Postmoderne Existenzen: Über die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeiterInnen der DDR nach der Wende


Diplomarbeit, 2001

109 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Prolog
1.2 Zum Inhalt

2 Theorieteil
2.1 Bemerkungen
2.2. Das Theoriekonzept Zygmunt Baumans
2.2.1 Die Moderne
2.2.2 Der Nationalstaat als Verkörperung des modernen Denkens
2.2.3 Der Fremde
2.2.4 Die Assimilationsfalle
2.2.5 Exkurs I: der Fremde bei Simmel
2.2.6 Die Postmoderne
2.2.7 Gesellschaftlichkeit
2.2.8 Vorgestellte Gemeinschaften
2.2.9 Vagabunden und Touristen
2.2.10 Exkurs II : Der Begriff der Leitkultur bei Bassam Tibi
2.3 Die Theorie der Wanderungssoziologe bei Esser
2.3.1 Spiegelbild moderner Vorstellungen
2.3.2 Zentrale Begrifflichkeiten
2.3.3 Die Wirkung der Umwelteinflüsse auf das assimilative Handeln
2.3.4 Die Eingliederung als Prozeß
2.3.5 Innerethnische Enklaven
2.3.6 Formen der partiellen Anpassung
2.3.7 Die multiethnische Gesellschaft bei Esser
2.4 Zusammenfassung und Abgleich der theoretischen Ausarbeitung
2.5 Überleitung zum zweiten Komplex

3 Die VertragsarbeitnehmerInnen
3.1 Statistische Angaben
3.2 Zur Situation der vietnamesischen VAN in der DDR
3.2.1 Politisch – rechtliche Rahmenbedingungen
3.2.2 Der Aufenthaltsstatus
3.2.3 Aufenthaltsdauer
3.2.4 Die Sprachkurse
3.2.5 Die Wohnsituation
3.3 Wendezeit
3.3.1 Die politische Entwicklung
3.3.2 Der Einigungsvertrag
3.3.3 Die Wendezeit im Leben der VAN
3.4 Die ehemaligen VertragsarbeitnehmerInnen nach der Wende
3.4.1 Der Aufenthaltsstatus
3.4.2 Der Weg zum Bleiberecht
3.4.3 Die Bleiberechtsregelung
3.4.4 Probleme bei der Umsetzung des Bleiberechts
3.4.5 Schlußpunkt: Das neue Staatsangehörigkeitsgesetz

4 Bewertung der Lebenssituation der vietnamesischen ehemaligen VAN
4.1 Die Lebenssituation vor der Wende
4.2 Die Lebenssituation während und nach der Wende
4.2.1 Die Auswirkungen der aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen
4.2.2 Die ethnische Ökonomie
4.2.3 Die Selbstverortung der vietnamesischen VAN
4.2.4 Touristen und Vagabunden II

5 Resümee

Anhang: Literaturverzeichnisi

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hypothetische Kausalstruktur der kognitiven, identifikativen, sozialen und strukturellen Assimilation .

Abbildung 2: Grundmodell der Assimilation von Wanderern

Abbildung 3: Die Anzahl der VertragsarbeitnehmerInnen in den neuen Bundesländern im Jahre 1990.

Abbildung 4: Selbstverortung vietnamesischer MigrantInnen.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Einzeldimensionen der Assimilation und der Bezug zu den herkömmlichen Variablen der Eingliederungsforschung

Tabelle 2: Typen der Sozialintegration sowie deren Merkmale bei Esser.

Tabelle 3: Anzahl der Vietnamesen 1996 in den neuen Bundesländern, aufgegliedert nach Städten und Geschlecht.

Tabelle 4: Anzahl der VertragsarbeitnehmerInnen in den neuen Bundesländern nach Herkunftsstaaten in den Jahren 1989 und 1990.

1 Einleitung

1.1 Prolog

„Kurz, wir denken in den Ordnungsmustern der ersten Moderne, leben und handeln aber in den Grauzonen und Turbulenzen der zweiten Moderne.“ (Beck 2000, S. 34).

„Konkret meine ich damit Formen einer deterritorialisierten Gesellschaft, die es in bestimmten Bereichen und Gruppen bereits gibt, wie etwa den global players, [...]. Es gibt sie aber auch im unteren Bereich der Gesellschaft, bei den Migranten, bei all jenen, die am Rande der Gesellschaft leben und die transnationale Lebensformen entwickeln müssen.“ (a.a.O., S. 34 / 35; Hervorh. im Orig.)

Aus diesen Zitaten lassen sich die zwei für meine vorliegende Diplomarbeit grundlegenden Annahmen herauslesen. Ich gehe einerseits davon aus, daß unsere Lebensrealität, also unserer aller Lebenslage und –situation bereits von Merkmalen der wie Beck sie nennt `zweiten Moderne´, oder wie Bauman sie bezeichnet `Postmoderne´ gekennzeichnet ist. Diese neue Realität hat sich aber noch nicht im Handeln, wie ich meine vor allem im politischen Handeln, niedergeschlagen. Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Lebensumstände vor allem der gesellschaftlichen Gruppen, welche in ihrem gesamten existentiellen Status von eben diesem politischen Handeln abhängig sind, den MigrantInnen.

Ziel der Einwanderungspolitik ist es offenbar noch immer, MigrantInnen in eine wie auch immer geartete deutsche Gesellschaft zu integrieren, letztendlich zu assimilieren. Voraussetzung für Integration bzw. Assimilation ist jedoch die Existenz einer homogenen Gesellschaft, an deren Realität sich der Migrant anpassen kann (vgl. Deligöz 1999, S. 31). Diese Homogenität ist in einer sich weiter deregulierenden, globalisierenden und differenzierenden Welt jedoch nicht gegeben, fraglich ob sie es je war. Schlagwörter wie `kulturelle Überfremdung´ oder auch die für meine Begriffe vollkommen aus dem Rahmen gefallene Diskussion um die `deutsche Leitkultur´[1] und deren lebhafte Diskussion in der Öffentlichkeit zeigen an, daß der Themenkomplex Migration und Integration von hoher Aktualität ist, dabei die Realität aber übersehen, bzw. zu stark problematisiert wird.

Anhand zweier theoretischer Modelle, nämlich dem Integrationskonzept Hartmut Essers und dem Konzept der Postmoderne bei Zygmunt Bauman will ich versuchen, den Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Realität und dem immer noch andauernden Versuch, `Fremde´ zu assimilieren, aufzuzeigen. Ziel dabei soll es nicht sein, das eine oder andere Modell ad absurdum zu führen. Eine zumindest teilweise Integration in gesellschaftliche Teilbereiche ist allein für die physische Existenz eines Individuums lebensnotwendig, wie wir alle wissen. Ziel kann es jedoch nicht sein, Individuen in eine imaginierte Einheitsgesellschaft assimilieren zu wollen.

Eingegangen werden soll, wie im Titel der Arbeit schon angekündigt, auf die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeitnehmerInnen[2]. Sie repräsentieren meiner Meinung nach ein Musterbeispiel für die `postmoderne Existenz´. Um dies zu verdeutlichen, bzw. erkennbar zu machen, werde ich einen Hauptteil meiner Arbeit auch der Schilderung der Situation dieser Migrantengruppe vor, während und nach der politischen Wende in der DDR widmen. Mit dem bewußt allgemein gehaltenen Begriff der `Situation´ verbinde ich ein Bündel bestehend aus den politischen Rahmenbedingungen für den Aufenthalt dieser Personengruppe, als auch der konkreten Lebensumstände dieser Migrantengruppe. Wo hilfreich, sind Aussagen interviewter VertreterInnen der untersuchten Migrantengruppe eingefügt. Diese Äußerungen entnahm ich den wenigen empirischen Arbeiten, die zu diesem speziellen Themengebiet veröffentlicht wurden.

1.2 Zum Inhalt

Kommen wir nun zum konkreten Inhalt der vorliegenden Arbeit. Ausgangspunkt wird aus Gründen der besseren Erläuterung und meines späteren Argumentationsganges die Beschäftigung mit der baumanschen Theorie zur Moderne und Postmoderne sein. Diese stellt den ersten Kern meiner Arbeit dar. Ich versuche dort, die unterschiedlichen Merkmale der Moderne und Postmoderne herauszuarbeiten im Hinblick auf deren spätere Anwendung auf die Lebenssituation der vietnamesischen VAN.

In einem von zwei Exkursen widme ich mich dem Begriff der Leitkultur bei Bassam Tibi. Ich hielt dies aus Gründen der späteren gezwungenermaßen recht oberflächlichen, für unsere Zwecke jedoch ausreichenden Beschäftigung mit dem deutschen Staatsbürgerschaftsrecht, welches ja als Grundlage auch der aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen eine wichtige Rolle bei der Betrachtung der Lebenssituation spielt, für nötig und zugleich aufschlußreich. Tibis Ausführungen weisen hin auf die Änderungen, die sich mit dem neuen Staatsbürgerschaftsrecht ergeben haben. Dazu später mehr.

Im Anschluß daran folgt die Beschäftigung mit dem Integrationskonzept Hartmut Essers. Seine Theorie ist mir in mehrfacher Hinsicht hilfreich gewesen. Einerseits ist sie als Spiegelbild der modernen Vorstellungen der Einordnung und Kategorisierung auch der Fremden zu verstehen, an deren Endpunkt die Assimilation des Wanderers stehen soll, andererseits ermöglicht sie eben aufgrund dieser Kategorisierungsversuche einen Überblick über und eine Unterscheidung der zentralen Begrifflichkeiten der Assimilation, Integration, Identifikation und Akkulturation. Es soll untersucht werden, ob man die Lebenssituation der Migrantengruppe nicht vielleicht doch einer der esserschen Kategorien zuordnen kann.

Als Abschluß des ersten Hauptteils meiner Arbeit werde ich diese theoretischen Überlegungen in Bezug zueinander setzen und untersuchen, inwieweit sich Gemeinsamkeiten ergeben, die für den weiteren Fortgang der Arbeit relevant sein könnten.

Anschließend folgt der zweite Hauptteil der Arbeit, die Beschäftigung mit den VAN. Diesen Teil der Arbeit habe ich untergliedert in die Beschreibung der Vorwendezeit (also die Situation in der DDR) und der Zeit während und nach der Wende. Diese zwei Teile sind noch einmal untergliedert nach den politischen Rahmenbedingungen und den davon stark beeinflußten Lebenssituationen der VAN. Dieser Teil der Arbeit hat zwei Funktionen: Erstens dient er der blosen Schilderung und dem Vertrautmachen des Lesers mit der Situation der untersuchten Migrantengruppe, zweitens der Herausarbeitung der im dritten und letzten Teil relevanten Ankerpunkte für die Charakterisierung der Lebenssituation.

Die Charakterisierung der Lebenssituation der vietnamesischen ehemaligen VAN vor und nach der Wende bildet den Schlußteil der vorliegenden Arbeit. Hier erfolgt eine Verknüpfung der im Theorieteil als bedeutsam herausgestellten Gesichtspunkte mit der realen Situation der VAN. Spätestens in diesem Teil der Arbeit soll der postmoderne Charakter der Lebenssituation dieser Menschengruppe deutlich werden.

2 Theorieteil

2.1 Bemerkungen

Die These meiner Arbeit, daß man die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VAN der DDR nach der Wende als eine typisch postmoderne Existenz betrachten kann, verlangt nach einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Konzept der Postmoderne. Exemplarisch möchte ich mich hier vor allem mit dem Theoriemodell Zygmunt Baumans beschäftigen, der als visionärer Vertreter der Postmoderne – Diskussion zu betrachten ist. Besonders geeignet für mein Thema erachte ich Baumans Konzept vor allem deshalb, weil er sich in „Moderne und Ambivalenz“ neben der Postmoderne auch mit den Charakteristika der Moderne auseinandersetzt und diese in Kontrast zur Postmoderne stellt. Die Lebenssituation der vietnamesischen ehem. VAN kann man in der Betrachtung ihrer Situation vor, während und nach der Wende unter diesem theoretischen Bezug betrachten und somit einen Bruch von einer typisch modernen zu einer typisch postmodernen Lebenssituation beschreiben.

In die Betrachtung der modernen Lebenssituation vor der politischen Wende möchte ich ein zweites Theoriemodell, die Überlegungen Hartmut Essers zur Wanderungssoziologie, einarbeiten, dies jedoch in einem gesonderten Kapitel. Dieses Modell läßt sich en gros als Manifestierung der modernen Vorstellungen und Ideale verstehen und soll hier illustratorisch verwendet werden, obwohl Esser, wie wir später noch sehen werden, Baumans Überlegungen nicht unbedingt diametral entgegensteht. Bei der Betrachtung der Lebenssituation der VAN im vereinten Deutschland kann Essers Konzept ebenfalls Verwendung finden, hier aber v.a. in der Auseinandersetzung mit den ausländerpolitischen, und hier insbes. aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen, also der politischen Seite. Meine These dazu lautet, daß die in der Ausländerpolitik noch vorherrschenden typisch modernen Vorstellungen die Entstehung und Entwicklung einer postmodernen Existenzweise teilweise erst ermöglicht, sogar forciert haben. Genaueres dazu wird später folgen.

2.2. Das Theoriekonzept Zygmunt Baumans

2.2.1 Die Moderne

Betrachten wir jedoch zuerst den `Überbau´ meiner theoretischen Betrachtung, das Theoriekonzept Zygmunt Baumans. Grob läßt sich dieses Konzept gliedern in eine Darstellung der Moderne und der darauffolgenden Postmoderne. Beide betrachtet Bauman in westlichen Industriegesellschaften als aufeinanderfolgende Epochen, wobei das Zeitalter der Moderne, beginnend in der Epoche der Aufklärung und Entzauberung bis zum Ende des 20. Jh. andauerte und erst kürzlich durch Entwicklungen zum postmodernen Zeitalter geprägt wurde. Die Postmoderne ist für Bauman somit als kein von der Moderne losgelöstes Zeitalter zu betrachten, sondern es steht mit dieser in enger Verbindung, stellt gewissermaßen eine „volljährige“ (Bauman 1995b, S. 333) Moderne dar. Die Moderne ist also auch als Ausgangspunkt der Postmoderne zu betrachten und sollte somit ebenfalls in die Auseinandersetzung mit dem Thema der Postmoderne einbezogen werden.

Bauman macht das Zeitalter der Moderne an einer Reihe von Begriffen, bzw. Schlagworten fest, die gewissermaßen die Ziele und Pläne der Moderne bedeuten. Diese zentralen Begriffe, oder das Gerüst für das Haus der Moderne sind die der Ordnung, Sicherheit und Eindeutigkeit. Ihnen gegenüber gestellt sind die konträren Begriffe des Chaos, der Unvorhersehbarkeit und der Ambivalenz (vgl. a.a.O., S. 13 ff.). Ausgangspunkt für das, wie Bauman es nennt „Projekt“ (a.a.O., S. 307) der Moderne sind die in der Zeit der Aufklärung entstandenen Vorstellungen einer wissenschaftlich einwandfrei und eindeutig erklärbaren Welt.

Zentral für meine Ausführungen sind in Baumans Betrachtung der modernen Situation vor allem die Ausführungen zum Nationalstaat und zum Fremden.

2.2.2 Der Nationalstaat als Verkörperung des modernen Denkens

Nach Bauman kann der Nationalstaat als Verkörperung des modernen Denkens gesehen werden. Im Folgenden werde ich diese Sichtweise näher beleuchten.

Das Gebilde Nationalstaat besitzt zum einen klar definierte Grenzen, trennt somit zwischen drinnen und draußen, deklariert Freunde und Feinde, unterscheidet zwischen Einheimischen und Fremden. Der Staat als solcher hat also zunächst einmal die Aufgabe, grundlegende Klassifikationen zu treffen, er hat zu ordnen, „der Welt eine Struktur zu geben“ (Bauman 1995b, S.14). Man erkennt: Ordnung ist in diesem Sinne keine natürliche, sondern eine vom Menschen erdachte und durchzusetzende Kategorie (vgl. a.a.O., S. 17f.). Bauman begreift die Schaffung von Ordnung auch als „Gewaltakt, der an der Welt verübt wird“, der „der Unterstützung durch ein gewisses Ausmaß an Zwang“ (a.a.O., S.15) bedarf. Diese beiden Merkmale des ordnungsschaffenden Staates, Unnatürlichkeit und Zwang, sind für Baumans weiterführende Argumente von zentraler Wichtigkeit. Beide stehen in engem Zusammenhang.

Die Welt vor der Aufklärung befand sich für Bauman in einem quasi natürlichem Zustand, es war „eine Welt, die einfach nur war“ (a.a.O., S.17). Über Ordnung, gar Ordnung selbst zu schaffen, dachte man in dieser Welt nicht nach. In Baumans „Moderne und Ambivalenz“ sieht Collins die Entstehung der Moderne in der Zeit Hobbes´: „>>Hobbes begriff, daß eine im Fluß befindliche Welt natürlich war und Ordnung geschaffen werden mußte, um das, was natürlich war, zu unterdrücken.<<“ (a.a.O., S.17). Ordnung ragte seitdem als obsessive Aufgabe über allen anderen Aufgaben des modernen Staates hervor (vgl. a.a.O., S. 18).

Womit allerdings nicht gerechnet wurde ist, daß das Andere der Ordnung (das Chaos) durch die zahllosen Ordnungsversuche nicht etwa kleiner wurde, nein. Diese „Negativität“ (a.a.O., S.19) der Ordnung scheint mit jedem weiteren Ordnungsversuch zu wachsen. Je kleinteiliger und feinmaschiger das Ordnungsraster, desto unüberschaubarer, überragender das Nebenprodukt, das Chaos. Bauman erkennt beide, Ordnung und Chaos, als moderne Zwillinge (Bauman 1995b, S. 17). Der moderne Staat hat mit der Tatsache der Unmöglichkeit einer endgültigen Ordnung einerseits und der Festlegung seiner Aufgabe, der Schaffung einer ebensolchen Ordnung andererseits, sich eine immer wieder selbst schaffende Existenzrechtfertigung erworben.

In diesem Zusammenhang kann das von Bauman recht ausführlich verwendete Bild des Staates als Gärtner als Verständnishilfe gesehen werden. Der Staat kann als planvoll angelegter Garten gesehen werden, der dem naturwüchsigen Urzustand (dem Chaos) entgegensteht und vor andauernden Übergriffen aus der ihn umgebenden Wildnis beschützt werden muß. Als nützlich deklarierte Pflanzen werden gehegt und gepflegt, das Unkraut (Kriminelle, Behinderte, ´Randgruppen` jeder Art) wird herausgerissen[3] und / oder vernichtet, es stört das schöne Bild des Gartens (vgl. a.a.O., S. 37).

Jenes `Herausreißen´ bildet eine von zwei, bzw. drei Möglichkeiten, mit dem Fremden umzugehen. Exakter läßt sich das genannte `Herausreißen´, oder `Ausspeien´ als anthropoemisches Vorgehen bezeichnen (vgl. Bauman 1999, S. 37 ff.). Fremde werden durch Ausschluß oder Säuberungsaktionen aus unserer Lebenswelt verbannt. Neben dem `Ausreißen´ des Ambivalenten und Unbestimmten gibt es noch eine andere, oftmals verlockende Möglichkeit, sich des Fremden zu entledigen, nämlich indem man ihn `verschluckt´, oder ihm das eigene Wesen überzustülpen versucht und die Fremdheit dadurch übertünchen möchte. Dieses Vorgehen kann als anthropophagisch bezeichnet werden (vgl. a.a.O., S. 37 ff.). Dieser Vorstellung liegt das Bild des biegsamen und anpassungsfähigen Menschen zugrunde. Die implizite kulturelle Auslöschung des Fremden wird hier als eine Art schöpferischer Akt angesehen (vgl. a.a.O.,

S. 39), wobei der Fremde eine zu korrigierende Anomalie darstellt, die sich der

überlegenen Kultur der Einheimischen anzupassen hat, will sie akzeptiert werden. Dies ist das Assimilationsangebot des modernen Staates. Fremde

sollen durch die Übernahme der Merkmale des Einheimischen zu ebensolchen gemacht werden (und dadurch ihre chronische Unbestimmtheit verlieren).

Eine andere, von Bauman nicht eingehender beschriebene, aber für unsere Zwecke durchaus relevante Praxis mit dem Fremden umzugehen besteht darin, Fremde aus unserer alltäglichen Lebenswelt herauszudrängen, sie zum Sonderfall zu deklarieren. „Der gesellschaftliche Verkehr mit dem Fremden kann strikt reduziert und alle noch erlaubte Kommunikation von einem lästigen Ritual umgeben werden [...]“ (Bauman 1995b, S. 89; vgl. auch Giesen 1999, S. 102 ff.). Der Fremde wird isoliert. Dies ist die Praxis, mit der im kommunistischen, bzw. sozialistischen Staat DDR die Integration der VAN verhindert werden sollte (mehr dazu später). Bauman geht kurz auch auf den kommunistischen, bzw. sozialistischen Staat ein, den er als „Moderne in höchster Vollendung“ kennzeichnet (Bauman 1995a, S. 202). Das Bild der idealen, also durchgeplanten, rational gesteuerten und vereinheitlichten Gesellschaft wurde in diesem System zur Perfektion getrieben, Freiheit zugunsten der Sicherheit stark beschnitten. Somit wurde auch das Individuum sämtlicher Verantwortung enthoben (vgl. a.a.O., S. 197 ff.) Diese Erkenntnisse werden uns im Hinblick auf die Untersuchung der Lebenssituation der vietnamesischen VAN in der DDR noch beschäftigen.

Genau wie bei der Methode der Assimilation werden hier dem Fremden Verhaltenszwänge auferlegt, innerhalb welcher er interagieren darf. Im Falle der Assimilation ist es der Zwang der Anpassung, im diesem die Rolle des Exotischen, aus der der Fremde nicht ausbrechen darf. Durch dieses Einschließen in die Rolle des Exotischen werden kollektive Identitäten produziert, die gespannt von den Einheimischen beobachtet werden (Bauman 1995b, S. 90). Das Fremde behält also, wenn auch in abgeschwächter Form, seine potentielle Bedrohlichkeit, der künstliche Zaun, ein Versuch der Grenzziehung und Kategorisierung, kann nicht die gewünschte sichere Ordnung bringen.

Das Assimilationsangebot ist wohl die zentrale Vorgehensweise des modernen Staates, um Fremde wie bspw. MigrantInnen in Kategorien einzuordnen. Jene, welche sich assimilieren, werden (oder sollten) als Einheimische anerkannt werden; alle die, welche das Angebot nicht annehmen, bleiben als Fremde bestehen. Ihnen wird jedoch auch der Makel zuteil, ihre Fremdheit bewußt nicht aufgeben zu wollen. Damit machen sie sich dem Feind ähnlich, der ja auch die Lebensart der Einheimischen ablehnt. Die Ausweisung, also das `Ausspeien´ solcher Fremder ist dann eine logische Folge. Gerade vor dem Hintergrund um die Leitkultur – Diskussion ist dieser Sachverhalt als sehr interessant einzustufen.

Fassen wir dieses Kapitel noch einmal zusammen, um die wichtigsten Punkte für die weitere Diskussion herauszukristallisieren. Der moderne Staat, so haben wir bei Bauman gelesen, ist ein Staat der Ordnung, des Einteilens und des Kategorisierens. Fremde widersetzen sich einer Einteilung, da sie Charakteristika an sich unvereinbarer Kategorien in sich vereinen. Sie bilden somit eine Anomalie, die den Nationalstaat in seiner Ordnung bedrohen und ihn vor Handlungszwänge stellen. Der moderne Staat entwickelte zwei Hauptmechanismen des Umgangs mit Fremden: den anthropoemischen Mechanismus, das ´Ausspeien`, bzw. Ausweisen des Fremden, bis hin zu seiner physischen Vernichtung; sowie das anthropophagische Vorgehen, das `Verschlucken´ des Fremden. Bei letzterem Mechanismus wird dem Fremden das Assimilationsangebt unterbreitet. Er solle so wie die Einheimischen werden, eigene Werte zugunsten derer der Einheimischen aufgeben, dann würde er im jeweiligen Nationalstaat sein neues Zuhause finden. Beide Vorgehensweisen können durchaus miteinander verknüpft werden. Scheitert das Assimilationsangebot (was laut Bauman und auch der hier vertretenen Ansicht nach sehr wahrscheinlich ist, vgl. dazu Schmalz – Jacobsen 1993, S. 17), so folgt darauf das wie auch immer geartete `Ausspeien´ des Fremden, um die vom Nationalstaat verfolgte Ordnung der Dinge nicht zu gefährden. Eine dritte, von Bauman allerdings nur marginal erklärte Möglichkeit des Umgangs mit Fremden, ist die der bewußten Abkapselung oder Exotisierung. Fremde sollen innerhalb der Gesellschaft als solche erkannt werden und werden deswegen exotisiert. Im letzten Hauptkapitel werde ich versuchen, diese theoretischen Überlegungen am Beispiel vietnamesischer ehemaliger VAN in der Praxis nachzuzeichnen.

2.2.3 Der Fremde

Nun soll erst einmal näher auf dieses Assimilationsangebot eingegangen werden, nicht aber ohne vorher einen Blick auf das Wesen des Fremden in der Betrachtung Baumans zu werfen. Dabei werden einige schon angesprochene Aspekte wiederholt, was mir jedoch unvermeidlich erschien, um tiefer in die Charakteristika des Fremden Einblick zu erlangen. In einem Exkurs soll auch Simmels Aufsatz über den Fremden angesprochen werden, da sich Baumans Auseinandersetzung mit diesem Thema stellenweise sehr stark auf Simmel bezieht und seine Überlegungen somit die in dieser Arbeit vertretene Sichtweise nicht unwesentlich beeinflussen.

Der Fremde als solcher steht dem modernen Streben nach eindeutiger Zuordnung entgegen. Er widersetzt sich der klaren Einteilung der Menschen in Freunde und Feinde, bildet quasi ein Zwischenstadium, da er Merkmale sowohl eines Freundes, als auch eines Feindes in sich vereint (vgl. Bauman 1995b, S. 76). Die Unterteilung der Menschen in Freunde und Feinde ist gleichbedeutend mit der Gliederung der Welt in Gut und Böse, Wahr und Falsch (vgl. a.a.O., S. 75). Einem Freund gegenüber ist man verantwortlich, es besteht ungeachtet der Erwiderung des Gegenübers eine Verpflichtung diesem gegenüber (a.a.O., S. 74).

Feinde sind das genaue Gegenteil des Freundes, ihr Merkmal ist das des Kampfes und der Feindschaft (a.a.O., S. 74). Sie lehnen die Verantwortung uns gegenüber ab, im Gegenzug sind wir ihnen jedoch auch keine Verantwortung schuldig. Ebenso wie Ordnung und Chaos sind Freunde und Feinde moderne Zwillinge.

Der Fremde nun widersetzt sich dieser eindeutigen Zuordnung. Ihm gegenüber weiß man nicht weiter (vgl. Bauman 1995b, S.77), der Fremde ist „weder Freund noch Feind“ (a.a.O., S. 76), er kann beides sein. Seine Existenz „untergräbt [...] das gesellschaftliche Leben selbst“ (a.a.O., S. 76). Eine der `Sünden´ des Fremden ist, daß er zwar wie die Feinde geistig fern ist, im Gegensatz zu diesen aber physisch nah. An diesem Charakteristikum läßt sich die dem Fremden eigene Mischung der Kategorien Freund / Feind sehr deutlich machen. Da er also Merkmale des Freundes und des Feindes in sich vereint, Merkmale zweier an sich nicht mischbarer Kategorien, gehört der Fremde zur „Familie der Unentscheidbaren“ (a.a.O., S. 76). Durch diese Mischung der Kategorien stellt der Fremde die wohlbehütete Ordnung der Welt in Frage, bekommt so eine gewisse, unheimliche Macht: „Oppositionen ermöglichen Wissen und Handeln, Unentscheidbare lähmen sie“ (a.a.O., S. 77). Fremde „bringen das Außen nach Innen und vergiften das Tröstende der Ordnung durch den Argwohn gegen das Chaos. Dies ist genau das, was die Fremden tun“ (a.a.O., S.77).

Fremde im `eigenen Land´ leisten der den Nationalstaaten eigenen Möglichkeit der räumlichen Abgrenzung und Absonderung gegen das Unbekannte Widerstand. Der Fremde kommt einfach, läßt sich hier nieder, bedroht die Ordnung. In soweit kann der Fremde als Feind betrachtet werden. Ein Merkmal des Freundes, welches dem Fremden eigen ist, ist der Anspruch auf das Recht, Gegenstand von Verantwortung zu sein (a.a.O., S.80).

Darüber hinaus hat der Fremde unsere Lebenswelt zu einem bestimmten Zeitpunkt betreten. Er gehört also nicht schon immer dazu und wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht irgendwann dazu gehören, denn er besitzt etwas, was dem Einheimischen nicht gegeben ist: die Freiheit zu gehen (bzw. kann der Fremde auch gezwungen werden, zu gehen) (vgl. Bauman 1995b, S. 81). Diese zeitliche Begrenzung der Anwesenheit des Fremden stellt somit das Vorhandensein einer sicheren, ordentlichen Existenz in Frage.

All diese Eigenschaften machen den Fremden laut Bauman zum „tödlichen Gift der Moderne“ (a.a.O., S. 82f.). Folglich wird der Nationalstaat auch mehr mit dem Problem der Fremden als mit dem der Feinde beschäftigt sein. Der moderne Staat fördert die „ethnische, religiöse, sprachliche und kulturelle Homogenität“ (a.a.O., S.87). Das Fremde soll dem Einheimischen gleichgemacht werden, Assimilation und Akkulturation sind so als typisch moderne Praktiken anzusehen.

2.2.4 Die Assimilationsfalle

Doch auch der Versuch der Assimilation ist für den Fremden eine Falle. Bauman beschreibt dieses Angebot als die „spezifischste, authentischste moderne Politik des Nationalstaates“ (Bauman 1995b, S. 94). Das Fremde soll durch `Verschlucken´ dem Einheimischen angepaßt und somit unschädlich gemacht werden. Dem Fremden wird das Angebot unterbreitet, so zu werden wie wir, die Einheimischen, und alle Anfeindung und Ausgrenzung hätte ein Ende. Dabei sind im Falle der kulturellen Assimilation[4] die „besten Werte [...] die, welche von den besten Leuten anerkannt und praktiziert werden“ (a.a.O., S. 94). Es scheint, als ob das Ablegen des Fremdseins lediglich durch die Annahme anderer Werte und Verhaltensweisen möglich wäre. Doch genau hier liegt die Falle des Assimilationsangebotes. „Häufig geben sie [die Fremden, d. Verf.] sich alle Mühe, alles, was sie von den rechtmäßigen Mitgliedern einer einheimischen Gemeinschaft unterscheidet, zu unterdrücken – und zu hoffen, daß eine devote Nachahmung einheimischer Bräuche sie von den Gastgebern ununterscheidbar macht und eben dadurch ihre Reklassifikation als Insider garantiert [...]“ (a.a.O., S. 95; Hervorheb. im Orig.). Eben diese Nachahmung jedoch kommt für die Einheimischen einer Bestätigung ihrer Überlegenheit gleich. Dies ist für Bauman die Bestätigung, „daß der Urzustand des Fremden ein Fleck sei, der abgewaschen werden müsse“ (a.a.O., S. 96).

Die eigentliche Falle des Assimilationsangebotes ist jedoch viel weitreichender. Der Fremde kann nicht erwerben, was dem Einheimischen `angeboren´ ist. Er wird sich in seiner neuen Identität nie mit der Natürlichkeit eines Einheimischen bewegen können. Dadurch, daß er lernen muß, was anderen selbstverständliche Praxis ist, reflektiert der Fremde das `Wissen´, welches den Einheimischen als unhinterfragbare Wahrheit (vgl. auch Wellmer 1993, S. 157 f.; Weiß 1993, S. 132 f.) erscheint und stellt somit die Ordnung der Dinge sowie die proklamierte Vernunft, auf die das genannte Wissen aufbaut, in Frage. „Sein Eintritt [der des Fremden; d. Verf.] bedeutet deshalb eine Verletzung der Kultur“ (a.a.O., S. 102). „Aus dem gleichen Grund [die praktische Infragestellung des kulturellen Wissens; d. Verf.] wirkt sich selbst der gute Wille des Fremden gegen ihn selbst aus, seine Anstrengung, sich zu assimilieren, trennt ihn noch weiter ab, läßt seine Fremdheit noch deutlicher hervortreten und liefert den Beweis für die Drohung, die sie enthält“ (a.a.O., S. 102f.). Darüber hinaus kann der Fremde diese neue Identität, da er sie gewählt hat, auch zugunsten einer anderen wieder ablegen. Zumindest muß also die Loyalität des `neuen Einheimischen´ kritisch überprüft werden.

Die Fremdheit des Fremden wird auf diese Art noch deutlicher hervortreten, das Assimilationsangebot kann nicht halten, was es versprach, nämlich die Auflösung der Fremdheit, das Aufgehen in der Aufnahmegesellschaft, das Heimischwerden.

2.2.5 Exkurs I: der Fremde bei Simmel

Wie bereits angekündigt, werde ich mich nun in einem kurzem Exkurs mit der Betrachtung des Fremden bei Georg Simmel beschäftigen, auf dessen Überlegungen sich Bauman stark stützt. In Simmels Ausführungen werden Eigenschaften des Fremden wie seine Objektivität, aber auch die eigentümliche Position zwischen Freund und Feind noch einmal in verkürzter, dadurch aber viel deutlicherer Art und Weise hervorgehoben. Ich möchte deshalb diesen Exkurs auch als Zusammenfassung der wichtigsten, für die Betrachtung der Situation vietnamesischer ehemaliger VAN der DDR als Stellvertreter des Archetyps des Fremden, zentralen Punkte verstanden wissen.

Das konstituierende Merkmal des Fremden auf welches alle anderen Charakteristika fußen, ist dessen Eigenschaft, nicht nur zwischen den Kategorien Freund / Feind, sondern auch zwischen denen des Einheimischen und des Typus des Wanderers zu stehen. Der Fremde besitzt also anders als der Wanderer die Freiheit, sich niederzulassen, wo er möchte, ist also nicht auf ein Weiterziehen angewiesen. Andererseits hat er anders als der Einheimische, die Option, die Situation des Niedergelassenseins zugunsten des Weiterzugs aufzugeben. Simmel formuliert diese Eigenschaft wie folgt:

„Es ist hier also der Fremde nicht in dem vielfach berührten Sinn gemeint, als der Wandernde, der heute kommt und morgen geht, sondern als der, der heute kommt und morgen bleibt – sozusagen der potentiell Wandernde, der, obgleich er nicht weitergezogen ist, die Gelöstheit des Kommens und Gehens nicht ganz überwunden hat.“

(Simmel 1983, S. 509)

Und weiter: „... denn der schlechthin Bewegliche kommt gelegentlich mit jedem einzelnen Element in Berührung, ist aber mit keinem einzelnen durch die verwandtschaftlichen, lokalen, beruflichen Fixiertheiten organisch verbunden“ (a.a.O., S. 510).

Diese Eigenschaft der Beweglichkeit hat also eine gewisse Distanz in allen Gebieten zu den Einheimischen und ihrer Lebensweise zur Folge, die Simmel als Objektivität der Fremden versteht. Sie sind demzufolge frei von den die Einheimischen bindenden Wert- und Normvorstellungen, haben die Freiheit, diese kritisch zu hinterfragen (vgl. a.a.O., S. 510). Diese an sich vorteilhafte Position beinhaltet allerdings auch die Gefahr, von den Einheimischen als Bedrohung für tradierte Lebensweisen mit den entsprechenden Normen und Werten angesehen zu werden.

Überhaupt hat man ja mit den Fremden nichts weiter gemein, und dieser Mangel an den Gemeinsamkeiten, die Bindungen zwischen zwei Parteien überhaupt erst ermöglichen und verfestigen, ist als weiteres konstituierendes Merkmal des Fremden zu kennzeichnen: seine psychische Ferne im Gegensatz zur physischen Nähe (vgl. a.a.O., S. 511). Diese Ferne begünstigt des weiteren auch die pauschale Zusammenfassung der Fremden zu Gruppen (ethnischer oder religiöser Natur), das Individuum geht in der Gruppe verloren.

Halten wir nun in stichpunktartiger Form diejenigen Eigenschaften der Fremden fest, welche für die weitere Betrachtung von zentraler Wichtigkeit sind, so lassen sich folgende Punkte herauskristallisieren:

- die Unbestimmbarkeit des Fremden quer zu jeder Kategorisierung,
- seine Freiheit, prinzipiell zu kommen und zu gehen, wann er möchte,
- die sich aus der Distanz zu den Einheimischen ergebende Objektivität (die Möglichkeit, Wert- und Normvorstellungen kritisch zu hinterfragen),
- die pauschale Zusammenfassung Fremder zu Gruppen und das damit einher gehende `Übersehen´ des Individuums aufgrund ihrer psychischen Ferne

Für die folgenden Kapitel sind die hier herausgearbeiteten Charakteristika von grundlegender Bedeutung, es wird also immer wieder darauf Bezug genommen werden.

2.2.6 Die Postmoderne

Mit der Erkenntnis der Unmöglichkeit der Assimilation erlischt nach Bauman auch der assimilatorische Eifer der Moderne. Die Moderne muß also lernen, mit ihrer eigenen Unmöglichkeit zu leben, muß lernen, sich in Werturteilen zurückzuhalten und Toleranz zu üben (vgl. Bauman 1995b, S. 333). Dies ist der erste Schritt hin zu einer postmodernen Existenz, einer Welt der universalen Partikularität die durch Vielfalt und nicht länger durch Einheitlichkeit gekennzeichnet ist. Wichtig anzumerken ist hierbei auch, daß der Umgang mit Ambivalenz nun nicht mehr eine Sache des Staates oder generell übergeordneter Institutionen ist, sondern auf das einzelne Individuum verlagert wurde (a.a.O., S. 239). Dieser erste Schritt zur Emanzipation ist also die Anerkennung der Tatsache, daß außer der unseren noch andere Lebensarten existieren, die nicht weniger wert sind als unsere eigene Lebensweise. Die eigene Kontingenz muß also akzeptiert werden (a.a.O., S. 285). Damit erlischt auch die Vorstellung von der einen Wahrheit und – in der Konsequenz – das Gefühl der Sicherheit in jeglicher Hinsicht (a.a.O., S. 288). Die postmoderne Existenz ist also als bar jeglicher Gewißheit zu bezeichnen (a.a.O., S. 288).

Der Nationalstaat sieht somit seine Rolle nicht länger darin, Ordnung und Homogenität in jeder Hinsicht zu schaffen. Die Ambivalenz wurde also von der öffentlichen in die private Sphäre verlagert. Jedes Individuum ist von nun an aufgerufen, selbst mit den Uneindeutigkeiten des Lebens umzugehen. An dieser Stelle bezieht sich Bauman auch ausdrücklich auf das Luhmansche Bild des `sozial ortlosen´ Menschen (vgl. a.a.O., S. 123), der Mitglied in vielen verschiedenen Teilsystemen der Gesellschaft ist, keinem aber vollständig angehört. Der (post)moderne Mensch ist somit überall ein Fremder, muß lernen, mit Unsicherheiten und Uneindeutigkeiten umzugehen, also das beste daraus zu machen.

Diese Aufforderung, das beste aus den gegebenen Möglichkeiten zu machen, ist wohl die zentrale Anforderung an den postmodernen Menschen. Die neue Existenz ist frei von jeglicher Gewißheit, für jede getroffene Entscheidung ist das Individuum selbst verantwortlich. Akzeptieren die Menschen ihr neues Schicksal und wandeln es um in ein Geschick (Bauman bezieht sich hier auf Ausführungen dazu von Agnes Heller (vgl. a.a.O., S. 285.), ist der erste Schritt zur Emanzipation des postmodernen Menschen getan.

2.2.7 Gesellschaftlichkeit

Ähnlich den Vorstellungen Luhmanns interpretiert Bauman auch Eisenstadt (Bauman 1995a, S. 86 f.), welcher fordert, daß die Vorstellungen von einem einzelnen, einheitlichen sozialen System, welchem die Bevölkerung eines Staates angehört, radikal überdacht werden muß. Seiner Vorstellung nach, und hier nähert er sich der Luhmannschen Sichtweise an, lebt keine Bevölkerung nur in einem einzelnen sozialen System, sondern verteilt sich in einer Vielzahl von nur teilweise miteinander verbundenen Kollektiven und (a.a.O., S. 86 f.). Die Systeme selbst sind keine statischen Gebilde, sondern werden durch kontinuierlich ablaufende Prozesse konstituiert. In einer solchen prozesshaften Genese sozialer Systeme ist laut Bauman nun keine strenge Differenzierung zwischen Ordnung und Abnormalität mehr möglich (vgl. a.a.O., S. 87).

Somit verliert auch der Nationalstaat eine seiner bis dahin ureigensten Aufgaben als zielsetzende Agentur und zieht sich zurück von der Verfolgung seines Zieles der idealen Gesellschaft. Von nun an versteht er sich als Schutz- und Überwachungsmacht, welche lediglich Mittel zur Verfügung hält und sich das Recht vorbehält, über die Aufgaben und Ergebnisse zu urteilen, zu denen diese Mittel verwendet werden (vgl. a.a.O., S. 130).

Im Resultat ist die Lebenswelt der Individuen als eine Ansammlung von Angeboten auf einem Markt zu verstehen (vgl. a.a.O., S. 18). Die Angst und Unsicherheit der Individuen folgt nun daraus, daß diese unerschöpflichen Möglichkeiten als Chaos begriffen werden, als dauerhaft ambivalente Lebenssituation, welche aufgrund ihrer Komplexität unvorhersehbar und damit potentiell unsicher ist (vgl. a.a.O., S. 228). Der Lebensraum ist somit ein Feld, in welchem die Freiheit der Subjekte konstituiert wird (vgl. S. 225). Gefördert werden durch diese sich immer wieder neu bietenden Handlungsmöglichkeiten Identitäten, die sich durch oft wechselnde Handlungsorientierungen auszeichnen. Das Leben gerät zur Konstruktionsaufgabe, zum Unternehmen (vgl. a.a.O., S.225). Durch das dadurch entstehende Muster rein zufälliger Bewegungen von autonomen Subjekten sollte man, so Bauman, die Vorstellung einer gleichgewichtigen gesellschaftlichen Totalität, ja die Begrifflichkeit der Gesellschaft als solcher sowie der des sozialen Systems (vgl. a.a.O., S. 223 f.) fallen lassen, da sie nicht mehr der sozialen Realität entsprechen. Statt dessen favorisiert Bauman den Begriff der Gesellschaftlichkeit, welcher den prozessualen Charakter des Konstruktes hervorhebt. (vgl. a.a.O., S. 223 f.).

2.2.8 Vorgestellte Gemeinschaften

Die Postmoderne ist für Bauman darüber hinaus das Zeitalter der „vorgestellten Gemeinschaften“ (Bauman 1995a, S. 19), bzw. (in Anlehnung an Maffesoli) das des „Neotribalismus“ (Bauman 1995b, S. 363). Diese neuen Stämme bestehen nur durch mehr oder weniger spontane kollektive Äußerungsformen wie bspw. Demonstrationen oder Aufstände, die ihnen die in der postmodernen Zeit knappste aller Waren, die öffentliche Aufmerksamkeit, sichern und somit Macht und Autorität generieren (Bauman 1995a, S. 20). Diese vorgestellten Gemeinschaften kann man nun begreifen als Instanzen, in welchen sich ansonsten autonome Subjekte zusammenfinden, um eines oder mehrere gemeinsame Ziele, die sie mit den anderen Individuen innerhalb dieser vorgestellten Gemeinschaft verbinden, zu verfolgen. Vorgestellte Gemeinschaften können somit als Autorität verstanden werden, welche die Subjekte von ihren Ängsten befreien, da sie die Welt, wenn auch nur partiell, wieder strukturieren und das Chaos so teilweise ordnen (vgl. a.a.O., S. 20). Das wohl wichtigste Charakteristikum dieser Gemeinschaften oder neuen Stämme ist aber ihre Brüchigkeit, ihre Instabilität (vgl. a.a.O., S.21). Anders als in vormodernen Stämmen und modernen Gemeinschaften ist die Mitgliedschaft in den vorgestellten Gemeinschaften niemals bindend (Bauman 1995b, S. 303 f.). Ist das Ziel erreicht, verläßt man die Gemeinschaft, schließt sich evtl. einer neuen an. Diese Option fördert die Entstehung der für die Postmoderne so typischen wurzellosen Existenzen (vgl. Bauman 1995a, S. 228), wurde gleichermaßen aber auch erst durch dieses Nebeneinander verschiedenster Lebensformen, kommunaler Traditionen und Kulturen ermöglicht (vgl. a.a.O., S. 132). Schlüsselfaktor hierfür ist wieder die neue Abwesenheit einer Autorität, welche für alle bindende Normen erläßt. Die Individuen können sich von nun an von ihren eigenen Zwecken leiten lassen.

Genau dieses Nebeneinander verschiedenster Lebensweisen und Kulturen führt auch die der Moderne eigenen Vorstellungen von Kultur als solcher ad absurdum. Die Vorstellung einer als erstrebenswert betrachtbaren `einheimischen´ Kultur (welcher sich der Fremde anpassen sollte), impliziert zwingend auch die Anordnung anderer Kulturen auf einer Zeit- oder Wertebene (vgl. a.a.O., S. 62). Andere Kulturen werden als weniger ausgereift oder schlichtweg primitiver als die eigene eingeschätzt (vgl. Bauman 1999, S. 231 f.).

Das permanente Nebeneinander verschiedenster Kulturen und Weltanschauungen in einer postmodernen Welt verneint diese Vorstellung. Alle Lebensweisen sind gleich viel wert und jeder hat das Recht, sich für sich selbst diejenige herauszusuchen, die ihm / ihr am genehmsten ist. Somit leugnet die Postmoderne auch den modernen Kulturbegriff (vgl. Bauman 1995a, S. 63). Dieser beinhaltet wie schon angedeutet die Vorstellung einer Hierarchie der Kulturen sowie der Bewertung dieser. Postmoderne ist jedoch gleichbedeutend mit dem Abbau von Hierarchien und der Gleichwertigkeit der Lebensweisen (vgl. a.a.O., S. 63). Kulturen dieser Postmoderne sind nicht auf einer wie auch immer gearteten Achse anzuordnen, sie sind richtungslos, plural und ungeordnet (vgl. a.a.O., S. 64). Richtungslose, plurale und ungeordnete Dinge können nicht in einer evolutionären Folge angeordnet werden, genauso wenig wie sie wahr oder falsch, schön oder häßlich sein können. Sie existieren also möglichst ohne Auseinandersetzungen nebeneinander. Um hier jedoch Mißverständnissen vorbeugen zu können, ist sehr wohl eine Kommunikation zwischen all diesen Gemeinschaften und Kulturen notwendig , wie Bauman betont (vgl. a.a.O., S. 132).

Bauman nähert sich an dieser Stelle sehr den Vorstellungen der multikulturellen Gesellschaft an, wobei ich ihm hier allerdings nicht folgen möchte. Andere Theoretiker, bzw. Kulturwissenschaftler (bspw. Bassam Tibi) verweisen auf die Notwendigkeit einer sog. `Leitkultur´ , wie wir im anschließenden Exkurs II noch sehen werden.

Letztendlich sieht Bauman die Kultur als eine "Verbraucherkooperative" (Bauman 1999, S. 237), eine Art Markt, auf welchem der Kunde die Wahl zwischen den verschiedenen Angeboten hat. Auch in dieser Hinsicht ist das Individuum also als frei zu bezeichnen. Dabei darf natürlich nicht vergessen werden, daß zur Ausübung von Freiheit, nicht nur auf einem Markt, Ressourcen notwendig sind. Auch in einer postmodernen Welt sind diese nicht gleich unter alle Subjekte verteilt (vgl. a.a.O., S. 348). Somit kann der eine seine Freiheit unbekümmerter genießen als der andere, sieht die Freiheit als Chance und Herausforderung, während sein Gegenüber sie als Bedrohung und Gefährdung seiner Lebensweise auffaßt. In diesem Falle ist das Leben bestimmt von der Notwendigkeit, die benötigten Ressourcen in ausreichendem Maße zur Verfügung zu haben, was nicht unbedingt immer gelingen muß. Das Individuum, darauf verwiesen, ständig mehr oder weniger riskante Handlungsentscheidungen zu treffen, sieht sich somit dem Zwang ausgesetzt, auf bestimmte Chancen (Möglichkeiten) zu setzen und dadurch Alternativen, die genauso (viel oder wenig) versprechend sind, zu vergeben (vgl. a.a.O., S. 325). An dieser Stelle schlägt die postmoderne Verantwortlichkeit des Einzelnen für sich selbst voll auf das Individuum durch.

2.2.9 Vagabunden und Touristen

Von besonderem Interesse ist für unsere Zwecke auch Baumans Unterscheidung verschiedener Typen der postmodernen Existenz. So unterscheidet er als Metaphern (Bauman 1999, S. 167) neben Pilgerern und Flaneuren auch Vagabunden und Touristen, jeder mit je eigenen Charakteristiken (vgl. Hall; Du Gay 1997, S. 19 ff.; Bauman 1999, S. 160 ff.; Bauman 1995c, S. 155). Relevant sind für uns der Vagabund und der Tourist als zwei Spielarten einer postmodernen Lebensweise, die sich einander im Grad ihrer Freiheit, der Freiwilligkeit ihrer wurzellosen Existenz und der Umgangsweise damit unterscheiden: „Wherever the vagabound goes, he is a stranger; he can never be ´the native´, ´the settled one´, one with ´roots in the soil´ (too fresh is the memory of his arrival – that is, of his being elsewhere before)“ und: „ Each place is for the vagabound a stopover, but he never knows how long he will stay in any of them; this will depend on the generosity and patience of the residents ... (the vagabound is pushed from behind by hopes frustrated, and pulled forward by hopes untested)“ (a.a.O., S. 28). „The tourist moves on purpose (or so he thinks). [...] Second, unlike the vagabound who has little choice but to reconsile himself to the state of homelessness, the tourist has a home; or should have, at any rate. [...] ´The home´ is the place to to take off the armour and to unpack – the place where nothing needs to be proved and defended as everything is just there, obvious and familiar“ (a.a.O., S. 29 f.; Hervorh. im Orig.).

Der Vagabund also ist der von hinten Gestoßene, der seine Freiheit nicht als solche empfindet. Er ist wurzellos, irrt umher und ist auf das Wohlwollen der Einheimischen angewiesen, sehnt sich nach einem Zuhause. Der Tourist dagegen kann seine Freiheit genießen, da er Rückzugsmöglichkeiten hat, um sich vom Streß seiner verschiedenen Lebensprojekte zu erholen. Doch auch er schlägt nirgendwo tiefe Wurzeln und ist immer in Bewegung. Ob man Tourist oder Vagabund ist „hängt von unserem Grad an Freiheit bei der Wahl unseres Lebensweges ab“ (Bauman 1999, S. 166). Wir werden am Ende unserer Betrachtung sehen, daß diese Unterscheidung gerade im Hinblick auf die Spezifitäten der Wende- und Nachwendezeit im Leben der vietnamesischen ehemaligen VAN von größerer Wichtigkeit ist.

2.2.10 Exkurs II : Der Begriff der Leitkultur bei Bassam Tibi

In diesem Zusammenhang sei hier besonders auf Bassam Tibi verwiesen. Sein Ansatz bildet gewissermaßen das Bindeglied zwischen Baumans Postmoderne – Überlegungen und dem Integrationskonzept Essers. Charakteristisch für Tibis Ansicht ist seine Zurückweisung sowohl der liberalen, in die Multikulturalismusdebatte hinein reichenden Punkte (letztendlich auch) Baumans, also seine fundamentale Kritik am Postmodernismus, als auch Essers stark am Nationalstaatsmodell ausgerichtete Vorstellungen zur Assimilation von Migranten. Ebenfalls erwähnenswert ist Tibi in Bezug auf die eingangs kurz erwähnte Diskussion um die `Leitkultur´, da Tibi diesen Begriff in die wissenschaftliche Diskussion einführte und man sich bei der Verwendung dieses Begriffes deshalb zuerst auf ihn beziehen sollte. Das Konzept der Leitkultur stellt meiner Ansicht nach auch die Verbindung zwischen den zwei großen, in dieser Arbeit behandelten theoretischen Ansätzen dar, so daß ich mich im Folgenden zuerst mit der Klärung des Begriffes beschäftigen werde.

In den vergangenen Monaten wurde `Leitkultur´ sehr häufig in der einen oder anderen Weise verwendet, entweder um damit ein (mehr oder weniger klar definiertes) Bündel an Werten und Normen zu umschreiben, an welches sich Migranten in Deutschland anzugleichen hätten, oder aber auch als negativ besetztes Stichwort, mit dem Assimilation umschrieben würde.

[...]


[1] Zu diesem Begriff sei verwiesen auf Kapitel 2.2.10, Exkurs II: Der Begriff der Leitkultur bei Bassam Tibi.

[2] Der Einfachheit wegen wird dieser Begriff im folgenden mit VAN abgekürzt wieder- gegeben.

[3] Womit mit „herausreißen“ nicht unbedingt die physische Vernichtung gemeint sein muß. Bauman greift aber an dieser Stelle vor auf seine in späteren Kapiteln folgende Untersuchung des Holocaust.

[4] Mehr zu diesem Begriff später bei der Behandlung von Essers „Aspekte der Wanderungssoziologie“.

Ende der Leseprobe aus 109 Seiten

Details

Titel
Postmoderne Existenzen: Über die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeiterInnen der DDR nach der Wende
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Soziologie)
Note
1,3
Autor
Jahr
2001
Seiten
109
Katalognummer
V27346
ISBN (eBook)
9783638294218
ISBN (Buch)
9783656397403
Dateigröße
854 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Postmoderne (Zygmunt Bauman), Leitkultur, Assimilation, Integration
Arbeit zitieren
Anka Gehre (Autor), 2001, Postmoderne Existenzen: Über die Lebenssituation vietnamesischer ehemaliger VertragsarbeiterInnen der DDR nach der Wende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27346

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