Früher eher verheimlicht und verpönt, ist das Online-Dating heute zu einer immer mehr gesellschaftlich akzeptierten, immer beliebteren und scheinbar auch erfolgreichen Möglichkeit der Partnersuche avanciert. Es lässt sich spekulieren, ob in unserer medienaffinen Gesellschaft die Partnersuche künftiger Generationen vielleicht irgendwann ausschließlich im Internet stattfinden könnte. Jenes bietet mittlerweile eine Reihe verschiedenster Portale, welche jeweils auf spezifische Vorlieben spezialisiert sind. Es kann explizit nach Seitensprüngen („meet2cheat“, „lovepoint“), nach erotischen Abenteuern („joyclub“, „AdultFriendFinder“) oder nach einem potenziellen Lebenspartner gesucht werden, wobei die Portale auch hier nochmals nach Kriterien wie Alter („50plus-Treff“), Bildung („ElitePartner"), Religion („ChristfindetChrist“) oder sexueller Orientierung („lesarion“) unterteilt sein können.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit jenen Portalen, die beim „Finden der Liebe“ behilflich sein sollen und konzentriert sich hierbei darauf, Online-Partnersuche als Forschungsgegenstand mitsamt seinen Vorteilen, Nachteilen, Chancen und Gefahren zu ergründen. Zuerst soll als Basis ein allgemeiner Einblick gegeben werden. Hierzu werden zunächst aktuelle Studien zum Thema präsentiert sowie die Funktionsweise der Onlineportale anhand von Selbstversuchen vorgestellt. Danach sollen, eingebettet in gesellschaftliche Entwicklungstendenzen, Gründe für die Nutzung dargestellt werden und mögliche Vorteile der Partnersuche im Internet herausgearbeitet werden, bevor anschließend ebenfalls mögliche Gefahren illustriert werden. Um den Zusammenhang zum Seminar zu verdeutlichen werden abschließend medientheoretische Positionen in Zusammenhang mit dem Online-Dating aufgezeigt. Im Fazit soll hiernach zusammenfassend eine Einschätzung abgegeben werden inwieweit das Online-Dating tatsächlich eine Alternative zum bisherigen Verlauf der Partnersuche darstellen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Allgemeiner Einblick
2.1 Zahlen und Daten
2.2 Funktionsweise: Singlebörsen
2.3 Funktionsweise: Parneragenturen
3 Konträre Sichtweisen
3.1 Gründe für die Nutzung
3.2 Gefahren beim Online-Dating
4 Kritik
4.1 Entromantisierung
4.2 Kommerzialisierung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwieweit das Online-Dating eine ernstzunehmende Alternative zum konventionellen Kennlernprozess darstellt, indem sie die Funktionsweisen, Chancen, Gefahren sowie die soziokulturellen Auswirkungen der modernen Partnersuche analysiert.
- Vergleich zwischen Singlebörsen und Partneragenturen
- Analyse der Beweggründe für die Online-Partnersuche
- Identifikation technischer, sozialer und wirtschaftlicher Gefahren
- Kritische Reflexion der Entromantisierung und Kommerzialisierung von Liebe
- Bewertung der Effizienz versus der Unberechenbarkeit romantischer Beziehungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Gründe für die Nutzung
In Zeiten einer sich stetig entwickelnden Medienwelt und einer ausgeprägten gesellschaftlichen Affinität zum Internet war die Entstehung von Singlebörsen und Partneragenturen weniger eine Überraschung als eine logische Konsequenz. Im Internet war bereits vieles möglich- warum nicht auch die Suche nach dem Lebenspartner? Die Idee gewann über die Jahre an Popularität. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Portale in vielen Punkten optimal an gegenwärtige gesellschaftliche Tendenzen angepasst sind. Dies soll hier anhand der Darstellung der Gründe für die Nutzung deutlich gemacht werden.
Neben der Medienaffinität ist sind bestimmte Teile der Gesellschaft oftmals von Stress und Zeitmangel geprägt. Menschen verbringen viel Zeit am Arbeitsplatz und haben nach einem langen Tag oft wenig Muße, Clubs oder Bars zu besuchen, um jemanden kennen zu lernen. Das Internet bietet eine bequeme Alternative. „Vorbereitungszeit“, die man vor dem Ausgehen hätte einplanen müssen, entfällt und man kann sich unabhängig von Arbeits- und Öffnungszeiten von der Couch aus auf Partnersuche begeben. Außerdem findet man im Internet Gleichgesinnte; die Profile gehören zu Menschen, die ebenfalls Singles und ebenfalls auf der Suche sind. Bei der Millionenanzahl der aktiven Nutzer sind die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Partnersuche theoretisch gewährleistet. Dadurch, dass im Netz außerdem keine räumlich Begrenzung herrscht, kann man in länderübergreifendem Radius nach einem Partner suchen und lernt Menschen kennen, denen man in der realen Welt womöglich nie begegnet wäre. Die Portale passen so gewissermaßen auch in den gesellschaftlichen Kontext der Globalisierung, der Entgrenzung die im Allgemeinen als Bereicherung verstanden wird. Auch die „Selektiermöglichkeit“, die die meisten Portale anbieten und mit deren Hilfe man die Masse der Profile nach seinen Vorstellungen filtern kann, ist praktisch und schnell und ist so angepasst an das der westlichen Gesellschaft nachgesagtem Effizienzstreben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende gesellschaftliche Akzeptanz des Online-Datings ein und definiert den Fokus auf dessen Vor- und Nachteile sowie Chancen und Gefahren.
2 Allgemeiner Einblick: Dieses Kapitel erläutert aktuelle Marktzahlen und unterscheidet systematisch zwischen der Funktionsweise von Singlebörsen und Partneragenturen.
3 Konträre Sichtweisen: Hier werden die Gründe für die Nutzung der Portale analysiert und den ernstzunehmenden Gefahren wie Datenschutzrisiken und sozialen Enttäuschungen gegenübergestellt.
4 Kritik: Dieser Abschnitt beleuchtet die moralisch-ethischen Aspekte des Online-Datings, insbesondere die Entromantisierung der Liebe und deren Verwandlung in eine kommerzielle Ware.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer differenzierten Einschätzung, dass Online-Dating zwar eine praktische Ergänzung sein kann, die konventionelle Suche jedoch nicht vollumfänglich zu ersetzen vermag.
Schlüsselwörter
Online-Dating, Singlebörsen, Partneragenturen, Partnersuche, Entromantisierung, Kommerzialisierung, Internet, Liebeskommunikation, Matching-Algorithmus, Datenschutz, Soziologie, Medienaffinität, Beziehungsanbahnung, Selbstverdinglichung, Digitale Liebe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die moderne Partnersuche im Internet und untersucht, inwieweit diese eine reale Alternative zum konventionellen Kennenlernen darstellt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten zählen die Funktionsweisen von Online-Portalen, die technologischen und sozialen Aspekte der Nutzung sowie eine kritische Hinterfragung der Kommerzialisierung von Liebe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Ergründung der Vor- und Nachteile der Online-Partnersuche und eine kritische Auseinandersetzung mit der Frage, ob algorithmisch vermittelte Partnerwahl mit romantischer Liebe gleichzusetzen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturanalyse medientheoretischer Positionen, der Auswertung aktueller Studien sowie empirischer Einblicke durch Selbstversuche bei ausgewählten Portalen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen Überblick über Marktzahlen, eine Gegenüberstellung von Nutzungsgründen und Gefahren sowie eine systemtheoretische Kritik an der Vermarktung romantischer Beziehungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Online-Dating, Entromantisierung, Kommerzialisierung, Matching-Algorithmus, Datenschutz und digitale Liebeskommunikation.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen Singlebörsen und Partneragenturen?
Singlebörsen werden als Kontakt-Marktplätze zum Selbersuchen charakterisiert, während Partneragenturen ein wissenschaftlich fundiertes Vermittlungsservice-Modell verfolgen, das auf Persönlichkeitstests basiert.
Welche Bedenken äußert die Autorin hinsichtlich der Kommerzialisierung?
Sie kritisiert, dass Liebe im Online-Dating zu einem marktgesteuerten Produkt verkommt, das durch Standardisierung und „Selbstverdinglichung“ die Unberechenbarkeit echter romantischer Gefühle unterdrückt.
- Arbeit zitieren
- Natalja Fischer (Autor:in), 2011, Partnersuche im Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273503