Markus Werners Romane als spätmoderne Kritik der Postmoderne

Eine literaturwissenschaftliche Annäherung


Lizentiatsarbeit, 2007
90 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung - Nähe und Distanz

Hauptteil - Die Position der Ambivalenz
Theoretisches Präludium: Das Problem der Autorschaft
Praktisches Präludium: Autor und Kritik
Der Roman zwischen Spätmoderne und Postmoderne
Markus Werners Romane als spätmoderne Kritik der Postmoderne
Die Wirklichkeit - zwischen Gesellschaftskritik und Partikularisierung
Das Subjekt - zwischen Autonomie und Heteronomie
Das Erzählen - zwischen Sinnstiftung und Offenheit

Schlusswort - Am Rand der Postmoderne

Literaturverzeichnis

Einleitung - Nähe und Distanz

"Alles dreht sich. Und alles dreht sich um ihn."

"Allein das Zögern ist human."(AH: 5, 92)[1]

Wenn im Folgenden eine literaturwissenschaftliche Annäherung an Markus Werners Romane erschrieben werden soll, muss zunächst die dafür angebrachte Mindestdistanz gefunden werden. Walter Benjamin empfiehlt sich mit einem Zitat: "Der Erzähler - so vertraut uns der Name klingt - ist uns in seiner lebendigen Wirksamkeit keineswegs durchaus gegenwärtig. [...] Einen Lesskow [oder eben Werner] als Erzähler darstellen heisst nicht, ihn uns näher zu bringen, heisst vielmehr den Abstand zu ihm vergrössern."[2] Passend dazu kann auch Markus Werner selbst zitiert werden, der in einem Interview über seine Erfahrung mit dem Schreiben sagt: "Das Schreiben ist [...] beides: Annäherung und Entfernung. Paradoxerweise ist das Ergebnis der Annäherung grössere Distanz."[3]

Da die vorliegende Arbeit in erster Linie monographisch verfährt, ist es unvermeidbar immer wieder auf den durchaus lebenden Autor Markus Werner zu verweisen, welcher zwar "in seiner lebendigen Wirksamkeit keineswegs durchaus gegenwärtig" ist, sondern lediglich als Urheber der zu untersuchenden Texte. Ebenso unvermeidbar sind hier bereits erste theoretische Vorbehalte, denn nur eine selbstkritische Verwendung des Autorbegriffs kann der heutigen literaturtheoretischen Situation gerecht werden. Wie Jannidis et al. feststellen, ist "an die Stelle konsensbestimmter Annahmen über die zulässigen Umgangsweisen mit dem Autor [...] eine offene Situation getreten. Sie ist keineswegs schon per se aufgeklärter als die alte."[4]

Wenigstens vorläufige, heuristische Klarheit hinsichtlich dieser Arbeit kann deshalb nur eine theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Autorschaft schaffen, welche im ersten Kapitel der Arbeit angegangen wird. Dies soll grundsätzlich der Distanzierung vom unkritischen Grundverdacht dienen - der wohl jeden Leser zeitweilig heimsucht -, dass jeder Schreibende "auch in der bizarrsten Verkleidung sich und nur sich meint" (ZA: 29). Barthes formuliert diesbezüglich klar und deutlich: "Der (in der Erzählung) Sprechende ist nicht der (im Leben) Schreibende, und der Schreibende ist nicht der Seiende"[5]. Trotzdem verweist die Schrift auf ihn - der Verdacht bleibt, wenngleich man ihn sich theoretisch vom Leib zu halten sucht. Was bleibt, ist die prekäre Mittellösung.

Nach diesem 'theoretischen Präludium' wird in einem 'praktischen Präludium' auf den Autor Markus Werner und auf die Rezeption seiner Romane eingegangen. Als erste umfangreichere literaturwissenschaftlich motivierte Arbeit gilt es sich von der grossen Anzahl literaturkritischer Textsorten (Rezensionen, Laudationes, Hommages) zu distanzieren, ohne jedoch deswegen darauf zu verzichten, im zweiten Kapitel der Arbeit (und bei Bedarf auch später) einen Seitenblick darauf zu werfen. Ausserdem interessiert hier - unter den vorher beschriebenen Vorbehalten -, wie sich Markus Werner selbst in Reden und Interviews zu seiner Rolle als Autor sowie zu seinen Romanen äussert. Ähnlich wie in Martin Ebels aktueller Monographie zum Werk von Markus Werner, soll es ausdrückliches Ziel dieser Arbeit sein, dass sie "Entlegenes sammelt, Verstreutes bündelt und Neues präsentiert"[6]. Da bisher noch keine grösseren Arbeiten zu Markus Werners Romanen vorliegen, wird ein breit gefächerter, inklusiver Ansatz der vertieften, exklusiven Auseinandersetzung eines einzelnen Aspekts vorgezogen.

Nebst den bei Ebel gesammelten Texten, welche durchaus erste Ansätze eröffnen, werden den Romanen aber im Verlauf der Arbeit vermehrt allgemeinere literaturtheoretische Kontexte zur Seite gestellt. Während Literaturkritik in erster Linie als Teil der 'Kulturindustrie' zwischen Autor und Lesern zu vermitteln versucht, so werden in einem weiteren Schritt produktive Anknüpfungspunkte zwischen Markus Werners Romanen und theoretischen Diskursen gesucht (z.B. zur Roman- oder Subjekttheorie oder zur Moderne/Postmoderne-Diskussion). Mit Zima, dessen Publikationen oftmals als theoretische Grundsteine dienen, kann gesagt werden: "Es geht hier [...] nicht um Literaturkritik. Auch eine kritische Literaturtheorie, die sich von den Illusionen des positivistischen Objektivismus und der Wertungsfreiheit [...] emanzipiert hat, sollte zunächst eine beschreibende, verstehende und erklärende Funktion erfüllen."[7] Die Ablösung der Literaturkritik durch Literaturtheorie im dritten Kapitel 'Der Roman - zwischen Spätmoderne und Postmoderne' soll weitgehend diesen Zweck erfüllen. Nach diesem einführenden Kapitel zur Romantheorie Zimas, folgt eine thematische Einleitung in Markus Werners Romane. Diese werden anschliessend im Spannungsfeld zwischen Spätmodeme und Postmoderné kontextualisiert. In Anlehnung an Zimas Theorie der Modeme/Postmodeme und - man darf es nicht verhehlen - auch auf Grund der sich vehement gegen die postmoderne 'Gleichgültigkeit' richtenden Autorenkommentare, werden die Romane als spätmoderne Kritik der Postmoderne gelesen. Zima konstruiert, abstrakt formuliert, den Übergang von der Spätmodeme zur Postmoderne als Übergang von ambivalenten Wertsetzungen hin zur Indifferenz (was bei Zimajedoch nicht gleich zu setzen ist mit 'Gleichgültigkeit', sondern viel eher mit 'Austauschbarkeit'). Wenn in Markus Werners Romanen an den romankonstitutiven Werten der Gesellschaftskritik, des Subjektentwurfs sowie des Erzählens festgehalten wird, so geschieht dies einerseits polemisch in Abgrenzung zur Postmoderne, in welcher diese Konzepte tendenziell als letzter metaphysischer Ballast der Moderne verabschiedet wurden. Um aber nicht einer allzu konservativen ideologischen Gegenreaktion anheim zu fallen, können diese Konzepte andererseits nur ambivalent im Sinne der Spätmodeme realisiert und reaktualisiert werden: "Der Roman als ideologiekritischer Entwurf [...] muss zwangsläufig in eine aporetische Situation geraten, in der der Romancier eifrig den Ast absägt, auf dem er sitzt."[8]

Diese Ambivalenz, welche im Hauptteil der Arbeit anhand der Romane von Markus Werner und der drei Hauptachsen Wirklichkeit, Subjekt und Erzählen beschrieben wird, kann hier vorerst mittels dreier eigentlich unabhängigen Antworten aus einem Interview mit dem Autor angedeutet werden. Die Reihenfolge der Antworten wurde hier umgestellt - Textbeziehung ist ja immer auch Sache des Lesers...[9]

[Interviewer] Haben Sie einen gesellschaftspolitischen Anspruch? Ja, sicher, einen aufklärerischen. Ich will keine postmoderne Beliebigkeit, und ich hoffe, dass das spürbar wird.

Ich beschäftige mich mit Themen, die ich nicht fassen kann, mit Problemen, die nicht lösbar sind.

Alles, was ich sage, ist unzulänglich, vorläufig: Und das Prinzip Unsicherheit beherrscht alles. Es gibt nichts Festes. Mein Lieblingswort ist 'aber'.[10]

Mit Zima können wir vorläufig zu dieser Antwortmontage festhalten: "Das Problem der persönlichen Ambivalenz, das im Zusammenhang mit der allgemeinen Problematik einer vieldeutigen, opaken Wirklichkeit steht, kann aus dem gesellschaftlich-biographischen Kontext unmittelbar in den Romantext transponiert werden unter der Voraussetzung, dass es dort als narratives Problem erkannt und analysiert wird."[11] Anstatt also von Autoraussagen direkt auf die Romane zu schliessen, Bedarf es eines Umwegs.

Hauptteil - Die Position der Ambivalenz

Wenn nachfolgend die Debatte um das Problem der Autorschaft kurz rekapituliert und im nächsten Kapitel anhand der Interviews, Reden und der rezensorischen Sekundärliteratur aus Ebel (2006) in den Kontext der Rezeption gesetzt werden soll, so ist dies als eine erste Einführung in die Romane zu verstehen. Dies mag zwar widersinnig scheinen - wieso der Umweg, wenn es auch direkter ginge? -, doch aus dieser Perspektive lässt sich die heuristische Einsicht gewinnen, dass sich in der gegenwärtigen theoretischen Situation, da die Poststrukturalismen die zeitweilige Diskurshoheit verloren haben[12], nicht jedoch die Aktualität ihrer skeptischen Einsichten, eine ambivalente theoretische Positionierung anbietet, welche die Einheit gegensätzlicher Positionen (z.B. Autor oder Leser als Textproduzenten) im Verlauf der literaturwissenschaftlichen Annäherung mitzudenken versucht. Dies geschieht wiederum in Anlehnung an die theoretischen Publikationen von Zima, welcher, im Rahmen einer revidierten Kritischen Theorie, der postmodernen Indifferenz absagt und eine "theoretische Alternative zu den partikularisierenden, pluralisierenden und entdifferenzierenden Modellen der Nachmoderne"[13] - also der Postmoderne - vorschlägt, indem er Ambivalenz, Selbstkritik und Dialogizität (im Sinne Bachtins) zu theoretischen Prinzipien seines eigenen Diskurses macht.[14] Die in diesem Kapitel umrissene theoretische Ambivalenz wird später zu einem interpretatorischen Prinzip erhoben, welches die Diskussion um Markus Werners Romane anhand der Achsen Wirklichkeit, Subjekt und Erzählen bestimmen wird.

Theoretisches Präludium: Das Problem der Autorschaft

Wie einleitend bereits erwähnt, stellt uns die aktuelle Diskussion um die Problematik der Autorschaft vor eine offene Situation. Nachdem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die vormals oft konsensbestimmte interpretatorische Verfügungsgewalt des Autors über seine Texte von unterschiedlichen theoretischen Perspektiven aus in Frage gestellt wurde[15], was in der poststrukturalistischen Absage an den Autor gipfelte[16], werden gegenwärtig wieder vermehrt Positionen gesucht, welche zwischen unreflektierter Verwendung des Autorbegriffs und der poststrukturalistischen Gesamtabsage, welche in interpretatorische Beliebigkeit umzuschlagen drohte, zu vermitteln versuchen. Dabei kann man hier auch mit Zima verbleiben, der im allgemeineren Zusammenhang von postmodernen Absagen an die Subjektivität festhält, dass sie "keineswegs als Exzesse des Denkens zu bagatellisieren [sind]. Sie verursachten [...] einen heilsamen Schock, der zum kritischen und selbstkritischen Nachdenken über Subjektivität in allen ihren Formen führte."[17]

Als Relativierung, hinsichtlich der Gesamtabsage an das Autorkonzept, ist an den Lektüren der Poststrukturalisten zu beobachten, dass auch sie nicht ohne einen gewissen Autorbezug auskommen (z.B. historische Fixierung eines Textes oder Selegierung von Kontexten).[18] Ausserdem haben Jannidis et al. dargelegt, wie insbesondere der wissenschaftspolitische Kontext ('68er' und danach) den poststrukturalistischen Absagen an die 'Autorität' zu einem solchen Aufschwung verhelfen konnte: "Erst das Zusammentreffen von theoretischer Kritik und gesellschaftlichem Umbruch hat die selbstverständliche Geltung dessen auflösen können, was bis dahin als disziplinär legitimierter Umgang mit dem Wissen um den Autor gegolten hatten."[19] Jannidis et al. ziehen deshalb in ihrem Beitrag zur Wiederaufnahme der Diskussion um das Problem der Autorschaft den Schluss, dass der Autorbegriff grundsätzlich nicht hintergehbar ist:

"(1) Textlektüren setzen immer bestimmte Auffassungen über den Autor voraus, die massgeblich darüber bestimmen, auf welche Weise der Text interpretiert wird. (2) Man verfällt keineswegs automatisch in einen naiven Biographismus, wenn man sich bei der Interpretation literarischer Texte auf den Autor bezieht. Vielmehr gibt es viele theoretisch legitime und fruchtbare Arten, ihn zu berücksichtigen [...]."[20]

Inwiefern der Autorbegriff in der Lektüre eine Rolle spielt, gilt es in dieser theoretischen Situation deshalb selbstkritisch auf die spezifischen Ziele der Arbeit abzustimmen. Dies lässt sich aus Jannidis et al. implizit ableiten, da sie in einer theoretischen Ortsbestimmung unterschiedliche Lektürevarianten (z.B. strukturalistische Interpretation oder autorenphilologische Interpretation) mit verschiedenen Autorkonzeptionen verknüpfen.[21] Auf jeden Fall scheint festzustehen: "Beim augenblicklichen Stand der Diskussion kann man Autorennamen nicht mehr 'barbarisch' verwenden, wie es Foucault nennt."[22] Als 'barbarisch' könnten heute aber gleichermassen beide Extrempositionen, ob naiver Biographismus oder radikaler Poststrukturalismus, bezeichnet werden, sofern sie als Dualismus - hier richtig, da falsch - übernommen würden.

Man könnte die hier skizzierte offene Situation durchaus als bezeichnend für die postmoderne Indifferenz-Problematik sehen. Zima definiert Indifferenz - und dies gilt es im Weiteren insbesondere in der Wendung 'postmoderne Indifferenz' zu beachten - nicht als Gleichgültigkeit einzelner Individuen, sondern als Erkenntnis "zahlreicher Laien und Wissenschaftler, dass Werte, die ihnen möglicherweise gar nicht gleichgültig sind, nicht mehr überzeugen, weil sie mit unzähligen anderen Werten konkurrieren müssen und tendenziell austauschbar werden."[23] Die möglichen Extremreaktionen auf diese Indifferenz-Problematik wären laut Zima Gleichgültigkeit oder Ideologisierung[24], wobei Ideologie gemäss Zima als sozio-semiotischer Begriff und nicht als 'Weltanschauung' definiert werden soll: "Die Ideologie ist ein dualistischer und monologischer Diskurs, der seine Wertungen nicht als kontingente Setzungen reflektiert, sondern sich mit der Wirklichkeit identifiziert und dadurch den Dialog mit anderen Diskursen unmöglich macht."[25] Es sollte also vermieden werden, gleichgültig-achselzuckend über die Debatte hinwegzugehen oder aber ideologisch-dualistisch einen positivistisch-biographistischen oder poststrukturalistischen Begriff der Autorschaft umso vehementer zu vertreten. Im Rahmen dieser Arbeit, welche sich monographisch mit Markus Werners Romanen befasst und deshalb weder den Autorbegriff ganz vermeiden kann, noch in interpretatorische Sackgassen geraten will, empfiehlt es sich Zimas theoretische Position der Ambivalenz einzunehmen.[26]

Eine solch ambivalente Positionierung lässt sich in der von Jannidis et al. neu entfachten Diskussion um die Autorschaft z.B. bei Klaus Weimar finden. Diese kann als Ausgangspunkt dienen:

"[E]ine nicht selbstvergessene, sondern selbstbewusste Rezeption wird sich hüten, in einer Zwangs- oder Panikreaktion ihre unbestreitbare Autorschaft an Sprache und Textwelt umstandslos an einen (meist) völlig Fremden abzutreten, auch wenn sie es um ihrer selbst willen muss. Aus Gründen der Selbstachtung wird sie nur nach Erfüllung harter Bedingungen (eben denen der Plausibilisierung) ihre Autorschaft auch dem Fremden auf dem Wege der Zurechnung (imputado) übertragen, ohne sie deswegen zu verlieren oder verleugnen zu müssen. Das Ergebnis ist eine doppelte Autorschaft, eine tatsächliche und eine zugerechnete. Was man gewohnheitsmässig als Aneignung von Fremdem (Sprache und Textwelt) betrachtet, ist vielmehr eine Zueignung von Eigenem durch einen Sprach- und Textweltautor an einen fremden Schriftautor."[27]

Dazu eine Zwischenbemerkung: Ein Vorteil dieser ambivalenten theoretischen Position in Bezug auf das Verhältnis zwischen Autor und Leser ist zugleich, dass sie mit Zimas Subjektdefinition, welche im Kapitel 'das Subjekt' eine Rolle spielen wird, vereinbart werden kann. Schicken wir in vereinfachter Form bereits voraus: "Das Subjekt oder subiectum erscheint bald als Zugrundeliegendes, bald als Unterworfenes, als Grundlage der Erkenntnis oder als manipulierte, verdinglichte Einheit."[28] In Weimars Konzeption der 'doppelten Autorschaft' stehen sich also prinzipiell zwei Subjekte als jeweils füreinander Abwesende Instanzen dialogisch gegenüber, die sich wechselseitig entweder als Zugrundeliegendes oder als Unterworfenes wahrnehmen können. Im Gegensatz dazu tendieren Vertreter 'starker Autorkonzepte' zur Selbstvergessenheit und zur Unterwerfung des Lesers unter den Primat des Autors, während Vertreter von 'schwachen Autorkonzepten' allzu spielerisch-manipulativ mit einem subjektlosen, verdinglichten Text umzugehen scheinen, und dabei die eigene - oft im idiosynkratischen Sprachgebrauch stilistisch hervorgehobene - Subjektivität als Zugrundeliegendes erfahren können.[29]

In Anbetracht anderer theoretischer Überlegungen lassen sich zusätzliche, ambivalente Positionen eröffnen, welche im Hintergrund die Arbeit leiten sollen:

1. Faktuales und Fiktionales: Auch wenn - und jeder Leser wird hier je nach 'Weltwissen' anders urteilen - gewissen Textelementen vom Leser grundsätzlich Faktualität (Biographisches, Geographisches, etc.) zugeschrieben werden kann[30], so gilt es auch das potenziell Faktuale als Eigendynamik von Fiktionalität, literarischer Traditionen oder formalen Mustern darzustellen, um nicht einem eindimensionalen Biographismus (Stichwort 'Leben und Werk') zu verfallen.[31]

2. Explizite Äusserungen von Autorintentionen können zwar zur Plausibilisierung herangezogen werden, sie stellen jedoch keine Verstehensnorm dar, sondern eröffnen (als textuelle Zeugnisse) nur eine weitere Kontextualisierungsmöglichkeit unter vielen und sind aus verschiedenen Gründen zu relativieren.[32] Nicht explizit geäusserte Autorintentionen sind als Zuschreibungen des Lesers zwar grundsätzlich nicht überprüfbar[33], aber trotzdem unabdingbar, falls man von einem intentionalen Kunst-, Kommunikations- und Subjektbegriff ausgeht. Zugeschriebene Autorintentionen haben lediglich einen heuristischen Wert, indem sie den Dialog mit anderen Lesern unter gleichem textuellen Objektbezug vereinfachen und zur Reduktion von Komplexität dienen.

3. Der Autor kann zwar zur Selegierung oder Legitimierung von (nicht-)literarischen Kontexten herbeigezogen werden[34], doch ist die Textbeziehung grundsätzlich Sache des Lesers.[35]

4. Erzähler/Figuren und Autor sind grundsätzlich voneinander zu unterscheiden[36], aber der Autor bleibt dem Leser im gesamten Text als dialogisch orchestrierender 'Dirigent'[37] und letzte Sinninstanz - mindestens im Sinne der Urheberschaft - abwesend präsent.[38] Wenn sich Parallelen zwischen Autoräusserung und Figurenaussagen ergeben, so sind letztere aber hinsichtlich ihrer Eigendynamik innerhalb des fiktionalen Texts zu überprüfen.

5. In Anlehnung an Zimas ambivalente Subjektkonstruktion kann auktoriale Autonomie - also ein zugrundeliegendes Subjekt - beim Zitieren von anderen Texten angenommen werden, denn durch jede neue Kontextualisierung verändert sich das Zitierte.[39] Der Autor ist jedoch stets auch, als unterworfenes Subjekt, von der Heteronomie der Textualität bedroht.[40]

Praktisches Präludium: Autor und Kritik

Mit seinem späten Debüt Zündeis Abgang (1984) hat der Schweizer Autor Markus Werner (*1944) Leser wie auch Kritiker erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Es grassierte gar das 'Zündel-Fieber' und ein Leser soll unverzüglich nach der Lektüre, so die Anekdote, von Berlin in die Schweiz gefahren sein, um dem Autor sein Herz auszubreiten.[41] In humoristischer Überzeichnung dieser allzu grossen Identifikationslust der Leser, schrieb ein Rezensent zum Zündel-Fieber: "Unbescholtene Bürger brachen auf und überschritten zu Fuss mitten in der Nacht den Brenner. In der Umgebung des Bahnhofs von Genua suchten sie sämtliche verfügbaren Bars auf und kamen als andere Menschen wieder. Beim Betrachten von Salatblättern oder dem Putzen von Klodeckeln taten sich auf einmal existenzielle Abgründe auf."[42] Das alltägliche "Gefühl existentieller Deplaziertheit" (ZA: 15) des Protagonisten Konrad Zündel, welches durch den vermeintlichen Betrug seiner Frau im geistigen und körperlichen Rundumschlag und im gesellschaftlichen Abgang gipfelt, traf den Nerv vieler Leser - vielleicht zu sehr, als dass die darin angelegte kritische Distanzierung noch wahrgenommen wurde. Seit diesem erfolgreichen Debüt hat sich Markus Werner, der 1990 seine Lehrtätigkeit als Gymnasiallehrer an den Nagel hing um als freier Schriftsteller zu leben, in grösseren Abständen weitere sechs dünne Romane vom Leib geschrieben, die von einer wachsenden Leserschaft erwartungsvoll aufgenommen wurden.[43]

Zwar werden "mit der Zeit [...] die Töne leiser, wird das Absurde des Daseins verhaltener"[44], "das Textanarchische nimmt vom 'Zündel' bis Am Hang ab"[45], eine Wesensverwandtschaft der seit Zündel erfundenen Protagonisten und eine thematische und stilistische Kohärenz der bisherigen Romane ist indessen nicht von der Hand zu weisen.[46] Die üblichen Verdächtigen, welche Markus Werners Protagonisten für ihre Entfremdung und Selbstentfremdung verantwortlich machen, kehren in den Romanen stets wieder. Bereits Zündel sinniert in einer Aufzählung über die möglichen Spuren seiner Gemütslage:

"Die Frau. Der Beruf. Die Lage der Welt. Die Arglist der Zeit. Das Wetter. Der Stiftzahn. Das Horn an der Stirn. Eine Unfreundlichkeit. Der Wohnblock. Der Werbeblock. Das Tram. Ein Supermarkt. Die Menschen, die Menschen, die Schmocker-Menschen, die Polit-Menschen, die breiten Staturen, die vereinigte Sachzwang-Lobby, die Grobiane, die Gröler, die Bluffer, die Blender, die ewigen Wölfe. Vielleicht auch: Das Erbe des Vaters. Die Schwangerschaft der Mutter. Meine Wintergeburt. Saturn? - Ach..." (ZA: 66)

An Liebesbeziehungen ("Die Frau"), kleinen alltäglichen Missgeschicken ("Der Stiftzahn. Das Horn an der Stirn"), anderen Menschen, welche im Gegensatz zu den Protagonisten wie selbstverständlich durchs Leben gehen ("Die Menschen..."), an der Wirklichkeit im Allgemeinen ("Die Lage der Welt.") aber auch an der eigenen Bedingtheit im Besonderen ("Vielleicht auch [...]. Ach... [Scheissdreck]") scheinen die Protagonisten zu scheitern.

Die Romane halten sich dabei stets an die alltägliche Banalität: "Wir leben im Alltag, in der Körperlichkeit, in der Banalität. Für Verklärung sorgt die Regenbogenpresse. Die Literatur soll sich ans Banale halten. Es ist - laut Zola - das Typische"[47], proklamiert der Autor. Die in erster Linie auf Die kalte Schulter bezogene Beschreibung eines Rezensenten - "[w]ie ein Puzzle ist das Panorama des Alltags in kleine Bilder zerlegt"[48] - lässt sich durchaus auch auf die anderen Romane ausweiten. Oft scheinen sich jedoch kleinere alltägliche Unzulänglichkeiten und Brutalitäten, wie etwa in der Eingangsszene aus Zündels Abgang, metonymisch als pars pro toto zu verstehen:

Schöne Kindheit im Warenhaus. Abhanden gekommen das einzig Vertraute, untergetaucht in neonhellen Schluchten. Der Kleine, in Tränen aufgelöst und ohne Fassung wimmernd: Mama, Mama. - Wie immer viel Helferwille, Ersatzhände, vom Kinde abgeschüttelt, es rennt umher und schreit. Wird irgendwo hinter bunten Kulissen erhört: Da kommt sie, die Mama, das Kind ihr entgegen mit erhitztem Gesichtlein, verweint, doch erlöst, und sie lässt sich nieder vor ihm, breitet die Arme aus und schlägt zu, links rechts, links rechts, und zischt und schmäht." (ZA: 7)

Die eigentliche Problematik wird - wenn wir hier einen Autorkommentar seiner Allgemeinheit wegen gelten lassen wollen - in Anlehnung an Kleist, als "die empörende Gebrechlichkeit von Welt und Mensch"[49] beschrieben. Dasselbe, nur mit gesellschaftskritischerem Unterton, drückt Markus Werner andernorts mit Adornos viel zitiertem Satz: "Es gibt kein richtiges Leben im falschen"[50].

Platz für gross angelegte Utopien scheint keiner zu bleiben, obwohl verschiedene Rezensenten immer wieder Räume dafür entdeckt haben wollen, undjemand sogar überzeugt meint: "Es sind versteckte utopische Romane."[51] Wir halten es hier lieber mit Kinder, der in dieser Hinsicht offener bleibt, wenn er "die Lächerlichkeit der Elendsfixierung und die Idiotie der Utopie"[52] ambivalent einander gegenüberstellt. Treffend beschreibt Böttiger Markus Werners Stil als Balanceakt "auf dem schmalen Grat zwischen Komik und Verzweiflung"[53]. In der ständigen, oft ans Absurde grenzenden Vertauschung von alltäglicher Banalität und letztem Sinn, in seiner Stilsicherheit und "erzähltechnischen Raffinesse"[54] oder in aphoristisch verknappten Merksätzen sehen viele Werners unbestreitbare Qualitäten.

Recht unterschiedlich wurden die einander ähnelnden Protagonisten, thematischen Überschneidungen und stilistischen Eigenheiten jedoch von Rezensenten aufgenommen. In einem Verriss wird Markus Werner und seinen wohlwollenden Rezensenten angelastet, dass er mehrmals wegen der gleichen Qualitäten entdeckt und wieder vergessen worden sei. Spätestens nach dem 1992 publizierten vierten Roman Bis bald werde klar, wie sich die Hauptfiguren überlagern und gegenseitig Auslöschen, denn stets sei der Protagonist "ein verdruckster, gehemmter, überempfindlicher Aussenseiter"[55]. Ein wenig milder formuliert Mingels, die in Markus Werners Romanen immer wieder die gleiche unzeitgemässe

Männerfigur findet, welche in grosser Nähe zum Autor gestaltet sei.[56] Als Lobrede versteht sich hingegen eine Rezension von Ramming, der nach dem Erscheinen von Der ägyptische Heinrich (1999), die erneute Variation "der Erzählung vom Fremdsein in der Welt"[57] als Qualitätsmerkmal interpretiert, denn, so glaubt Ramming, "viele der grossen Autorinnen erzählen im Kern immer die gleiche Geschichte".[58]

Die inhaltliche und stilistische Kohärenz, die geistesverwandten Protagonisten und die oberflächliche Nähe der Figuren zum Autor[59] werden dem Autor selbst des Öfteren zum Verhängnis, da sie identifikatorische Lesarten, die ohnehin stets omnipräsent sind, noch naheliegender machen. So wurde dem Autor - eine weitere Anekdote - nach der Publikation von Die kalte Schulter (1989) wegen des vermeintlichen Verlusts seiner Freundin kondoliert. Foucault mag zwar recht haben, wenn er Beckett zitierend im Zusammenhang mit dem Konzept der Autorschaft schreibt: "'Wen kümmert's, wer spricht?' in dieser Gleichgültigkeit äussert sich das wohl grundlegendste ethische Prinzip zeitgenössischen Schreibens. Das Zurücktreten des Autors ist für die Kritik zu einem mittlerweile alltäglichen Thema geworden."[60] Doch angesichts des alltäglichen Umgangs mit Literatur stellen Jannidis et al. auch 30 Jahre nach Foucault (und wahrscheinlich auch in Zukunft) noch fest: "Es gibt nach dem Text kaum eine andere Grösse im Gebiet der Literatur, die uns wichtiger wäre als der Autor."[61] So stellt sich die Beckett'sche Frage in Bezug auf die Leserschaft mit eindeutiger Betonung: "Wen kümmert's, wer spricht?" insbesondere die Medien (aber auch die Leser) kümmert's wohl, denn Autorfiguren sind ja prinzipiell vermarktbar, was mit einem gewissen identifikationszwang verbunden ist. Wohl deshalb sieht sich Markus Werner auch in Interviews öfters mit dem Konflikt konfrontiert, dass Festlegung von ihm zwar verlangt wird, ihm diese aber - allem Anschein nach - nicht ganz behagt: "Ihre journalistische Pflicht zur zupackenden Direktheit kollidiert mit meiner Unlust, mich selbst zu definieren. Ich könnte auch sagen: mit meinem Unvermögen."[62]

Der die Medien und den Literaturbetrieb scheuende Autor muss stets von Neuem Abwinken und sträubt sich dagegen, "das gelegte Ei auch noch selbst zu begackem."[63] In den wenigen Interviews hält sich Markus Werner konsequent bedeckt, insbesondere wenn es sich um autobiographisch motivierte "neugierige Topfguckerei"[64] handelt, oder wenn es darum geht, die eigenen Romane zu kommentieren. Dabei scheint sich der studierte Germanist der prekären interpretatorischen Verfügungsgewalt über seine Texte durchaus bewusst zu sein. Er gibt deshalb einem Interviewer zu bedenken:

"[...] dass der Autor durchaus nicht der berufenste Interpret seiner eigenen Sachen ist. Vielleicht hat er zu wenig Distanz. Vielleicht steckt in seinem Werk auch mehr und anderes, als ihm bewusst ist. Noch wichtiger aber scheint mir dies: Weil es zum Wesen eines künstlerischen Gebildes gehört, unterschiedliche Lesearten und Betrachtungsweisen zuzulassen, sollte sich der Urheber nicht einmischen, sondern seine eigene Lesart für sich behalten. Er verengt sonst den Auslegungsreichtum, der Leser oder Betrachter erst kreativ macht."[65]

Dem Autor können allerhöchstens allgemeine Kommentare entlockt werden: "Das Scheitern im allgemeinen und das Scheitern der Liebe im besonderen ist ein durchgehendes Motiv meiner Bücher, nur dürfen Sie von mir nicht verlangen, das Motiv des Motivs zu ergründen. Das kann ich nicht, und wenn ich es könnte, würde ich das Ergebnis nicht ausplaudern. Den Interpreten aber steht frei zu spekulieren."[66]

Auch wenn es darum geht, literarische oder theoretische Bezüge seines Werkes zu rekonstruieren, weicht Markus Werner aus und sträubt sich dagegen, in ein klares Einflussverhältnis zu bekannten Autoren gestellt zu werden, wie etwa - was naheliegen würde - zu Frisch, über den er promoviert hat: "Auf Frisch muss nicht rekurriert werden"[67]. Obwohl Markus Werner sich der prägenden Einflüsse anderer Autoren und Philosophen durchaus bewusst ist, pocht er auf künstlerische Autonomie, wenn er sagt: "Ich gehe nicht von Theorie und Ismen aus, sondern von meinem Empfinden und meiner Erfahrung, wobei mir bewusst ist, dass die Art des Empfindens, des Erfahrens und Denkens sich vielfacher Prägung verdankt."[68] Dass es andererseits prekär um diese Autonomie steht, weiss er aber auch: "Man kennt zu vieles, vor allem sehr viel Gutes, von dem man beeinflusst und fast erdrückt wird. Es brauchte Zeit, bis ich mich genügend resistent fühlte gegenüber all den Beeinflussungen und mir zutrauen konnte, etwas Eigenes zu machen."[69]

Insgesamt lässt sich beobachten, wie sich der Autor stets gegen klare Festlegungen stemmt und sich und seine Romane lieber in ihrer Ambivalenz belassen will, wie etwa im folgenden Kommentar zu Die kalte Schulter klar wird: "Ja, ich stehe zu dieser Ambivalenz. Der Tod macht das Leben unwichtig, nichtig. Der Tod macht das Leben wichtig und leuchtend. Beides ist möglich."[70] Angesichts der medialen Rezeption artet dies aber zuweilen zu einem fast quichotesken Kampf aus. Sogar der Durchbruch mit seinem aktuellen Buch Am Hang - welches sich gut verkauft und bereits als Bühnenadaption in verschiedenen Kleintheatern gespielt wurde - relativiert Markus Werner gleich selbst: "Erfolg ist etwas weniger belastend als Misserfolg, und ich freue mich über ihn, ohne aus dem Häuschen zu geraten. Ich nehme ihn als das, was er ist: eine überraschende Kapriole des Betriebs und vor allem ein flüchtiges Phänomen, das wahrscheinlich noch saisonaleren Charakter hat als Daniel Küblböck."[71] Die Position, die Markus Werner hinsichtlich seines eigenen Schaffens einnimmt, erinnert uns an Wolfgang Hildesheimer, der in seinem Essay The end of fiction (1975) seinen selbstbekundeten Abgang als Romancier u.a. folgendermassen begründete: "Mir erschien es immer fraglich, ob Schriftsteller-sein wirklich ein Beruf ist. Ich selbst habe ihn nie so betrachtet, sondern als das temporäre Privileg, etwas zu sagen, was mir sagenswert erschien, und zu schweigen, wenn es gesagt ist."[72]

Als Autor während einer Lesung öffentlich in Szene gesetzt[73], geriet Markus Werners Auftritt gar zur doppelten Schattenboxerei: Im Gegensatz zu allen anderen Autoren liess sich Markus Werner auf kein öffentliches Live-Interview auf der roten Couch ein. Stattdessen rezitierten er und sein Interviewer, Res Strehle, Teile eines Interviews, welches sie bereits ein halbes Jahr zuvor für Das Magazin, die wöchentliche Beilage des Tages-Anzeigers, geführt hatten. Doch schon dieses Interview war zum Schattenboxen geraten. Der einseitigen Fixierung auf einen der beiden Pro- und Antagonisten im neuesten Roman Am Hang verweigerte sich Werner konsequent:

[RS:] Wenn Sie von Zweifeln und Schwanken reden, erinnert mich das an einen zentralen Satz Ihres Romanhelden Thomas Loos: 'Allein das Zögern ist human' Dieses Credo scheint auch zu Ihnen zu passen.

[MW:] Stimmt, der Satz könnte von mir sein.

Und?

Es ist mir grad eingefallen, dass er für Ambulanzen und für die Feuerwehr nicht gilt.

Sie weichen aus.

Und Sie lassen nicht locker und möchten endlich wissen, ob die Figur autobiographische Züge trägt oder ob ich sogar beide Männerseelen in mir beherberge. Weiss der Kuckuck, warum das die Leser immer so interessiert. Als ob die Antwort zum besseren Verständnis der Figuren und des Romans beitragen könnte. Als ob es nicht die allergrösste Selbstverständlichkeit wäre, dass jedes Geschöpf, das meinem Kopf entspringt, etwas mit mir zu tun hat. Mein Ebenbild ist es deswegen noch lange nicht [...].[74]

Die ambivalente Antwort "Stimmt, der Satz könnte von mir sein" sagt eigentlich bereits alles: Als direkter Urheber der Romane ist eigentlich jeder Satz gezwungenermassen von Markus Werner. Doch Weltanschauungen, Meinungen, Soziolekte, Zitate etc. werden im Roman - um mit einer Metapher von Bachtin zu sprechen - in Erzähler- und Figurenreden 'orchestriert' und in dialogische Beziehung zueinander gebracht (gerade Am Hang ist ja streng dialogisch durchkomponiert): "Der Roman ist künstlerisch organisierte Redevielfalt, zuweilen Sprachvielfalt und individuelle Stimmenvielfalt."[75] Markus Werner mag sich vielleicht mit der Stimme des Cello spielenden Loos/Bendel[76] identifizieren, doch bleibt dies unentscheidbar[77], denn er bleibt als Komponist des Stücks und 'Dirigent' ein Pantomime. Auch Kinder hält fest: "Manche Kritiker haben das dialektische Heldengespann von Am Hang leichtfertig zerschnitten und im Älteren des älteren Autors Stimme diagnostiziert - allein deshalb, weil einem älteren Autor eine Halbliebe zu einer jüngeren, nicht so 'reifen' Figur nicht zugetraut wird. Aber nie war er ein Behaupter, sondern immer ein Befrager von Stimmen, die er vor und gegeneinander stellt. [...] Seine Texte sind dialogisch."[78]

Auch nach abermaligem Nachhaken im oben wiedergegebenen Interview, konnte sich der Autor nur ironisch wehren: "Zündel, der Held meines Erstlings, verliert in einer ungünstigen Situation seinen Stiftzahn. Das autobiographische Moment besteht darin, dass ich tatsächlich einen Stiftzahn habe. Aber er ist mir noch nie ausgefallen. So entzündet sich am Faktischen das Fiktive [...]."[79] Drastisch und überzeugend formuliert Kinder: "Dem Schreiben ist das imaginative Spiel mit dem Ich Voraussetzung und Lust; das Lesen ist schamloses Kleidherunterreissen, indem es Held und Heldin zu Autor und Autorin zurückstampft."[80] Wenn etwas als autobiographisch bezeichnet werden kann, so meint Kinder weiter, dann ist eshöchstens die 'Haltung' von Markus Werners Romanen.[81]

Diese distanzierte Ambivalenz, welche wir in Bezug auf Markus Werners Haltung seinem eigenen Schaffen gegenüber, aber auch gegenüber seinen eigenen Äusserungen in Interviews feststellen können[82], lässt sich wohl - wie Ausgangs der Einleitung bereits angedeutet und wie auch im theoretischen Präludium zur Autorschaft klar wurde - nur über Umwege auf die Romane übertragen. Dabei gilt es die ambivalente Haltung in den Romanen als sprachliche, literarische und narrative Problematik darzustellen, welche sich - mangels vertiefter Kenntnis der zahlreichen expliziten und impliziten literarischen Bezüge von Markus Werners Romanen - in erster Linie an Eckpunkten der (Roman-)Theorie zwischen Spätmoderne und Postmoderne zu orientieren hat.

Der Roman zwischen Spätmoderne und Postmoderne

In Vereinfachung und Umformulierung von Zimas Beobachtungen in Ideologie und Roman könnte man den modernen Roman als oppositionelle Prosagattung beschreiben, welche durch drei einander bedingende Komponenten charakterisiert wird:

(a) Wirklichkeit: gesellschaftliche, überindividuelle Wahrheit und Wertsetzung als konstruierter Sinnzusammenhang;
(b) Subjektivität der erzählenden und handelnden Figuren, die erst durch den Roman als solche konstruiert wird;
(c) Narrativität: narrativer Ablauf z.B. chronologischer Aufbau, kausale Verknüpfung, Metaerzählungen als Makrosyntagma, etc.[83]

In prototypischer Form begebe sich also ein Protagonist auf die teleologische Suche nach individueller Subjektivität und nach einer verbindlichen Wirklichkeit respektive Wahrheit, welche anhand einer aristotelisch wohl geformten mehr oder weniger chronologisch erzählten Geschichte mit Anfang, Mitte und Ende inszeniert wird. Diese grobe Vereinfachung mag zwar auf einige moderne Romane des 18./19. Jahrhunderts zutreffen (man denke z.B. an klassische Bildungsromane wie Goethes Wilhelm Meister (1795/96) oder Kellers zweite Fassung von Der grüne Heinrich (1879/80)), aber spätestens im spätmodernen Roman zu Beginn des 20. Jahrhundert werden die für den Roman konstitutiven Konzepte prekär:

"Sieht man sich nun die Entwicklung des Romans im 20. Jahrhundert aus der Retrospektive an, so stellt sich heraus, dass seit der Jahrhundertwende, in den Romanen Prousts, Joyces, Musils oder Kafkas alle drei Komponenten problematisiert werden, weil alle Werte und Wertgegensätze in zunehmendem Masse ambivalent erscheinen. (Der Sinnzusammenhang wird fragwürdig und zugleich mit ihm die Grundlage der Subjektivität und der Erzählung.)"[84]

Zima legt in seinen Publikationen dar, dass die Spätmoderne und deren Romanciers als Selbstkritik der Modeme bestimmte Werte der Modeme zwar kritisch hinterfragten, gleichzeitig aber im Rahmen der modern-aufklärerischen Tradition in extremis zu retten versuchten: "Die Spätmoderne ist zunächst als eine Zeit der Krise aufzufassen, die überlieferte Metaphysiken und Ideologien als unglaubwürdig erscheinen lässt und eine Kritik seitens der Intellektuellen, der Philosophen, Schriftsteller und Journalisten, hervorruft."[85] Im Zusammenhang mit der Spätmoderne liest man deshalb öfters von 'Sprachkrise', welche auch den Wahrheits- und Wirklichkeitsbegriff tangiert, 'Krise des Subjekts', 'Krise des Erzählens' aber auch allgemein von einer 'Krise des Romans'.

Der Postmoderne (ab ca. I960) und deren Autoren (z.B. Becker, Süskind, Ransmayr, Pynchon, Robbe-Grillet) ging aber die spätmoderne Selbstkritik an diesen Werten der Moderne nicht weit genug. Stattdessen wurden einige vorher noch relevanten Konzepte und Werte als letzter metaphysischer Ballast abgeworfen und somit der Indifferenz überantwortet. Deshalb stösst man im Rahmen der Postmoderne auf Schlagwörter wie 'Ende der Realität', 'Tod des Subjekts', 'Ende des Erzählens' oder schliesslich auch 'Tod des Romans'. Der 'Tod des Romans' ist jedoch nur hinsichtlich seiner literaturhistorischen Bedeutung als oppositionelle Gattung und dessen ursprüngliche 'Zielsetzungen' zu verstehen - denn gerade Romane verkaufen sich ja im Buchhandel besonders gut: "Sein Warencharakter bleibt dem literarischen Text nicht äusserlich: Die Tatsache, dass die Gattung Roman eher den Anforderungen des Marktes genügt als Novellen, Kurzgeschichten oder gar Lyrik, ist zu einem Gemeinplatz der Kulturindustrie geworden."[86] In dieser Hinsicht zitiert Zima gerne Jürgen Becker:

"'Der Roman lebt und lebt. Uns ist das alles ziemlich egal.' Es ist deshalb egal, weil der Roman keinen Anspruch mehr auf verbindliche Wertsetzung und - als oppositionelle Gattung - auf verallgemeinerungsfähige Gesellschaftskritik erhebt. [...] Freilichkannnichtbehauptet werden, die gesamte Postmoderne habe auf Kritik verzichtet. [...] Nur ist diese Kritik als reine Negation oder Destruktion [...] völlig unverbindlich: im Gegensatz zur negativen Dialektik Adornos, die von bestimmten Wertsetzungen wie Individuum, Subjekt, Autonomie und Wahrheitsgehalt ausgeht, die immer wieder ins Kreuzfeuer postmoderner Polemiken geraten."[87]

Eine rein stilistisch-formale Erfassung der Spätmoderne und Postmoderne griffe laut Zima aber zu kurz.

[...]


[1] In der vorliegenden Arbeit werden Zitate aus Markus Werners Romanen der Einfachheit halber in Kurzzitierform angegeben. Die verwendeten Kürzel können der Bibliographie entnommen werden.

[2] Benjamin: 'Der Erzähler', S. 438.

[3] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S.51.

[4] Jannidis et al.: 'Rede über den Autor an die Gebildeten unter seinen Verächtern', S. 17.

[5] Barthes, Roland: 'Einführung in die strukturale Analyse von Erzählungen', S. 127.

[6] Ebel: 'Vorwort zu "Allein das Zögern ist human". Zum Werk von Markus Werner', S. 10.

[7] Zima: Moderne/Postmoderne, S. 302.

[8] Zima: Roman und Ideologie, S. 26.

[9] Vgl. Frey: Der unendliche Text, S.21.

[10] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 57 und 59.

[11] Zima: Roman undIdeologie, S. 39 (H.d.V.).

[12] Dies, so denke ich, scheint einen allgemeinen theoretischen 'Trend' abzuzeichnen, und kann nicht nur im

Bereich der Autortheorie beobachtet werden, sondern z.B. auch in der Subjekttheorie. Vgl. z.B. bei Schmitz­Emans/Geyer: 'Vorwort' (zu Proteus im Spiegel), S. 9, oder die neueren Publikationen von Peter V. Zima.

[13] Zima: Theorie desSubjekts, S. 371.

[14] Vgl. Zima: Moderne/Postmoderne, S. 378ff.

[15] Vgl. Jannidis et al.: 'Rede über den Autor an die Gebildeten unter seinen Verächtern', S. 3.

[16] Vgl. z.B. Barthes: 'Der Tod des Autors' oder Foucault: 'Was ist ein Autor'.

[17] Zima: Theorie des Subjekts, S. 88f.

[18] vgl. Jannidis et al.: 'Rede über den Autor an die Gebildeten unter seinen Verächtern', S. 24.

[19] vgl. Jannidis et al.: 'Rede über den Autor an die Gebildeten unter seinen Verächtern', S. 16.

[20] Jannidis et al.: 'Einleitung. Autor und Interpretation', S. 24f.

[21] Vgl. Jannidis et al.: 'Einleitung. Autor und Interpretation', S. 22-35.

[22] Jannidis et al.: 'Rede über den Autor an die Gebildeten unter seinen Verächtern', S. 35.

[23] Zima: Moderne/Postmoderne, S. 104, H.d.V. Darauf, dass auch der Autorbegriff als 'Wert' verstanden werden kann und soll, insistiert Barthes: "Der Autor ist eine moderne Figur, die unsere Gesellschaft hervorbrachte, als sie [...] den Wert des Individuums entdeckte [...]. Deshalb hat auf dem Gebiet der Literatur ausgerechnet der Positivismus - Inbegriff und Resultat der kapitalistischen Ideologie - der 'Person' des Autors die grösste Bedeutung beigemessen." (Barthes: 'Der Tod des Autors', S. 186.)

[24] Vgl. Zima: Moderne/Postmoderne, S. 15. Sehr vereinfacht umrissen in Zima: Theorie des Subjekts, S. XIV als "Negation von Offenheit, Unbestimmtheit und Toleranz" (Ideologie) und "Negation von kultureller Wertung, sozialem Engagement und Kritik" (Indifferenz).

[25] Zima: Theorie des Subjekts, S. 407.

[26] Vgl. z.B. Zima: Moderne/Postmoderne, S. 380 und a.a.O.

[27] Weimar: 'DoppelteAutorschaft', S. 133.

[28] Zima: Theorie des Subjekts, S. XI.

[29] Vgl. zur Reaffirmation von Subjektivität in der Sprache auf Grund von Poetizitätskriterien, z.B. des sprachlichen Stils bei Schmitz-Emans: 'Subjektund Sprache', S. 296f.

[30] "Soweit es um fiktionale Erzählliteratur geht, gebe ich im übrigen zu bedenken, dass sie in aller Regel nicht ausschliesslich aus Fiktion besteht, sondern immer wieder unmissverständlich nichtfiktionale Bestandteile enthält. ([...] diese Ansicht ist ketzerisch.)" (Weber: Erzählliteratur, S. 8.) Diese Beobachtung sollte aber um den Faktor 'Zuschreibung durch den Leser' ergänzt werden. Insofern ist hier die Verwendung des Wortes 'unmissverständlich' eher missverständlich.

[31] vgl. Jannidis et al.: 'Einleitung. Autor und Interpretation', S. 11.

[32] 1. Die Befragung der Autorintention ist insofern problematisch, als dass das Vermischen von literaturinternen und -externen Daten eine Potenzierung der Interpretationsbedürftigkeit nach sich zieht. (vgl. Winko: 'Einführung: Autor und Intention', S. 40f.) 2. Vom erkenntnistheoretischen Standpunkt her kann grundsätzlich an der vollkommen transparenten Intentionalität des Handelns gezweifelt werden. (vgl. Winko: 'Einführung: Autor und Intention', S. 40f.) 3. Ausserdem kann man argumentieren, dass der Autor streng genommen auch nur ein Leser seiner eigenen Texte ist: "Ich gebe dazu nur einen Hinweis mit Wittgenstein: 'Wenn man aber sagt: «Wie soll ich wissen, was er meint, ich sehe ja nur Zeichen», so sage ich: 'Wie soll er wissen was er meint, er hat ja auch nur seine Zeichen.'" (Bätschmann: Einführung in die kunstgeschichtliche Hermeneutik, S. 68.) 4. Noch strenger genommen ist der Autor injedem nochmaligen Rezeptionsvorgang seiner eigenen Werke "ein anderer" (vgl. Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft, S. 69).

[33] "Oft greift man zur Erklärung auf eine 'Herstellungsabsicht des Künstlers zurück, aber das bleibt trivial, bleibt eine tautologische Erklärung, weil die Absicht fingiert werden muss und ihre psychischen Korrelate unzugänglich bleiben." (Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft, S. 113.)

[34] Vgl. Jannidis et al.: 'Einleitung. Autor und Interpretation', S.21.

[35] Vgl. Frey: Der unendliche Text, S.21.

[36] "Das heisst also, dass der Erzähler in aller Erzählkunst niemals der bekannte oder noch unbekannte Autor ist, sondern eine Rolle, die der Autor erfindet und einnimmt." (Kayser: 'Wer erzählt den Roman?', S. 127)

[37] Vgl. Bachtin: 'Das Wort im Roman'.

[38] So meint auch Böhler, Literaturwissenschaftler und Freund des Autors, indem er explizit Foucault widerspricht: "Wohl verwischen sich die Konturen einer festumrissenen, subjektdurchtränkten und personal identifizierbaren Autorschaft, aber gleichwohl ist Markus Werner, der Schriftstellerfreund, in protëisch wechselnden Gestalten und Stimmen unverwechselbar gegenwärtig und ganz und gar nicht abwesend." (Böhler: 'Vom Wurf zum Sprung', S. 178).

[39] "Laurent Jenny kommentiert [eine Definition von Kristeva], indem er ganz zu Recht daran erinnert, dass Intertextualität nicht empiristisch als die Gesamtheit der Einflüsse, die in einen Text eingegangen sind, missverstanden werden darf, sondern als 'Umdeutung und Assimilation verschiedener Texte, für die ein zentrierender Text verantwortlich ist, dem bei der Sinnzuweisung eine führende Rolle zufällt' [...], aufgefasst werden sollte." (Zima: Das literarische Subjekt, S. 205.)

[40] "Heute wissen wir, dass ein Text nicht aus einer Reihe von Wörtern besteht, die einen einzigen, irgendwie theologischen Sinn enthüllt [...], sondern aus einem vieldimensionalen Raum, in dem sich verschiedene Schreibweisen, von denen keine einzige originell ist, vereinigen und bekämpfen. Der Text ist ein Gewebe von Zitaten aus unzähligen Stätten der Kultur." (Barthes: 'Der Tod des Autors', S. 190.)

[41] Vgl. Böttiger: 'Einsam, zerbrochen und doch ganz', S. 105.

[42] Böttiger: 'Taumelnde Radikale'.

[43] Zündels Abgang (= ZA) 1984; Froschnacht (= FN) 1985; Die kalte Schulter (= DkS) 1989; Bis bald (= BB) 1992; Festland (= FL) 1996; Der ägyptische Heinrich (= DäH) 1999; Am Hang (= AH) 2004.

[44] Böttiger: 'Einsam, zerbrochen und doch ganz', S. 107.

[45] Kinder: 'M&H-Verkleidungen oder Begegnungen zweier 44er in Mostindien', S. 198.

[46] Vgl. z.B. Rüedi: 'Derägyptische Heinrich', S. 279.

[47] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 55.

[48] Scheffel: 'Sommernächtliches Ticktack', S. 243.

[49] Markus/Rothenbühler: 'Die empörende Gebrechlichkeit von Welt und Mensch', S. 66.

[50] Adorno: Minima Moralia, S. 42. Zitiert in: Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 58.

[51] Isenschmid: 'Vaterliebe, Tochterliebe, ein Duett', S. 269.

[52] Kinder: 'M&H-Verkleidungen oder Begegnungen zweier 44er in Mostindien', S. 199.

[53] Böttiger: 'Einsam, zerbrochen und doch ganz', S. 104.

[54] Drews: 'Laudatio auf Markus Werner', S. 135.

[55] Jessen: 'Die Sehnsucht des Philisters', S. 252.

[56] Vgl. Mingels: 'Zitternde Fremdlinge im Heute', S. 196.

[57] Ramming: 'So fremd wie zu Hause', S. 285.

[58] Ramming: 'So fremd wie zu Hause', S. 285.

[59] Alle Protagonisten sind Schweizer, meist männlich, aus ähnlichen mittelständischen Verhältnissen, äussern ähnliche Meinungen (zur Schweiz, zum Militär, zur Gesellschaft, etc.), scheinen mit dem Autor zu altern, die Erzählgegenwart der Romane ist stets die Zeit ihrer Entstehung, es spielt manch Faktuales in die Romane hinein, autobiographische Bezüge scheinen tatsächlich zu bestehen (v.a. in Der ägyptische Heinrich), doch um all diese Dinge - die leidigen Tatsachen - soll es, wie bereits erwähnt, nicht gehen.

[60] Foucault: 'Was ist einAutor', S. 198.

[61] Jannidis et al.: 'Einleitung. Autor und Interpretation', S. 7.

[62] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 78.

[63] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 78.

[64] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 78.

[65] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 78f.

[66] Werner/Rothenbühler: 'Die empörende Gebrechlichkeit von Welt und Mensch', S. 65.

[67] Werner/Rothenbühler: 'Die empörende Gebrechlichkeit von Welt und Mensch', S. 64.

[68] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 60.

[69] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 47.

[70] Werner/Mack: 'Aufrecht durch den Nebel gehen', S. 60.

[71] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 74.

[72] Hildesheimer: 'Das Ende der Fiktionen', S.241.

[73] Lesung von Das Magazin anlässlich der Herausgabe der 'Schweizer Bibliothek': "Grosser Abend der Schweizer Literatur (mit Urs Widmer, Markus Werner, Ruth Schweikert u.a.)", 12. Februar 2006 im Kaufleuten Zürich.

[74] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 76.

[75] Bachtin: 'Das Wort im Roman', S. 157.

[76] Bendel stellt sichja unter falschem Namen vor - deshalb der Doppelname.

[77] Bachtin selbst argumentierte in Bezug auf die Unterscheidung Erzähler/Autor noch positivistischer: "Jedes Moment der Erzählung nehmen wir deutlich in zwei Schichten wahr: in der Schicht des Erzählers [...] und in der Schicht des Autors, der mit dieser Erzählung und durch diese Erzählung gebrochen spricht." Und weiter: "Wir spüren deutlich den unterschiedlichen Grad der Präsenz des Autors und seiner letzten Sinninstanz in den verschiedenen Momenten seiner Sprache." (Bachtin: 'Das Wort im Roman', S. 204 und 205.)

[78] Kinder: 'M&H-Verkleidungen oder Begegnungen zweier 44er in Mostindien', S. 202.

[79] Werner/Strehle: 'Am Hang und am Rand', S. 77.

[80] Kinder: 'M&H-Verkleidungen oder Begegnungen zweier 44er in Mostindien', S. 202.

[81] Vgl. Kinder: 'M&H-Verkleidungen oder Begegnungen zweier 44er in Mostindien', S. 202f.

[82] Willemsen beschreibt dies treffend: "Seine Interviews klingen nach einer Anstrengung im Absurden: Im Reden das Schweigen auszubreiten, stark zu denken und doch lieber nichts gesagt haben zu wollen, eine Selbstbehauptung durch Selbstzurücknahme, ja -durchstreichung, ein Verweilen auf Gedankenstrichen, Standpunkte nicht mit dem Standbein betreten, mit dem Spielbein streifen, Meinungen vermeiden." (Willemsen: 'Si tacuisses', S. 163.)

[83] Zima: Ideologie und Roman, S. 249f. : "Im Anschluss an Hegel und Goethe, der im Zusammenhang mit dem Roman von einer 'subjektiven Epopee' spricht, definieren Georg Lukács und vor allem Lucien Goldmann den Roman als eine subjektive Suche nach überindividuellen, objektiv gültigen (authentischen) Werten. Tatsächlich zeigt sich, dass von Cervantes bis Balzac, Goethe ( Wilhelm Meister), Proust, Kafka und Sartre die Suche nach allgemeingültigen Werten für den Roman charakteristisch ist. Es ist zugleich eine Suche nach Sinn, den Julien Sorel mit dem politischen Erfolg, Josef K. mit dem 'Gesetz' und Roquentin mit der Kunst identifiziert. [...] Im traditionellen Roman (vor allem im Roman des 19. Jahrhunderts) nimmt diese Suche nach der Wertskala die Form eines narrativen Syntagmas an, in dessen Ablauf die Sinngebung von einem oder mehreren Aktanten (Helden) durchgeführt wird. Der traditionelle Roman erscheint somit als eine hierarchisch konzipierte Struktur, als ein Makrosyntagma, dessen Autor und Erzähler implizit oder explizit (Roquentin) den Anspruch erheben, die Wirklichkeit als Sinnzusammenhang zu definieren. (Dabei neigen sie - wie Hegel - dazu, die eigene kontingente Konstruktion mit der Wirklichkeit zu identifizieren.) Drei Komponenten charakterisieren folglich den Romantext: (a) der Sinnzusammenhang (der gegeben ist oder gesucht wird); (b) der narrative Ablauf (das Makrosyntagma) und (c) die erzählenden und handelnden Subjekte [...], die ohne die semantische Basis [...] nicht als Subjekte existieren würden."

[84] Zima: Ideologie undRoman, S. 250.

[85] Zima: Das literarische Subjekt, S. 130.

[86] Zima: Roman und Ideologie, S. 13. Vgl. auch Steinmetz: "[N]atürlich beschränkt sich die Krise des Romans und die mit ihr verbundene Destruktion des Erzählers und des Erzählens auf solche Werke, die man der sogenannten höheren Literatur zuzurechnen pflegt. Neben diesen Werken gibt es unzählige andere, nicht allein in der sogenannten Trivialliteratur, in denen auch während und nach der Krise unbekümmert im Stile des 19. Jahrhunderts erzählt wurde und wird." (Steinmetz: 'Die Rückkehr des Erzählers', S. 70.)

[87] Zima: Moderne/Postmoderne, S. 366f.

Ende der Leseprobe aus 90 Seiten

Details

Titel
Markus Werners Romane als spätmoderne Kritik der Postmoderne
Untertitel
Eine literaturwissenschaftliche Annäherung
Hochschule
Universität Zürich  (Deutsches Seminar)
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
90
Katalognummer
V273095
ISBN (eBook)
9783656648604
ISBN (Buch)
9783656648598
Dateigröße
1156 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Markus Werner, Zündels Abgang, Froschnacht, Am Hang, Bis bald, Der ägyptische Heinrich, Festland, Die kalte Schulter, Peter V. Zima, Postmoderne, Subjekttheorie, Kritische Theorie
Arbeit zitieren
Arto Schürch (Autor), 2007, Markus Werners Romane als spätmoderne Kritik der Postmoderne, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273095

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