Die Geburt der Eltern. Paare im Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft


Studienarbeit, 2003

33 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung :

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Partnerschafts- und Elternschaftskonzepte
2.2. Zum Forschungsstand der Elternschaft
2.3. Phasen der Elternschaft

3. Veränderungen von Partnerschaften beim Übergang zur Elternschaft

4. Partnerschaftliche Ressourcen in Belastungssituationen

5. Schlussbemerkung

Literaturliste:

Abbildungsverzeichnis:

„Wenn Paare Eltern werden, dann ändert sich die Lebenssituation dieser jungen Menschen in fast jeder Beziehung.“ (Petzold, 1998)

1. Einleitung

Mit dieser Arbeit beabsichtige ich die Probleme und Veränderungen aufzuzeigen, die sich bei der Geburt eines Kindes in der Partnerschaft ergeben. Anhand der vorgestellten Partnerschafts- und Elternschaftsmodelle möchte ich Erklärungs­versuche für diese Veränderungen aufstellen sowie Lösungen anbieten, wie man trotz der Belastung durch die neue Lebenssituation eine glückliche Partnerschaft führen kann. Meine Studienarbeit beginnt mit einigen theoretischen Grundlagen wie verschiedenen Modellvorstellungen, einem historischen Überblick zum Forschungsstand der Elternschaft sowie den Phasen der Elternschaft. Anschließend behandele ich aktuelle Untersuchungs-Ergebnisse zu Verände­rungen der Partnerschaft beim Übergang zur Elternschaft und widme mich später partnerschaftlichen Ressourcen in Belastungssituationen zu. Diese behandelten Ressourcen und Schutzfaktoren bei Krisen habe ich so ausführlich beschrieben, da sie eine wichtige Grundlage für Bewältigungsstrategien des Paares sind, die beim Übergang zur Eltern­schaft von großer Bedeutung sein können.

Zum Thema dieser Arbeit habe ich bei der Beschäftigung mit Partnerschafts­konzepten und auch der damit verbundenen Problembewältigung in auftreten­den Krisen oder belastenden Lebenssituationen gefunden. Eine solche Lebens­situation kann die Phase der Familienwerdung sein, wenn ein Paar sich für Nachwuchs entscheidet und aus der bisherigen partnerschaftlichen Zweier-Beziehung die Elternschaft wird. Den Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft erlebe ich zur Zeit vermehrt in meinem unmittelbaren Um­feld von Freunden und Nachbarn mit, sodass sich die bereits vorhandene Neugier auf dieses Thema noch verstärkte und sich das Interesse einer tieferen Auseinandersetzung damit formte.

Es sei an dieser Stelle noch angemerkt, dass ich mich bei meinen Ausführun­gen aus Kapazitätsgründen lediglich auf die Erst-Elternschaft beschränken und keine weiteren Unterscheidungen zur Zweit-Elternschaft vornehmen werde.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Partnerschafts- und Elternschaftskonzepte

Schwangerschaft, Geburt und der Beginn der Elternschaft werden von Gloger-Tippelt 1985 als „ ... zeitlich gedrängte, z. T. als krisenhaft erlebte, quantitative und qualitative Veränderungsprozesse ...“ des Übergangs zusammengefasst (Petzold, 1998, S. 29). An dieser Stelle sollte auch auf Bronfenbrenner (1981) hingewiesen werden , der ein ökopsychologisches Konzept des Übergangs ent­wickelte. „Ein ökologischer Übergang findet statt, wenn eine Person ihre Posi­tion in der ökologisch verstandenen Umwelt durch einen Wechsel ihrer Rolle, ihres Lebensbereichs oder beider verändert.“ (Petzold, 1998, S. 29)

Adams stellt 1985 fest, dass bei der Geburt eines oder mehrerer Kinder die partnerschaftliche Dyade zu einer komplexen Zusammenstellung von Dyaden und Triaden wird. Anhand seiner entwickelten Modelle wird deutlich, dass im innerfamiliären Beziehungsmuster der Zweikind-Familie bereits 4 Triaden und 6 Dyaden bestehen und somit das Familiensystem wesentlich komplexer als das System einer Partnerschaft ist (und auch entsprechende Wechselbe­ziehungen nicht ausschließt).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1

An dieser Stelle erscheint mir auch das von Belsky (1984) entwickelte Pro­zessmodell der Elternschaft erwähnenswert. Die Persönlichkeit wird demnach geformt durch die individuelle Entwicklungsgeschichte, das soziale Netzwerk, die Arbeitswelt und bestehende Paarbeziehung. Vor diesem Hintergrund kann sich aus der Persönlichkeit ein bestimmtes Elternverhalten entwickeln, welches wiederum von der Paarbeziehung, der Arbeitswelt und auch der Persönlichkeit des Kindes beeinflusst wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Obwohl dieses Modell sich durch das Aufzeigen von relevanten Wechselwir­kungsprozessen auszeichnet, so kritisieren u.a. Schneewind und Vaskovics (1988), dass der Bezug zu ökologischen Variablen nicht ausreichend dargestellt sei und das Modell aus entwicklungspsychologischer Perspektive noch um eine dritte Dimension der Zeit erweitert werden könne, was 1989 von Gerris dann auch in einem erweiterten Familienprozessmodell getan wird. Ein systemtheo­retisch orientiertes Modell der Elternschaft wird 1985 und 1987 von Cowan und Cowan entwickelt. Im sogenannten Fünf-Domänen-System-Modell werden beide Elternteile getrennt aufgeführt und jedes Individuum mit der je­weiligen systemischen Stellung innerhalb der Familie dargestellt und dabei auch Bezug auf das Selbstkonzept genommen, sodass die Partnerbeziehung, die Beziehung zum Kind und der eigenen Herkunftsfamilie aufgezeigt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

Unter Berücksichtigung dieses soeben beschriebenen systemischen Modells hat Nickel 1988 das sogenannte ökopsychologische Strukturmodell der Familie entwickelt, welches systemische Theorien mit dem ökopsychologischen Modell von Bronfenbrenner (1986) verbindet. Bronfenbrenner gliedert die Umwelt des Individuums in fünf verschiedene Systeme, das Mikro-, Meso-, Exo-, Makro- und Chrono-System. Damit werden zwar die wesentlichen Lebensdimensionen eines Menschen dargestellt, jedoch besteht ein markanter Mangel des Modells in der Starrheit der fünf Systeme, die Veränderungspro­zesse nur unzureichend erfassen kann. Nickel betont nun, dass Veränderungen der subjektiven Umwelt lediglich auslösende Faktoren in Entwicklungs­vorgängen sein können, und von wesentlicher Bedeutung auch immer sei, wie das Individuum diese Veränderungen erlebe. Das ökopsychologische Struk­turmodell bezieht den Aspekt der prozessualen Veränderung verstärkt ein und berücksichtigt, dass „ ... ökologische Übergänge von verschiedenen Familien­mitgliedern stets zwar gleichzeitig, aber in ganz verschiedener Art und Weise [...] erlebt werden.“ (Petzold, 1998, S. 65)

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Abb. 4

Das Modell veranschaulicht somit die ökopsychologische Perspektive, dass Familie eine sich fortlaufend verändernde Beziehung unterschiedlicher Einzel­systeme ist (vgl. Petzold, 1998, S. 66).

Von Kalicki, Peitz u.a. wird 1997 ein Modell der Partnerschaftsentwicklung im Übergang zur Elternschaft skizziert, welches versucht, auftretende Verände­rungen kognitionspsychologisch zu erklären (vgl. Reichle, 1999)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5

Dabei werden auf der linken Seite die sogenannten Mediationsbeziehungen (Veränderungen der Lebenssituation, situationsgebundene Unzufriedenheit, Veränderungen der Paarinteraktion, Verschlechterung des Partnerkonzepts), rechts hingegen die moderierenden Größen dargestellt (individuelle Person-Situation-Passung, Dyadische Organisation, Gelegenheiten/Bedingungen für konstruktives Konfliktlösen und positive Paarinteraktion, Attribution der Ver­änderungen), welche jedoch nach den Hinweisen der Autoren hiermit keines­wegs erschöpft sind. Das Modell soll helfen, die Bedingungen hervorzusagen, die zu einer Verschlechterung der Partnerschaft führen können sowie auch die vermittelnden Prozesse darzustellen, die bei auftretenden Veränderungen nötig sein können.

2.2. Zum Forschungsstand der Elternschaft

Die vorläufige Bezeichnung des Übergangs zur Elternschaft als „Krise“ geht auf den Soziologen Hill (1949) zurück. 1957 begann dann mit LeMasters die Forschungsarbeit zur Elternschaft; dieser beschäftigt sich vor allem mit den sich ereignenden krisenhaften Umstellungen der Familienstruktur beim Über­gang in die neue Lebensphase. 1963 knüpft Dyer mit einer Nachuntersuchung an LeMasters Forschungen an, um näheres über die Art und die Bewältigung von Krisen zu erfahren. Allerdings konnte diese Theorie der Elternschaft als Krise spätestens 1965 durch Hobbs´ Studien widerlegt werden, der bei keinem seiner untersuchten Paare eine ausgedehnte Krise feststellte und die eheliche Zufriedenheit nach der Geburt eines Kindes sogar bei 91 % der Paare höher als je zuvor sei.

Mit Rossi kam es dann 1968 zur Änderung der Bezeichnung, es wird nicht länger von „Krise“, sondern fortan von „Übergang“ zur Elternschaft gespro­chen. Die „ ... Entstehung eines neuen Familiensystems werde durch den nega­tiven Begriff der Krise gerade nicht verdeutlicht, während der neutralere Begriff des Übergangs sowohl negative als auch positive Entwicklungen um­fasse.“ (Petzold, 1998, S. 27)

Eine erste Längsschnittstudie zur Erforschung von Erleben und Verhalten junger Eltern wird 1974 von Russell durchgeführt, der zu dem Ergebnis kam, dass 80 % der Eltern die Krise bereits in den ersten Monaten nach der Geburt überwunden haben und vielmehr die Probleme der ehelichen Kommuni­kationsmuster, die Einstellungen zur Elternschaft, die finanzielle Situation und Beziehung zum eigenen familiären Hintergrund die Partnerschaftszufriedenheit bestimmen. Belsky, Spanier und Robine knüpfen 1983 und 1984 an die Kri­sendebatte an und stellten eine lineare Abnahme der ehelichen Zufriedenheit von der Schwangerschaft bis knapp ein Jahr nach der Geburt fest. Die Wich­tigkeit eines sozialen Netzwerkes ist ein weiteres Ergebnis dieser Forscher­gruppe, da nach der Geburt eines Kindes der Kontakt zum weiteren Familien­kreis bestärkt und familiäre Unterstützung gesucht werde sowie auch erhöhter Bedarf an einem Zusammentreffen mit anderen Eltern vorhanden sei. 1981 werden von Entwistle und Doering die Begriffe der physiologischen und der sozialen Krise unterschieden, die mit der Kindesgeburt zusammen hängen. Bei dem Erleben von sozialen Krisen sei die Art der Vorbereitung und die Schicht­zugehörigkeit ein bedeutender ökologischer Faktor. Diese differenzierte Sicht­weise des Übergangs zur Elternschaft wird 1986 noch von Harriman erweitert, der das Niveau der ehelichen Zufriedenheit vor der Geburt betont und belegt, dass Eltern mit einer positiven Ehe auch einen stärkeren positiven Wandel nach der Geburt des Kindes erleben. Als weitere ökologische Faktoren, die einen Einfluss auf den Übergang zur Elternschaft haben, beschreibt Schneewind 1983 die Einschränkung persönlicher Freiheit, zusätzliche materielle Belas­tung, ein geänderter Zeitrhythmus sowie eine eventuelle Berufsaufgabe der Mutter. Schneewind spricht in diesem Zusammenhang von einem stressindu­zierendem Ereignis, dass nicht ausschließlich zu einer Krise führen muss. „Erfolgen die nötigen Anpassungen auf Seiten der Eltern nicht, könne es tat­sächlich zu krisenhaften Entwicklungen kommen. Passen die jungen Eltern sich jedoch an, so kann dieses sogar eine Stärkung der Stressbewältigungs­kräfte bewirken.“ (Petzold, 1998, S. 30)

Unter Belsky, Gilstap und Rovine (1984) sowie Cowan und Cowan (1994) werden verschiedene größere Studien zum Übergang zur Elternschaft durchge­führt, auf die ich jedoch aus Kapazitätsgründen in der vorliegenden Arbeit nicht näher eingehen kann. An dieser Stelle möchte ich auch die Untersu­chungen von Brüderl zu Bewältigungsprozessen beim Übergang zur Eltern­schaft nicht unerwähnt lassen (1982, 1985, 1989). Die von mir aufgeführten Ergebnisse in Kapitel 4 und 5 beziehen sich vor allem auf Petzold (1998), Reichle (1991 und 1999) und Schneewind (1994), deren Untersuchungsergeb­nisse ich dann im folgenden noch genauer betrachten werde.

2.3. Phasen der Elternschaft

Zum Übergang der Erstelternschaft wird 1985 von Gloger-Tippelt ein Phasen­modell entworfen. Die nun folgenden acht Entwicklungsphasen der Eltern sind idealtypischer Natur und dienen einer groben Orientierung. Mir ist es wichtig, dieses Phasenmodell vorzustellen, da sowohl Veränderungen der Partnerschaft als auch entstehende Verarbeitungsprozesse damit besser verdeutlicht werden können.

Verunsicherungsphase (bis zur 12. Woche)

Nach der Konfrontation mit der Schwangerschaftsdiagnose werden von der Mutter im körperlichen Bereich erste Veränderungen wie Müdigkeit, Übelkeit oder Bauchschmerzen wahrgenommen. Das positive oder negative Erleben der Schwangerschaft hängt wesentlich von der Anteilnahme der werdenden Eltern ab. Die eigene Ausbildungs- und Berufssituation, die finanzielle Lage und auch die Partnerbeziehung werden reflektiert und neu bewertet, was von den wer­denden Eltern je nach Alter und Identitätsbewusstsein als Belastung oder zu­mindest Verunsicherung empfunden wird, vor allem wenn eine mögliche Ent­scheidung für oder gegen das Kind noch nicht getroffen ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Die Geburt der Eltern. Paare im Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft
Hochschule
Universität Kassel  (Studiengang Sozialwesen)
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
33
Katalognummer
V27329
ISBN (eBook)
9783638294089
ISBN (Buch)
9783638679800
Dateigröße
1090 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geburt, Eltern, Paare, Partnerschaft, Elternschaft, Beziehung, Paarkonflikte, Bezhiehungskonflikte, Mutter, Vater
Arbeit zitieren
Martina Carl (Autor), 2003, Die Geburt der Eltern. Paare im Übergang von der Partnerschaft zur Elternschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27329

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