An vielen Orten Deutschlands finden sich noch Dokumente des dunkelsten Kapitels unserer
Geschichte. Es sind Überreste einer Zeit, in der ein Gebäude nicht gleich ein Gebäude war.
Bauten hatten eine besondere Bedeutung. Sie waren Ausdruck einer Ideologie, die in allen
Lebensbereichen der Menschen Einzug fand. Es war eine Ideologie, die für sich
uneingeschränkte Geltung beanspruchte. Eine Ideologie, geführt von einem Diktator, der mit
einer militärischen Strenge die Massen mobilisierte und an die Herrschaft des deutschen
Volkes über mehrere Jahrtausende glaubte.
Die steinernen Dokumente dieser Zeit finden sich zum Beispiel in Nürnberg, auf dem
ehemaligen Reichsparteitagsgelände. Andere Bauten, wie das Berliner Olympiastadion oder
das Bundesfinanzministerium, ehemals das Reichsluftfahrtministerium, werden noch heute
genutzt. Die Bauten der NS-Zeit weisen in Konstruktion und Gestaltung Ähnlichkeiten auf.
Nicht nur die klar gezeichneten Fassaden, sondern auch die Baumaterialien sind
charakteristisch und unverwechselbar. Wir werden uns im Folgenden der Architektur des
Nationalsozialismus widmen und zunächst Hitlers Verhältnis zur Architektur anhand seiner
Schriften, Reden und Aufzeichnungen ergründen. Daraufhin schließen wir von Hitlers
Vorstellungen über die Architektur auf das architektonische Selbstverständnis des
Nationalsozialismus und gelangen dann zu einem Blick auf die Ursprünge der Architektur des
Nationalsozialismus. Schließlich betrachten wir die NS-Architektur genauer und stellen die
besonderen Merkmale heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der „Architekt“ – Adolf Hitlers Verhältnis zur Architektur
3. „Das Wort aus Stein“ – Architektonisches Selbstverständnis der Nationalsozialisten
4. Die Ursprünge der NS Architektur
5. Die NS-Architektur – Merkmal, Mythos und Material
6. Schlussbetrachtung
7. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die enge Verflechtung von nationalsozialistischer Architektur und politischer Ideologie. Das Hauptziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Adolf Hitler Architektur als Instrument zur Inszenierung von Macht, zur Festigung seiner Autorität und zur Demonstration eines vermeintlichen deutschen Überlegenheitsanspruchs einsetzte.
- Die persönliche Architekturauffassung Adolf Hitlers und deren Einfluss auf die NS-Doktrin
- Die Rolle der Architektur als Mittel zur politischen Instrumentalisierung und Einheit des Volkes
- Die historischen Vorbilder und architektonischen Ursprünge der nationalsozialistischen Baukunst
- Die zentralen Stilmerkmale, Materialien und Mythen der NS-Repräsentationsarchitektur
- Die Rolle von Baumeistern wie Paul Ludwig Troost und Albert Speer
Auszug aus dem Buch
Die NS-Architektur – Merkmal, Mythos und Material
Nachdem wir zuerst Hitlers Verhältnis zur Architektur und anschließend die Ursprünge der NS-Architektur und das architektonische Selbstverständnis der Nationalsozialisten ergründet haben, wollen wir uns nun direkt der Architektur des Nationalsozialismus widmen. Wir wollen ergründen, was die wesentlichen Merkmale der NS-Architektur sind, welche Mythen damit verbunden waren und mit welchen Materialien die Nationalsozialisten ihre Bauvorhaben realisierten. Manfred Bültemann beschreibt die NS-Architektur als „Neoklassizismus von Spezifischer Härte“36, die von der unbedingten kubischen Geschlossenheit und Regelmäßigkeit des Baukörpers gekennzeichnet ist. Dynamische Formen oder organische Umrisse seien nicht erwünscht gewesen, da ihnen die Klarheit fehle.
Der monumentale, kubische Charakter repräsentativer Bauten des Nationalsozialismus werde durch ein flaches Dach „mit einem betonten horizontalen Abschluss“ unterstrichen.37 Gerdy Troost bezeichnete die Charakteristika nationalsozialistischer Architektur als Baukörper natürlich klaren Ebenmaßes, die in strenger Ordnung und Geschlossenheit die gelassene Ruhe des Starken demonstriere und als Werke von Ewigkeitswert keiner Kritik von Kunstsachverständigen bedürfen.38
Charakteristisch für die NS-Architektur sind auch die schweren horizontalen Simse und Fensterreihen mit tief eingeschnittenen Rahmen, die in die Fassaden aus grob behauenen Steinen eingepasst sind. Sie lassen die Bauten gradlinig und stählern wirken und verleihen ihnen eine monumentale Symmetrie. Die NS-Architektur verleiht den Bauten den Charakter einer Festung, was vor allem durch die schmalen Fenster in solch schweren Wänden bestärkt wird und das Gebäude undurchdringlich, beeindruckend und respekteinflößend wirken lässt.39 Wie schon bei den konservativen Architekten der Weimarer Republik stand die Fassade bei den Nationalsozialisten im Mittelpunkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung skizziert die Bedeutung von Architektur als Ausdrucksform nationalsozialistischer Ideologie und definiert den Untersuchungsgegenstand sowie das methodische Vorgehen.
2. Der „Architekt“ – Adolf Hitlers Verhältnis zur Architektur: Dieses Kapitel beleuchtet Hitlers persönliche Affinität zur Baukunst, seine frühen architektonischen Skizzen und den Wunsch, als „Baumeister“ monumentale Wahrzeichen für die Ewigkeit zu schaffen.
3. „Das Wort aus Stein“ – Architektonisches Selbstverständnis der Nationalsozialisten: Hier wird dargelegt, dass das architektonische Selbstverständnis der Nationalsozialisten direkt aus Hitlers Weltanschauung resultierte und Architektur als politisches Instrument zur Stärkung der Volksgemeinschaft nutzte.
4. Die Ursprünge der NS Architektur: Es wird analysiert, wie Einflüsse des Klassizismus, der wilhelminischen Zeit und der konservativen Baukunst der Weimarer Republik das Fundament für die Architektur im Dritten Reich bildeten.
5. Die NS-Architektur – Merkmal, Mythos und Material: Dieses Kapitel beschreibt die ästhetischen Kennzeichen wie monumentale Symmetrie, kubische Strenge, Festungscharakter und die symbolische Bedeutung verwendeter Materialien.
6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die NS-Architektur als suggestives Mittel der Herrschaftsstabilisierung diente, wobei ihr eigener Untergang untrennbar mit der Zerstörung der Ideologie verbunden war, die sie hervorgebracht hatte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Architektur, Adolf Hitler, Albert Speer, Monumentalbau, Staatsarchitektur, Neoklassizismus, Ideologie, Machtinszenierung, Baukunst, Volksgemeinschaft, Historismus, Festungsstil, Werkstein, Propaganda
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Architektur im Nationalsozialismus als Ausdrucksmittel politischer Macht und ideologischer Inszenierung durch Adolf Hitler.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen Hitlers persönliches Architekturverständnis, die Herleitung der NS-Staatsarchitektur, die Baukunst-Merkmale der Epoche sowie die Rolle führender Architekten wie Albert Speer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie bauliche Gestaltung genutzt wurde, um ein neues Selbstbewusstsein der Nation zu demonstrieren und die uneingeschränkte Autorität des Diktators zu zementieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Untersuchung basiert auf einer Analyse zeitgenössischer Schriften, Reden und Aufzeichnungen Hitlers sowie der Auswertung architekturtheoretischer und historischer Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Ursprünge, die stilistischen Besonderheiten, die Materialwahl und die symbolische Bedeutung der sogenannten Monumental- oder Machtarchitektur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Nationalsozialismus, Machtinszenierung, Monumentalarchitektur, Neoklassizismus, Staatsarchitektur und Ideologie.
Welche Rolle spielte der „Führerplatz“ in der Architektur?
Er diente als zentrales architektonisches Element zur Inszenierung des Mythos der Allgegenwärtigkeit Hitlers und zur physischen Darstellung der Verbindung zwischen „Führer“ und Volk.
Wie lässt sich der Widerspruch zwischen traditionellem Handwerk und moderner Technik erklären?
Die Betonung von Naturstein und traditionellen Methoden diente der ideologischen Verschleierung der realen, mechanisierten industriellen Massenproduktion, hinter deren Fassaden technisch moderne Stahlkonstruktionen zum Einsatz kamen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2013, Architektur des Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/273566