Man Ray. Einflüsse der Bildenden Kunst auf die Fotografie von Man Ray


Bachelorarbeit, 2010
40 Seiten, Note: 2,0
Laura Becker (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Man Ray
2.1 Biographie und Werk
2.2 Von der Malerei zur Fotografie

3. Einflüsse des Dadaismus und des Surrealismus auf die Fotografie Man Rays
3.1 Definition der Begriffe
3.1.1 Avantgarde
3.1.2 Dadaismus
3.1.3 Surrealismus
3.2 Werke des Dadaismus und des Surrealismus am Beispiel von Marcel Duchamp, Francis Picabia und Max Ernst

4. Die künstlerische Fotografie Man Rays
4.1 Porträtfotografie
4.2 Modefotografie
4.3 Arbeitstechnik
4.3.1 Retusche
4.3.2 Licht und Schatten
4.4 Objektkunst
4.5 Rayogramm
4.6 Solarisation
4.7 Akt

5. Fazit
5.1 Zusammenfassung
5.2 Schlussfolgerung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man Ray hat mit den unterschiedlichsten künstlerischen Techniken seiner Zeit experimentiert und gearbeitet. Er war nicht nur ein sehr vielseitiger Künstler, sondern auch sehr experimentierfreudig und zeichnet sich besonders durch seine ironische Doppeldeutigkeit und Assoziationsfreudigkeit aus. Immer spielen in Man Rays Kunst auch irrationale Elemente eine Rolle. Er galt gleichsam als Maler, Fotograf, Schriftsteller, Objektkünstler, Verleger und Filmemacher. Man Rays spielerischer Umgang mit verschiedenen Materialien lässt sich in vielen seiner Collagen, Assemblagen und anderen Bildern erkennen. Seinen Bekanntheitsgrad erlangte er aber vor allem durch seine Fotografie. Er interessierte sich in seinen Werken auch zunehmend für das Unbewusste, Scheinbare und Mystische. Seine Arbeitsweise gilt als einmalig und kann nicht mit der traditionellen Fotografie verglichen werden. Man Ray zeigt nur das, was er selbst sehen will und was er an Vorstellungen beim Betrachter hervorrufen möchte. Seine Bilder entziehen sich der Realität, wobei nur die ideale Form oder das ideale Modell übrig bleibt. Seine Prinzipien in seinem künstlerischen Schaffen waren Freiheit, Unabhängigkeit, Kreativität, Humor und Anarchismus. Anhand von Beispielen der Arbeiten von Marcel Duchamp, Francis Picabia und Max Ernst wird hier aufgezeigt und analysiert, welchen Einfluss die bildende Kunst und speziell der Dadaismus und der Surrealismus auf die Fotografie von Man Ray ausübte.

2. Man Ray

2.1 Biographie und Werk

Emmanuel Rudnitsky, auch bekannt als Man Ray, wurde als Sohn eines jüdischen Schneiders am 27. August 1890 in Philadelphia in den USA geboren. Man Ray stammt aus einer russischen Familie, die in die USA emigrierte. 1897 zieht er mit seiner Familie nach Brooklyn. Von 1910 bis 1911 besucht er Zeichen- und Malkurse am New Yorker Ferrer Center. Die dortigen Lernmethoden nehmen starken Einfluss auf seinen späteren künstlerischen Werdegang und seiner Zuwendung zum Dada. Man Ray zieht kurzfristig nach New York und im Jahr 1912 nach Ridgefield in New Jersey. Im Jahr 1913 entsteht das erste kubistische Portrait von Alfred Stieglitz. Im selben Jahr heiratet er die Schriftstellerin Adon Lacroix. Während einer Ausstellung in der Gallery Daniel in New York im Jahr 1913, kommt er mit den kubistischen Bildern von Picasso, Picabia und Duchamps Werk in Berührung und ist von diesen begeistert. Im Jahr 1914 und 1915 kauft er seinen ersten Fotoapparat, um die eigenen Werke aufzunehmen. Seine erste Einzelaustellung in der Galerie Daniel folgte im Jahr 1915. Ein Jahr später nimmt Man Ray an der Forum Exhibition of Modern American Painters in New York teil. Er freundet sich mit Marcel Duchamp an und beide gründen die „Society of Independent Artists“, eine Gruppe amerikanischer und europäischer Künstler.

1918 entstehen erste „Aerographien“, wobei gemalte abstrakte Bilder mit der Spritzpistole hergestellt werden. Zusammen mit Katherine Dreier, Marcel Duchamp, Henry Hudson und Andrew McLaren gründet er die „Sociètè Anonyme“ im Jahre 1920. Man Ray ist fasziniert von Duchamps Werk und gemeinsam führen sie fotographische und filmische Experimente durch. Beide Künstler geben später die Zeitschrift „New York Dada“ heraus. Im Jahr 1921 geht Man Ray nach Paris, wo ihn Duchamp bei den Dadaisten einführt. In der Ausstellung der Librairie Six entsteht während einer Vernissage das Werk „Cadeau“, ein mit Nägeln gespicktes Bügeleisen. Von 1921 bis 1922 arbeitet er als Portrait- und Modefotograf. Auf Duchamps Anregung hin befasst sich Man Ray sehr intensiv mit der Fotografie und dem Film. Dabei experimentiert er mit der kameralosen Fotografie. Dieses Verfahren nennt Man Ray „Rayographie“. Später erscheint das Album „Les Champs dèlicieux“ mit 12 Rayographien in der Sociète Gènèral d`Imprimerie et Editions in einer Auflage von 40 Exemplaren. Man Ray nimmt am „Salon Dada“ in der Galerie Montaigne in Paris teil. Im Jahr 1923 entsteht sein erster Film „Le Retour à la raison“. 1925 beschäftigt sich der Künstler intensiv mit der Aktfotografie und macht zahlreiche Aufnahmen seiner Freundin Kiki de Montparnasse, die auch für viele andere Maler und Bildhauer Modell stand. Man Ray fotografiert ausserdem die Abteilung Haute Couture der Exposition des Arts Dècoratifs und veröffentlicht seine Fotos in der Modezeitschrift „Vogue“. In der Galerie Pierre beteiligt er sich an der ersten Surrealisten-Ausstellung.

Eine Einzelausstellung in der Galerie Surrèaliste folgt darauf im Jahr 1926. Von 1927 bis 1940 schafft Man Ray Porträts, Akte und Kurzfilme und nimmt an zahlreichen internationalen Ausstellungen teil. 1932 nimmt er außerdem an der Surrealisten-Ausstellung in der Julien Levy Gallery in New York teil, in der auch Dali, Ernst, Picasso und Roy ausstellen. Im Jahr 1940 wird er aufgrund der politischen Ereignisse gezwungen, sein Pariser Atelier aufzugeben und in New York zu arbeiten. Dort macht er Modeaufnahmen für die „Vogue“ sowie „Harper`s Bazaar“. Es folgen zahlreiche Ausstellungsbeteiligungen und Einzelausstellungen in den USA. Im Jahr 1946 heiratet der Künstler Juliet Browner. Erst im Jahr 1951 kehrt er nach Paris zurück. Man Ray beteiligt sich an internationalen Ausstellungen über Dadaismus und Surrealismus. Im Jahr 1961 erhält er die Goldmedaille für Fotografie auf der Biennale in Venedig. Seine Autobiographie „Self-Portrait“ kommt im Jahr 1963 in London heraus. Am 18. November 1976 stirbt Man Ray in Paris.[1]

2.2 Von der Malerei zur Fotografie

„Was ich nicht malen kann, photographiere ich. Was ich nicht durch die Photographie ausdrücken kann, male ich“.[2]

Die Malerei nimmt einen sehr wichtigen Platz in Man Rays Kunst ein. Eine typische Erfindung Man Rays war der Aerograph, den der Künstler 1917 in die Malerei einführte. Mit dieser Technik konnte er den Pinsel ersetzen und sogar seine Malweise verbessern. Man Ray hatte eine Vorliebe für dieses Instrument, das sich multifunktional einsetzen ließ. Eine andere technische Erfindung beruhte auf dem Gebrauch von Papierschnitzeln, die der Kategorie „Objekt-Malerei“ angehörte. Darunter fallen Collagen mit übereinander- gelegten transparenten Papieren, mit denen chromatische bildhafte Überlagerungen entstehen konnten. Diese werden wie Mobiles frei im Raum schwebend aufgehängt. Darunter sind Darstellungen von Türen, die sich im Raum ständig öffnen und schließen oder Mauerritzen werden gezeigt, hinter denen das Unbekannte zu finden ist. Von diesen Objekten hat Man Ray später auch Lithographien hergestellt, da sie Anreiz zur Vervielfältigung boten. In den „peintures naturelles“ (Naturverfahren) hat er zwei mit Farben bedeckte Flächen zusammengedrückt und schnell wieder voneinander getrennt. Diese Ergebnisse hingen teils vom Zufall und teils von einem vorgegebenen Kompositions-Schema ab. Auch mit dem Pinsel entwickelt Man Ray eine eigene Technik, die im Bereich von Mechanik und Manufaktur einzuordnen ist. Man Ray hat viele Jahre gemalt, bevor er schließlich Fotograf wurde. In den Jahren 1918 bis 1921 entdeckte er, dass er seine Ideen mit Hilfe der Foto- und Objektkunst am Besten ausdrücken konnte.

Von da an setzte er sich ernsthaft mit der Fotografie auseinander. Sein Interesse galt vor allem den Menschen und speziell ihren Gesichtern, die er zu fotografieren begann. Dadurch verlor er die Lust daran, Porträts malerisch darzustellen. Stattdessen arbeitete Man Ray mit dem Aerographen, einer Spritzpistole mit Pressluft. Mit diesem Werkzeug konnte der Künstler, wie mit einem Pinsel, ein Bild dreidimensional gestalten. Er reproduzierte seine eigenen fotografischen Werke und machte Porträts bekannter Persönlichkeiten aus der Kunstszene wie Pablo Picasso, Henri Matisse, Georges Braque, Juan Gris und vielen anderen. Als Man Ray nach Frankreich ging, schloss er sich den Dadaisten an, da diese seiner Arbeitsweise sehr entsprachen. Er interessierte sich in seiner Arbeit der Fotografie vor allem für die Technik und die Chemie. Es gab viele Zufälle, die an Man Rays Karriere beteiligt waren. So kam er auch zufällig zum Malen, Bildhauern, Schreiben und Fotografieren. In seiner Karriere maß er einer großen Publikumsmenge keine besonders große Bedeutung bei. Für ihn zählte die Individualität, die er für das Wichtigste hielt. Viele Jahre wurde Man Ray nicht ernst genommen als Künstler, daher entwickelte sich sein Verhältnis zum Publikum als eher schwierig. Die Malerei hat Man Ray dennoch niemals aufgegeben. So malte er Bilder mit abstrakter Thematik, wie zum Beispiel wissenschaftliche Instrumente, die er in mathematischen Instituten in alten Ausstellungskästen zuvor fotografierte und die ihm die Motive lieferten.

[...]


[1] Vgl. Kicken Rudolf: Man Ray 1890-1976 Photographien, München und Museums Betriebs GmbH, Wien: Hirmer Verlag, 1996. S. 254.

[2] Vgl. Ebd. S. 5.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Man Ray. Einflüsse der Bildenden Kunst auf die Fotografie von Man Ray
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Kunst und Medien
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
40
Katalognummer
V273435
ISBN (eBook)
9783656663010
ISBN (Buch)
9783656663003
Dateigröße
1239 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
einflüsse, kunst, fotografie
Arbeit zitieren
Laura Becker (Autor), 2010, Man Ray. Einflüsse der Bildenden Kunst auf die Fotografie von Man Ray, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273435

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