In dieser Hausarbeit soll die Migration von Arbeitskräften aus der Türkei nach Deutschland thematisiert
werden. Darüber hinausgehend werden die Ursachen der Gastarbeiterwanderungen in den
Herkunftsländern anhand des Beispiels Türkei, die Anreize im Zielland Deutschland und die Motive der
Arbeiter selbst dargestellt.
Die Türkei ist seit Ende der 60er Jahre eines der Hauptabgabeländer von Arbeitskräften geworden,
obwohl sie in der internationalen Migrationsbewegung erst relativ spät in Erscheinung trat. Die
Bundesrepublik Deutschland stellt dabei das primäre Empfängerland für türkische Arbeitsmigranten dar.
Internationale Arbeitsmigration bedeutet in diesem Sinne die temporäre grenzüberschreitende Wanderung
zwecks Beschäftigungsaufnahme, die sich von gesellschaftlich und wirtschaftlich unterentwickelten
Ländern in Industrieländer vollzieht, wie in diesem Fall aus der Türkei nach Deutschland.
Anfang 1960 migrierten erstmals türkische Arbeitskräfte nach Westeuropa. Bis 1970 stieg die Zahl auf bis
zu eine Million Migranten und entwickelte sich zu einem Massenphänomen.
Hauptgrund für die Arbeitsmigration der Gastarbeiter nach dem zweiten Weltkrieg ist die unterschiedliche
wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland und der südeuropäischen Staaten.
So profitiert Deutschland in der Zeit des „Wirtschaftswunders“ der 50er Jahre vom schnellen Aufschwung
nach dem zweiten Weltkrieg, während viele Menschen in den Staaten des Mittelmeerraums, wie zum
Beispiel der Türkei, arbeitslos sind und unter ihrer wirtschaftlichen Lage leiden müssen.
Die hohe Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland wirkt auf die Gastarbeiter folglich wie ein Pull-
Faktor. Die dürftige finanzielle Situation im Heimatland bestärkt als Push-Faktor zusätzlich die
Entscheidung zur Arbeitsmigration ins Ausland. Hinzu kommt die individuelle Migrationsmotivation der
türkischen Arbeitskräfte und deren Familien, die diese Menschen dazu bewegt, ihr Land zu verlassen und
nach Deutschland zu migrieren.
Diese drei Faktoren: das Herkunftsland Türkei, das Aufnahmeland Deutschland und die Ziele der
Migranten, die die Ursachen der Migration türkischer Arbeitskräfte darstellen, werden in dieser
Hausarbeit behandelt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Die Theorie des segmentierten Arbeitsmarktes nach Piore von 1979.
2.2 Die Weltsystemtheorie nach Wallerstein von 1974.
2.3 Die Humankapitaltheorie nach Sjaastad unter Einbezug von Todaro.
3. Ursachen für die Migration in der Türkei
3.1 Probleme in der türkischen Wirtschaft
3.2 Die türkische Regierung im Umbruch
3.3 Das Interesse der Türkei
4. Ursachen in der Bundesrepublik
4.1 Das Wirtschaftswunder
5. Die Ziele der türkischen Migranten
6. Diskussion
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der Migration türkischer Arbeitskräfte nach Deutschland in den 1960er Jahren, indem sie die ökonomischen sowie politischen Push- und Pull-Faktoren analysiert und die individuellen Beweggründe der Migranten in den Kontext theoretischer Migrationsansätze stellt.
- Analyse theoretischer Erklärungsmodelle zur internationalen Arbeitsmigration.
- Untersuchung struktureller wirtschaftlicher Probleme und politischer Umbrüche in der Türkei als Auslöser für die Emigration.
- Betrachtung der ökonomischen Situation in der Bundesrepublik Deutschland während des Wirtschaftswunders.
- Darstellung der individuellen Ziele und Erwartungen der türkischen Arbeitsmigranten.
- Zusammenführung von historischer Entwicklung und theoretischer Einordnung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Probleme in der türkischen Wirtschaft
Die Türkei zählte zu denjenigen Ländern, die unter einem massiven Arbeitskräfteüberschuss litten, welcher aus der ausgeprägten Unterbeschäftigung resultierte. Gründe dafür waren die Mechanisierung der Landwirtschaft, die beschleunigte Industrialisierung und das starke Bevölkerungswachstum in den 1950er Jahren. Diese Faktoren, die zunächst eine Binnenmigration vom Land in die Industriezentren auslösten und die soziale Struktur der Türkei veränderten (Vgl. Honn 2005:33), werden im Folgenden genauer erläutert.
In der türkischen Republik setzte ab etwa 1930 eine importsubstituierende Industrialisierung nach kapitalistischem Muster ein, die zunächst vom Staat getragen wurde, da ein einheimisches Bürgertum erst in Ansätzen vorhanden war und sich erst in den 40er Jahren etablierte. Der Staat griff mit Interventionsmaßnahmen in die Wirtschaft ein und war ein bedeutender Faktor bei der industriellen Entwicklung der Türkei. So wurden zum Beispiel eigene Industrieunternehmen sowie Banken errichtet und Fünfjahres-Pläne für die Entwicklung der Industrie aufgestellt.
Seit der Phase der exportorientierten Wirtschaft konzentrierte sich der Binnenmarkt hauptsächlich auf die Produktion von Luxusgütern, um dem Konsumverhalten der einkommensstarken Schichten nachzukommen. Auch die Produktion der importsubstituierenden Industrie entwickelte sich durch diese Nachfrage zugunsten des Bedarfs der gehobenen Stadtbevölkerung und zuungunsten des Bedarfs der breiten Bevölkerung. Die Nachfrage hatte ihren Ursprung somit in der privilegierten Schicht, die Masse der Bauern, Handwerker und Arbeiter verfügten nur über geringe Kaufkraft. Aufgrund dieser ungleichen Einkommensverteilung war die Nachfrage verzerrt und der Binnenmarkt begrenzt und deformiert. Die Errichtung von Industrien wurde dadurch wesentlich eingeschränkt (Vgl. Leopold 1978:23-25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird der Untersuchungsgegenstand definiert und die Forschungsfrage zur Migration türkischer Arbeitskräfte sowie die methodische Vorgehensweise skizziert.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Migrationstheorien wie die Theorie des segmentierten Arbeitsmarktes, die Weltsystemtheorie und die Humankapitaltheorie vorgestellt, um das Phänomen wissenschaftlich einzuordnen.
3. Ursachen für die Migration in der Türkei: Dieses Kapitel analysiert die Push-Faktoren in der Türkei, einschließlich wirtschaftlicher Strukturdefizite, landwirtschaftlicher Umbrüche und politischer Veränderungen der Ära.
4. Ursachen in der Bundesrepublik: Der Fokus liegt hier auf den Pull-Faktoren in Deutschland, primär dem Bedarf an Arbeitskräften während des „Wirtschaftswunders“ und der Anwerbepolitik.
5. Die Ziele der türkischen Migranten: Hier werden die individuellen Motive, Hoffnungen und langfristigen Pläne der Migranten basierend auf verschiedenen Studien detailliert dargelegt.
6. Diskussion: Dieses Kapitel verknüpft die empirischen Befunde zur türkischen Migration mit den eingangs erläuterten theoretischen Modellen.
7. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und bekräftigt das Zusammenspiel von Push-Faktoren, Pull-Faktoren und individuellen Migrationszielen.
Schlüsselwörter
Türkei, Deutschland, Arbeitsmigration, Gastarbeiter, Wirtschaftswunder, Migrationstheorie, Arbeitsmarkt, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Industrialisierung, Landflucht, Migrationsmotive, Strukturdefizite, Humankapital, ökonomische Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Migration türkischer Arbeitskräfte nach Westeuropa, mit speziellem Fokus auf Deutschland, in den 1960er Jahren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Erklärungsansätze für Migration, die wirtschaftlichen sowie sozialen Ursachen in der Türkei und die ökonomische Arbeitskräftenachfrage in der Bundesrepublik Deutschland.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Gründe für die Migration türkischer Arbeitskräfte zu erklären, indem das Zusammenspiel von Herkunftsland-Faktoren, Aufnahmeland-Faktoren und individuellen Zielen analysiert wird.
Welche wissenschaftlichen Theorien werden verwendet?
Die Autorin nutzt die Theorie des segmentierten Arbeitsmarktes (Piore), die Weltsystemtheorie (Wallerstein) sowie die Humankapitaltheorie (Sjaastad/Todaro).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Migrationstheorien erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der wirtschaftlichen und politischen Ursachen in der Türkei sowie der Situation auf dem deutschen Arbeitsmarkt während des Wirtschaftswunders.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Gastarbeiter, Arbeitskräftemangel, Wirtschaftswunder, Strukturdefizite in der Türkei und individuelle Migrationsziele.
Warum wurde Deutschland als primäres Zielland gewählt?
Laut Text war die Bundesrepublik Deutschland aufgrund der deutsch-türkischen Freundschaft, der Rolle Deutschlands als bedeutender Handels- und Bündnispartner und der wahrgenommenen Chancen durch das Wirtschaftswunder das beliebteste Zielland.
Welche Rolle spielte die Mechanisierung der Landwirtschaft in der Türkei?
Die Mechanisierung führte zu einem Überangebot an Arbeitskräften, da viele Bauern ihre Existenzgrundlage verloren, was den Migrationsdruck aus ländlichen Gebieten in die Städte und ins Ausland massiv erhöhte.
- Arbeit zitieren
- Luisa Eilers (Autor:in), 2014, Erklärung der Migration türkischer Arbeitskräfte nach Westeuropa in den sechziger Jahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273023