Als Epochenbegriff bezieht sich Realismus auf das nachrevolutionäre bürgerliche Zeitalter. Die Literatur des Realismus wurde durch ihre Hinwendung zur Realität und durch eine besonders betonte Wirklichkeitstreue geprägt, wobei unter Wirklichkeit in erster Linie das Leben in der bürgerlichen Gesellschaft und die erlebte Alltagswirklichkeit verstanden wurde. Trotz der gescheiterten Revolution, dem erfolglosen Streben nach nationaler Einheit und der fortdauernden Zersplitterung in deutsche Einzelstaaten, bekannte sich das wirtschaftlich erstarkte Bürgertum demonstrativ zu der bestehenden Ordnung. Aus "Angst vor dem Chaos" grenzte man sich gegen proletarische Protestbewegungen ab und arrangierte sich bereitwillig mit den alten Eliten in Staat und Gesellschaft. Die proletarische Wirklichkeit blieb in der Literatur des "bürgerlichen Realismus" weitgehend ausgespart. Diese hier nur kurz umrissenen gesellschaftlichen Verhältnisse bildeten den thematischen Hintergrund eines großen Teils der zeitgenössischen Literatur und beeinflussten auch die Programmatik des Realismus. Ihre Vertreter wandten sich entschieden gegen die Literatur des Jungen Deutschland und des Vormärz und natürlich auch gegen die Literatur des Idealismus und der Romantik.
Inhaltsverzeichnis
- Begriffsklärung
- Realismus als Epochenbegriff
- Zeitgeschichtlicher Hintergrund
- Welt- und Menschenbild im Zeitalter des Realismus
- Buch- und Zeitschriftenmarkt
- Programmatik des Realismus
- Poetischer Realismus
- Kontroverse um die Photographie
- Erzählende Literatur im Realismus: Roman und Novelle
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text erforscht die literarische Epoche des Realismus, seine Entstehung, seine wesentlichen Merkmale und seine Bedeutung innerhalb der deutschen Literaturgeschichte. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Entstehung des Realismus aus dem Spannungsfeld zwischen der gesellschaftlichen Realität und der Suche nach einer neuen, wahrhaftigen Darstellung der Wirklichkeit.
- Begriff und Bedeutung des Realismus in der Literatur
- Der Realismus als Epochenbegriff und seine Abgrenzung zu anderen literarischen Bewegungen
- Der zeitgeschichtliche Kontext und die gesellschaftlichen Verhältnisse im 19. Jahrhundert
- Die Programmatik und die wesentlichen Merkmale des Realismus
- Die Entwicklung der erzählenden Literatur im Realismus: Roman und Novelle
Zusammenfassung der Kapitel
- Begriffsklärung: Dieses Kapitel befasst sich mit der Entstehung des Begriffs "Realismus" in der bildenden Kunst und seiner Übertragung auf die Literatur. Es werden die verschiedenen Bedeutungsebenen des Begriffs erörtert und seine Verwendung in unterschiedlichen Kontexten beleuchtet.
- Realismus als Epochenbegriff: Dieses Kapitel analysiert den Realismus als literarische Epoche, die sich zwischen Spätromantik und Naturalismus positioniert. Es werden die charakteristischen Merkmale des bürgerlichen Realismus sowie die spezifischen gesellschaftlichen und kulturellen Bedingungen seiner Entstehung erörtert.
- Zeitgeschichtlicher Hintergrund: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des Realismus und analysiert die politischen und sozialen Verhältnisse im 19. Jahrhundert, die den literarischen Realismus maßgeblich beeinflussten.
Schlüsselwörter
Die zentralen Schlüsselwörter des Textes sind: Realismus, Epoche, Literatur, bürgerliches Zeitalter, Wirklichkeit, Darstellung, Programmatik, Romantik, Naturalismus, Zeitgeschichte, Gesellschaft, Kultur, Kunst, Literaturgeschichte, Roman, Novelle.
Häufig gestellte Fragen
Was charakterisiert die Epoche des Realismus?
Der Realismus ist geprägt durch die Hinwendung zur Alltagswirklichkeit der bürgerlichen Gesellschaft und eine betonte Wirklichkeitstreue, oft als „poetischer Realismus“ bezeichnet.
Wie grenzt sich der Realismus von der Romantik ab?
Im Gegensatz zur Romantik lehnt der Realismus das Phantastische und Idealistische ab und konzentriert sich stattdessen auf das fassbare Leben und die bestehende gesellschaftliche Ordnung.
Warum wird oft vom „bürgerlichen Realismus“ gesprochen?
Weil die Literatur dieser Zeit primär die Lebenswelt des erstarkten Bürgertums thematisierte, während proletarische Wirklichkeit und soziale Proteste weitgehend ausgespart blieben.
Welche literarischen Gattungen waren im Realismus besonders wichtig?
Besonders die erzählende Literatur, namentlich der Roman und die Novelle, boten den Raum für die detaillierte Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse.
Was bedeutet „Synthese zwischen Wirklichkeitssinn und Verklärung“?
Es beschreibt den Versuch der Realisten, die nackte Realität künstlerisch so zu gestalten (zu verklären), dass sie ästhetisch ansprechend und sinnvoll erscheint, ohne unwahr zu werden.
- Arbeit zitieren
- Hans-Georg Wendland (Autor:in), 2014, Die Literatur des Realismus. 'Synthese zwischen Wirklichkeitssinn und Verklärung'., München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273451