Die Königswahl Konrad III. 1138 und seine Politik gegenüber den Welfen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Königswahl Konrad III
2.1. Situation vor der Wahl
2.2. Durchführung
2.3. Rechtmäßigkeit

3. Konrad und seine Politik gegenüber den Welfen
3.1. Heinrich der Stolze und das Herzogtum Sachsen
3.2. Heinrich der Löwe und das Herzogtum Sachsen
3.3. Welf VI. und das Herzogtum Bayern

4. Zusammenfassung

5. Quellen – und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Jahre 1138 wurde mit Konrad III. zum ersten Mal ein Angehöriger des schwäbischen Adelsgeschlechtes der Staufer zum römisch – deutschen König erhoben. Aufgrund der Tatsache, dass seine Mutter die Salierin Agnes von Waiblingen war und Konrad sich somit als legitimen Nachfolger der Salier betrachten konnte, erhob er erstmalig nach dem Tod des salischen Kaisers Heinrich V. 1125 Ansprüche auf die Königswürde. Die Regierungszeit Konrads umfasste den Zeitraum von 1138 bis zu seinem Tode im Jahre 1152. In der Geschichtsschreibung wurde Konrad und seine Regierungszeit bis in das 19. Jahrhundert hinein überwiegend negativ bewertet. Beispielsweise nannten verschiedene Autoren Konrad einen „Pfaffenkönig“[1], welcher keine entscheidenden Akzente setzen konnte. Auch wenn die heutige Geschichtsschreibung ein nicht mehr ganz so negatives Bild über die Regierungszeit Konrads aufzeigt, so steht dieser nach wie vor im Schatten seines berühmten und erfolgreichen Nachfolgers Friedrich I. Barbarossa. Jedoch betont die jüngere Forschung, dass Konrad in seiner Regierungszeit wichtige Fundamente legte, auf die Friedrich Barbarossa später aufbauen konnte.

Anhand von ausgesuchten Quellen sowie neuerer Forschungsliteratur möchte die Hausarbeit zu einer sachlichen Bewertung und zu einem kritischen Gesamtbild über Konrad III. und dessen Regierungszeit kommen. Dabei sollen zwei Aspekte von besonderem Interesse für die Arbeit sein. Im ersten Teil möchte sich die Hausarbeit näher mit der Königswahl Konrad III. 1138 beschäftigen. Wie ging die Königswahl vonstatten ? Von welchen Personen wurde Konrad zum König gewählt? Unter welchen Umständen konnte eine vorgezogene Wahl stattfinden? Wie konnte sich Konrad gegen den machtbewussten Herzog Heinrich den Stolzen bei der Wahl durchsetzen? Dies stellt eine Auswahl an Fragestellungen zur Königswahl dar, die es in der Hausarbeit zu beantworten gilt. Als Quelle dienen der Arbeit vor allem die Werke des Otto von Freising, dem Halbbruder Konrads und einem der bedeutendsten Zeitzeugen des staufischen Hofes. Diese und zahlreiche andere Quellen wie die Historia Welforum finden sich in den Regesten Konrads wieder[2] Vielmehr sind Ulrich Schmidt mit seinem Standardwerk zur Königswahl[3] und ein Beitrag von Ursula Vones – Liebenstein mit neuen Aspekten zur Wahl von großer Relevanz.[4] Darüber hinaus gilt es auch den Aufsatz von Roland Pauler zur Königswahl heranzuziehen[5], sowie Beiträge von Franz – Reiner Erkens zu diesem Thema zu berücksichtigen.[6]

Der zweite Aspekt dieser Arbeit möchte sich mit Konrads Politik gegenüber den Welfen beschäftigen. Welche Politik schlug Konrad gegenüber den Welfen ein? Wie stellte sich sein Verhältnis zu den welfischen Herzögen Heinrich dem Stolzen und später seinem Sohn Heinrich dem Löwen und Welf VI. dar? Neben den Regesten Konrads als Quelle sind zur Beantwortung dieses zweiten Aspektes insbesondere die Werke von Werner Hechberger und Jan – Paul Niederkorn heranzuziehen.[7]

Abschließen möchte die Hausarbeit mit einer Zusammenfassung und Bewertung der erarbeiteten Punkte.

2. Die Königswahl Konrad III. 1138

Im ersten Teil möchte sich die Hausarbeit mit der Königswahl Konrad III. im Jahre 1138 beschäftigen. Dabei soll zunächst auf die Situation unmittelbar vor der Wahl eingegangen werden und dabei im Speziellen auf Konrad und seinen welfischen Widersacher um die Thronfolge, nämlich Heinrich den Stolzen. Dann wird sich die Arbeit mit der eigentlichen Königswahl befassen und schließlich die Rechtmäßigkeit der Wahl näher beleuchten.

2.1. Situation vor der Wahl

Voraussichtlich unmittelbar nach dem Tod Kaiser Lothar III. am 3. Dezember 1137 wurde der Termin für eine neue Königswahl auf Pfingsten festgelegt. Als genaues Datum wird in den Quellen der 22.Mai 1138 angegeben.[8] Über die Frage von welchen Personen und zu welchem Zeitpunkt dieser Termin festgelegt wurde, herrscht in den Quellen Unklarheit. In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, sich mit den aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge zu beschäftigen.

Schenkt man Otto von Freising Glauben, so hatte Heinrich der Stolze als Schwiegersohn Lothars gute Aussichten auf die Thronfolge. Fest steht jedenfalls, dass Kaiser Lothar III. kurz vor seinem Tode die Herrschaftsinsignien an Heinrich den Stolzen übergab.[9] Inwieweit dies jedoch einem bindenden Nachfolgeversprechen gleichkam, muss anhand der Quellenlage unklar bleiben. Schmidt spricht von einem Forschungskonsens, der eher von einer Willensäußerung als von einem bindenden Nachfolgeversprechen ausgeht.[10]

Über die Rolle der Kaiserinwitwe Richenza wird im Zusammenhang mit den Bestrebungen Heinrichs des Stolzen in der Forschungsliteratur ebenfalls diskutiert. Basierend auf den Paderborner Annalen, spricht Schmidt von dem „[...] Anschein, als sei auch Lothars Witwe Richenza für ihren Schwiegersohn eingetreten.“[11] Weniger vorsichtig drücken es sowohl Vones – Liebenstein als auch Pauler aus, die von einer möglichen geplanten Minderheitswahl Heinrich des Stolzen seitens Richenza berichten.[12] Dies scheint jedoch nur bedingt plausibel, denn Heinrich der Stolze konnte sich aufgrund seines großen Einflusses im Reich eher auf einem allgemeinen Wahltag mit größerer Beteiligung Chancen ausrechnen. Nichtsdestotrotz lässt sich ein Eintreten Richenzas für Heinrich den Stolzen wohl nicht abstreiten.

Trotz seines offenbar hohen Ansehens und seiner großen Machtfülle trug Heinrich den Beinamen der Stolze wohl nicht ohne Grund. So besaß er laut Otto von Freising eine herablassende, arrogante Haltung und schätzte den Rat anderer Menschen nicht sonderlich.[13] Schmidt vertritt dann auch die Ansicht, dass es die Überheblichkeit und zu große Machtfülle Heinrich des Stolzen war, die den Erfolg Konrads teilweise bedingten.[14] Es lässt sich wohl festhalten, dass Heinrich der Stolze trotz oder gerade im Bewusstsein seines Machtstatus kaum ein aktives Bemühen für seine Wahl gezeigt hatte.

Im Folgenden stellt sich die Frage, wie Konrad sich nach dem Tod Lothars verhielt. Über ein aktives Vorgehen und tatsächlich unternommene Schritte Konrads selbst ist in den Quellen nichts überliefert. Daher kann es wohl nur eine Mutmaßung sein, wenn Schmidt von staufischem Werben für Konrad spricht. Ebenso ist das Versprechen der sächsischen Herzogswürde an den brandenburgischen Markgraf Albrecht der Bär eine Annahme, die nicht belegt ist. Bei Schmidt heißt es: „So konnte wohl schon um die Jahreswende 1137/38 Markgraf Albrecht der Bär mit dem Versprechen der sächsischen Herzogswürde für die Kandidatur Konrads gewonnen werden, und auch in der Folge scheint es den Staufern nicht allzu schwer gefallen zu sein, einige der Großen auf ihre Seite zu ziehen.“[15]

2.2. Durchführung

Noch vor dem eigentlichen Wahltermin an Pfingsten wurde Konrad am 7.März 1138 in einer von Erzbischof Albero von Trier einberufenen Versammlung in Koblenz zum römisch – deutschen König gewählt. Da die Wahl weder an dem vorgesehenen Termin noch an dem vorgesehenen Ort stattfand, wurde sie in der Geschichtsschreibung bisweilen als irregulär oder mit dem modernen Begriff des „Staatsstreiches“ bezeichnet. Mit der Frage der Rechtmäßigkeit wird sich die Hausarbeit im nächsten Kapitel beschäftigen.

Wenden wir uns dem Ablauf der Königswahl zu, dann ist es zunächst von Interesse, sich ein Bild über die anwesenden Personen zu machen. Vones – Liebenstein zählt zu den namentlich bekannten Wählern den bereits erwähnten Erzbischof Albero von Trier, Erzbischof Arnold I. von Köln, Bischof Bucco von Worms sowie Herzog Friedrich II. von Schwaben, den Bruder Konrads.[16] Anwesend war wohl auch der päpstliche Legat Innozenz II. und Kardinalbischof Dietwin von Santa Rufina, jedoch ist dies aufgrund der Berichte Otto von Freisings nicht ganz sicher festzustellen.[17] Die Anwesenheit des Bischofs Stephan von Metz ist ebenso wenig wie die des Abtes Wibald von Stablo zweifelsfrei belegt. Vones – Liebenstein vermutet Wibald von Stablo eher bei der Krönung in Aachen als bei der Königswahl in Koblenz.[18] Ebenso deuten verschiedene Quellen auf die Teilnahme einer geringen Anzahl von Fürsten bei der Wahl hin, deren Namen aber nicht erwähnt werden.[19]

In der Forschungsdiskussion lassen sich zwei gegensätzliche Ansätze zur Königswahl Konrads erkennen. Während Ulrich Schmidt in der Tradition Wilhelm Bernhardis die Interessen von Papst Innozenz II. in den Vordergrund stellt, betont Ursula Vones – Liebenstein in Anlehnung an Odilo Engels die Wichtigkeit territorial-politischer Interessen für die Königswahl. Um die Einflussnahme der römischen Kurie zu verdeutlichen, zieht Schmidt die Annalen des Klosters Sankt Jacob zu Lüttich heran. Dort heißt es, Konrad sei volente et iubente domno papa Innocentio zum König erhoben worden.[20] Auch betont Schmidt die schlechten Beziehungen des Papstes zu Heinrich dem Stolzen. Aufgrund dessen habe sich Innozenz II. gegen eine Kandidatur Heinrichs eingesetzt und in diesem Zusammenhang Albero von Trier und Dietwin von Santa Rufina mit wichtigen Aufgaben bedacht.[21]

[...]


[1] Zur Bewertung, vgl. Hechberger, S.226.

[2] Regesta Imperii IV/1. Die Regesten des Kaiserreiches unter Lothar III. und Konrad III., 2.Teil: Konrad III. 1138(1093/94) – 1152, erarb. v. Niederkorn, Jan – Paul/ Hruza, Karel,Wien u.a. 2008.

[3] Ulrich Schmidt: Königswahl und Thronfolge im 12. Jahrhundert, Köln 1987.

[4] Ursula Vones – Liebenstein: Neue Aspekte zur Wahl Konrads III. (1138). Dietwin von Santa Rufina, Albero von Trier, Arnold von Köln, in: Vollrath, Hanna / Weinfurter, Stefan (Hg.): Köln. Stadt und Bistum in Kirche und Reich des Mittelalters. Festschrift für Odilo Engels zum 65.Geburtstag, Köln 1993, 323 – 348.

[5] Roland Pauler: War Konrads III. Wahl irregulär?, in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 52 (1996), 135 – 160.

[6] Franz – Reiner Erkens: Der Erzbischof von Köln und die deutsche Königswahl ( Studien zur Kölner Kirchengeschichte, zum Krönungsrecht und zur Verfassung des Reiches, 21), Siegburg 1987. Ähnliche Ausführungen finden sich auch in: Franz – Reiner Erkens: Multi oder pauci ? Überlegungen zur fürstlichen Wahlbeteiligung an den Königswahlen der staufischen Epoche, in: Erkens – Franz Reiner / Wolff, Hartmut (Hg.): Von Sacerdotium und regnum. Geistliche und weltliche Gewalt im frühen und hohen Mittelalter.Festschrift für Egon Boshof zum 65.Geburtstag, Köln u.a. 2002, 135-152.

[7] Jan – Paul Niederkorn: Welf VI. und Konrad III., in: Ay- Karl – Ludwig u.a. (Hg.): Die Welfen. Landesgeschichtliche Aspekte ihrer Herrschaft. Band 2: Forum Suevicum, Konstanz 1998, 135 – 150. Werner Hechberger: Staufer und Welfen 1125 – 1190. Zur Verwendung von Theorien in der Geschichtswissenschaft ( Passauer historische Forschungen, 10), Köln 1996.

[8] Vgl. RI IV,1 Nr.81.

[9] Vgl. Otto von Freising, Chronik VII c.20, MGH SsrerGerm 45 339: … Lotharius … obiit … Regalia dux Heinricus, gener eius … accepit; entnommen aus: RI IV,I Nr. 79.

[10] Vgl. Schmidt S.77.

[11] Schmidt, S.78

[12] Vgl. Pauler, S.139 sowie Vones – Liebenstein, S.345.

[13] Vgl. Otto von Freising, Gesta I, 23: Heinricus... pro nota superbie pene omnium... odium contraxerat., entnommen aus: Schmidt, S.79.

[14] Vgl. Schmidt, S.79.

[15] Schmidt, S.79.

[16] Vgl. Vones – Liebenstein, S.326.

[17] Vgl. Vones – Liebenstein, S.339 – 340.

[18] Vgl. Vones – Liebenstein, S.326.

[19] Vgl. Vones – Liebenstein, S.326 – 327.

[20] Vgl. Schmidt, S.81 und RI IV,1, Nr.83.

[21] Vgl. Schmidt, S.80.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Königswahl Konrad III. 1138 und seine Politik gegenüber den Welfen
Hochschule
Universität Bayreuth  (Kulturwissenschaftliche Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V273551
ISBN (eBook)
9783656657255
ISBN (Buch)
9783656657248
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konrad III., Welfen, Staufer, 1138, Mittelalterliche Geschichte
Arbeit zitieren
Daniel Quitz (Autor), 2013, Die Königswahl Konrad III. 1138 und seine Politik gegenüber den Welfen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273551

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