„Mediation ist die Einschaltung eines (meist) neutralen und unparteischen Dritten im Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt, jedoch über keine eigene (Konflikt-) Entscheidungskompetenz verfügt.“ Hierbei wird von einem sozialen Konflikt gesprochen, wenn eine Interaktion zwischen Individuen, Gruppen oder Organisationen und einem anderen Akteur gewisse Unvereinbarkeiten in Denken, Fühlen oder Wollen hervorruft. Bei der Verwirklichung von Elternrecht und Kindeswohl kann Mediation eine gute Alternative zur Konfliktbewältigung sein, wie die folgenden Seiten versuchen wollen, darzustellen. Dabei ist das Ziel der Trennungs- und Scheidungsmediation, im außergerichtlichen Bereich zu einer fairen und für alle Familienmitglieder tragbaren Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien zu gelangen. So sind Krisen der Eltern in Trennungs- und Scheidungsfällen immer auch Krisen für die Kinder, da diese ihre vollständige Familienstruktur verlieren.
Bei Streitigkeiten zwischen den Elternteilen nach Trennung und Scheidung hat sich nach Einschaltung fremder Experten allerdings oft eine weitere Konfliktverschärfung eingestellt, da oft genug die psychische Krisensituation der Betroffenen nicht angemessen berücksichtigt wird. Die allein auf justizförmiger Behandlung basierende Konfliktregelung wie z.B. bei familiengerichtlichen Verfahren richtet häufig mehr Schaden als Nutzen an und einschlägige Forschungsergebnisse zeigen in dieser Hinsicht, dass die Qualität einer auf Scheidung folgenden Beziehung zwischen Eltern- Kind und auch der Elternteile untereinander keineswegs von der Qualität einer richterlichen Entscheidung, sondern vielmehr von den Konfliktbearbeitungsfähigkeiten der ehemaligen Partner abhängt.
Inhaltsverzeichnis
1. Scheidungsmediation – Eine Einführung
2. Rechtliche Grundlagen für Beratung und Vermittlung bei Trennung und Scheidung
3. Das Regensburger Modell einer gerichtsnahen Beratung für Familien in Trennungs- und Scheidungssituationen
4. Konzept des betreuten Umgang am Beispiel des Deutschen Kinderschutzbundes OV Göttingen e.V.
4. 1. Rechtliche Rahmenbedingungen, Indikatoren und Psychodynamik in der Kontaktbegleitung
4.2. Definition und Zielsetzung des betreuten Umgangs
4.3. Durchführung des betreuten Umgangs
5. Indikation und Grenzfälle der Scheidungsmediation
6. Wie Kinder von Mediation profitieren
7. Die Effektivität von Vermittlungsverfahren
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Mediation als alternatives Konfliktlösungsverfahren in Trennungs- und Scheidungssituationen. Dabei liegt der Fokus auf der Stärkung der elterlichen Eigenverantwortung, der Entlastung der Kinder von familiären Konflikten sowie der theoretischen und praktischen Einordnung von Beratungsansätzen wie dem "Betreuten Umgang" und dem "Regensburger Modell".
- Grundlagen und rechtliche Rahmenbedingungen der Scheidungsmediation
- Strukturierte gerichtsnahe Beratung am Beispiel des Regensburger Modells
- Konzeptualisierung und Durchführung des betreuten Umgangs
- Indikationskriterien und Grenzen des mediationsgestützten Konfliktmanagements
- Analyse der kindlichen Perspektive und der Effektivität von Vermittlungsverfahren
Auszug aus dem Buch
1. Scheidungsmediation – Eine Einführung
„Mediation ist die Einschaltung eines (meist) neutralen und unparteischen Dritten im Konflikt, der die Parteien bei ihren Verhandlungs- und Lösungsversuchen unterstützt, jedoch über keine eigene (Konflikt-) Entscheidungskompetenz verfügt.“ Hierbei wird von einem sozialen Konflikt gesprochen, wenn eine Interaktion zwischen Individuen, Gruppen oder Organisationen und einem anderen Akteur gewisse Unvereinbarkeiten in Denken, Fühlen oder Wollen hervorruft.
Bei der Verwirklichung von Elternrecht und Kindeswohl kann Mediation eine gute Alternative zur Konfliktbewältigung sein, wie die folgenden Seiten versuchen wollen, darzustellen. Dabei ist das Ziel der Trennungs- und Scheidungsmediation, im außergerichtlichen Bereich zu einer fairen und für alle Familienmitglieder tragbaren Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien zu gelangen. So sind Krisen der Eltern in Trennungs- und Scheidungsfällen immer auch Krisen für die Kinder, da diese ihre vollständige Familienstruktur verlieren.
Bei Streitigkeiten zwischen den Elternteilen nach Trennung und Scheidung hat sich nach Einschaltung fremder Experten allerdings oft eine weitere Konfliktverschärfung eingestellt, da oft genug die psychische Krisensituation der Betroffenen nicht angemessen berücksichtigt wird. Die allein auf justizförmiger Behandlung basierende Konfliktregelung wie z.B. bei familiengerichtlichen Verfahren richtet häufig mehr Schaden als Nutzen an und einschlägige Forschungsergebnisse zeigen in dieser Hinsicht, dass die Qualität einer auf Scheidung folgenden Beziehung zwischen Eltern Kind und auch der Elternteile untereinander keineswegs von der Qualität einer richterlichen Entscheidung, sondern vielmehr von den Konfliktbearbeitungsfähigkeiten der ehemaligen Partner abhängt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Scheidungsmediation – Eine Einführung: Das Kapitel definiert Mediation als neutrales Vermittlungsverfahren und erläutert die Notwendigkeit einer außergerichtlichen Konfliktlösung zur Wahrung des Kindeswohls und zur Förderung elterlicher Kooperation.
2. Rechtliche Grundlagen für Beratung und Vermittlung bei Trennung und Scheidung: Hier werden die juristischen Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung einer beratenden Begleitung beleuchtet, um Eltern bei der Trennungsbewältigung und der Wahrung elterlicher Verantwortung zu unterstützen.
3. Das Regensburger Modell einer gerichtsnahen Beratung für Familien in Trennungs- und Scheidungssituationen: Das Kapitel stellt ein in Deutschland modellhaftes, strukturiertes Projekt vor, das eng mit dem Familiengericht zusammenarbeitet, um die Zugangsschwellen für psychosoziale Beratung zu senken.
4. Konzept des betreuten Umgang am Beispiel des Deutschen Kinderschutzbundes OV Göttingen e.V.: Dieses Kapitel beschreibt das Angebot des betreuten Umgangs für hochstrittige Elternpaare, um Kindern in geschütztem Rahmen den Kontakt zu beiden Elternteilen zu ermöglichen.
5. Indikation und Grenzfälle der Scheidungsmediation: Es werden Kriterien diskutiert, unter welchen Voraussetzungen Mediation sinnvoll ist und wo die Grenzen des Verfahrens bei spezifischen Problemlagen liegen.
6. Wie Kinder von Mediation profitieren: Dieses Kapitel fokussiert auf die Entlastung des Kindes durch klare Strukturen und die Bedeutung einer kindzentrierten Perspektive im Mediationsprozess.
7. Die Effektivität von Vermittlungsverfahren: Abschließend werden empirische Ergebnisse aus den USA und der BRD dargelegt, die die Wirksamkeit und hohe Zufriedenheit bei mediationsbasierten Konfliktregelungen belegen.
Schlüsselwörter
Mediation, Scheidungsmediation, Kindeswohl, Trennung, Konfliktmanagement, Betreuter Umgang, Familiengericht, Elternverantwortung, Sorgerechtsverfahren, Psychosoziale Beratung, Konfliktlösung, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Mediation als wirksame Alternative zu klassischen, oft belastenden gerichtlichen Verfahren bei Trennung und Scheidung von Eltern.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der rechtlichen Einordnung, verschiedenen Modellen der psychosozialen Unterstützung, der Durchführung des betreuten Umgangs sowie der Evaluation der Wirksamkeit dieser Verfahren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch Mediation eine eigenverantwortliche Konfliktbewältigung gefördert werden kann, die das Kindeswohl in den Mittelpunkt stellt und die Elternbeziehung nach der Trennung konstruktiv gestaltet.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literaturanalyse, die Einbeziehung rechtlicher Grundlagen (SGB VIII, BGB) und die Auswertung von Modellprojekten sowie empirischen Ergebnissen zur Effektivität von Vermittlungsverfahren.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Regensburger Modell, das Konzept des betreuten Umgangs, Indikationskriterien für Mediation sowie die Auswirkungen des Prozesses auf Kinder und die Gesamteffektivität der Methoden detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mediation, Kindeswohl, elterliche Verantwortung, Konfliktmanagement, Betreuter Umgang und gerichtsnahe Beratung.
Was unterscheidet das Regensburger Modell von anderen Beratungsansätzen?
Das Besondere am Regensburger Modell ist die institutionelle, organisatorische und zeitliche Abstimmung der psychosozialen Beratung direkt mit den Abläufen des Familiengerichts, was die Zugangsschwelle für betroffene Familien erheblich senkt.
Warum ist die Integration des Kindes in den Mediationsprozess so anspruchsvoll?
Die Integration ist anspruchsvoll, da das Kind nicht mit den Konflikten der Eltern zusätzlich belastet werden darf und eine genaue Strukturierung sowie fachliche Kompetenz des Mediators erforderlich sind, um altersgerechte Bedürfnisse zu wahren.
- Quote paper
- Martina Carl (Author), 2002, Mediation von Umgangskonflikten bei Trennung und Scheidung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27351