Ein breiter Weg. Adoleszenz, Burschen und die Auseinandersetzung mit sich selbst


Diplomarbeit, 2013

45 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Abstrakt

Abkürzungen

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Mobil betreutes Wohnen
1.1 Definition
1.2 Sozialpädagogische Ziele und Inhalte
1.3 Zielklientel
1.4 Methodik

2 Jugend
2.1 Jugend aus juridischer Sicht
2.2 Jugend aus entwicklungspsychologischer Sicht
2.3 Jugend aus pädagogischer Sicht
2.3.1 Jugend als Risiko
2.3.2 Jugend als Provokation
2.4 Jugend aus soziologischer Sicht
2.5 Jugend als gesellschaftliches Konstrukt
2.5.1 KonstrukteurInnen der Jugend

3 Jugend und ihre Entwicklungsaufgaben
3.1 Allgemein
3.2 Entwicklungsaufgaben nach Havighurst
3.3 Beispielhafte Aufzählung von Entwicklungsaufgaben
3.4 Entwicklungsschritte der Adoleszenz
3.5 KonstrukteurInnen der Adoleszenz

4 Betrachtungsweisen der Adoleszenz männlicher Jugendlicher
4.1 Die Bedeutung des Herkunftssystem für die männliche Adoleszenz
4.2 Auf der Suche nach dem eigenen Geschlecht
4.2.1 Der Einfluss des Vaters
4.2.2 Der Einfluss der Mutter
4.2.3 Der Einfluss der Familie
4.2.4 Der Einfluss der peergroup
4.2.5 Faktoren männlicher Adoleszenz
4.2.6 Angst
4.2.7 Aggression
4.2.8 Narzissmus

5 Bewältigungsstrategien (Coping)
5.1 Formen des Coping

6 Burschenarbeit
6.1 Formen der Burschenarbeit
6.2 Burschenarbeit im Betreuten Wohnen
6.2.1 Prinzip „Für uns
6.2.2 Prinzip „Über uns“
6.2.3 Prinzip „Unter uns“

7 Zusammenfassung und Reflexion
LUSTIGER ABEND

8 Literaturverzeichnis

Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Periodisierung d. Jugend 1

Generationendefinition 1

Komponenten des Konzepts der Entwicklung 1

Formen der Burschenarbeit 1

Einleitung

Die Relevanz meiner ausgewählten Themenstellung ergibt sich aus meiner 10 jährigen direkten Arbeit mit Jugendlichen im Alter von 16 bis 21 Jahren, die nach unterschiedlichen Problemen im Elternhaus das Angebot des Betreuten Wohnens, einer Maßnahme der Jugendwohlfahrt, nutzen. In dieser Zeit habe ich viele Burschen begleitet die neben den allgemeinen Schwierigkeiten der Pubertät und Adoleszenz auch noch mit den ganz eigenen Aufgaben des „Mannwerdens“ konfrontiert sind. Neben dieser Auseinandersetzung mit den allgemeinen Entwicklungsaufgaben dieses Lebensabschnittes, haben diese Burschen die zusätzliche Konfrontation mit der übergestülpten Lebenswelt der Jugendwohlfahrt. Diese neue Lebenssituation bietet neben einer neuen Form der Sicherheit auch eine Konfrontation mit neuen Regeln und Kontrollen, die ihnen aus der bisherigen Lebenssituation so sicher nicht bekannt sind.

Jugendliche haben in der Gegenwart eine Vielzahl von Entwicklungsaufgaben zu lösen, die aufgrund neoliberaler Gesellschaftshaltungen von Vielfältigkeit, Orientierungsarmut und gesteigerter Verantwortung, geprägt sind.

Da sich der Wissenstand der Burschenarbeit permanent entwickelt und die Soziale Arbeit, verstärkt im Handlungsfeld der Offenen Jugendarbeit forscht und sich adaptiert, sollen in dieser Arbeit die nötigen Entwicklungsaufgaben von jungen Burschen in einer Ausnahmesituation, wie es eine Unterbringung in einer Jugendwohlfahrtsmaßnahme darstellt, genauer betrachtet werden.

Beinah alle der von mir begleiteten Burschen konnten in der Betreuungszeit eine gelingende Entwicklung schaffen. Was müssen diese Burschen im Zentrum ihrer Adoleszenz meistern? Welche Aufgaben haben sie um ein gelingendes Leben zu meistern? Das sind die zentralen Fragen meiner Arbeit.

Dazu versuchte ich mittels vergleichender Literaturarbeit einen Überblick über den Wissenstand der Sozialen Arbeit zum Thema Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz zu gewinnen und meine Handlungsprinzipien in der täglichen Arbeit darzulegen.

1 Mobil betreutes Wohnen

1.1 Definition

Der Leistungserbringer mietet oder kauft Wohnungen und stellt diese Personen aus der Zielgruppe zur Verfügung (zum Teil werden die Wohnungen auch direkt von Jugendlichen gemietet). Ein mobiles professionelles pädagogisches Personal betreut die Jugendlichen in diesen Wohnungen. Die Jugendlichen erleben eine altersgemäße, geschlechtsspezifische Raumaneignung sowohl hinsichtlich der Jugend- als auch der Erwachsenenwelt. Diese Form der Versorgung ermöglicht und unterstützt eine Doppelorientierung an Eltern und Gleichaltrigen.

1.2 Sozialpädagogische Ziele und Inhalte

- Jgdl. erwerben soziale Kompetenz, werden in ihrer Konflikt- und Beziehungsfähigkeit gefördert
- sie erlernen den unübersichtlichen und multioptionalen Alltag strukturieren
- werden durch sozialpädagogische Betreuung und Begleitung selbstständig und entwickeln ihre Persönlichkeit
- erlangen berufliche Orientierung und Integration in die Wohnumgebung
- bilden individuelle Freizeit- und Konsumkompetenz heraus

1.3 Zielklientel

Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren, in Ausnahmefällen bis zum 21. Lebensjahr.

1.4 Methodik

- Empowerment
- Case Management
- Netzwerkansatz
- Lebensweltorientierte und Jugendhilfe
- Hilfe zur biografischen Lebensbewältigung

(Landesregierung, 2013 Leistungsbeschreibung 05 MOB)

2 Jugend

Einleitend stellt sich für mich die Frage, „Wann findet Jugend statt?“ aus der folgenden Tabelle ist dies durch die Periodisierung des Jugendalters gut ablesbar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Periodisierung d. Jugend 1

„Jugend beginnt früher und dauert länger“

„Jugend” ist durch Besonderheiten in der biologischen, psychischen, sozialen und kulturellen Entwicklung gekennzeichnet. Die Jugendphase beginnt, biologisch gesehen mit der Entwicklung der Sexualreife. Der Aufbau einer eigenen Geschlechtsrolle und die Entstehung von Partnerbindungen kennzeichnen die Zeit der Jugend. Das Ausprobieren verschiedener Identitäten ist die „Hauptarbeit“ der Jugendphase. Dieses Handlungsfeld ist aber im Laufe der Zeit immer freier und unspezifischer geworden. Waren es früher organisierte Gemeinschaften die eine Entwicklung geleitet haben, so sind zunehmend lose Freundeskreise und Peergroups an deren Stelle getreten. Die Zeit der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft, sowie die Politisierung beginnt. Da Jugendliche heute im verstärkten Ausmaß über eigenes Vermögen verfügen, werden ihnen immer stärker die Rollen und die Aufgaben des/der „KonsumentIn“ übergestülpt. Dies wird von einer neoliberalen Gesellschaftsströmung betrieben, der ein ausgewogenes Verhältnis von Pflichten und Rechten nur peripher bzw. überhaupt nicht interessiert. Der Markt bestimmt dort die Werte. War früher das Ende der Jugendzeit durch Familiengründung, volle Berufstätigkeit und Heirat gekennzeichnet, so ist heute der Übergang wesentlich fließender. Ausbildungen werden länger und die Abnabelung vom Elternhaus verzögert sich. Die allgemeine wirtschaftliche Situation fördert diesen Trend ebenfalls.

Zur Festlegung des Endes der Jugendphase wird, neben den juristischen, biologischen und psychologischen Aspekten, die ökonomische Verselbständigung herangezogen (vgl. Hurrelmann 2007).

2.1 Jugend aus juridischer Sicht

Auf Grund der Verantwortung die jungen Menschen zugeschrieben wird, ist das Alter zwischen dem vollendeten 14. und 18. Lebensjahr als juristisch relevantes Jugendalter einzustufen.

Das 14. Lebensjahr als Grenze zwischen „Kind“ und „Jugendlicher“ kommt aus der zivilrechtlichen Verantwortungsfähigkeit ((Schadensersatz- oder Deliktsfähigkeit) (vgl. § 1308 ABGB)).

Betrachtet man das Strafrecht, so ist mit der Vollendung des 14. Lebensjahrs die volle Strafmündigkeit gegeben. Bei fehlender geistiger Reife kann sie auch noch bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ausgedehnt werden. Danach ist aber immer von einer vollen Strafmündigkeit auszugehen, außer es liegen Geistesstörungen oder Behinderungen mit einer Einschränkung der intellektuellen Fähigkeiten vor (vgl. § 11 StGB). Das Strafgesetzbuch sieht aber die Möglichkeit, trotz Vollendung des 14. Lebensjahrs, differenziert zu strafen (vgl. § 5 Z 4 JGG) vor.

Im Gegensatz dazu spricht das Jugendwohlfahrtsgesetz (JWF) primär von „Minderjährigen”, aber von Jugendlichen, wenn es um eine freiwillige Verlängerung über das 18. Lebensjahr bis zum 21. Lebensjahr geht. Jugendliche sind demnach, nach Vollendung des 18. und vor Vollendung des 21. Lebensjahres eine volljährige Personen.

2.2 Jugend aus entwicklungspsychologischer Sicht

Jugend aus entwicklungspsychologischer Sicht umreißt die Veränderungen aus sozialer Erfahrung, biologischer Entwicklung und intellektueller Veränderung. Im Volksmund heißt es „Nicht mehr Kind und noch nicht Erwachsener“. Dies umschreibt die Übergangsphase zum Erwachsen werden recht gut. Auf der einen Seite noch alle Rechte des Kindes und auf der anderen Seite werden schon die Aufgaben des Erwachsensein gefordert. Übergangsphasen sind veränderungssensitive Phasen in denen die Jugendlichen Entwicklungsfortschritte zu leisten haben. Das Verlassen von Bekanntem, sowie die Erweiterung des bisher Möglichen, begleiten diese Phasen. Die daraus resultierende Labilität dieser Phasen ist gekennzeichnet durch Verlust bekannter Handlungsmuster aber noch keine hinreichende Bewältigungsstrategie für neue Aufgaben. Diese Verarbeitungs- und Konsolidierungsprozesse verlaufen überlagert und mit unterschiedlichen Ausprägungen und Tempi. Die Mitgestaltung der eigenen Entwicklung zählt zu den Qualitätsstandards einer ressourcenorientierten Entwicklungsförderung.

2.3 Jugend aus pädagogischer Sicht

2.3.1 Jugend als Risiko

In der Lebensphase Jugend hat risikobereites Verhalten durchaus seine Berechtigung. Dieses Risikoverhalten ist Erprobungsraum von Möglichkeiten und Verbotenem. Es spielt eine große Rolle im Entwicklungsprozess zum Erwachsenwerden. Speziell der Substanzenmißbrauch wird oft als Bewältigungsstrategie zur Kompensation von schulischen, und familiären Belastungssituationen gesehen.

Riskantes Verhalten in der Jugendphase ist mehrfach entwicklungsfunktional und steht im engen Zusammenhang mit deren Autonomiestreben. Jugendliche sind überzeugt am besten zu wissen, was für sie gut ist und benötigen die Ermahnungen und Beschränkungen von Erwachsenen nicht mehr und wollen dies durch Überlegenheit und Missachtung beweisen. Durch besonders risikoreiches Verhalten sollen Erwachsene entwertet und deren Vorschriften, Einschränkungen und Gebote lächerlich gemacht werden. No risk – no fun! Im Dreieck von vermehrter „Versuchung“, ablehnender „pädagogischer Bevormundung“ und geschwächter “Vernunft“ kann das Jugendalter als besonderes Risiko gesehen werden.(Göppel, 2005, S. 63 )

2.3.2 Jugend als Provokation

Provokation und Auflehnung sind das meistgesehene Bild von Jugend und auch deren Vorrecht. Sich frei zu strampeln von bisherigen Dogmen, das Leben auszukosten in all seinen (menschlichen) Höhen und Tiefen, ist unerlässlich, um sich wirklich orientieren zu können; -ohne darauf angewiesen zu sein, fremdes "Wissen" und fremde Erfahrung ungeprüft zu übernehmen.(Göppel, 2005, S. 60 ff)

2.4 Jugend aus soziologischer Sicht

Betrachtet man „Jugend“ nicht als biologische Erscheinungsform mit neuronalen Umbauten und körperlichen Erscheinungsformen, sondern als soziales Phänomen, so sieht man sehr rasch die Jugend als Teilkultur unserer Gesellschaft. Im soziologischen Ansatz geht es um die Beschreibung von Einstellung, Werten, und Verhaltensweisen der aktuellen Jugendgeneration. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse der Besonderheiten der jeweiligen Jugendgeneration lassen sich auf gesellschaftliche Veränderungen rückführen. Jugend kann als Seismograph, der auf Verwerfungen Ungleichheiten und Probleme der Gesellschaft besonders sensibel reagiert, gesehen werden. Die soziologische Beschreibung einer Jugendgeneration kann natürlich immer nur eine Verkürzung sein, um das Generationstypische auf einen Punkt zu bringen. In den letzten Jahren wurden unterschiedliche Jugendgenerationen beschrieben (Göppel, 2005, S. 48 ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Generationendefinition 1

Seither gibt es kaum so einheitliche Konturen in einer Jugendgeneration, sodass von einer „Pluralisierung jugendlicher Lebensformen“ die Rede ist (Zimmermann, 2006, S. 159 ff).

2.5 Jugend als gesellschaftliches Konstrukt

Erwartungen der Erwachsenengeneration gegenüber der Jugendgeneration werfen die Frage nach einem Konstrukt des Status Jugend auf. Musgrove formuliert 1966: „Die Jugend wurde zur selben Zeit erfunden wie die Dampfmaschine. Der Konstrukteur der letztgenannten war J. Watt, der Konstrukteur der erstgenannten J.J. Rousseau.“

Mario Erdheim beobachtet in seiner Theorie über Adoleszenz und Kulturentwicklung in folgendes: Betrachtet man unterschiedliche Gesellschaftsformationen, so kann man beobachten, dass statische Gesellschaftsformen die sich durch Traditionsgebundenheit, in sich selbst ruhend und „Archaik“ auszeichnen, kaum den Experimentierraum der Adoleszenz bieten der in modernen „offenen Gesellschaften zu finden ist. Der Übergang zum Erwachsenen findet dort abrupter, schockartiger aber auch organisierter und ritualisierter statt. In „modernen“ dynamischen Gesellschaften tritt die Ritualisierung des Erwachsenwerdens auf Kosten der Bedeutung von Entfaltungs- und Experimentierräumen in den Hintergrund. In diesen werden den Jugendlichen mehr Entfaltungs- und Entwicklungsräume zugestanden um eigene Umgangsweisen und Weltansichten zu entwickeln. Er nennt diese beiden „heiße“ und „kalte“ Gesellschaftsformen(Erdheim, 1982, S. 281 f).

[...]

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Ein breiter Weg. Adoleszenz, Burschen und die Auseinandersetzung mit sich selbst
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
45
Katalognummer
V273282
ISBN (eBook)
9783656672913
ISBN (Buch)
9783656672920
Dateigröße
992 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adoleszenz, Burschen, Coping, Entwicklungsaufgaben, Jugend;, Jugendhilfe, Diversität
Arbeit zitieren
Richard Trotscha (Autor), 2013, Ein breiter Weg. Adoleszenz, Burschen und die Auseinandersetzung mit sich selbst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273282

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