichts anderes übrig, als dem Kompromiss zuzustimmen: Kalifornien wurde als freier Staat aufgenommen, das Oregon-Gebiet blieb sklavenfrei, die Sklavenfrage in den verbleibenden Territorien New Mexico und Utah wurde freigestellt. In Dictrict of Columbia, der Bundeshauptstadt, wurde der Sklavenhandel, aber nicht die Sklaverei an sich verboten, und man verabschiedete ein strenges Gesetz zur Ergreifung und Rückführung entflohener Sklaven, das „Fugitive Slave Law“.[3] Noch einmal hatten sich die Gemäßigten durchgesetzt und die Union gerettet, doch der Norden klagte über zu viele Zugeständnisse und allen Beteiligten wurde klar, dass hier wieder keine dauerhafte Lösung erzielt worden war, sondern das Problem wieder nur kurzzeitig aufgeschoben wurde.[4]

Der Nord-Südkonflikt wurde radikalisiert durch das Kansas-Nebraska-Gesetz von 1854, das unter dem Schlagwort der Volkssouveränität, den Territorien Kansas und Nebraska selbst überlassen wollte, ob sie die Sklaverei einführen wollten oder nicht, womit der Missouri Kompromiss aufgegeben wurde. Dieser Kompromiss hatte alle Gebiete im „Lousiana Purchase“ oberhalb des 36. Breitengrades als sklavenfrei festgelegt.[5] Die erste gewählte Regierung war für die Sklaverei und erließ sogleich Gesetze zur Einschränkung der Presse- und Versammlungsfreiheit, die die Sklavereigegner treffen sollten. Als Reaktion wurde Kansas Schauplatz von blutigen Auseinandersetzungen zwischen Abolitionisten und Sklavereibefürwortern, bei denen einige Hundert Menschen umkamen. Schließlich wurde ein Volksentscheid in Kansas abgehalten, der mehrheitlich gegen die Sklaverei stimmte und Kansas deshalb 1861 als freier Staat in die Union aufgenommen wurde.[6]

[...]


[1] Jörg Nagler: Territoriale Expansion, Sklavenfrage, Sezessionskrieg, Rekonstruktion, 1815-1877, in: Peter Lösche (Hg.): Länderbericht USA. Geschichte, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, 4. aktualisierte und neu bearb. Aufl., Frankfurt [u.a.] 2004, S. 42-69, S. 59. (im Folgenden zitiert als: Nagler, Sklavenfrage)

[2] Nagler: Sklavenfrage, S. 60.

[3] Michael Wala: Die USA im 19. Jahrhundert, in: Philipp Gassert/ Mark Häberlein/ Michael Wala (Hgg.): Kleine Geschichte der USA, Stuttgart 2007, S. 187-345, S. 287f. (im Folgenden zitiert als: Wala: USA)

[4] Horst Dippel: Geschichte der USA, 4. überarb. Aufl., München 2001, S. 50f. (im Folgenden zitiert als: Dippel: USA)

[5] Paul Finkelman: Dred Scott v. Sandford. A Brief History with Documents, Boston [u.a.] 1997, S. 9f. (im Folgenden zitiert als: Finkelman: Scott)

[6] Oliver Demny: Rassismus in den USA. Historie und Analyse einer Rassenkonstruktion, 1. Aufl., Münster 2001, S. 102f. (Im Folgenden zitiert als: Demny: Rassismus)

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Das Dred Scott-Urteil als Auslöser für den amerikanischen Bürgerkrieg?
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V273000
ISBN (eBook)
9783656649496
ISBN (Buch)
9783656649489
Dateigröße
413 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sezession, Amerikanischer Bürgerkrieg, Bürgerkrieg, Amerika, Dred Scott, Dred Scott vs. Sanford, Urteil
Arbeit zitieren
Mishel Marcus (Autor), 2012, Das Dred Scott-Urteil als Auslöser für den amerikanischen Bürgerkrieg?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273000

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