Seit einigen Jahren gibt es Überlegungen, wie eine ökologisch orientierte Unternehmens-politik gestaltet werden kann - nicht zuletzt deshalb, weil sich erwiesen hat, daß die Nichtbeachtung von Umweltschutzaspekten in der Wirtschaft nicht nur zu existenzbedro-henden ökologischen Problemen führt, sondern beachtliche ökonomische Nachteile für ein Unternehmen mit sich bringen kann.
Die Voraussetzung und zugleich das Hauptproblem für die Durchführung einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik bildet die Bereitstellung von Informationen über die Umweltwirkungen eines Unternehmens. Zur Lösung dieses Problems wurde in den vergan-genen Jahren maßgeblich vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH (IÖW) Berlin eine Methode für ein Umweltinformationssystem entwickelt. Dies ist das Konzept zur Erstellung einer betrieblichen Ökobilanz, welches auch bereits in einigen Unternehmen eingesetzt wird.
Ziel dieser Arbeit ist, aufzuzeigen, welche Möglichkeiten und Grenzen es bei der Erstellung einer Ökobilanz und damit bei der Bilanzierung der Auswirkungen der Umweltaktivitäten eines Unternehmens im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik gibt.
Dazu wird zunächst kurz auf wesentliche globale Umweltprobleme, deren wirtschaftliche Ursachen und auf die Verantwortung von Unternehmen zur Lösung von Umweltproblemen eingegangen. Anschließend folgt eine Erläuterung der Grundzüge einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik, u. a. werden wesentliche Elemente, die ein Umweltmana-gementsystem nach der EG-Öko-Audit-Ordnung enthalten müßte, erläutert.
Dann werden das IÖW-Konzept einer betrieblichen Ökobilanzierung sowie Ergebnisse und Erfahrungen bei der praktischen Umsetzung des Konzeptes im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik in der Kunert AG und in der Neumarkter Lammsbräu vorgestellt.
Die hierbei bereits sichtbar werdenden Möglichkeiten und Grenzen der Ökobilanzierung für die Realisierung einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik und damit im Hinblick auf die Lösung ökologischer Probleme sowohl in Unternehmen als auch in globaler Sicht werden im letzten Teil der Arbeit zusammenfassend dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
0. Problemstellung
1. Einleitung
1.1. Überblick über die Umweltproblematik
1.2. Verantwortung der Unternehmen für den Umweltschutz
1.2.1. Gründe für die mangelnde Beachtung von Umweltschutzaspekten in Unternehmen
1.2.2. Chancen für Unternehmen durch die Beachtung von Umweltschutzaspekten
2. Grundzüge einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Realisierungsmöglichkeiten
2.2.1. Überblick über Elemente eines Umweltmanagementsystems (nach der EG-Öko-Audit-Verordnung)
2.2.2. Wesentliche Beurteilungsmaßstäbe für die Umweltaktivitäten eines Unternehmens (nach der EG-Öko-Audit-Verordnung)
2.2.3. Problem der Erfassung ökologisch relevanter Informationen
2.2.4. Defizite des herkömmlichen Rechnungswesens und Anforderungen an ein Umweltinformationssystem
3. Ökobilanzierung als Bestandteil eines Öko-Controlling im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik
3.1. Begriffsbestimmung 'Ökobilanz'
3.2. Volkswirtschaftlich orientierte Ökobilanzierung
3.3. Betriebswirtschaftlich orientierte Ökobilanzierung
3.4. 'Ökobilanz' und 'Öko-Controlling' im IÖW-Konzept einer betrieblichen Ökobilanzierung
3.5. Aufbau der betrieblichen Ökobilanz nach dem IÖW-Konzept
3.6. Ausführliche Darstellung des IÖW-Konzeptes
3.6.1. Informationsbeschaffung für die Datenerhebung
3.6.1.1. Stamm- und Bewegungsdaten
3.6.1.2. Unternehmensinterne Informationsquellen
3.6.1.3. Externe Informationsquellen
3.6.1.4. Methoden und Probleme der Informationsbeschaffung
3.6.2. Betriebsbilanz
3.6.2.1. Inhalt und Systematik der Betriebsbilanz
3.6.2.2. Erstellung der Betriebsbilanz
3.6.3. Prozeßbilanz(en)
3.6.3.1. Inhalt der Prozeßbilanz(en)
3.6.3.2. Erstellung der Prozeßbilanz(en)
3.6.3.2.1. Strukturierung der betrieblichen Prozesse
3.6.3.2.2. Erfassung der Daten
3.6.4. Produktbilanz(en)
3.6.4.1. Inhalt der Produktbilanz(en)
3.6.4.2. Erstellung der Produktbilanz(en)
3.6.4.2.1. Abgrenzung der Phasen des ökologischen Produktlebenszyklus
3.6.4.2.2. Komplexität der ökologischen Zusammenhänge in den vor- und nachgelagerten Phasen
3.6.4.2.3. Erfassung der Daten
3.6.4.2.4. Umfang einer Produktbilanz und erste Aussagen
3.6.5. Substanzbetrachtung
3.6.5.1. Inhalt der Substanzbetrachtung
3.6.5.2. Erstellung der Teilbilanzen der Substanzbetrachtung
3.6.6. Bewertung der Daten auf ökologische Relevanz
3.6.6.1. Anforderungen an ein ökologisches Bewertungssystem
3.6.6.2. Methode der ABC/XYZ-Bewertung
3.6.6.3. Bewertungskriterien
3.6.6.4. Informationsbeschaffung für die Bewertung
3.6.6.5. Bewertung in den einzelnen Bilanztypen
3.6.6.5.1. Bewertung in der Betriebsbilanz und der Prozeßbilanz
3.6.6.5.2. Bewertung in der Produktbilanz und in der Substanzbetrachtung
3.6.7. Eingrenzung der ökologischen Problemfelder und Ableitung eines Prioritätenkataloges zur Schwachstellenbeseitigung
3.6.8. Beurteilung des ökologischen Erfolges und Umweltkennzahlensystem
4. Beispiele für die Durchführung der Ökobilanzierung im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik in der Praxis
4.1. Beispiel: Die KUNERT AG
4.1.1. Umweltschutz-Engagement
4.1.2. Umweltmanagement
4.1.3. Ökobilanzierung
4.1.3.1. Stand der Umsetzung des IÖW-Konzeptes
4.1.3.2. Wesentliche Erfahrungen mit der Ökobilanzierung
4.1.3.3. Ausgewählte Ergebnisse der Ökobilanzierung von 1989 bis 1992
4.1.3.3.1. Erläuterungen zur Konzern-Betriebsbilanz
4.1.3.3.2. Erläuterungen zur Produktbilanz
4.1.4. Fazit
4.2. Beispiel: Die Fa. Neumarkter Lammsbräu
4.2.1. Umweltschutz-Engagement
4.2.2. Umweltmanagement
4.2.3. Ökobilanzierung
4.2.3.1. Stand der Umsetzung des IÖW-Konzeptes
4.2.3.2. Wesentliche Erfahrungen mit der Ökobilanzierung
4.2.3.3. Ausgewählte Ergebnisse der Ökobilanzierung von 1990/91 und 1993
4.2.3.3.1. Erläuterungen zu Veränderungen in der ABC/XYZ-Bewertung
4.2.3.3.2. Erläuterungen zum Prioritätenkatalog
4.2.3.3.3. Erläuterungen zur Betriebsbilanz
4.2.3.3.4. Erläuterungen zur Prozeßbilanz Gesamt
4.2.3.3.5. Erläuterungen zur Produktlinienbilanz
4.2.3.3.6. Erläuterungen zur Substanzbetrachtung Gesamt
4.2.4. Fazit
5. Betrachtung der Möglichkeiten und Grenzen der betrieblichen Ökobilanzierung nach dem IÖW-Konzept
5.1. Grundsätzliche Möglichkeiten und Grenzen der Ökobilanzierung
5.2. Möglichkeiten und Grenzen der Ökobilanzierung in der praktischen Anwendung
5.2.1. Realisierbarkeit der Ökobilanzierung in verschiedenen Unternehmen
5.2.2. Einfluß der Ökobilanzierung auf die ökologische und ökonomische Situation eines Unternehmens
5.2.3. Standardisierung der Ökobilanzierung
5.2.3.1. Unternehmensinterne Standardisierung
5.2.3.2. Allgemeine Standardisierung
5.2.4. Beitrag der Ökobilanzierung im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik zur Lösung globaler Umweltprobleme
6. Schlußbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung der betrieblichen Ökobilanzierung nach dem IÖW-Konzept als Instrument eines modernen Öko-Controllings, um die Möglichkeiten und Grenzen einer systematischen Bilanzierung ökologischer Auswirkungen unternehmerischer Aktivitäten aufzuzeigen.
- Theoretische Grundlagen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik und Umweltmanagementsysteme.
- Methodischer Aufbau der betrieblichen Ökobilanz (Sachbilanz und Wirkbilanz).
- Praktische Anwendungsbeispiele der Ökobilanzierung (KUNERT AG und Neumarkter Lammsbräu).
- Kritische Analyse der Möglichkeiten, Grenzen und Standardisierungspotentiale der Ökobilanzierung.
- Diskussion der Bedeutung betrieblicher Ökobilanzen für eine nachhaltige globale Entwicklung.
Auszug aus dem Buch
Die schwierige bzw. unmögliche Quantifizierbarkeit.
Versuche, ökologische Gegebenheiten in den Preismechanismus des Marktes einzubeziehen und damit über die üblichen Kontrollsysteme eines Unternehmens (wie z. B. die Rechnungslegung) in Geldeinheiten zu bewerten, gelingen nur unzureichend bzw. überhaupt nicht. Marktpreise können bspw. aufgrund ihrer kurzfristigen Ausrichtung zwar die relative, nicht aber die absolute Knappheit von Rohstoffen, d. h. die langfristige Erschöpfbarkeit, widerspiegeln. Andere Werte werden vom Markt weder erfaßt noch können sie monetarisiert werden, wie z. B. der Wert einer Vogelart, die Schönheit einer unberührten Landschaft, das langfristige Verbraucherverhalten, die Entwicklung staatlicher Rahmenbedingungen, die Auswirkungen ökologischer Unternehmensaktivitäten aus die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter.
Solche Umweltinformationen sind daher 'weiche Infomationen', für die erst eine Übersetzung in die Sprache des Managements gefunden werden muß.
Im Unternehmen liegen bereits ein Teil ökologisch relevanter Informationen vor (z. B. zum Energie- und Materialverbrauch), jedoch sind diese zumeist einzelproblemorientiert aufbereitet und i. d. R. "... weder systematisiert noch gesondert ausgewiesen."
Für die Zwecke eines effektiven Umweltmanagements müßten aber alle relevanten Umweltinformationen systematisch, zentral erfaßt werden. Dies ist jedoch aufgrund der genannten Besonderheiten von Umweltinformationen mit Hilfe der herkömmlichen betrieblichen Informationssysteme, insbesondere dem Rechnungswesen, nicht einfach möglich.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Problemstellung: Einführung in die globale Umweltkrise und die Notwendigkeit unternehmerischen Handelns zur ökologischen Optimierung.
1. Einleitung: Überblick über globale Umweltprobleme, die wirtschaftlichen Ursachen sowie die Verantwortung und Chancen von Unternehmen.
2. Grundzüge einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik: Definition der ökologischen Unternehmenspolitik und Anforderungen an Umweltmanagementsysteme nach der EG-Öko-Audit-Verordnung.
3. Ökobilanzierung als Bestandteil eines Öko-Controlling im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik: Detaillierte Darstellung des IÖW-Konzeptes, inklusive Datenerhebung (Sachbilanz) und Bewertung (Wirkbilanz).
4. Beispiele für die Durchführung der Ökobilanzierung im Rahmen einer ökologisch orientierten Unternehmenspolitik in der Praxis: Fallstudien zur praktischen Umsetzung bei der KUNERT AG und der Neumarkter Lammsbräu.
5. Betrachtung der Möglichkeiten und Grenzen der betrieblichen Ökobilanzierung nach dem IÖW-Konzept: Analyse der theoretischen und praktischen Limitierungen sowie Notwendigkeit der Standardisierung.
6. Schlußbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Unternehmen, Staat und Konsumenten bei der Lösung von Umweltproblemen.
Schlüsselwörter
Ökobilanzierung, Öko-Controlling, Umweltmanagement, IÖW-Konzept, Unternehmenspolitik, Umweltschutz, Nachhaltigkeit, Wirkbilanz, Sachbilanz, ABC/XYZ-Bewertung, betriebliches Rechnungswesen, Umweltkennzahlen, ökologische Schwachstellen, KUNERT AG, Neumarkter Lammsbräu.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie Unternehmen ihre Umweltwirkungen systematisch erfassen und bewerten können, um eine ökologisch orientierte Unternehmenspolitik zu realisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Mittelpunkt stehen die betriebliche Ökobilanzierung, das Öko-Controlling, die methodische Vorgehensweise bei der Erfassung ökologisch relevanter Daten und deren Bewertung durch ökologische Kriterien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen der Erstellung einer betrieblichen Ökobilanz nach dem IÖW-Konzept aufzuzeigen und deren Nutzen für operative sowie strategische Unternehmensentscheidungen zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die "Praxisforschung" und die Analyse von Umweltinformationssystemen, wobei die Konzepte des IÖW Berlin (Institut für ökologische Wirtschaftsforschung) detailliert dargestellt und an Fallbeispielen geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erläutert den systematischen Aufbau einer Ökobilanz (Sachbilanz und Wirkbilanz), die Methoden zur Informationsbeschaffung und Bewertung (wie die ABC/XYZ-Analyse) sowie die Implementierung bei der KUNERT AG und der Neumarkter Lammsbräu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Ökobilanzierung, Öko-Controlling, Umweltmanagement, IÖW-Konzept sowie die ökologische Schwachstellenanalyse.
Wie wird die Bewertung ökologischer Auswirkungen konkret durchgeführt?
Die Bewertung erfolgt über die Wirkbilanz, bei der In- und Outputs eines Unternehmens anhand eines Kriterienkatalogs nach ihrer ökologischen Relevanz eingestuft werden, wobei eine an die ABC/XYZ-Analyse angelehnte Methode genutzt wird.
Welchen praktischen Erkenntniswert bieten die Fallstudien?
Die Fallbeispiele der KUNERT AG und der Neumarkter Lammsbräu zeigen auf, dass die Ökobilanzierung praktikabel ist, aber hohe Anforderungen an die Datenverfügbarkeit stellt und einen stetigen Lernprozess sowie Kooperation mit Lieferanten erfordert.
- Quote paper
- Manuela Jurjanz (Author), 1994, Eine ökologisch orientierte Unternehmenspolitik und deren Möglichkeiten und Grenzen bei der Bilanzierung, dargestellt an Beispielen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2733