Die Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben


Hausarbeit, 2013

17 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Buddha und die Entstehung der buddhistischen Lehrtradition
2.1. Buddha als menschliches Wesen
2.2. Buddha als geistiges Prinzip
2.3. Buddha zwischen Menschlichen Wesen und dem geistigen Prinzip

3. Die Vier edlen Wahrheiten und der edle achtfache Pfad

4. Das Nirwana

5. Das buddhistische Nirvana und Jesu Verkündigung des Reiches Gottes

6. Schlussbetrachtung

7. Literatur / Quellen

1. Einführung

Was ist Buddhismus? Ist es eine Wissenschaft? Ist es eine Religion? Eine Philosophie oder ein Praktisches Meditationssystem? Die Frage nach dem Buddhismus ist nicht einfach zu beantwortet denn im Kern ist der Buddhismus all dies und noch viel mehr:

„Der Buddhismus beansprucht, ein umfassendes praktisches System für den Reifungsprozess des Menschen anzubieten. Er […] will mittels innerer Erfahrung und rationaler Argumente das Leben des einzelnen wie die gesamte Gesellschaft, das Bewusstseinstraining und die Politik positiv beeinflussen“1

Der Buddhismus ist zunächst eine Glaubensgemeinschaft, die weltweit über 230 bis 500 Mio. Anhänger zählt und somit nach Christentum, Islam und Hinduismus die viertgrößte Religion der Welt ist. Der Buddhismus ist überwiegend in Süd -, Südost- und Ostasien verbreitet, ein Viertel von ihnen lebt in China, genauer in der Region Tibet, die ursprünglich ein eigenes Land darstellte und heute zu China gehört.2

Wir werden uns im Folgenden mit dem Buddhismus, seiner Geschichte und seiner Lehre befassen und dabei zunächst einleitend die Bedeutung der Schriften, anschließend die Geschichte des Buddha, den Buddha als geistiges Prinzip sowie den Buddha zwischen Menschlichem Wesen und dem geistigen Prinzip betrachten und schließlich in die Lehre einsteigen. Aus der Lehre beschäftigen wir uns mit dem Fundament der buddhistischen Tradition, nämlich den Vier Edlen Wahrheiten und dem Edlen Achtfachen Pfad der Erkenntnis. Von dieser Grundlage aus gelangen wir zumNirvanaund stellen die Bedeutung für den Buddhismus heraus. Vor der Schlussbetrachtung erfolgt ein vergleichender Exkurs des Nirvana mit Jesu Verkündigung des Reiches Gottes.

Bevor wir uns konkret mit der Bedeutung des Nirvana im Buddhismus befassen, bedarf es einer genauen Definition einiger elementarer Begriffe sowie einem einheitlichen Verständnis vom Buddhismus, seiner Lehre und seiner Geschichte.

Der Buddhismus umfasst eine Vielzahl von unterschiedlichen Schulen, welche sich in ihrer Art und Weise zu lehren teilweise stark unterscheiden. Wie sich das Christentum unter anderem in den Protestantismus, den Katholizismus oder orthodoxe Strömungen untergliedert und der Islam unter anderem sowohl Schiitische, Sunitische oder auch Charidschitische Strömungen umfasst, so hat auch der Buddhismus unterschiedliche Strömungen. Als wichtigste Strömungen gelten der Mahayana, Hinayana und Vajrayana Buddhismus.3 Allerdings verfügt der Buddhismus im Allgemeinen nicht wie das Christentum mit dem Alten Testament oder der Islam mit dem Koran überdieeine heilige Schrift. Vielmehr gelten der Pali-Kanon als älteste einheitlich überlieferte Sammlung von Lehrreden des Buddhas sowie die Sanskrit-Texte des frühen Buddhismus und die Sanskrit-Texte des Mahayana als drei der elementaren Schriften im Buddhismus. Wie der deutsche Theologe und Zen-Lehrer, Professor Michael von Brück es schreibt, gilt der Pali-Kanon alsdieTextsammlung, welche von nahezu allen Buddhisten als verbindlich anerkannt wird, doch wird dem Kanon nachgesagt, durch die Art und Weise der mündlichen Überlieferung den Spielraum für Interpretationen geöffnet zu haben, da Buddha zu seiner Zeit nur sprach und seine Zuhörer es immer weiter erzählten bis schlussendlich das Wort in Schrift umgesetzt wurde.4Umgangssprachlich könnte man an dieser Stelle das Prinzip der „Stillen Post“ benennen.

Nun haben wir bereits einen ersten Vergleich mit anderen Weltreligionen ziehen können. So kommt die Frage auf, ob auch der Buddhismus über eine Art übergreifende Lehre verfügt, wie man es dem Christentum und auch dem Islam nahelegen kann. Diedharmakann als eine solche übergreifende Lehre betrachtet werden. Sie ist die Gesamtheit der Lehre Buddhas, der Bodhisattwas und der erleuchteten Nachfolger Buddhas, also die Gesamtheit der Lehre, einschließlich der „Vier Edlen Wahrheiten“, auf die wir in Abschnitt 3. näher eingehen wollen. Der Begriffdharma(Pali:dhamma) entstammt aus dem Hinduistischen und kommt von der Wurzel „dhr“, welche soviel wie „tragen“ oder auch „stützen“ und „aufrecht erhalten“ bedeutet.5Im Buddhistischen wird unterdharma„die erkennbare und lehrmäßig zu erkennende Struktur der Wirklichkeit […] bezeichnet.“6

Alle buddhistischen Schulen finden sich jedoch in einem Wesentlichen Teil derdharma wieder: In denVier Edlen Wahrheiten, welche wir im Folgenden näher erläutern möchten. Doch bevor wir uns denVier Edlen Wahrheitenund demEdlem Achtfache Pfadwidmen, müssen wir uns mit der Entstehung der buddhistischen Lehrtradition sowie der Geschichte des Buddha Siddharta Guatama befassen.

2. Der Buddha und die Entstehung der buddhistischen Lehrtradition

Anders als in Christen-, Judentum oder dem Islam ist die Verehrung einer übernatürlichen Macht kein zentrales Anliegen des Buddhismus. Aus diesem Grund lässt sichder Buddha unter drei verschiedenen Gesichtspunkten betrachten: 1. Als menschliches Wesen, 2. Als geistiges Prinzip und 3. Als etwas zwischen diesen beiden.7Beginnen wir mit einem historischen Exkurs in die Ursprünge des Buddhismus. Doch zunächst einmal bedarf es der konkreten Definition des Buddhas. DenndenBuddha gibt es nicht. Der buddhistischen Lehre folgend ist Buddhader Erleuchtete, eine Art Urtypus, „der [sich] zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Persönlichkeiten […] in der Welt verwirklicht hat.“8Wenn wir uns jedoch mit dem Ursprung des Buddhismus befassen, so gelangen wir zum Leben und den Lehren des „historischen Buddha“, genauer gesagt des Prinzen Siddhartha Gautama Sakyamuni, der später Buddha („Erwachter“) genannt wurde und wahrscheinlich zwischen 560 und 480 v. Chr. Lebte.9

2.1. Buddha als menschliches Wesen

Siddhartha entstammt einer Familie von höheren Verwaltungsbeamten. Sein Vater, Suddhodana war der gewählte Regent einer nordindischen Provinz, die vermutlich um die 2000 km² umfasste.10 Der Legende nach begab sich der junge Siddhartha dem Willen seines Vaters zum Trotze auf vier Ausfahrten, auf denen er ganz im Gegenteil zur Pracht, zum Luxus und zum Reichtum des Lebens im Anwesen der Familie mit Leiden wie Altern, Krankheit, Tod und Schmerz konfrontiert wurde. Bei der vierten Ausfahrt, so heißt es, sei er einem Wandermönch begegnet, der ihm durch seine würdevolle, edle Haltung, voller Zucht, Selbstbeherrschung und Ruhe so beeindruckte, dass auch Siddhartha sich entschloss Wandermönch zu werden und eines Tages das Haus und die Stadt verließ.11Siddhartha begab sich auf einen Weg der Wanderaskese, welcher von Studium und Meditation geprägt war.

Während dieser Zeit folgte er hinduistischen Lehrern wie Arada Kalama, der ihm „Achtsamkeitsmeditation“ lehrte, durch welche er eine Erfahrung im „Bereich der Nichtsheit“ (sprich das Nirvana oder eine Vorstufe davon) erlangte, auf die wir im Detail an dieser Stelle allerdings nicht eingehen können. Ein weiterer Lehrer war Udraka Ramaputra, welcher ihn zur Erfahrung des Bereiches „weder Wahrnehmung noch Nichtwahrnehmung“ brachte, dessen detaillierte Beschreibung ebenfalls den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Wichtig in diesem Zusammenhang ist der Weg Siddharthas durch mehrere Schulen der Meditation, welche ihn schließlich in den Selbstversuch der strengsten Askese führte.12Als Siddhartha merkte, dass ihn all diese Methoden nicht zum Erwachen führten, wendete er sich von diesen Praktiken ab und knüpfte an die Methoden Kalamas und Ramaputras an, indem er wieder Nahrung zu sich nahm und durch Meditation letztlich das Erlebnis des „Erwachens“ (bodhi) erfuhr, weshalb er letztendlich auch „der Erwachte“ (Buddha) genannt wird. In der buddhistischen Lehrtradition sind es dieVier Edlen Wahrheitenwelche zum Erwachen (bzw. zur Erleuchtung) führen. Im Abschnitt 3. wird darauf genauer eingegangen. Wichtig an dieser Stelle ist, dass Buddha erkannte, dass also weder die totale Askese noch ein Leben im Samsara (der äußeren Welt) zur Erleuchtung führt. Viel mehr war es der „Mittlere Weg“, welcher ihn dorthin führte.13Der „Mittlere Weg“ oder auch „Mittlere Pfad“ genannt, spielt eine zentrale Rolle in der buddhistischen Lehrtradition. Dabei geht es nach den Worten Buddhas darum, sich von zwei Polen oder Extremen loszusagen und einen Weg der Mitte zu finden:

„Da ist einerseits diese auf die Begierden gerichtete Hingabe der Annehmlichkeit der Begierde, die niedrig, grob, gemein, unedel und zwecklos ist, und andererseits diese Hingabe an Selbstpeinigung, die leidvoll, unedel und zwecklos ist. Diese beiden Extreme, ihr Mönche, hat der Vollendete vermieden, und es ist ihm der Mittlere Pfad vollständig aufgegangen: er macht sehend, verleiht Einsicht und führt zur Ruhe, zum höchsten Wissen, zum Erwachen und zum Nirvana.“14

In diesem Zusammenhang interessant ist nicht etwa die Tatsache, dass auf dem Weg zum Erwachen das „Sich-lossagen“ von allen Begierden eine zentrale Funktion hat, sondern vielmehr, dass auch das andere Extrem, nämlich das der strengen Askese, der Selbstpeinigung als eine Art von unedler Hingabe, oder egozentrischer Selbstfixierung betrachtet wird.15Und eben dieser mittlere Weg führte den Buddha zur Ruhe, zum höheren Wissen, zum Erwachen und zum Nirvana, also zur Einsicht, zur Erkenntnis.

2.2. Buddha als geistiges Prinzip

Doch werfen wir nun einen Blick auf den Buddha als geistiges Prinzip. Der Begriff des Erwachens ist der buddhistischen Lehre folgend nicht an die Figur des Historischen Buddhas gebunden. Vielmehr geht die buddhistische Lehre davon aus, dass es zahlreiche Erscheinungen des Buddhas gegeben hat. Wird im Buddhismus der Buddha als geistiges Prinzip betrachtet, so spricht man von Tathagata (Pali:so gekommen, oder:so gegangen). Da die Zahl der Tathagatas im Laufe der buddhistischen Geschichte in die Tausende geht, betont dies, „dass der historische Buddha nicht eine isolierte Erscheinung ist, sondern nur einer aus der endlosen Reihe unzähliger Tathagatas, die in allen Zeitaltern der Erde erscheinen und [im Kern] immer dieselbe Lehre vortragen.“16Insofern soll verdeutlich werden, dass esden Buddha nicht gibt.

2.3. Buddha zwischen Menschlichen Wesen und dem geistigen Prinzip

Nun haben wir den Buddha als menschliches Wesen aber auch das geistige Prinzip des Buddha in der buddhistischen Lehre genauer betrachtet. Sucht man nach dem Feld, in welchem sich Körper und Prinzip vereinen, so gilt es einen Blick auf die Statuen, Figuren und Gemälde des Buddhas zu werfen. Folgen wir dem britischen Philologen und Buddhismuskundler Edward Conze, so verbirgt sich hinter dem gewöhnlichen menschlichen Körper, welcher Buddhas wahre Persönlichkeit einhüllt und verbirgt, „eine andere Gestalt, die sich in vieler Beziehung von dem Leib gewöhnlicher Sterblicher unterscheidet.“17Dieser verklärte Körper, spiegle das Wesen, die Weisheit und letztlich auch das geistige Prinzip, welches hinter der Figur des Buddha stehe, wider.

[...]


1von Brück, Michael: Buddhismus. Grundlagen - Geschichte - Praxis, Gütersloh 1998, S.11.

2 http://www.buddhist-tourism.com/buddhism/buddhism-statistics.html , Stand: 15.07.13 3

3Conze, Edward: Der Buddhismus, 5. Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz, 1974, S. 62-64.

4von Brück, Michael 1998: S. 29.

5ebd. S. 88.

6ebd. S. 89.

7Conze, Edward 1974: S. 31.

8Conze, Edward 1974: S. 31

9ebd. S. 31.

10von Brück, Michael 1998: S. 53.

11ebd. S. 60-61.

12von Brück, Michael 1998: S. 65-66.

13ebd. S. 67.

14 Schneider, Ulrich: Der Buddhismus. Eine Einführung, 4. Auflage, Darmstadt 1997, S. 72. 6

15Prof. Friedrich Lohmann, Universität der Bundeswehr München, Aufzeichnung einer Vorlesung im Juni 2013.

16Conze, Edward 1974: S. 32.

17ebd. S. 33.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
17
Katalognummer
V273564
ISBN (eBook)
9783656657316
ISBN (Buch)
9783656657330
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Buddhismus, Religionssoziologie, Nirvana, Buddha
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273564

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung des Nirvana im buddhistischen Glauben



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden