Aid for Trade. Ein Erfolgsmodell?

Erfolgsfaktoren und Erfahrungen im asiatisch-pazifischen Raum


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Einleitung

Erfolgsfaktoren für AfT
Faktor 1 - Die richtige Sequenzierung der Reform
Faktor 2 - Reduzierung der Anpassungskosten
Faktor 3 - Währungsstabilität
Faktor 4 - Verfügbarkeit von Infrastruktur
Faktor 5 - Ordnungspolitische Reformen

Der allumfassende Weg zum Erfolg

AfT im asiatisch-pazifischen Raum

Konklusion

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abstract

Aid for Trade beschreibt Handelshilfe von Geberländern an Partnerländer, die meist der Gruppe der Least Developed Countries oder der Small and Vulnerable Economies angehören. Aid for Trade beinhaltet Maßnahmen im Rahmen von technical assistance, capacity building, institutional reforms, infrastructure und assistance with adjustment costs und ist von einigen Erfolgsfaktoren abhängig. Dazu gehören die richtige Sequenzierung einer Reform, die Reduzierung von Anpassungskosten, das Sicherstellen der Währungsstabilität, eine ausgeprägte Infrastruktur sowie verschiedene ordnungspolitische Reformen. Trotz vieler Probleme bei der Umsetzung erweist sich Aid for Trade als wirksames Mittel um Wachstum zu fördern, Armut zu bekämpfen und Entwicklung voranzutreiben.

Einleitung

Mit dem Ziel den Ausbau der Handelskapazitäten und das Wirtschaftswachstum zu fördern, sollen Entwicklungsländer durch spezielle Entwicklungshilfepakete und -Maßnahmen die Vorteile der offenen und globalisierten Märkte nutzen lernen. Unter dem Begriff Aid for Trade (AfT), sprich Handelshilfe, sind breit angelegte Fördermaßnahmen, die sowohl unmittelbar handelsbezogene Hilfe, als auch langfristig angelegte Unterstützungsmaßnahmen beinhalten zu verstehen. Sie sollen Entwicklungsländern den Zugang zum globalen Markt erleichtern und ermöglichen. Grundsätzlich lassen sich AfT-Maßnahmen in folgende Kategorien untergliedern1:

- Technical assistance, sprich die Bereitstellung von Wissen und Beratung um Entwicklungsländer mit den Komplexitäten modernen Handels vertraut zu machen;
- Capacity building, sprich vor allem die Aus- und Weiterbildung von Beamten und Entscheidungsträgern der Wirtschaft;
- Institutional reforms, sprich die Unterstützung im Aufbau handlungsfähiger Institutionen für Zoll und Qualitätssicherung;
- Infrastructure, sprich Hilfe zum Ausbau des Schienen-, Autobahn- und Mobilfunknetz oder auch die Sicherstellung der Energieversorgung;
- Assistance with adjustment costs, sprich die Beratung und finanzielle Unterstützung in Bezug auf Kosten, die durch die Handelsliberalisierung zunächst anfallen können.

Es handelt sich also um einen ganzheitlichen Ansatz, der auf vielen Ebenen den Zugang zum Weltmarkt ermöglichen, die Expansion des Handels begünstigen und dadurch Wirtschaftswachstum, Armutsreduzierung und Entwicklung fördern soll.

Allerdings kann der Handel positive Wachstumsimpulse nur dann geben, wenn er stetig steigt. Daher gilt es die entscheidenden Engpässe (binding constraints) zu reduzieren. Diese Engpässe lassen sich in zwei Kategorien unterteilen2:

- Binding constraints welche die Ausweitung des Handels beeinflussen (Netzinfrastruktur, Wettbewerbsfähigkeit, Exportdiversifizierung, handelspolitische Analyse und Umsetzung von Reformen);
- Binding constraints welche die Auswirkungen des Handelswachstums begrenzen (Währungsschwank ungen, fehlende Produktivitätsgewinne und mangelnde Investitionen).

Handelsreformen können zwar helfen, den Zugang zum Weltmarkt beschleunigt zu erreichen, dennoch sind sie per se noch kein Erfolgsgarant. Entscheidend sind hier die Maßnahmen, die auf sämtliche binding constraints abzielen. Diese Maßnahmen fallen in das Raster der AfT-Programme, die mit entsprechenden ergänzenden Strategien zum einen die Ausweitung des Handels und zum anderen ein daraus resultierendes Wachstum der Wirtschaft bei einer gleichzeitigen Reduzierung der Armut sicherstellen sollen. Von welchen Faktoren die Wirkung von AfT-Programmen abhängt, welche Rahmenbedingungen erforderlich sind und wie ergänzende Maßnahmen gestaltet sein können, soll im Folgenden geklärt werden.

Erfolgsfaktoren für AfT

Handelshilfe im Rahmen von AfT-Programmen ist für sich kein alleiniges Heilmittel per se. Viel mehr kommt es auf eine ganze Reihe von Bedingungen und Faktoren an, die im Folgenden dargestellt werden sollen. Um Erfolgsfaktoren für AfT sinnvoll zu diskutieren, gilt es zunächst diese in fünf Kategorien zu segmentieren. Beginnend mit der richtigen Sequenzierung einer Reform (Faktor 1), gilt es die Kosten einer solchen Reform (Faktor 2) für das Partnerland zunächst möglichst gering zu halten. Weiterhin ist Sorge zu tragen, dass für den Zeitraum der Reformen und darüber hinaus eine Währungsstabilität (Faktor 3) gewährleistet wird. Nach erfolgreicher Ingangsetzung der Reformen muss nun sichergestellt werden, dass das Partnerland möglichst schnell über die „harte“ Infrastruktur (Faktor 4), sprich technologische Mittel sowie ein adäquates Straßen-, Schienen-, Mobilfunknetz etc. verfügt. Um Handelsreformen in ihrer Nachhaltigkeit auch über den Zeitpunkt der aktiven AfT-Hilfen hinaus zu unterstützen, müssen schließlich ordnungspolitische Reformen (Faktor 5) den bürokratischen Rahmen schlanker, effektiver und flexibler machen und so Anreize für nachhaltige Investitionen sichern. Werden all diese Faktoren bei der Umsetzung von Handelshilfe und -Reformen entsprechend berücksichtigt, können in Verbindung mit ergänzenden Strategien eine schnelle Reaktion des Exports erzielt und somit die AfT-Maßnahmen als erfolgreich gelten. Nun gilt es, die genannten fünf Faktoren in ihren Umfängen genauer zu betrachten und anhand dessen den Weg zu erfolgreicher Handelshilfe zu beschreiben.

Faktor 1 - Die richtige Sequenzierung der Reform

Um durch Handelshilfe ein möglichst schnelles Wachstum des Exports zu gewährleisten, ist die richtige Sequenzierung der Handelsreformen von immenser Bedeutung. Es kommt also darauf an, zu welchem Zeitpunkt welche Reformen und welche Maßnahmen umgesetzt werden. So gilt es zunächst, die in der Einleitung beschriebenen binding constraints Schritt für Schritt aus dem Weg zu räumen (Abbildung 1). Zunächst müssen also sämtliche Faktoren, die eine Ausweitung des Handels beeinflussen (Binding Constraints A) angegangen werden. Dabei gilt es, eine den Handel begünstigende Netzinfrastruktur herzustellen, die Wettbewerbsfähigkeit durch handelsliberalisierende Reformen zu begünstigen und schließlich Fördermaßnahmen umzusetzen, die Exporte diversifizieren. Die Bewältigung dieser binding constraints A kann so durch Handelsliberalisierung und die damit verbundene Ausschöpfung des Handelspotentials eine Expansion des

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1

Handels erreichen. In der Folge gilt es, die Faktoren anzugehen, die Auswirkungen auf das Handelswachstum haben (Binding Constraints B). Dazu gehören die Begrenzung von Währungsschwankungen (Faktor 3), die Verbesserung der Produktivität (Faktor 4) und die Förderung von Investitionen (Faktor 5), die in den Folgeabschnitten genauer behandelt werden. Sind diese binding constraints B bewältigt, kann eine Expansion des Handels zu mehr Wachstum und damit verbunden mehr Entwicklung und weniger Armut führen.3

Faktor 2 - Reduzierung der Anpassungskosten

Eine Säule der AfT-Programm können im Rahmen der assistance with adjustment costs auch finanzielle Beihilfen während der Umsetzung einer Handelsreform sein. Handelsreformen können während ihrer Umsetzungsphase zu finanziellen Engpässen der Partnerländer und ihrer Unternehmen führen. Die adjustment costs entstehen beispielsweise, wenn neues Kapital in Unternehmen installiert wird oder auch durch Schulungen des Personals. Wenn Unternehmen in Partnerländern ihre Produktion beispielsweise umstellen wollen, bedarf es manchmal tiefgreifender Veränderungen, welche nicht selten mit hohen Kosten verbunden sind. Will sich ein Unternehmen an globale Produktstandards anpassen, so können Schulungen des Personals von Nöten sein. Oder will ein Unternehmen durch neue technische Möglichkeiten die Zahl der Arbeitnehmer reduzieren, so können Abfindungskosten anfallen. Diese Aufwendungen werden allgemein als solche adjustment costs bezeichnet. An dieser Stelle können Geberländer im Rahmen von AfT mittels finanzieller Unterstützung den Partnerländern und ihren Unternehmen unterstützend zur Seite stehen. Doch auch wenn diese Budgethilfen eine Handelsreform vielleicht erleichtern, so sind sie nicht ganz ohne Risiko zu betrachten. Wird aus einer temporären Budgethilfe beispielsweise eine Dauerlösung, so führt dies zum einen zu einer stärkeren Abhängigkeit des Partnerlandes und zum anderen erhöht dies die Verwundbarkeit des Partnerlandes für den Fall, dass die Budgethilfen eines Tages ausbleiben.4

Faktor 3 - Währungsstabilität

Der Faktor Währungsstabilität hat vor allem das Ziel, eine mögliche „Holländische Krankheit“ (Dutch disease) zu verhindern. Die Dutch disease tritt häufig in Ländern mit großen Rohstoffreserven auf. In diesem Falle entwickeln sich die Rohstoffexportierenden Sektoren so rapide, dass sämtliche andere Sektoren in ihrer Entwicklung hinterher bleiben.

„So verbuchen Länder mit einer breiten Rohstoffausstattung anfangs zwar beeindruckende Exporteinnahmen. Doch diese verführen nicht nur zu expansiven Staatsausgaben und Verschuldung, sondern erzeugen auch eine kontinuierlich überbewertete Währung, deren hoher Preis wiederum die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Binnenwirtschaft senkt. Das Land durchläuft eine Phase der Deindustrialisierung und schlittert bei sinkenden Weltmarktpreisen für seine Rohstoffe dann in eine Liquiditätskrise, die wiederum meistens in Geldabwertungen und Haushaltskürzungen mündet.“5

Die Gestaltung und Sequenzierung von AfT kann die Abwertung der Währung aufgrund zu hoher Exportüberschüsse verhindern. Finanzhilfen müssen dafür zunächst den Aufnahmekapazitäten des Partnerlandes entsprechen. Sie müssen stufenweise erfolgen und in ihrer Höhe für makroökonomische Stabilität sorgen. Dies erfordert eine klare Koordination zwischen Geber- und Partnerländern, da die AfT-Maßnahmen in Abstimmung miteinander erfolgen und die Sequenzierung von den Partnerländern klar definiert werden muss.6

Faktor 4 - Verfügbarkeit von Infrastruktur

Nachdem durch Reformen und Handelsliberalisierung Anreize für Export und Import gegeben sind, bedarf es nun der konkreten Umsetzung. Export und Importorientierte Unternehmen in den Partnerländern benötigen eine ausgereifte Infrastruktur um nachhaltig für Wachstum sorgen zu können. Dabei stellt neben der gewöhnlich als handelsbegünstigend geltenden Infrastruktur (Schienen- , Straßen-, Mobilfunknetz, Seehäfen etc.) vor allem der Nutzen moderner Technologie einen Grundstein für nachhaltiges Wachstum dar.

[...]


1 Vgl. Nielson, Julia: Aid for Trade, in: Trade, Doha, and Development. A Window into the Issues, Washington D.C. 2006, S.323.

2 Vgl. Hallert, Jean-Jaques / Munro, Laura: Binding Constraints to Trade Expansion: Aid for Trade Objectives and Diagnostic Tools, in: OECD Trade Policy Working Papers, Nr. 94, 2009, S.14-15.

3 Vgl. Hallert, Jean-Jaques: Increasing the Impact of Trade Expansion on Growth: Lessons from Trade Reforms for the Design of Aid for Trade, in: OECD Trade Policy Working Papers, Nr. 100, 2010, S.28.

4 Vgl. Hallert 2010: S.24.

5 Boeckh, Andreas: Krisenregionen in Lateinamerika: Weingartner Lateinamerika-Gespräche 2005, Hamburg 2006, S.97.

6 Vgl. Hallert 2010: S.26.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Aid for Trade. Ein Erfolgsmodell?
Untertitel
Erfolgsfaktoren und Erfahrungen im asiatisch-pazifischen Raum
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,7
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V273562
ISBN (eBook)
9783656657323
ISBN (Buch)
9783656657309
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aid for Trade, Globalisierung, Asia-Pacific
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Aid for Trade. Ein Erfolgsmodell?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273562

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