Französisch in der Schweiz und im Aostatal


Seminararbeit, 2004

16 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Französisch in der Schweiz
2.1 Allgemeines über die Schweiz
2.2 Die sprachgeschichtliche Entwicklung des Französischen in der Schweiz
2.3 Das Frankoprovenzalische in der Schweiz
2.4 Besonderheiten des Französischen in der Schweiz
2.4.1 Phonetik
2.4.2 Morphologie
2.4.3 Lexik

3. Das Aosta-Tal
3.1 Allgemeines über das Vallée d’Aoste
3.2 Die Sprachgeschichtliche Entwicklung des Französischen im Aosta-Tal
3.3 Das Frankoprovenzalische im Aosta-Tal
3.4 Besonderheiten des Französischen im Aosta-Tal
3.4.1 Phonetik
3.4.2 Lexik

4 Endbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bezeichnung Frankophonie umfasst mittlerweile nicht mehr nur die Sprecher des Französischen und die Gebiete, in denen sie leben, sondern vor allem auch einen Kulturkreis. Meiner Meinung nach kann mit Recht gesagt werden, dass die Sprache für keine andere Gemeinschaft eine so bindende und zusammenhaltende Rolle spielt, wie für die Frankophonie. Man spricht weltweit von über 100 Millionen aktiven Sprechern des Französischen, davon über die Hälfte in Europa. In den Gebieten außerhalb Europas ist Französisch lediglich noch in Québec eine dominierende Sprache. In den übrigen Gebieten ist Französisch entweder Minderheitensprache, Verwaltungssprache oder es ist in eine Kreolsprache übergegangen.

Es erklärt sich nun fast von selbst, dass in vielen Gebieten kein reines Standardfranzösisch gesprochen wird. Das ist in Frankreich selbst kaum der Fall, denn es lässt sich deutlich der Dialekt eines Toulousers von dem eines Parisers unterscheiden. Auf dieselbe Weise, wie sich die Dialekte innerhalb der Grenzen Frankreichs gebildet haben, sind auch außerhalb Frankreichs viele Regionalsprachen und Dialekte entstanden.

Ich werde nun in dieser Arbeit zwei Regionalsprachen genauer zu untersuchen. Das ist zum einen die französischsprachige Schweiz und zum anderen das Aosta-Tal. In beiden Gebieten hat das Frankoprovenzalische einen Einfluss auf die Sprachentwicklung gehabt, wodurch ich auch diesen Aspekt nicht unbeachtet lassen möchte. Ich werde in beiden Teilen von den allgemeinen Fakten über die jeweiligen Gebiete ausgehen und über die sprachgeschichtliche Entwicklung zu den Besonderheiten der jeweiligen Regionalsprachen kommen.

2 Französisch in der Schweiz

Französisch ist nicht die einzige Landessprache in der Schweiz und auch nicht die alleinige Amts- oder Verkehrssprache. Auf die besonderen Regelungen bezüglich der Sprachen in der Schweiz werde ich in diesem Kapitel näher eingehen. Ich werde zunächst die rechtliche Situation in der Schweiz darstellen, anschließend die sprachgeschichtliche Entwicklung und am Ende die Unterschiede des Französischen in der Schweiz zum Standard-Französisch erläutern.

2.1 Allgemeines über die Schweiz

In der Schweiz gibt es mit Genève, Jura, Neuchâtel und Vaud drei rein französischsprachige Kantone. Darüber hinaus herrscht in den Kantonen Bern, Freiburg/Fribourg und Wallis/Valais deutsch-französische Zweisprachigkeit.[1]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Die Sprachgebiete der Schweiz[2]

Die Frage nach der Verwendung der offiziellen Sprachen in der Schweiz bzw. ihren Kantonen regelt der Artikel 116 der Schweizer Bundesverfassung:[2]

„1. Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sind die Landessprachen der Schweiz.
2. Bund und Kantone fördern die Verständigung und den Austausch unter den Sprachgemeinschaften.
3. Der Bund unterstützt Maßnahmen der Kantone Graubünden und Tessin zur Erhaltung und Förderung der rätoromanischen und der italienischen Sprache.
4. Amtssprachen der Bundes sind Deutsch, Französisch und Italienisch. Im Verkehr mit Personen rätoromanischer Sprache ist auch Rätoromanisch Amtssprache des Bundes.“[3]

Weiterhin gilt in der Schweiz das so genannte Territorialitätsprinzip, welches besagt, dass die „Sprachzonen grundsätzlich einsprachig sind und anderssprachige Bürger der Schweiz in diesen Gebieten keine […] Sonderrechte genießen.“[4]

In Angelegenheiten zwischen Bürgern und dem Bund hat jeder Schweizer das Recht, in seiner Muttersprache behandelt zu werden. Er kann sich somit in seiner Muttersprache an ein Amt wenden und hat das Recht, auch die Antwort in dieser Sprache zu erhalten. Seit 1996 gilt dieses Recht auch für Sprecher des Rätoromanischen.[5]

In der Schweiz sprechen rund 63% der Bevölkerung Deutsch, 19% Französisch, 7% Italienisch und nur knapp 1% Rätoromanisch. Man kann sagen, dass in der Suisse romande oder Romandie, wie der französischsprachige Teil genannt wird, etwa 1,3 Millionen der 6,8 Millionen Schweizer Französisch sprechen.[6]

2.2 Die sprachgeschichtliche Entwicklung des Französischen in der Schweiz

Das Gebiet der heutigen Schweiz stand im ersten Jahrhundert nach Christus unter römischer Besatzung und wurde durch diese romanisiert. Doch vor allem im Norden machten sich gallische Einflüsse bemerkbar; die Bevölkerung dort war nur an den römischen Standorten romanisch sprechend, der größte Teil der Bevölkerung nahm die Sprache der gallischen Einwanderer an.

„Bis zum neunten Jahrhundert waren das Gebiet von Solothurn bis Bern sowie das gesamte Berner Oberland und die östlich daran anschließenden Gebiete […] definitiv germanisiert, und bis Ende des 13. Jahrhunderts war der Osten der heutigen Kantone Freiburg und Wallis allemannisch geworden“[7]

Die Grenze zwischen dem frankophonen und dem deutschsprachigen Gebiet hat sich seit dem Mittelalter kaum noch verändert. Ebenso haben sich die Sprecherzahlen nur gering verändert. Deutsch wurde 1860 von 69,5% gesprochen, 1910 von 72,7% und 1980 von 73,5%. Beim Französischen verhält es sich ähnlich, 23,4% Sprecher im Jahr 1860, 22,1% 1910 und 20,1% 1980.[8] Die schweizerische Gesetzgebung, mit ihrer Ablehnung jeglicher Zentralität und ihrer Förderung des Kontaktes zwischen den Sprachgebieten trug und trägt immer noch maßgeblich zur Beibehaltung dieses Verhältnisses bei.

[...]


[1] vgl. Pöll, B.: Französisch außerhalb Frankreichs. Tübingen 1998 S. 23

[2] ebd. S. 24

[3] Kolde, G./Näf, A.: Die Westschweiz. IN: Hinderling, R./Eichinger, L. (Hg.): Handbuch der mitteleuropäischen Sprachminderheiten. Tübingen 1996 S. 385-412 AUS: Pöll, B.: a.a.O. S. 23

[4] Pöll, B.: a.a.O. S. 23

[5] vgl. ebd. S. 25

[6] vgl. ebd. S. 24f

[7] Holtus, G./Metzelin, M./Schmitt,C. (Hrsg.): Lexikon der romanistischen Linguistik. Tübingen 1998 S. 727

[8] vgl. ebd. S. 728

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Französisch in der Schweiz und im Aostatal
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
PS: Frankophone und Kreolophone Welt
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V27323
ISBN (eBook)
9783638294027
ISBN (Buch)
9783638760430
Dateigröße
659 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit stellt die Geschichte und die Entstehung der Französischen Sprache in der Schweiz und im Aostatal dar. Ein besonderes Augenmerk gilt dem aktuellen Zustand des Französischen in den beiden Gebieten sowie dem Frankoprovenzalischen.
Schlagworte
Französisch, Schweiz, Aostatal, Frankophone, Kreolophone, Welt
Arbeit zitieren
Michael Pehle (Autor), 2004, Französisch in der Schweiz und im Aostatal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27323

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