Global Cities und deren herausragende Rolle im Wirtschaftsgeschehen und Städtenetzwerk


Hausarbeit, 2006
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Globalisierung

3. Global Cities
3.1 Netzwerke und Hierarchien
3.2 Global Cities im Raum
3.3 Global Cities und ihre Region
3.4 Global Cities/Sub-global-cities: Europa
3.5 Ungleichheiten

4. Die Global City London

5. Fazit

6. Literatur

7. Abbildungen

1. Einleitung

Wir befinden uns in einer Zeit mit weltweit zunehmender Mobilität in den verschiedensten Perspektiven. Das Zeitalter der Kommunikations- und Informationstechnologie in der Daten - und Informationsübertragung innerhalb kürzerster Zeit erledigt werden können und räumliche Distanzen leicht zu überwinden sind. Eine Zeit etwa in der es keine Grenzen mehr gibt? Die Wirtschaft heutzutage ist nicht mehr nur auf die Grenzen ihrer Nationalstaaten begrenzt. Allerdings sind nicht nur die ökonomischen Sichtweisen hier von großer Tragweite, sondern auch die kulturellen, politischen und sozialen Gesichtspunkte. Es bilden sich neue Strukturen heraus. Insgesamt ist eine Zentralisierung an Entscheidungsmacht und Kapitalströmen zu verzeichnen. Knotenpunkte und Machtzentren an Infoströmen, Kultur und Investitionen heben sich hervor. Die Ansammlung von Kontrollkapazitäten ist der Grund, dass einige Städte weltweit eine überragende Stellung erringen. So kam es zur Entstehung von Global Cities. Wegen des kontinuierlichen Zuwachs an wirtschaftlicher Bedeutung und der Konzentration von Wirtschaftsaktivitäten, scheint die räumliche Nähe also doch eine wichtige Rolle im Wirtschaftsgeschehen zu spielen und Global Cities scheinen all dies zu bündeln. Was steckt dahinter? Wodurch zeichnen sich diese Global Cities aus? Dies sind Fragen, auf die ich im folgenden weiter eingehen möchte um die Bedeutung dieser Städte und deren Auswirkungen im ganzen Städtesystem-und Netzwerk und Wirtschaftsgeschehen genauer zu beleuchten.

2. Globalisierung

Globalisierung wurde in den letzten Jahren zu einem häufig genannten Begriff, der verschiedenen Meinungen nach erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Es handelt sich um einen Prozess der Vertiefung wirtschaftlicher, kultureller und sozialer Beziehungen durch die zunehmende Integration von Märkten und Produktionssystemen. Die wirtschaftlichen Tätigkeiten haben sich in den letzten Jahren raschem Wandel unterzogen .Während früher der primäre und sekundäre Sektor(Landwirtschaft und Industrieproduktion) die Wirtschaft bestimmten, so wuchs seit Anfang der achtziger Jahre die Bedeutung des tertiären Sektors erheblich. Der internationale Handel bildet weiterhin einen wichtigen Tatbestand der globalen Wirtschaft, während er früher überwiegend durch die industrielle Produktion bestimmt war, wird der Welthandel heutzutage von den internationalen Finanzströmen ( in Form von Anleihe und Wertpapier oder Devisengeschäften) bestimmt und in den Schatten gestellt. Der Handel änderte sich in den achtziger Jahren äußerst, da spezialisierte Dienstleistungen und die Transaktionen auf den Finanzmärkten sowohl in ihrer Anzahl, als auch im Umfang schnell zunahmen.1 Diese Dominanz des Dienstleistungssektors trug erheblich zur Globalisierung bei und der extreme Bedeutungszuwachs der Finanzmärkte deckte den Bedarf der transnationalen Konzerne,( Firmen mit Zweigniederlassungen ) die sich nun immer mehr verbreiten konnten und Druck auf die Nationalstaaten ausübten. In diesem Zuge stiegen die Auslandsdirektinvestitionen äußerst und dies zeigt den starken Einfluss der Unternehmen. Die Zunahme der Investitions- und Handelstätigkeit in der sogenannten Triade - U.S.A, Westeuropa, Japan - wurde gestärkt und zwischen 1986 und 1990 nahmen die Ströme an Auslandsdirektinvestitionen in den Industrieländern jährlich um 24% zu. Es zeichnete sich somit eine starke Konzentration im Finanzgewerbe ab.2 Dienstleitungsströme und transnationale Dienstleistungsunternehmen wurden zu einem wesentlichen Bestandteil der Weltwirtschaft. Für die Durchführung solcher wirtschaftlicher Aktivitäten benötigen die Unternehmen eine gut ausgebaute und hochentwickelte Infrastruktur, sowie ein äußerst dichtes Netz an Telekommunikationsanlagen. Ein guter Standort dafür ist die Stadt. Eigentlich ermöglicht die Informations- und Kommunikationstechnologie die Durchführung und Abwicklung von Geschäften an den gewünschten Standorten. Doch durch die Komplexität der Transaktionen ist nun fraglich ob sich dies tatsächlich an jedem beliebigen Standort durchführen lässt. Für globale Wirtschaftsabläufe sind zentrale Orte erforderlich, an denen Globalisierung auch realisiert werden kann.

Es ist von großer Bedeutung, dass die benötigte materielle Infrastruktur an strategischen Knotenpunkten konzentriert zur Verfügung steht. Die Rolle der Stadt wird weiter gestärkt und führende Städte wie New York, London, Tokio heben ihre wirtschaftlichen Funktionen in einer globalen Wirtschaft hervor. Solche Städte hatten schon in der Vergangenheit tragende Bedeutung aufgrund ihrer besonderen Position, die sie durch bestimmte Funktionen auszeichnete.3 Somit zeigt sich, dass die Rolle der Stadt über eine längere Entwicklung hinweg, gerade in den letzten Jahren noch an Wichtigkeit dazu gewann. Diese Entwicklungen wurden bereits von Geddes (1915) geschildert und unterstreichen damit die Hervorhebung der Stadt im Prozess der wirtschaftlichen Globalisierung.4

Da die Veränderung der Wirtschaft hin zu einem Finanz- und Dienstleistungsgewerbe begleitet wird, führt es dazu, dass die größeren Städte als Schauplatz bestimmter Aktivitäten und Funktionen an Bedeutung gewinnen.5 Geddes definierte diese größeren Städte, sogenannte „world cities“ anhand ihrer Funktionen und so auch Hall (1960). Diese an Bedeutung gewinnenden größeren Städte bezeichnete Sassen als „global cities“, denen nunmehr eine strategische Rolle zukam.

3. Global Cities

Wie bereits erwähnt benötigen grenzüberschreitende, weltweite Wirtschaftsabläufe zentrale Orte. Haben sich die Funktionen der Städte in einer globalen Wirtschaft denn verändert? Spielen die Großstädte eine ganz neue Rolle und hängt dies tatsächlich mit dem globalen Wirtschaftssystem zusammen? Gerade das beidseitige bestehen von globaler Streuung und Integration wirtschaftlicher Tätigkeiten trägt dazu bei, dass bestimmten größeren Städten eine tragende Rolle zukommt. Diese Städte bezeichnet Sassen als „global cities“. Was steckt hinter dieser Bezeichnung?

Es gibt ein Entwicklungsmodell, der sogenannte Global-City-Ansatz, dieser geht vom finanzindustriellen Sektor aus, wodurch Städte sowohl als Zentralen der globalen Ökonomie, als auch Orte eines kosmopolitischen Milieu der Dienstleistungsgesellschaft angesehen werden.

Global Cities bringt als Konzept eine neue Verteilung von Streuung und Zentralisation hervor. Die globale Wirtschaft benötigt die Bündelung von Kontroll- und Steuerungsfunktionen und dies wiederum ließ die Konzentration ökonomischer Macht bestimmter Städte steigen. Diese Global Cities sind bedeutender denn je. Sie sind zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungs- und Telekommunikationsinstitutionen, wie man es für die Durchführung und das Management weltweiter wirtschaftlicher Aktivitäten erfordert. In diesen Städten sammeln sich meist die großen Konzernzentralen an. Global Cities sind hochkonzentrierte Kommandozentralen in der Organisation der Weltwirtschaft und Schlüsselstandorte für führende Wirtschaftszweige(Finanzwesen und spezialisierte Dienstleitungen), sowie Produktionsstandorte der Gewerbezweige wozu auch die Produktion von Innovationen gehört.6 Eine weitere Umschreibung für Global Cities ist die „world city“. Eine Großstadt mit überproportionalen Anteil an weltweiten sozio- ökonomischen Verflechtungen in den Bereichen Politik, Wirtschaft, Kultur und der Betonung des kosmopolitischen Charakters dieser Städte.7 Neben der langen Geschichte, die diese Städte als Zentren internationalen Handels und Bankwesen zu verzeichnen haben, funktionieren sie also auch in anderen Bereichen.8 Die Veränderungen in den Funktionsweisen der Städte haben auch ihren Einfluss auf die internationalen, ökonomischen Aktivitäten und die urbane Form gefunden. Wodurch im speziellen dieser neue Typus Stadt , die Global City , entstanden ist. Einige dieser Städte ragen im weltweiten Verständnis heraus, da sie wichtiger erscheinen als andere, sie haben sich hervorgetan als „command and control centres of global capitalism“.9 All die komplexen Veränderungen und Fortschritte in der Telekommunikationstechnologie oder die Deregulierung der Märkte schuf als ein Produkt hiervon solche Städte, „ nodal points that function as control centres for the interdependent skein of material, finance and cultural flows, which together, support and sustain globalization “.10

Die Finanz- und Dienstleistungsmärkte, sowie die weltweiten Investitionstätigkeiten bilden einen wichtigen Bestandteil internationaler Transaktionen.

Für diese wiederum liegt ein großer Bedarf an Steuerungsfunktionen und speziellen Dienstleistungen vor. Die Handhabung solcher Wirtschaftstätigkeiten verlangt neue Formen der Konzentration und Systemintegration. Städte werden somit bedeutender und keineswegs obsolet.11 Es kam somit zu keiner Dezentralisierung der zentralen Kontroll- und Steuerungsfunktionen, sondern regelrechte Konzentrationsmuster lassen sich erkennen. „... the more globalized the economy becomes, the higher the agglomeration of central functions in a relatively few sites, that is, the global cities“.12 Gerade durch die Telekommunikationstechnik hat sich die Agglomeration bestimmter zentraler Aktivitäten somit scharf erhöht, denn eine territoriale Streuung der Wirtschaftstätigkeit schafft diesen umfassenden Bedarf zentraler Managementfunktionen.13 Sassen und ebenso Castell stellen bei der Definition von Global Cities die Bildung von Netzwerken in den Vordergrund. Städte sind mehr als nur Orte mit Transaktionen, diese Städte sind Teile eines globalen Netzwerkes und stehen in ständiger Verbindung und Austausch miteinander.

3.1 Netzwerke und Hierarchien

Im Zuge der Internationalisierung und Deregulierung der Finanzmärkte kommt es zu weitreichenden Entwicklungen, die Städte miteinander verknüpfen. So scheint es, dass die Städte nicht nur zueinander in Konkurrenz stehen, sondern auch ein wirtschaftliches System bilden. Die Städte stehen in unterschiedlichen Arten und Verhältnissen miteinander in Verbindung, besonders in den Bereichen Finanzwesen und Investition, dies wiederum lässt einen Rückschluss zu, dass sie tatsächlich ein System darstellen. Das stetige Wachstum von Städten wie New York, London, Frankfurt ist ein Teil der Funktionen im globalen Netzwerk der Finanzzentren.14 Solche führenden Zentren bleiben also Merkmale eines globalen Systems. Gibt es denn eine globale, urbane Hierarchie? Friedman (1986) erstellte eine „world-city-hypothesis“ und benutzte ein Cluster von transnationalen Headquarters (Hauptverwaltungen der Unternehmen) um London, Tokio, New York, Paris, Randstad als die Plätze an der Spitze einer Hierarchie herauszufiltern.15 Insgesamt stellte er sieben Weltstadthypothesen auf unter anderem dass einzelne Städte vom Kapital als „basing points“ (sog. Stützpunkte) zur räumlichen Ordnung von Produktion und Markt genutzt werden oder wichtigste Orte der Konzentration und Akkumulation von internationalem Kapital sind. Er definierte diese Weltstädte anhand Kriterien wie Hauptzentren von transnationalen Unternehmen sowie Umfang und Dynamik unternehmensorientierter Dienstleistungssektoren. Er unterscheidet zwischen Städten erster und zweiter Ordnung (primacy, secondary). Zu den primacy Zentren zählen Städte mit höchstrangigen Kontroll/Finanz/Dienstleistungsfunktionen beispielsweise London, New York, Paris, Rotterdam, Frankfurt, Los Angeles. Die Funktionen der secondary Zentren haben einen geringeren Stellenwert darunter fallen Madrid, Boston, Sydney. Außerdem ergibt sich der Rang einer Stadt ebenso inwieweit eine Stadt fähig ist weltweite Investitionen anzuziehen.

Allen (1999) argumentierte dass Weltstädte eher als ein Prozess angesehen werden sollten, platziert in einem Netzwerk bestehend aus Flüssen, (Info, Kapital) denn als spezifische Orte.16 World Cities repräsentieren eine alternative Metageograhie eines von Netzwerken eher, als ein Mosaik aus Staaten bestehend. Die Verteilung von Hauptverwaltungen in Städten in eine Art Rangfolge zu bringen wurde inzwischen üblich. Castell (1996) bezeichnete die Ökonomie als eine die durch „...space of flows..“ funktioniert und somit ein Netzwerk bildet aus verschiedenen Levels bestehend. Eines davon ist das world city-network. In diesem world-city-network sind die Produktion und Konsumption fortgeschrittener Dienstleistungen miteinander weltweit verbunden.17 Die Bedeutung einer Stadt wird meist anhand von Funktionen und Wirkungsgraden ermittelt, hierbei spielen die Art von Dienstleistungen und deren Dichte eine enorme Rolle. Meist liegt das Augenmerk auf den Bereichen:

Werbung, Finanzwesen, Rechtswesen oder Accounting. Und hieraus lässt sich dann die world-cityness ableiten. Es kann dann der Vernetzungsgrad der Städte oder deren Beziehungen zueinander festgestellt werden. (Abb.1a,1b) Das Raster von 55 Weltstädten ist in 3 Levels unterteilt: 10 Alpha Cities, 10 Beta Cities und 35 Gamma Cities. Das höchste Level bilden die Alpha Cities wie z.B. Chicago, Frankfurt, London, New York. Diese Städte zeigen uns wie die Beziehungen zwischen den Städten genauer bestimmt werden können. Sie werden versorgt über drei Regionen, die als die bedeutenden Globalisierungsarenen bezeichnet werden, nämlich; U.S, Western Europe, Pacific Asia.18 Für Analysen der Weltwirtschaft gelangt man meist zu ähnlichen Ergebnissen, auf höchster Ebene stechen das Trio- New York, London, Tokio - heraus und zeigen deren Dominanz auf dem Finanzsektor. (Abb.2)

3.2 Global Cities im Raum

Kann man durch die Entwicklungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie seine Unternehmen nun an jedem Ort ansiedeln? Die Vorstellungen von Raumlosigkeit bezogen auf Wirtschaftsaspekte gleicht wohl eher einer Illusion. Denn gerade Unternehmen sind abhängig von infrastrukturellen Einrichtungen um ihren wirtschaftlichen Abläufen effizient nachzukommen. Diese Ressourcen, Struktur der Verkehrsknoten oder materielle Einrichtungen wie Bürokomplexe, Arbeitskräfte, konzentrieren sich in Orten. Städte sind solche Orte an denen konkrete Wirtschaftsabläufe getätigt werden.19 Unternehmensorientierte Dienstleistungen werden je nach Komplexität und Bedarf auf allen Ebenen (regionalen, subnationalen, globalen Märkten) in Städten erbracht. Denn in den Global Cities findet sich konzentrierte Wirtschaftsmacht. Diese Städte bieten ein strategisches Terrain für ihre Unternehmungen und zeigen die Bedeutung des Raums.

[...]


1 Vgl. Sassen, 1997 S.28-30

2 Vgl. Sassen, 1997 S.31-33

3 Vgl. Hall 1997

4 Geddes: Cities in Evolution

5 Vgl. Sassen 1997 S.20

6 Vgl. Sassen 2001 S.3-5

7 Vgl. Hall 1966

8 Vgl. Readings in Urban Theory S.62-63

9 Vgl. Beaverstock 2000

10 Vgl. The urban geography reader: Knox 2002 S.60

11 Vgl. Sassen 1997 S.40

12 Vgl. Readings in Urban Theory S.63

13 Vgl. Sassen 1997 S.43

14 Vgl. Sassen 2001 S. 172-174

15 Vgl. Beaverstock, Smith 2000

16 Vgl. Beaverstock, Smith 2000

17 Vgl. The urban geography reader S. 67

18 Vgl. Beaverstock 2000

19 Vgl. Sassen 1997 S.165

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Global Cities und deren herausragende Rolle im Wirtschaftsgeschehen und Städtenetzwerk
Hochschule
Universität Mannheim  (Fakultät für Volkswirtschaftslehre - Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie)
Veranstaltung
Stadtökonomie
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V273065
ISBN (eBook)
9783656647683
ISBN (Buch)
9783656647652
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftsstandort, Städtenetzwerk, Global City, Stadt
Arbeit zitieren
Irina Unger (Autor), 2006, Global Cities und deren herausragende Rolle im Wirtschaftsgeschehen und Städtenetzwerk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273065

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