Die Kulturförderabgabe in Köln

Eine Analyse von Sinn und Zweckmäßigkeit sowie die Auswirkungen der Abgabe auf den Tourismus


Bachelorarbeit, 2012
91 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kurzfassung

Abstract

Tabellenverzeichnis

Vorwort

1. Stadtetourismus
1.1 Beschreibung des Begriffs „Stadtetourismus"
1.2 Stadtereisen als wachsendes Marktsegment in Deutschland
1.3 Wirtschaftsfaktor Stadtetourismus
1.3.1 Die wirtschaftliche Bedeutung der relevanten Segmente im Stadtetourismus
1.3.2 Die Hauptprofiteure vom Bruttoumsatz des Stadtetourismus

2. Der Standort Koln
2.1 Kolns Wirtschaft
2.2 Die touristischen Geschaftsfelder der Stadt Koln
2.3 Wirtschaftsfaktor Tourismus in Koln
2.4 Die touristische Nachfrage
2.5 DastouristischeAngebot
2.6 Der Hotelmarkt in der Stadt Koln

3. Die Kulturforderabgabe
3.1 Die stadtische Haushaltslage
3.2 Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz
3.3 Die Idee einer Kulturforderabgabe
3.4 Der Charakter der Kulturforderabgabe
3.4.1 Die rechtliche Einordnung
3.4.2 Der Abgabenschuldner und Gegenstand der Abgabe
3.4.3 DerAbgabensatz
3.4.4 Die Art der Erhebung
3.4.5 Der Steuerbefreiungstatbestand
3.4.6 Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zur Bettensteuer
3.4.7 Der Erstattungsvorgang
3.5 Die Einnahmen aus der Kulturforderabgabe
3.5.1 Beurteilung der verwendeten Einnahmen
3.5.2 BurokratischerAufwand der Kulturforderabgabe
3.6 Die Alternative der Kurtaxe oder eines Fremdenverkehrsbeitrags

4. Die Entwicklung Kolns als Reiseziel in Folge der Kulturforderabgabe
4.1 Die Entwicklung dertouristischen Nachfrage
4.1.1 Die Entwicklung der touristischen Nachfrage in Deutschland
4.1.2 Die Entwicklung der touristischen Nachfrage in Koln im Vergleich
4.2 Die Entwicklung des touristischen Angebots
4.2.1 Die Entwicklung des touristischen Angebots in Deutschland
4.2.2 Die Entwicklung des touristischen Angebots in Koln im Vergleich
4.3 Die Entwicklung der Hotelpreise

5. Eine Gegenuberstellung der Einnahmeruckgange aus dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz und dem Einnahmepotenzial der Kulturforderabgabe
5.1 Auswirkungen des ermaBigten Umsatzsteuersatzes auf die Kommunen
5.2 Berechnungsbeispiel des entstehenden Einnahmeausfalls
5.3 Ein Berechnungsbeispiel der generierten Einnahmen durch die Kulturforderabgabe

6. Alternativen der kommunalen Tourismusforderung
6.1 Ansatz bei den Reisenden
6.2 Ansatz bei den Profiteuren
6.3 Tourismusfonds in Nurnberg
6.4 Bettensteuer in Hamburg

7. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Stadtetourismusarten nach Meier, I. (1994) S.7

Tabelle 2: Anteil der einzelnen Auspragungen am Bruttoumsatz (82 Mrd. €) im Stadtetourismus 2004

Tabelle 3: Bruttoumsatz in denen vom Stadtetourismus profitierenden Wirtschaftszweigen

Tabelle 4 Ausgaben der Ubernachtungsgaste nach Ausgabenart in Koln und Deutschland gesamt im Jahr 2010

Tabelle 5: Entwicklung der Gasteankunfte in ausgewahlten deutschen GroBstadten

Tabelle 6: Beispiel fur eine Hotelrechnung ohne Kulturforderabgabe

Tabelle 7: Beispiel fur die Berechnung der KFA in Koln

Tabelle 8: Beispiel fur eine Hotelrechnung (inkl. KFA) in Koln

Tabelle 9: Verwendung der Einnahmen aus der KFA 2011

Tabelle 10: Ankunfte in den Magic Cities von 2007 bis 2011

Tabelle 11: Ubernachtungen in den Magic Cities von 2007 bis 2011

Tabelle 12: Durchschnittliche Aufenthaltsdauer in den Magic Cities von 2007 bis 2011

Tabelle 13: Anzahl der Beherbergungsbetriebe (Stand Juni) in den Magic Cities von 2007 bis 2011

Tabelle 14: Anzahl der angebotenen Betten (Stand Juli) in den Magic Cities von 2007 bis 2011

Tabelle 15: Durchschnittliche Auslastung der Beherbergungsbetriebe in der Stadt Koln und bei relevanten Mitbewerbern

Tabelle 16: Durchschnittliches Beherbergungsentgelt fur ein Standard Doppelzimmer

Tabelle 17: Einnahmen durch die KFA in Koln

Tabelle 18: Berechnung der privat veranlassten Ubernachtungen in Koln

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Kurzfassung

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat im Deutschlandtourismus ihre Spuren hinterlassen. Die Haushalte der deutschen Kommune sind voller finanzi- eller Herausforderungen fur die Politiker. Gerade der Wirtschaftsfaktor Touris- mus, der in seiner wirtschaftlichen Bedeutung haufig unterschatzt wird, kann den Kommunen, sofern er professionell gefordert wird, eine Zukunftsperspekti- ve bieten. Seit dem Jahr 2010 sind Bettensteuern und Kulturforderabgaben ein vielfach angewandtes Mittel zur Finanzierung der offentlichen Tourismusstruk- turen in Deutschland. Diese Arbeit betrachtet die Schaffung einer Kulturforder- abgabe in Koln im Hinblick auf die bundespolitischen Entwicklungen. Argumen- tationen der stadtischen Kammerer sowie die Sorgen der Vertreter der Tourismusindustrie werden detailliert analysiert und hinterfragt. Konnte der Tourismus in Koln durch die Mehreinnahmen der Abgabe profitieren oder mussten die Leistungstrager Nachfrageruckgange hinnehmen? Gibt es Alterna- tiven zu der umstrittenen Kulturforderabgabe und wie viel Geld darf sich eine Kommune wirklich aus einer derartigen Abgabeform erhoffen? All diese Frage- stellungen sollen im folgenden Text erortert werden.

Bettensteuer, Finanzierung/K6ln/Kulturf6rderabgabe/Stadtetourismus

Abstract

The worldwide financial crisis left its marks in Germany. The budgets of Ger­many's local authorities are facing financial challenges for politicians. If local authorities will facilitate tourism in a professional way, the economic factor of tourism could offer local authorities a future prospect.

Since 2010 city taxes are raised for financing public issues of tourism in Ger­many. This thesis examines the development of a city tax in Cologne regarding political issues. On the one hand the reasoning of treasurers and on the other hand worrying of lobbyists are getting analysed and questioned.

Has the tourism industry been able to profit from positive effects of a city tax or have the service providers suffered from decreasing demand? Is there any alternative to the disputed city tax and how much tax revenue can be expected by local authorities?

All these questions are discussed in the following thesis.

Keywords:

City Tax; Cologne; Financing,Urban tourism

Vorwort

Diese Arbeit ware nicht entstanden ohne das Zutun einiger Personen. Bei die- sen mochte ich mich im Vorfeld sehr herzlich bedanken. An erster Stelle mei- nen Eltern, die mich wahrend meines Studiums an der Hochschule Munchen immer unterstutzt und gefordert haben. Der Hochschule Munchen, namentlich der Fakultat fur Tourismus, fur ganz wunderbare und lehrreiche Studienjahre. Eine Zeit an die ich mein gesamtes Leben sehr gerne zuruckdenken werde. Herrn Professor Doktor Torsten Busacker fur die Unterstutzung und unendliche Geduld im Zuge der Betreuung meiner Abschlussarbeit. Desweiteren ist Herr Busacker maBgeblich dafur verantwortlich, dass ich mich gerne an die Zeit an der Hochschule Munchen zuruckerinnere. Desweiteren danke ich Frau Simone Diermeier, Frau Michaela Maier, Herrn Stephan Amberg und Herrn Kevin Milz- stein dafur, dass sie stets ein offenes Ohr und einen Rat fur mich hatten. Das Zutun dieser Personen hat erheblich dazu beigetragen, dass diese Arbeit in ihre letztendlichen Form heute so vorliegt.

Als letztes mochte ich mich noch bei dem deutschen wirtschaftswissenschaftli- chen Institut fur Fremdenverkehr bedanken. Ohne das Wissen und Verstandnis das ich in meinem Praktikum hier erwerben durfte, ware es mir uberhaupt nicht moglich gewesen, diese Thematik sinnvoll zu bearbeiten.

1. Stadtetourismus

1.1 Beschreibung des Begriffs „Stadtetourismus"

Zahlreiche Definitionen versuchen den Begriff Stadtetourismus zu beschreiben. Eberhard definierte den Begriff in den 1970er Jahren folgendermaBen: „Wir konnen darunter (...) die Beziehungen und Erscheinungen verstehen, die sich aus dem vorubergehenden Aufenthalt Ortsfremder in Stadten ergeben."1

Dennoch wird auch diese Definition weder der Komplexitat des Segments Stad­tetourismus noch den verschiedenen Stadttypen gerecht, da der stadtische Rei- severkehr verschiedene Ursachen und Auspragungen vorweist. Aus diesem Grund sind unter dem Oberbegriff Stadtetourismus zahlreiche Tourismusarten zu subsumieren.

Die Differenzierung der Stadtetourismusarten erfolgt oft nach der Motivation des Besuchs. Meier hat bereits 1994 eine Zusammenstellung geliefert, bei der Aufenthaltsdauer und Reisemotivation als Unterscheidungskriterium gelten (vgl. Abb.l).2

Tabelle 1: Stadtetourismusarten nach Meier, I. (1994) S.73

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.2 Stadtereisen als wachsendes Marktsegment in Deutschland

Im Jahr 2010 fanden in Deutschland rund 86 Millionen Kurzreisen statt. Die Kurzreise beschreibt eine Reiseart mit einer Aufenthaltsdauer von zwei bis vier Tagen ohne geschaftlichen Anlass. Sie zahlt somit zum klassischen Ausflugsver- kehr.4 Fast ein Drittel (31,2 Prozent) dieser Reisen lasst sich der Kategorie „Stadtereisen" zuordnen.5 Die Stadte stellen daher das beliebteste Kurzreiseziel der Deutschen dar.

Zwischen 1993 und 2005 stieg die Zahl der Ankunfte in 203 ausgewahlten deutschen Stadten um 58 Prozent und die Zahl der Ubernachtungen um 40 Prozent. Diese Werte liegen weit uber dem deutschen Durchschnitt (Ankunfte + 14 Prozent, Ubernachtungen + 11,5 Prozent).6 Die GroBstadte in Deutschland konnten auf Grund der hohen Erlebnisdichte, der guten Erreichbarkeit und viel- fach auch auf Grund der professionalisierten Vermarktung besonders von der steigenden Nachfrage profitieren und neue Besucher gewinnen.7

Die professionalisierte Vermarktung ist daran zu erkennen, dass in den vergan- genen Jahren durch den Ausbau von ansprechenden und zielgruppengerechten Angeboten in den Bereichen Kultur, Events, Unterhaltung, Freizeit und Shop­ping gelungen ist, den sich andernden Bedurfnissen der Besucher besser zu entsprechen. Koln bietet heute weit mehr Besuchsgrunde als den klassischen Besichtigungs- und Kulturzweck.8

1.3 Wirtschaftsfaktor Stadtetourismus

Bereits im Jahr 2004 wurden in deutschen Stadten tourismusbedingt uber 82 Milliarden Euro umgesetzt.9 Das ist deutlich mehr Umsatz als klassische Wirt- schaftsbereiche wie die deutsche Land- und Forstwirtschaft und Fischerei (47,0 Milliarden Euro), das deutsche Textil- und Bekleidungsgewerbe (21,6 Milliarden Euro), oder die pharmazeutische Industrie (40,5 Milliarden Euro) im Jahr 2010 umsetzen konnten. Dabei betrachtet man nur ein Segment der groBen Querschnittsbranche Tourismus.10

1.3.1 Die wirtschaftliche Bedeutung der relevanten Segmente im Stadtetourismus

Tabelle 1 zeigt, dass der Stadtereiseverkehr von verschiedenen Reisemotiven beeinflusst wird. Desweiteren wurde bereits festgestellt, dass die deutschen Stadte vor allem bei Kurzreisen ein beliebtes Reiseziel sind. Man bewegt sich somit im klassischen Themenfeld des Ausflugsverkehrs.

Besonders interessant sind hierbei die Tagesreisenden, da deren Besuchervolu- men stets weit uber dem der Ubernachtungsreisenden liegt. Die folgende Ab- bildung gibt einen Uberblick uber den wirtschaftlichen Beitrag der einzelnen Segmente im deutschen Stadtetourismus.

Tabelle 2: Anteil der einzelnen Auspragungen am Bruttoumsatz (82 Mrd. €) im Stadtetourismus11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Abbildung lasst erkennen, dass der Tagesausflugsverkehr nicht nur beim Besucheraufkommen eine wichtige Rolle einnimmt. Er ist daruber hinaus das wirtschaftlich bedeutendste Segment mit einem Umsatz von uber 50 Milliarden Euro. Der gewerbliche Ubernachtungstourismus liegt dahinter an zweiter Stelle mit einem Beitrag von 14,17 Milliarden Euro.

Dadurch lasst sich erkennen, dass der Ubernachtungstourismus zwar das Seg­ment mit der zweitwichtigsten wirtschaftlichen Bedeutung ist, allerdings nicht einmal fur ein Funftel der gesamten Umsatze generiert. Eine Kulturforderabga- be (kurz KFA) wird nur durch den Tatbestand einer entgeltlichen Ubernachtung ausgelost. Es zeigt sich, dass nur ein Teil aller tourismusbedingten Umsatze durch die Abgabe belastet ist. Vier Funftel der Ausgaben flieBen an den stadti- schen Kassen vorbei.

1.3.2 Die Hauptprofiteure vom Bruttoumsatz des Stadtetourismus

Auf den ersten Blick lasst sich vermuten, dass vor allem die Tourismusunter- nehmen von den aufgezeigten Milliardenbetragen profitieren. Da es sich beim Tourismus allerdings um eine sogenannte Querschnittsbranche handelt, profi­tieren auch Unternehmen von den touristisch bedingten Umsatzen, die mit dem Fremdenverkehr wenig gemein haben. Hauptprofiteur vom Stadtetouris­mus (bei Berucksichtigung der Tagesreisenden) ist mit fast der Halfte des ge­samten Umsatzes ganz klar der Einzelhandel. Der Rest fallt auf Gastronomie, Beherbergungsgewerbe, das Freizeitgewerbe und das sonstige Dienstleistungs- gewerbe, wie beispielsweise Tagungsstatten oder Parkhauser.12

Tabelle 3: Bruttoumsatz in denen vom Stadtetourismus profitierenden Wirtschaftszweigen13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Analyse der vom Stadtetourismus profitierenden Wirtschaftszweige verdeut- licht dass das Beherbergungsgewerbe keine tragende Rolle im Stadtetourismus spielt. Nur 5,9 Milliarden Euro entfallen auf diesen Wirtschaftszweig. Der Einzel- handel vereinnahmt das Siebenfache der Beherbergungsumsatze und das Vier- fach des Gastronomiegewerbes.14

Ein besonderes Beispiel fur das Wachstum des Einzelhandels durch die Ausga- ben der Besucher kann anhand der Innenstadt von Lubeck aufgezeigt werden. Die Touristen tragen hier rund 20 Prozent zum Gesamtumsatz des Einzelhandels bei und von 2002 bis 2007 konnte der innerstadtische Einzelhandel da- durch um 12 Prozent zulegen.15

Fasst man samtliche Reisemotive bezuglich des Stadtetourismus zusammen, offenbart sich dessen enormes wirtschaftliches Potenzial. Die statistisch nicht regestierte Gruppe der Tagesgaste sorgt fur einen GroBteil der tourismusbe- dingten Einnahmen in Deutschlands Stadten. Die Ubernachtungsgaste tragen mit 17 Prozent ahnlich viel zum Bruttoumsatz bei, wie die Tagesgeschaftsrei- sen.16 Auch profitiert das Beherbergungsgewerbe im Vergleich zu Einzelhandel oder Gastronomie unterdurchschnittlich an den generierten Einkunften.17

Dadurch dass eine KFA nur bei dem Tatbestand der Ubernachtung ausgelost wird, zeigt sich, dass vier Funftel der im Tourismus generierten Umsatze auf der Suche nach neuen Einnahmequellen ubersehen wurden. Vor diesem Hinter- grund erscheint eine einseitige Belastung der Beherbergungsbetriebe als unge- recht und vor allem ineffizient. Sie torpediert daruber hinaus das wunschens- werte Ziel den Ubernachtungstourismus zu fordern.

2. Der Standort Koln

Ein erster Blick uber die infrastrukturelle Situation der Domstadt gibt nahere Auskunfte uber das betrachtete Reisegebiet.

2.1 Kolns Wirtschaft

Koln zahlt zu den bedeutendsten Wirtschaftszentren in NRW und ist gepragt durch eine vielfaltige Kombination aus traditioneller Industrie und moderner Dienstleistung. Die Stadt am Rhein beherbergt zahlreiche nationale und inter­nationale Konzerne, wie z.B. die „Rewe Group" {Umsatz 2010. 53 Milliarden Eu­ro)18 oder „Galeria Kaufhof" (Umsatz 2010. 3,6 Milliarden Euro)19. Daruber hin- aus sind die beiden DAX Konzerne Lufthansa" (Umsatz 2010. 27,3 Milliarden Euro)20 und „Bayer" {Umsatz 2010. 35 - 36 Milliarden Euro)21 in Koln ansassig. Mit seinen zehn Radio- und TV-Sendern sowie rund 400 Produktionsfirmen ge- hort Koln zu Europas groBten Medienstadten und produziert mehr als ein Drit- tel der deutschlandweiten Fernsehinhalte.

Zahlreiche Sehenswurdigkeiten und Veranstaltungen lockenjedes Jahr mehrere Millionen Besucher in die Stadt. Allen voran der als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannte Dom mit seinen sechs Millionen Besuchern22 pro Jahr und der sehr bekannte Kolner Karneval.

2012 feiert die Stadt seine 25-jahrige Stadtepartnerschaft mit der chinesischen Hauptstadt Peking. Im September 2012 fand in Kooperation mit der Landesre- gierung NRW das Chinafest „der Drache tanzt in Koln statt".

2.2 Die touristischen Geschaftsfelder der Stadt Koln

Der touristische Erfolg einer Stadt hangt entscheidend von einem umfangrei- chen und attraktiven Angebot ab. Die Aufenthaltsangebote mussen den ver- schiedenen und unterschiedlichen Bedurfnissen der Reisenden entsprechen. Reisende konsumieren keine einzelne Leistung, sondern vielmehr ein Leistungs- bundel. Sofern die touristischen Leistungen sich nicht ohnehin gegenseitig be- dingen, mussen sie sinnvoll aufeinander abgestimmt sein um zu einer positiven Gesamtbeurteilung des Urlaubsortes durch den Reisenden zu fuhren.23

Die Stadt Koln bietet seinen Besuchern viele interessante Attraktoren. Der be- deutendste Angebotsfaktor Kolns, ist ohne Zweifel der „Kolner Dom".

Die groBte Kathedrale Deutschlands ist seit 1996 UNESCO Weltkulturerbe und die Grabeskirche der Heiligen Drei Konige. Damit ist der Kolner Dom Deutsch­lands Attraktion mit den hochsten Besucherzahlen.24 Die Domstadt beeindruckt auch durch ihre vielseitige Kulturszene.

Als wichtigstes touristisches Ereignis gilt der „Kolner Karneval", den jahrlich et- wa zwei Millionen Menschen besuchen um ausgelassen auf den StraBen und in den Lokalitaten der Stadt zu feiern.25

Ein weiteres wichtiges Geschaftsfeld fur den Koln Tourismus ist der Geschafts- reisetourismus. Ein Hauptreisegrund fur die vielen Geschaftsreisen an den Rhein sind die zahlreichen Fachmessen zu den verschiedensten Themenbereichen. Mit insgesamt rund 44.000 ausstellenden Unternehmen und uber 2,5 Millionen Be- suchern aus aller Welt in ihrem gesamten Veranstaltungsprogramm ist die Koe/nmesse eine der fuhrenden international Messegesellschaften.26 2010 hat die Koe/nmesse GmbH die Rekordzahl von 59 Messen und Ausstellungen orga- nisiert, davon 26 in Koln und 33 im Ausland.27

2.3 Wirtschaftsfaktor Tourismus in Koln

Nach Berechnungen der Unternehmensberatung „Deloitte" trug der Fremden- verkehr im Jahr 2011 mit einem Bruttoumsatz von 6,8 Milliarden Euro zur Kol- ner Wirtschaft bei. In Deutschlands beliebtesten Reiseziel, der Hauptstadt Ber­lin (9,9 Millionen Ankunfte im Jahr 2011), belief sich der Bruttoumsatz 2011 auf 10,31 Milliarden Euro.28 Obwohl Berlin doppelt so viele Ankunfte wie Koln ver- zeichnet, ubertreffen die Einnahmen die Kolns nur um den Faktor 1,5. Wieder ein Zeichen fur die positive Entwicklung des Tourismus am Rhein. Wofur Koln Reisende ihr Geld genau verwenden, zeigt folgende Darstellung.

Tabelle 4 Ausgaben der Ubernachtungsgaste nach Ausgabenart in Koln und Deutschland ge- samt im Jahr 201029

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Ausgaben der Ubernachtungsreisenden in Deutschland beliefen sich im Jahr 2010 im Durschnitt auf 131,60 € pro Tag und Person. In stadtisch geprag- ten Regionen liegen diese Ausgaben pro Kopf vielfach weit uber dem Durch- schnittswert. Im Falle Kolns gibt der Ubernachtungsgast in der Summe etwa 1,5-mal so viel aus wie der Durchschnittsreisende. Der groBte Unterschied ergibt sich im Einzelhandel. Hier liegen die Werte der Region Koln um 180 Prozent uber denen des Durchschnitts. Dies verdeutlicht erneut die profitieren- de Rolle des Einzelhandels am Stadtereiseverkehr. Desweiteren konnen sich die Bereiche Beherbergung (+ 155 Prozent), Gastgewerbe (+ 148 Prozent) und Frei- zeit (+ 147 Prozent) deutlich von den gesamtdeutschen Werten abgrenzen.30

2.4 Die touristische Nachfrage

2011 wurden in der Domstadt rund 2,8 Millionen Ankunfte und 4,9 Millionen Ubernachtungen gezahlt.31 Im Durchschnitt verweilte ein Ubernachtungsgast etwa 1,7 Tage am Rhein. Ein Drittel der fast funf Millionen Ubernachtungen wurde von Auslandern in Anspruch genommen. Die wichtigsten Quellmarkte hierbei sind die Niederlande, das Vereinigte Konigreich und die USA.32

Tabelle 5: Entwicklung der Gasteankunfte in ausgewahlten deutschen GroBstadten33

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus der Tabelle wird ersichtlich, wie wichtig die auslandischen Gaste fur die Rheinmetropole sind Keiner seiner inlandischen Mitbewerber konnte im Jahr 2011 so stark bei den Ankunften zulegen wie die Domstadt. Ein klares Signal dafur, dass die Tourismusregion Koln auf dem Vormarsch ist.

„Deloitte" beziffert das Volumen an Tagesgasten auf rund 100 Millionen Besu- cher pro Jahr.34 Damit zeigt sich erneut, dass der Ubernachtungstourismus nur einen Bruchteil der gesamten touristischen Nachfrage ausmacht.

2.5 Das touristische Angebot

Im Jahr 2010 boten 276 Betriebe den Besuchern der Domstadt eine entgeltliche Beherbergungsleistung an. Nicht berucksichtigt sind hierbei die zahlreichen Pri- vatvermieter, die ihre Wohnungen und Hauser zur kurzweiligen Beherbergung zur Verfugung stellen. Zwar machen die Hotels nur ein Drittel aller Betriebe aus, dennoch finden hier uber die Halfte aller Ubernachtungen statt.35

Von den 47 neuen Beherbergungsbetrieben, die zwischen 2000 und 2010 in Koln gegrundet wurden, siedelten sich 23 in der Betriebsform Hotel an. Die ge- samte Beherbergungskapazitat stieg um 55,3 Prozent. Hierbei liegt Koln deut- lich uber den Werten des Bundeslandes (+ 11 Prozent)36 und ubertrifft damit den bundesdeutschen Trend von + 42 Prozent.37. Vor allem bei den Hotels nahm die Beherbergungskapazitat mit + 77,8 Prozent uberproportional zu. Ein klares Signal dafur, dass sich vorrangig Hotels mit hoheren Zimmerkapazitaten etablieren und eine Professionalisierung des Marktes stattfand.

2.6 Der Hotelmarkt in der Stadt Koln

Eine Untersuchung des Hotelmarktes durch die Unternehmensberatung Deloitte im Jahr 2012 hat ergeben, dass 58 Prozent der Zimmerkontingente von Hotel- ketten gestellt werden. Ein Viertel aller markengebunden Hotelzimmer gehort dem franzosischen Konzern „Accor".38

Es zeigt sich, dass die markengebundenen Hotels vor allem das Premiumsegment im vier und funf Sterne Bereich besetzen. Die preisgunstige- ren Zimmer im Ein- bis Dreisterne Bereich sind uberwiegend in der Hand von Privathoteliers. Die Fokussierung auf die Kettenhotellerie ist ebenfalls als Hin- weis auf die vorangeschrittene Professionalisierung des Marktes zu sehen.39

Die touristische Angebotsstruktur in Koln wurde in den vergangenen Jahren zunehmend professionalisiert. Gleichzeitig konnte die Stadt an der positiven Entwicklung der touristischen Nachfrage in Deutschland teilhaben. Beim Zu- wachs auslandischer Reisender nimmt Koln den Spitzenplatz unter Deutsch- lands Stadten ein. Eine detaillierte Betrachtung dieser Entwicklungen folgt in Kapitel vier.

3. Die Kulturforderabgabe

Im vorangegangen Teil wurden die Besonderheiten touristischer Markte her- ausgearbeitet und welche infrastrukturellen Merkmale Koln pragen. Vor diesem Hintergrund soil nun die KFA betrachtet werden.

Die Idee einer KFA in Koln wurde erstmals im Jahr 2009 erortert. Die Diskussion ergab sich ursprunglich bei der Suche nach neuen Einnahmequellen vor dem Hintergrund der maroden stadtischen Haushaltslage. Zusatzlich erwartete die Stadt zum 01.01.2010 Einnahmeausfalle durch die Reduzierung des Umsatz- steuersatzes auf Beherbergungsleistungen im Rahmen des Wachstumsbe- schleunigungsgesetzes. Im ersten Schritt soil eine nahere Betrachtung der Haushaltslage Kolns erfolgen.

3.1 Die stadtische Haushaltslage

Ein Gast wahlt einen bestimmten geografischen Raum als Reiseziel aus. Dieser Raum enthalt samtliche fur den Aufenthalt notwendigen Einrichtungen fur Be- herbergung, Verpflegung und Unterhaltung/Beschaftigung.40 Diese Einrichtun­gen werden unter dem Begriff „touristische Infrastruktur" zusammengefasst. Die vorhandene Infrastruktur spielt also bei der Reiseentscheidung eine elementare Rolle. Ein groBzugiges Freizeit- und Kulturangebot kann Reisende motivieren groBere Stadte zu besuchen. Die dafur notwendige Infrastruktur wird von den Kommunen zur Verfugung gestellt. Gerade bei den kulturellen Einrichtungen handelt es sich um freiwillige Aufgaben der Kommunen. Die notwendigen Kul- turfordermittel, werden bei finanziellen Engpassen als erstes gestrichen.

Jede Kommune ist per Gesetz dazu verpflichtet einen ausgeglichenen Haushalt vorzuweisen. Im Etatentwurf fur das Jahr 2010 fehlte der Stadt Koln eine Sum- me von 223 Millionen Euro. Zwar gelang es mit Hilfe bilanztechnischer Wahl- methoden den Fehlbetrag auf 58 Millionen zu reduzieren, dieser musste aller- dings aus der allgemeinen Rucklage der Stadt, dem allerletzen Notgroschen aufgebracht werden.41

Dieses finanzielle Desaster war keinesfalls einer auBergewohnlichen Situation geschuldet, sondern vielmehr jahrerlanger Misswirtschaft. Die Stadt stand vor einem riesigen Finanzproblem. Bis zum Jahr 2014 fehlte im stadtischen Haus­halt die unglaubliche Summe von 1,5 Milliarden Euro.42 Dies entspricht einer pro Kopf Verschuldung von 4.492,44 Euro. Ein deutliches Zeichen fur die Schief- lage des stadtischen Haushalts, wenn man beachtet dass die normale pro Kopf Verschuldung in NRW bei 3.202,35 Euro je Einwohner liegt.43

[...]


1 Anton, C. und Quack, H. (2005) S.10

2 Ebenda

3 Ebenda

4 Freyer W;Tourismus (2011);S.61

5 O.V. (2010);Market Insight Tourismus; S.25

6 O.V. (2006);Stadte- und Kulturtourismus in Deutschland S.6

7 Ebenda

8 Luft H (2007) S.106

9 Ebenda

10 www.situations-bericht.de [15.10.2012]

11 O.V. (2006);Stadte- und Kulturtourismus in Deutschland

12 Luft H (2007) S.109

13 O.V. (2006);Stadte- und Kulturtourismus in Deutschland

14 Luft H (2007) S.109

15 Ebenda S.110

16 Siehe Abbildung 2

17 Siehe Abbildung 3

18 www.rewe-group.com [17.10.2012]

19 www.metrogroup.com [17.10.2012]

20 www.lufthansa.com [17.10.2012]

21 www.geschaeftsbericht2010.bayer.de [17.10.2012]

22 www.domradio.de [21.10.2012]

23 Ahrens 1997, S.15 f

24 www.koelner-dom.de [21.10.2012]

25 www.koelnerkarnevall.de [21.10.2012]

26 www.koelnmesse.de [21.10.2012]

27 Ebenda

28 O.V. (2012) Wirtschaftsfaktor fur Berlin: Tourismus- und Kongressindustrie S.6

29 Harrer B. Scherr S. (2010) S.52 ff

30 Ebenda

31 DWIF (2012): Sonderauswertung siehe Anhang

32 www.it.nrw.de [21.10.2012]

33 DWIF (2012): Sonderauswertung siehe Anhang

34 O.V. (2012) Hotelmarkt Koln;S.4

35 Ebenda S.4 ff

36 www.it.nrw.de [21.10.2012]

37 O.V. (2011) Tourismus in Zahlen S.93

38 O.V. (2012) Hotelmarkt Koln S.7

39 Ebenda

40 Bieger, T 1997; S.74

41 www.koeln.de [21.10.2012]

42 Ebenda

43 www.it.nrw.de [21.10.2012]

Ende der Leseprobe aus 91 Seiten

Details

Titel
Die Kulturförderabgabe in Köln
Untertitel
Eine Analyse von Sinn und Zweckmäßigkeit sowie die Auswirkungen der Abgabe auf den Tourismus
Hochschule
Hochschule München  (Fakultät für Tourismus)
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
91
Katalognummer
V273329
ISBN (eBook)
9783656651550
ISBN (Buch)
9783656651505
Dateigröße
780 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kulturförderabgabe, köln, eine, analyse, sinn, zweckmäßigkeit, auswirkungen, abgabe, tourismus
Arbeit zitieren
Dominik Lindner (Autor), 2012, Die Kulturförderabgabe in Köln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273329

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