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Die Verhandlungen zum Reichskonkordat von 1933 und deren Einfluss auf das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus in Deutschland

Title: Die Verhandlungen zum Reichskonkordat von 1933 und deren Einfluss auf das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus in Deutschland

Term Paper (Advanced seminar) , 2014 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Simon Thiele (Author)

History of Germany - National Socialism, World War II
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Die Beziehung zwischen der katholischen Kirche in Deutschland und dem nationalsozialistischen Regime ist ein viel beachtetes Thema in der historischen wie auch der theologischen Forschung. Im Zentrum steht dabei häufig die Frage, inwieweit die katholische Kirche Widerstand gegen das Hitler-Regime leistete, oder ob sie sich vielmehr um bestmögliche Anpassung bemühte, um nicht im radikalen Mühlstein der Gewalt, Gleichschaltung, Unterdrückung und Vernichtung dieser zwölf beispiellosen Jahre der NS-Diktatur zermahlen zu werden. Für solche Untersuchungen ist eine Pauschalisierung der „katholischen Kirche“ auf die Gesamtheit der katholischen Gläubigen in Deutschland in der Regel ungeeignet, da es sich hierbei um eine sehr große und ideologisch heterogene Gruppe an Menschen handelt, die lediglich in ihrem Glauben auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Die Forschung zeigt, dass innerhalb dieser großen Gruppe verschiedene ideologische Standpunkte vertreten wurden, die eine einheitliche Haltung der Gläubigen gegenüber der neuen Obrigkeit ausschloss. So verdeutlicht etwa Roland WEIS in seinem Buch über die katholische Kirche Baden-Württembergs im Nationalsozialismus , dass es auf den unterschiedlichen Ebenen der katholischen Hierarchie sowohl unter den einfachen katholischen Dorfpfarrern als auch unter den hochangesehenen Kardinälen und Bischöfen verschiedene Haltungen gegenüber dem Nationalsozialismus gegeben habe, die zu individuell unterschiedlichen Handlungen führten. Gleichzeitig ist zu bedenken, dass die katholische Kirche mit ihrer großen Mitgliederzahl in Deutschland eine einflussreiche Institution darstellte, die Hitler auf seinem Weg zur Diktatur nicht ohne weiteres ignorieren oder gar ausschalten konnte. Vielmehr war er darauf angewiesen, einen Weg zu finden, die Anhänger der katholischen Kirche in Deutschland für seine Ziele zu gewinnen oder zumindest nicht geschlossen gegen sich zu haben. Ein Hindernis stellte dabei der politische Katholizismus dar, der im Zuge von Hitlers Errichtung eines Einparteienstaates beseitigt werden musste. Im Unterschied zum Umgang mit den anderen Parteien in Deutschland, wie etwa den Kommunisten und Sozialdemokraten, wählte Hitler bei den katholischen Parteien nicht hauptsächlich den Weg der gewaltsamen Einschüchterung und Diffamierung, sondern forcierte unter der Federführung von Vizekanzler Franz von Papen eine diplomatische Lösung mit dem Heiligen Stuhl in Rom – das sogenannte Reichskonkordat.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zögerliche Annäherungsversuche als Basis für die Konkordatsverhandlungen

3. Die erste Verhandlungsrunde

4. Der Untergang der Zentrumspartei

5. Der Vertragsschluss

6. Der Artikel 31 zum Schutz katholischer Vereine greift ins Leere

7. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Etappen und Hintergründe des Zustandekommens des Reichskonkordats von 1933 und analysiert, wie dieses Abkommen das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem nationalsozialistischen Regime sowie die politische Situation des politischen Katholizismus in Deutschland nachhaltig beeinflusste.

  • Das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem NS-Regime
  • Die diplomatischen Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und Hitler
  • Die Rolle der Zentrumspartei und ihr politischer Untergang
  • Die Intentionen des "Entpolitisierungsartikels" im Konkordat
  • Die Auswirkungen des Konkordats auf katholische Organisationen (Artikel 31)

Auszug aus dem Buch

3. Die erste Verhandlungsrunde

Wie im vorherigen Kapitel aufgezeigt, war die Vorbedingung für das Zustandekommen des Reichskonkordats die Aufweichung der zunächst ablehnenden Haltung des katholischen Ordinariats gegenüber der erstarkten nationalsozialistischen Bewegung. Für die tatsächliche Realisierung der vertraglich festgelegten Beziehung zwischen Katholiken und NS-Staat macht VOLK, der eine ausführliche Monographie zur Thematik verfasst hat, jedoch die Initiative der beiden Politiker von Papen und Hitler verantwortlich. Hitler als derjenige mit der nötigen Machtbefugnis und von Papen als Antreiber des Prozesses.

Als Vorbild diente ihnen das italienische Konkordat, das Mussolini mit dem Heiligen Stuhl in Rom schloss und einen sogenannten Entpolitisierungsartikel enthielt, der der katholischen Kirche politisches Eingreifen untersagte und der deshalb bei einer Übertragung auf Deutschland einen herben Schlag gegen die katholischen Parteien bedeuten würde. Für Hitler war dieses Szenario der Hauptantrieb seiner Überlegungen, da für ihn die Vernichtung des politischen Katholizismus eine Voraussetzung für die Sicherung seiner politischen Macht darstellte.

Von Papen hingegen hatte eine breitere Zielpalette. Laut seinen Memoiren trug er große Sorge dafür, „die neue Reichsregierung auf christlichen Grundsätzen zu verankern.“ VOLK erkennt in dieser Haltung staatspolitisches Verantwortungsgefühl und den Versuch, Hitler vertraglich zu zähmen, wie es auch schon Hindenburg für nötig hielt. Doch um das Ziel des Reichskonkordats zu verwirklichen, mussten noch einige Barrieren aus dem Weg geräumt werden. Die größte war ohne Zweifel die ablehnende Haltung der deutschen katholischen Kirche gegenüber dem Nationalsozialismus, die zwar inzwischen ersten Risse zeigte, aber noch längst nicht gebrochen war. Hitler jedoch war davon überzeugt, dass der Schlüssel zu einem Konkordat nicht beim deutschen Episkopat, sondern beim Heiligen Stuhl in Rom lag, denn der Vatikan hatte zu dieser Zeit, wie oben angedeutet, schon ein Konkordat mit Mussolinis faschistischem Italien abgeschlossen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die komplexe Beziehung zwischen der katholischen Kirche und dem NS-Regime ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die Etappen des Reichskonkordats zu beleuchten.

2. Zögerliche Annäherungsversuche als Basis für die Konkordatsverhandlungen: Dieses Kapitel beschreibt, wie die NSDAP nach Wahlerfolgen ab 1930 die Katholiken zur Positionierung zwang und wie sich die Haltung des Episkopats durch Hitlers Entgegenkommen ab März 1933 wandelte.

3. Die erste Verhandlungsrunde: Hier werden die Initiativen von Hitler und von Papen analysiert, unter Nutzung des italienischen Konkordats als Vorbild, um den politischen Katholizismus zu neutralisieren.

4. Der Untergang der Zentrumspartei: Das Kapitel analysiert den dramatischen politischen Niedergang des Zentrums, bedingt durch den Verhandlungsdruck, interne Führungslosigkeit und gezielte Repressionen der Nationalsozialisten.

5. Der Vertragsschluss: Dieses Kapitel schildert die entscheidende Phase im Juni/Juli 1933, in der von Papen und der Vatikan unter Zeitdruck das Vertragswerk zur Unterzeichnung führten.

6. Der Artikel 31 zum Schutz katholischer Vereine greift ins Leere: Hier wird aufgezeigt, wie der Schutzstatus der Vereine durch fehlende Vereinslisten und gezieltes politisches Taktieren der Nationalsozialisten nach der Unterzeichnung entwertet wurde.

7. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass die Kirche die historische Chance auf einen wirksamen Gegenpart zur NS-Ideologie durch politische Passivität und interne Uneinigkeit verpasste.

Schlüsselwörter

Reichskonkordat, Nationalsozialismus, Katholische Kirche, Zentrumspartei, Hitler, Franz von Papen, Vatikan, Entpolitisierungsartikel, Artikel 31, Episkopat, Gleichschaltung, Politische Passivität, Kirchenpolitik, Widerstand, Machtapparat

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die historischen Umstände, Motive und den Verlauf der Verhandlungen zum Reichskonkordat von 1933 zwischen dem Heiligen Stuhl und der nationalsozialistischen Regierung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen das sich wandelnde Verhältnis zwischen dem NS-Staat und der katholischen Kirche, der politische Niedergang des Zentrums sowie die diplomatischen Strategien des Vatikans.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit untersucht, inwieweit das Konkordat das Kräfteverhältnis zwischen Hitler und der Kirche veränderte und ob es Hitler gelang, die Kirche politisch zu neutralisieren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Analyse historischer Quellen, Dokumente und zeitgenössischer Fachliteratur (u.a. von Scholder, Volk und Weis).

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den ersten Annäherungen 1930 über die Verhandlungsrunden 1933 bis hin zum Scheitern des Vereinsschutzes durch den Artikel 31 nach der Unterzeichnung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Reichskonkordat, Entpolitisierung, Machtanspruch der NSDAP, politische Passivität und der Verlust des Einflusses der Zentrumspartei.

Welche Rolle spielte Prälat Kaas bei den Verhandlungen?

Kaas, der Vorsitzende der Zentrumspartei, war eine zentrale Figur, die von Papen in die Konkordatspläne einweihte, was den Widerstand des Zentrums neutralisierte und dessen Untergang beschleunigte.

Warum konnte Hitler den Artikel 31 (Schutz katholischer Vereine) de facto aushebeln?

Dies geschah durch eine Hinhaltetaktik bei der Erstellung der Vereinslisten, die es dem NS-Regime ermöglichte, katholische Verbände unter dem Vorwand politischer Tätigkeit aufzulösen oder gleichzuschalten.

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Details

Title
Die Verhandlungen zum Reichskonkordat von 1933 und deren Einfluss auf das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus in Deutschland
College
Dresden Technical University  (Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V.)
Course
Seminar: Opposition und Widerstand im Nationalsozialismus 1933-1945
Grade
1,3
Author
Simon Thiele (Author)
Publication Year
2014
Pages
20
Catalog Number
V273374
ISBN (eBook)
9783656656098
ISBN (Book)
9783656656081
Language
German
Tags
Reichskonkordat Katholische Kirche Nationalsozialismus Franz von Papen Ludwig Kaas Papst Pius XII. Eugenio Pacelli
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Simon Thiele (Author), 2014, Die Verhandlungen zum Reichskonkordat von 1933 und deren Einfluss auf das Verhältnis zwischen der katholischen Kirche und dem Nationalsozialismus in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273374
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