Gegenstand dieser Hausarbeit soll es sein, zu beleuchten ob es die in der Psychologie dargestellte Form der Verdrängung als wichtigsten Abwehrmechanismus gibt, beziehungsweise welche Formen der Kritik oder Gegenentwürfe vorhanden sind. Gibt es lediglich die von Freud postulierte Verdrängung, oder vielleicht auch andere Betrachtungsweisen. Ist der Begriff der Verdrängung ohne weiteres nachvollziehbar oder bedarf es dafür möglicherweise bestimmte Kontexte, die helfen diesen Begriff fassbarer zu machen oder ihn kritischer zu betrachten oder betrachten zu können? Darüber hinaus soll und kann es selbstverständlich nicht Ziel sein und ist es nicht der Anspruch dieser Hausarbeit den Begriff beziehungsweise den Mechanismus der Verdrängung zu widerlegen, er soll lediglich kontrovers diskutiert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Definition des Verdrängungsbegriffs nach Sigmund Freud
2 Gegenthese zur unbewussten Verdrängung
3 Verdrängung und Traumata am Beispiel von PTBS
4 Dissoziative Amnesie und Verdrängung
5 Kritik an der Theorie und dem Begriff der Verdrängung
6 Resumeé
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, den psychologischen Begriff der Verdrängung kritisch zu beleuchten, dessen wissenschaftliche Evidenz zu hinterfragen und im Kontext moderner psychologischer Konzepte sowie Störungsbilder zu diskutieren.
- Freuds Modell der Verdrängung als Abwehrmechanismus
- Kritische Gegenpositionen zur unbewussten Verdrängung
- Verdrängung vs. Traumatisierung am Beispiel der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS)
- Abgrenzung von Verdrängung und dissoziativer Amnesie
- Wissenschaftliche Kontroverse um die empirische Nachweisbarkeit
Auszug aus dem Buch
1 Definition des Verdrängungsbegriffs nach Sigmund Freud
Eine der ersten Theorien des Unbewußten stammt von Sigmund Freud. Er vertrat die These, daß bestimmte Lebenserfahrungen, wie etwa traumatische Erinnerungen oder tabuisierte Wünsche, so bedrohlich für unsere Psyche sind, daß sie aus unserem Bewußtsein verbannt werden. Für diesen Vorgang führte er den Begriff der Verdrängung ein. Freud nahm an, daß bei der Verdrängung des Inhalts der unannehmbaren Ideen oder Motive die damit verbundenen intensiven Gefühle weiterhin vorhanden sind und das Verhalten beeinflussen (Zimbardo, 1999, S.166).
In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu berücksichtigen, dass es sich nach Freuds These bei der Verdrängung um die unbewusste Unterdrückung von Triebbedürfnissen handelt oder um belastende Impulse wie Scham-, Schuld-, oder Angstgefühle die aus dem Es stammen. Dieser Vorgang steht also einem entschlossenem und kontrolliertem Triebverzicht entgegen (Vgl. Brühlmeier, 1995).
Diese Betrachtungsweise geht auf Freuds Instanzen-Modell (Es – Ich – Über Ich) zurück. Nach diesem Modell ist für die Verdrängung der unbewusste, nicht zugängliche Teil des Ich, unter Einfluss der moralischen Instanz Über-Ich, zuständig, der den Triebregungen und Wünschen des Es entgegenwirkt (Vgl. Brühlmeier, 1995). Das es sich dabei um den unbewussten Teil des Ich handelt, bezieht wiederum Freuds topografisches Modell mit ein (Abbildung 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Definition des Verdrängungsbegriffs nach Sigmund Freud: Einführung in Freuds Konzept der Verdrängung als zentralem Abwehrmechanismus innerhalb seines Instanzen- und topographischen Modells.
2 Gegenthese zur unbewussten Verdrängung: Diskussion kritischer Positionen, die Verdrängung als modernes kulturelles Konstrukt ohne biologische Basis infrage stellen.
3 Verdrängung und Traumata am Beispiel von PTBS: Untersuchung des Umgangs mit extremen Belastungen und der Frage, ob bei Traumata eher von Intrusionen als von Verdrängung gesprochen werden muss.
4 Dissoziative Amnesie und Verdrängung: Analyse der Unterschiede zwischen dissoziativen Störungen und dem klassischen Verdrängungsbegriff.
5 Kritik an der Theorie und dem Begriff der Verdrängung: Reflexion über die Schwierigkeiten bei der wissenschaftlichen Empirie und die Notwendigkeit kontextbezogener Betrachtungsweisen.
6 Resumeé: Zusammenfassende Einschätzung, dass eine abschließende Klärung zur Existenz der Verdrängung schwierig ist, die wissenschaftliche Relevanz der Untersuchung jedoch bestehen bleibt.
Schlüsselwörter
Verdrängung, Psychoanalyse, Unbewusstes, Sigmund Freud, Abwehrmechanismus, Traumata, PTBS, dissoziative Amnesie, Dissoziation, Psychologie, Gedächtnis, Triebverzicht, Fehlleistung, Neurose, Instanzenmodell
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Kontroverse um den Verdrängungsbegriff in der Psychologie, insbesondere im Hinblick auf Freuds psychoanalytische Theorien.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen der Verdrängung, die Abgrenzung zu anderen Störungsbildern wie PTBS und Amnesie sowie die Kritik an der mangelnden empirischen Belegbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Mechanismus der Verdrängung kritisch zu hinterfragen und verschiedene Sichtweisen auf seine Existenz und Funktion in der menschlichen Psyche gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Hausarbeit, die auf einer Literaturanalyse verschiedener psychologischer Fachquellen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung von Freuds Modell, die Gegenargumente der modernen Psychiatrie, eine Fallanalyse zur PTBS sowie die Differenzierung zur dissoziativen Amnesie.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie Verdrängung, Psychoanalyse, Traumata, Abwehrmechanismen und das Unbewusste einordnen.
Kann man bei einer PTBS von Verdrängung sprechen?
Die Arbeit hinterfragt dies kritisch, da Patienten bei PTBS oft unter ständigen, ungewollten Erinnerungen (Intrusionen) leiden, was eher gegen das Konzept einer erfolgreichen Verdrängung spricht.
Worin unterscheidet sich Dissoziation von Verdrängung?
Dissoziation wird in der Arbeit als grundlegender Rückzugsmodus aus einer unerträglichen Realität beschrieben, während Verdrängung primär mit der Abwehr intrapsychischer Konflikte assoziiert wird.
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- Tanja Weigert (Author), 2013, Der Begriff der Verdrängung als Kontroverse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273281