Die Bezeichnung Frankophonie umfasst nicht nur die Sprecher des Französischen und die Gebiete, in denen sie leben, sondern vor allem auch einen Kulturkreis. In vielen Gebieten wirdkein reines Standardfranzösisch, sondern eine Art Dialekt gesprochen. In dieser Arbeit werden zwei Regionalsprachen genauer untersucht. Das ist zum einen die französischsprachige Schweiz und zum anderen das Aosta-Tal. In beiden Gebieten hat das Frankoprovenzalische einen Einfluss auf die Sprachentwicklung gehabt, wodurch auch dieser Aspekt in der Arbeit eine Rolle spielen wird. Zunächst wird von allgemeinen Fakten über die jeweiligen Gebiete ausgegangen, die sprachgeschichtliche Entwicklung und die Besonderheiten der jeweiligen Regionalsprache betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Französisch in der Schweiz
2.1 Allgemeines über die Schweiz
2.2 Die sprachgeschichtliche Entwicklung des Französischen in der Schweiz
2.3 Das Frankoprovenzalische in der Schweiz
2.4 Besonderheiten des Französischen in der Schweiz
2.4.1 Phonetik
2.4.2 Morphologie
2.4.3 Lexik
3. Das Aosta-Tal
3.1 Allgemeines über das Vallée d’Aoste
3.2 Die Sprachgeschichtliche Entwicklung des Französischen im Aosta-Tal
3.3 Das Frankoprovenzalische im Aosta-Tal
3.4 Besonderheiten des Französischen im Aosta-Tal
3.4.1 Phonetik
3.4.2 Lexik
4 Endbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status und die Entwicklung der französischen Sprache in zwei spezifischen Regionen, der Schweiz und dem Aosta-Tal, unter besonderer Berücksichtigung des Einflusses des Frankoprovenzalischen sowie der jeweiligen soziolinguistischen Rahmenbedingungen.
- Rechtlicher Status des Französischen in der Schweiz und im Aosta-Tal.
- Sprachgeschichtliche Entwicklung der französischen Sprache in beiden Untersuchungsgebieten.
- Einfluss des Frankoprovenzalischen als dialektales Substrat.
- Analyse spezifischer phonetischer, morphologischer und lexikalischer Besonderheiten des Regionalfranzösischen.
- Vergleich der Vitalität des Französischen in einem stabilen politischen Umfeld (Schweiz) versus einem Minderheitenkontext (Aosta-Tal).
Auszug aus dem Buch
2.4 Besonderheiten des Französischen in der Schweiz
Während das Standardfranzösisch seit dem 19. Jahrhundert keinen Unterschied mehr zwischen phonologischen Oppositionen macht, treten diese im Regionalfranzösisch der Schweiz noch auf. Man kann das zum Beispiel an der Opposition [o] / [ɔ] und [e] / [ɛ] im Auslaut sehen: „pot [po] vs. peau [po], sot [so] vs. seau [so], je pourrai [ʒəpurre] vs. Je pourrais [ʒəpurrɛ]“.
Weiterhin kommen in der Suisse romande Auslautbetonungen bei Wörtern vor, die eigentlich keinen Auslautkonsonanten besitzen, wie zum Beispiel bei almanach [-k]. Das auffälligste Merkmal ist allerdings nach Pröll, die „Aufhebung des generalisierten Oxytonismus“. Unter Oxyton versteht man ein Wort, dessen Betonung auf dem Wortende liegt. Dies ist bei den häufigsten französischen Wörtern der Fall und wohl eines der Hauptmerkmale der französischen Sprache überhaupt. In der Schweiz kommt es vor, dass diese Betonung am Wortende aufgehoben wird und, ohne, dass eine besondere Hervorhebung der Wörter innerhalb des Satzes vorgenommen werden soll, die Betonung mitten im Wort stattfindet. Diese Aussprache ähnelt dem Deutschen, da es dort eine solche Generalisierung nicht gibt. Allerdings „handelt [es] sich hier nicht um Französisch mit alemannischem Akzent, sondern um die Wirkung des frankoprovenzalischen Substrats“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert den Begriff Frankophonie als Kulturkreis und führt in die Untersuchung der zwei Regionalsprachen in der Schweiz und im Aosta-Tal ein.
2 Französisch in der Schweiz: Dieses Kapitel erläutert die rechtliche und sprachgeschichtliche Situation des Französischen in der Schweiz und analysiert Besonderheiten in Phonetik, Morphologie und Lexik.
3. Das Aosta-Tal: Das Kapitel betrachtet die geographische Lage, den Autonomiestatus sowie die spezifische sprachliche Entwicklung des Französischen im italienischen Aosta-Tal.
4 Endbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und hebt die Bedeutung von Regionalsprachen für die Identitätsbildung der Sprecher hervor.
Schlüsselwörter
Frankophonie, Schweiz, Aosta-Tal, Frankoprovenzalisch, Regionalsprache, Dialekt, Sprachgeschichte, Soziolinguistik, Helvetismen, Sprachkontakt, Substrat, Minderheitensprache, Bilingualismus, Sprachpflege, Sprachidentität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Status und der Ausprägung der französischen Sprache in zwei spezifischen Regionen außerhalb Frankreichs: der französischsprachigen Schweiz und dem Aosta-Tal in Italien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, die sprachgeschichtliche Entwicklung, der Einfluss des frankoprovenzalischen Substrats sowie die Abgrenzung zum Standardfranzösisch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Besonderheiten des jeweiligen Regionalfranzösischen zu analysieren und zu untersuchen, wie diese durch lokale Einflüsse und den Kontakt mit anderen Sprachen geformt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und vergleichende sprachwissenschaftliche Untersuchung, die auf Basis bestehender Fachliteratur und linguistischer Analysen die sprachlichen Merkmale in den Gebieten beschreibt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die Schweiz und das Aosta-Tal beleuchtet, wobei jeweils der allgemeine Kontext, die Geschichte, der Einfluss des Frankoprovenzalischen und spezifische sprachliche Phänomene detailliert dargestellt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakterisierende Begriffe sind Frankophonie, Regionalsprache, Sprachkontakt, Substrat, Helvetismen, Minderheitensprache und soziolinguistische Identität.
Wie unterscheidet sich die Rolle des Frankoprovenzalischen in beiden Regionen?
Während das Frankoprovenzalische in der Schweiz kaum noch als lebendige Sprache existiert und primär als Substrat wirkt, ist es im Aosta-Tal als Regionalsprache deutlich präsenter und wird aktiv in Kultur und Gesellschaft gepflegt.
Welchen Einfluss hat das Italienische auf das Französische im Aosta-Tal?
Das Italienische übt einen starken Einfluss aus, insbesondere auf die Lexik, da Sprecher häufig italophon sind und italienische Begriffe bei Wortneuschöpfungen oder in der pragmatischen Alltagskommunikation übernehmen.
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- Michael Pehle (Author), 2004, Französisch in der Schweiz und im Aostatal, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27323